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1899
Nr. 34 Zweites Blatt Donnerstag den 9. Februar
idiener Anzeiger
General-Anzeiger
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Zum Tode Caprivis.
Der Tod ist ein Versöhner, und so heftig auch der Nachfolger des Fürsten Bismarck bekämpft worden ist, an drr Bahre Caprivis muß jedermann bekennen, daß ein Edelmann im wahren Sinne des Wortes gestorben ist. Ja, der Versöhner Tod gleicht alle Gegensätze aus, ob arm oder reich, ob Agrarier oder Industrieller, ob politisch auf der rechten oder linken Seite stehend, wenn der Mensch die Augen geschlossen hat, wenn die Natur ihr Recht verlangte, wenn die Seele hinübergegangen ist in die Ewigkeit, dann haben alle Unterschiede, die hier auf Erden gemacht werden, ausgehört. Jeder Mensch hat seine Fehler und Schwächen, und wie der erste Kanzler des deutschen Reiches, der große Bismarck, von diesen nicht frei gewesen ist, so hat deren auch sein Nachfolger Caprivi gehabt; niemand aber wird zu behaupten wagen, daß der ebenVerstorbene jemals gegen seineUeberzeugung handelte, daß er nicht stets seine Pflicht zu erfüllen dachte, >nd diese nicht auch in weitestem Maße gethan hat.
Der Lebensgang des Grafen Caprivi ist bekannt. Sein Dirken im Dienste des Vaterlandes läßt sich in drei große Ab- schn itte teilen: in seine militärischen Dienste, in seine Thätigkeit alsChefderMarine undin sein Wirken als Reichskanzler. Kaiser feil helm l. wählte sicherlich keinen minder begabten General aus, den er an die Spitze der jungen deutschen Marine stellte, deren Organisation erst im Werke war. Es gehörte ein Mann dazu, der sich hervorgethan hatte, dessen Talent und Geschick man unbedingt vertrauen konnte, von dem man erwarten durfte, daß er sein alles daran setzen würde, um dieser seiner Aufgabe gerecht zu werden. Und daß Caprivi sie in befriedigendster Wcise gelöst hat, darüber sind sich alle Zeitgenossen einig. Wenn die deutsche Marine heute ein so hohes Ansehen genießt, wenn sie als Vorbild dienen kann für alle Marinen der Dell, dann hat daran ein gut Teil Verdienst der Mann, welcher am Montag auf seinem stillen Gute Skyren sein Leben ausgehaucht hat.
Die Thätigkeit des Grafen Caprivi als Reichskanzler ist noch in frischer Erinnerung, noch bis in die jüngste Zeit }ii:ein dauerte die Kritik über seine Führung der Reichs- ziichäfte fort. Wir wollen hier nicht richten und deuteln, wir wollen allein dessen eingedenk sein, daß Graf Caprivi, als er am 20. März 1890 den Reichskanzlerposten über- Mhm, damit einem Befehle seines Kaisers nachkam, daß er ■fici wohl der Schwierigkeit des verantwortungsvollen Amts ibkivußt war, daß er aber auch mit voller Hingabe die Mchsgeschäfte leitete und jedenfalls immer das beste im luge gehabt hat.
Unendlich hoch muß es dem Verstorbenen angerechnet Mden, daß er nach seinem Ausscheiden aus dem Dienste tine so vornehme Zurückhaltung beobachtet hat. Nichts ikunte ihn aus seiner Ruhe bringen, und in aller Stille
Feuilleton.
Aus Wilhelm Jordans Jugendzeit.
3um 8«.Geburtstag des Dichters,8.Februarl8VS Nach seinen persönliche« Erzählungen.
Von Paul Wittko.
(Nachdruck verboten.) (Schluß.)
8U Ostern des Jahres 1833 kam er auf das Gym- nwium in Tilsit. Hier wars, wo Wilhelm in ungebundener jugenbluft durch Flur und Feld, Busch und Bruchland zog, W suchte er die ersten Schneeglöckchen, hier hauste er mit Mrsgenossen als Höhlenbewohner in den Sandbergen: bald M er hinter einem flinken Hasen her, bis er an einem Lach« Halt machen mußte. Aber schnell war er getröstet: «begab sich auf die Suche nach Maikäfern oder den in Achen zahlreich vorhandenen Heidelbeeren, oder zog mit .^bcicsgefahr ein Fröschlein aus sumpfigen Gräben, um es JJ erne Streichholzschachtel zu stecken und es später im Lhulzimmer Herumhopsen zu lassen. Dort rauchte er auch «je erste Cigarre zum Preise von einem ganzen halben .Mchcn" (5 Pfg.), die ihm gar nicht so übel mundete, ul ihm danach hätte werden — können. Aber sie bekam M gut — und er war riesig stolz darüber.
F später gehörte er auch zu jenen hoffnungsvollen Jüng- Yn' die regelmäßig ihren Spaziergang auf der sogen. ; ^irraths-Chaussee" machten, wo man gewiß war, die jungen umen Tilsits kichernd und tuschelnd den „Corso" auf und |
lebte er seine Tage dahin bis er nun die ewige Ruhe gefunden hat. (xx)
Deutsches Deich.
Darmstadt, 7. Februar. Der ehemalige Staatsminister Finger wurde vom Großherzog zum lebenslänglichen Mitgliede der ersten Ständekammer ernannt.
Berlin, 7. Februar. Der Kaiser wird sich bei der Beerdigung des Grafen Caprivi in Skyren durch den General-Leutnant von Plessen, Kommandant des Haupt- Quartiers vertreten lassen.
Berlin, 7. Februar. Der Kaiser hat anläßlich der Trauer um den verstorbenen Erbprinzen von Sachsen- Koburg Gotha den heutigen Hofball abgesagt. Auch der Fastnachtsball wird nicht stattfinden.
Berlin, 7. Februar. Der Kaiser fuhr heute vormittag bei dem Staatssekretär von Bülow vor und hörte später die Vorträge des Generals von Hahnke und des kammandierenden Admirals von Knorr.
M.P.C. — In den nächsten Tagen wird in dem bekannten juristischen Verlage von H. W. Müller die zweite Auflage des Daude'schen Werkes über das Entmündigungsverfahren gegen Geisteskranke und Geistesschwache, Verschwender und Trunksüchtige erscheinen. — Das Werk ist für Juristen und Aerzte bestimmt und hat sich bisher stets als ein unentbehrlicher Ratgeber in Entmündigungssachen bewährt. — In der neuen Auflage ist das bürgerliche Gesetzbuch für das deutsche Reich eingehend berücksichtigt worden, so daß das Werk für alle deutschen Juristen und Aerzte ein zuverlässiger Führer durch die verwickelten Gesetzesvorschriften über das Entmündigungsverfahren sein wird.
Ausland.
Budapest, 7. Februar. Unter den Vertrauensmännern der Opposition sind Meinungs-Verschiedenheiten ausgebrochen, infolgedessen die Situation wieder schwieriger geworden ist. Ein großer Teil der Oppositionellen bemängelt die meisten Regierungs-Vorschläge und will in eine Revision der Hausordnung im Abgeordnetenhause durchaus nicht einwilligen. Am Donnerstag wird das Abgeordnetenhaus auf eine Woche vertagt werden.
Paris, 5. Februar. Frankreich untersteht beständig dem Einflüsse so vieler wirklicher und eingebildeter Aufregungen, daß es, wie schon Balzac wiederholt betonte, eines ganz ungewöhnlichen Ereignisses bedarf, um einen dauernden Eindruck hervorzubringen. Zeitweilig hätte man glauben sollen, daß die schmerzliche Faschodaschlappe ein solches Ereignis darstellen werde; indessen man hat sich offenbar getäuscht. Die politischeu Folgerungen, die während der ersten Auf
nieder wandeln zu sehen. Wenn sie nach Hause kamen, dann setzten sie sich nicht wie Gretchen im „Faust" an den Spinnrocken, wohl aber wie Laura ans Klavier und sangen : „Meine Ruh' ist hin, mein Herz ist schwer", mit dem Gedanken im mädchenhaft keuschen Herzen:
„Ich gäb' was drum, wenn ich nur wüßt'.
Wer heut' der Herr gewesen ist", wie unser Dichter in seinen „Zwei Wiegen" scherzt.
Unmittelbar an den Turm der „Deutschen Kirche" in Tilsit stieß, ganz versteckt, der Hof des alten Gymnasiums. Hier hat Wilhelm Jordan unter der Direktion Cörbers fünf Jahre lang die Bänke gedrückt, hier empfing er die Grundlage zu seiner vielumfassenden Bildung. Bei einer Frau v. Oertel war er in Pension, und die alte, vornehme, würdige Dame hat oft über den jugendlichen Uebermut ihres Schutzbefohlenen geklagt und ihn vergeblich zu zügeln gesucht. Denn seine Lieblings-„Privat"-Beschäftigungen fand er in der Turnhalle, im Schwimmbade, auf der Eisbahn und in der Tanzstunde.
Auf dem weiten Erntefelde der Dichtkunst lernte er bald den Weizen von der Spreu zu unterscheiden. Er hatte die Freude, daß die Erstlinge seiner Muse von einem gewissen Erfolge begleitet waren. Darüber berichtet er folgendes in seinen „Andachten" (1877):
„Als Schüler schon, zu Festgelegenheiten,
Versucht ich oft den Pegasus zu reiten, Sogar den Ruhm, gedruckt im Wochenblättchen Zu stehn, gewann sich manches Frühsonettchen.
So kam es, daß man einst bei mir per Post Ein Hochzeitlied bestellt. Mein trüber Most
Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51.
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Wallung über die unerhörte Schmach von den Franzosen selbst daraus gezogen wurden, haben sich nicht bewahrheitet; und heute, nachdem die unmittelbare Kriegsfurcht verschwunden und die Zukunftsgefahr seitens der englischen Panzerflotte durch die unterseeischen Torpedoboote beschworen zu sein scheint, tritt nach wie vor die Frage Elsaß- Lothringen wieder im Programm der französischen Politik auf. Wenn wir Frankreichs Freundschaft gewinnen wollen, haben wir als Preis die bekannten Gebietsentschädigungen in Europa zu entrichten, so erklärte der „Gau- lois" vor acht Tagen; mittlerweile befolgt Frankreich den Rat Gortschakows, den Muraview dem Minister des Aeußern Delcasse wiederholt haben soll, nämlich sich zu rüsten und stark zu sein. „Seid stark!" so lautete dieser Rat, der vom russischen Standpunkte schon begreiflich ist; der Zar kann keinen schwachen Bundesgenossen gebrauchen. Unter diesen Umständen verliert das sogen. Kolonialeinvernehmen zwischen Deutschland und Frankreich, dem der „Figaro" soeben wieder durch den Mund seines Leitartiklers Whist eine lange Auseinandersetzung widmet, jedwede Bedeutung. Es wird uns darin zugemutet, für Frankreich die Kolsnialkastanien aus dem Feuer holen zu helfen; haben wir uns dann gründlich mit England verfeindet, so käme die Frage der beiden Provinzen unter günstigern Verhältnissen an die Reihe. Es bleibt also alles beim alten. Daß die beiden deutschen Kriegsschiffe „Charlotte" und „Stosch" in Oran und Algier einliefen und dort die vorschriftsmäßigen Begrüßungen mit den französischen Behörden austauschten, kann vorläufig nur als eine Besserung gesellschaftlicher Beziehungen der beiden Nationen aufgefaßt werden; wenn es dem „Gaulois" zufolge ein geschichtliches Ereignis sein soll, so wird es lediglich von den Franzosen abhängen, es zu einem solchen zu stempeln.
Köln. Ztg.
London, 7. Februar. „Daily Mail" meldet aus Peking: Jeder Versuch, die Rebellen zurückzuschlagen, ist mißlungen. Die Aufständischen haben gegenwärtig eine Landstrecke von 2800 Quadratmeilen besetzt.
Lokales und Provinzielles.
Gießen, den 8. Februar 1899.
** Parlamentarisches. Die Abgg. Schmitt und Genossen haben bei der zweiten Ständekammer beantragt: Die Kammer wolle beschließen: Die Großh. Regierung zu ersuchen, der Kammer mitzuteilen: 1) nach welchen Prinzipien sie bei Ausführung des neuen Beamtenbesoldungsgesetzes die Anrechnung der Vordieustzeit bethätigt hat; 2) namentlich wie sie die Gleichstellung der einzelnen Beamtenkategorien auch bei der Berechnung der Vordienstzeit durchgeführt hat; 3) ob nicht durch die von der Großh. Regierung vorgenommene Regelung der Vordienstzeit bei den Richtern, diese
War nach Geschmack. Man schrieb mir: Wohlgeraten!
Was lag im Brief? Ein funkelnder Dukaten."
Daran knüpft der Dichter in wundervollen schlichten Versen eine rührende Geschichte von seiner Ahnen „Tabakspfeife", die sich von Geschlecht zu Geschlecht in der Familie fortgeerbt hat. Diese Pfeife, die nach dem Tode des alten Pfarrers von Norkitten, Wilhelms Großvater, unser Dichter erbte, existiert noch heute und steht hoch in Ehren. Jedem Freunde deutscher Dichtung empfehle ich die Lektüre dieses Gedichte-Cyklus aus den „Andachten".
Inzwischen war Wilhelm Unterprimaner geworden. Als tändelnder Schmetterling war er, nach Jünglingsart, bald von der einen eben sich erschließenden Mädchenblüte zu der anderen geflattert, ohne sich von dem Liebreiz einer bestimmten vollends berauschen zu lassen. Doch nun lernte er ein Mädchen kennen, das gleich bei der ersten Begegnung ihn zu fesselnder Liebe entflammte. Diese minnige Maid war die 16jährige Tochter des Kreiskassenrendanten und Rittmeisters a. D. Steinberg aus dem Marktflecken Kaukehmen in der Memelcr Niederung, die er in einer Ferienzeit in dem Hause seines Onkels, des Pfarrers Zippel in Prökuls bei Memel, zum erstenmale gesehen hatte.
„Der ersten Liebe zündender Sonnenstrahl Durchzuckt' unnennbar seine junge Seele, Und unerträglich schien ihm nun die Qual, Daß immer noch die gold'ne Freiheit fehle."
Er sah, wie der schönen, schlanken, hochgewachsenen Jungfrau die Jünglingsherzen zuflogen, und das {einige brannte am heißesten.
Besonders einer seiner Schulkameraden, der es später


