Ausgabe 
8.12.1899 Zweites Blatt
 
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1899

Freilag den 8. Dezember

Amts- und Anzeigeblntt für den 'Kreis Gieren

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Grstisbeitsgen: Gießener FsmUienblättrr, Der 'tzesKsche Kandwirt, Kläiter für hessische Volkskunde. _________

daß bis zu den Osterferien die erste Lesung wird stattfinden können, damit der Kommission, an welche die Vorlage un­zweifelhaft verwiesen werden wird, genügend Zeit zur ge­nauen Prüfung bleibt.

* Zur Flottenfrage.

Hießen, den 7. Dezember 1899.

Unter dieser Ueberschrift bringt die ministerielleBerl. Korrsp." bereits seit einiger Zeit eine Reihe von Artikeln, welche den Widerstand, dem die von der Regierung beab­sichtigte Verstärkung unserer Marine auf manchen Seiten begegnen wird, mit überwinden helfen sollen. In der Nummer vom 5. ds. MtS. beschäftigt sich nun die genannte Korrespondenz mit der Haltung der Presse zu dem angeb­lich bestehenden Plane, daß nur der Umfang der Flotten­verstärkung, nicht auch die Beschaffungsfrist gesetzlich festgelegt, daß vielmehr das Tempo der Verstärkung all­jährlich dem Beschlüsse des Reichstags überlassen bleiben soll. Dieser Absicht der Regierung hätten anfangs eine ganze Reihe von Zeitungen zugestimmt, die aber jetzt plötz­lich erklärten, auch die gesetzliche Fixierung des Sollbestandes der Flottenvermehrung sei ganz unannehmbar, insbesondere deshalb, weil man ja auch beim jetzigen Flottengesetz bereits »ach zwei Jahren eine Aenderung für notwendig erachte.

Zunächst bestreitet die halbamtliche Korrespondenz, daß jetzt eine Aenderung des Flottengesetzes in Frage stehe, sondern daß es sich lediglich um eine Verstärkung des Sollbestandes handle. Letztere solle aber erst dann in Angriff genommen werden, wenn sämtliche Schiffe, die der Soll­bestand des Flottengesetzes vorsehe, in Bau genommen seien. Was nun den von Gegnern der Verstärkung gemachten Ein­wurf betreffe, der Plan könne gar nicht festgelegt werden, «eil die Verhältnisse sich dauernd änderten, so könne da­mit nur gemeint sein, daß das gesteckte Ziel im Laufe der Jahre sich als zu groß oder zu klein erweise. In letzterem Fall dürfe man aber über den jetzigen Plan nicht hinaus- gehen, ehe daS durch denselben gesteckte Ziel erreicht worden sei, und der Reichstag habe ja die Innehaltung des Tempos in seiner Hand. Erweise sich aber das gesteckte Ziel als zu groß, was nur infolge gewaltiger historischer Ereignisse eintreten könne, die es bedingten, daß Deutsch­land keine große Flotte brauche, so würde die geplante Novelle kein HinderungSgrund sein, im Ausbau der Flotte einfach innezuhalten.

Die Ausführungen der mehrfach erwähnten Correspondenz gipfeln in der Behauptung:$3er das in Aussicht genommene Gesetz nicht will, will auch die Flotte nicht." Diejenigen, welche für die Verstärkung der Flotte zwar einträten, aber der gesetzlichen Festlegung des Sollbestandes widerstrebten, meinten es nicht aufrichtig. Ein positiver Grund für die Notwendigkeit der Fixierung liege insbesondere auf dem Gebiete der auswärtigen Politik. Werde die Festlegung ab­gelehnt, so müsse das Ausland glauben, die Mehrheit des deutschen Volkes wolle keine starke Flotte, und dieser Glaube würde unsere auswärtige Politik erheblich hemmen. Auch mancherlei technische Gründe sprächen noch für die Fest­legung, welche eine schnellere Entwickelung unserer Marine »«f personellem und materiellem Gebiete sichern.

Der Zeitpunkt der Einbringung der Flottennovelle im Reichstag steht noch nicht fest, doch darf man wohl annehmen,

Nr. 289 Zweites Blatt

** GeschichtSkalen-er. (Nachdruck verboten.) Vor 30 Jahren, em 8. Dezember 1869, wurde in der Petertzkirche zu Rom das vatikanische Konzil von etwa 700 berufenen Teilnehmern mit allem Glanze eröffnet. Der Plan, die Unfehlbarkeit des Papstes durch eine Demonstration von überwältigender Wirkung durch­zusetzen, mutzle jedoch fallen gelassen werden. Erst am 14. Juli 1870, gerade alS die schweren Gewitterwolken deS deutsch französischen Krieges aufzogen, wurde das Dogma der Unfehlbarkeit verkündet.

Schwiegermutter, der Marquise de Castiglione, einen Besuch zu machen. Alle Bitten und Vorstellungen nutzten nichts. Als nun die Gatten eines Tages gemeinschaftlich im Wagen fuhren, glaubte der Graf zu bemerken, daß sein junges Ehe­gemahl sich in etwas verträglicherer und nachgiebigerer Stimmung befände, als sonst, und so gab er dem Kutscher die Adreffe seiner Mutter, in der Hoffnung, diesmal zum Ziele zu gelangen. Die Gräfin sprach kein Wort und ließ ihn ruhig gewähren. Aber als der Wagen über eine Brücke fuhr, zog sie blitzschnell Schuhe und Strümpfe aus, warf sie hinunter in den Fluß und sagte nur:Ich denke doch nicht, daß Du mich zwingen wirst, barfuß zu gehen!"

Als ihr Gatte so ziemlich ruiniert war, suchte sie sich ein anderes Feld der Thätigkeit. Anfang der sechziger Jahre tauchte sie plötzlich in Paris auf, und ihr Name wie ihre wunderbare, an die Bildwerke der Antike erinnernde Schönheit verschafften ihr bald Zutritt zu dem Tuilerien- hofe. Es ist vielfach behauptet worden, sie sei eine Spionin des sardinischen Ministerpräsidenten Cavour gewesen, der sie ausgesandt habe, damit sie die Gunst und das Vertrauen des Kaisers Napoleon gewänne und ihm, der seine Pläne und Gedanken so meisterhaft zu verbergen verstand, seine Geheimniffe entlockte. Wenn auch nicht gesagt sein soll, daß dies nicht sehr wohl der Fall gewesen sein kann, so ist bisher doch ein Beweis dasür picht erbracht worden. Gerade

Lokales und Provinzielles.

Gießen, den 7. Dezember 1899.

* DeS Jahres schönste Zeit, die fröhlich und selig machende, gnadenbringende Weihnachtszeit, ist nicht mehr fern und sie gibt diesen letzten Wochen vor dem Feste einen Reiz, wie ihn keine andere Zeit des Jahres aufzu­weisen hat. Wie im Schoße der Familie, so macht sich auch auf der Straße, in den Schaufenstern die Nähe des herzbewegenden Festes bemerkbar. Die Läden haben jene wunderbare Vielseitigkeit, jene geschmackvolle Anordnung angenommen, wie sie mit dem Nahen des Weihnachtsfestes unzertrennlich sind; sie erstrahlen im hellsten Lichte und lassen die ausgestellten Waren im verführerischen Glanze leuchten. Ein Gang durch die Straßen ist gerade in dieser Zeit in hohem Grade lohnend. Bei so reicher und ge­diegener Auswahl fällt jeder Einwand, die Weihnachts­einkäufe in den großen Städten zu machen. Und an noch eins fei erinnert: Jetzt um diese Zeit, wo alles fröhlich ist und sich der kommenden schönen Weihnachtstage freut, da wird auch mancher Seufzer gehört von denen, die sich als Stiefkinder des Glückes betrachten, die durch Schicksalsschläge in Armut und Not geraten sind. Auch sie freuten sich wohl einst auf das Kommen des Weihnachtsfestes, auch ihnen erzählte wohl die Mutter in den Dämmerstunden das sonnige Märchen vom Glück--Möchte sich dieser Unglücklichen

werkthätige Menschenliebe annehmen, möchte auch ihnen ein Weihnachtsbaum leuchten und sich der Frieden des nahenden Festes auch auf sie herabsenken. Es giebt ja so viele rnild- thätige Herzen, möchten stt zum Weihnachtsfeste der Armut gedenken und mitteilen von ihrem Ueberfluß, dann wird auch ihre Freude an dem Fege um so größer fein!

Bereinigung der Lahnkalkwerke. DemNass. B." zufolge wird die Vereinigung sämtlicher Lahnkalkwerke zu einem einzigen großen Aktienunternehmen geplant und sollen bereits Unterhandlungen mit den Besitzern der Einzel­werke stattgefunden haben.

"* Turnerisches. Aus der jetzt veröffentlichten Abrech­nung des in diesem Jahre in Wiesbaden abgehaltenen 24. Mittelrheinischen Turnfestes ist zu ersehen, daß die Gesamteinnahme 117 234.58 Mk. und die Ausgabe 102 489.54 Mk. betrug. Der Ueberschuß von 14 745.04 Mk.

ebenso gut ist es möglich, daß die brennend ehrgeizige Italienerin es sich vorgenommen hatte, wenn sie erst einmal die Neigung des Kaisers gewonnen, auf eigene Faust zwischen ihm und dem Turiner Kabinett die Vermittlerin zu spielen. Aber gerade diese politischen Ambitionen sollten ihr zum Verderben gereichen.

Ihr Erscheinen erregte am kaiserlichen Hofe, an dem doch wahrlich kein Mangel an schönen Frauen war, leb­haftes Aufsehen.Sie war," so beschreibt sie eine der Hof­damen der Kaiserin Eugenie,von vollendeter Schönheit, von einer Schönheit, die nicht unserer Zeit anzugehöre» schien. Es lag auf diesem schönen Antlitze ein Ausdruck des Hochmuts, der Härte, welche an jene Gottheiten denken ließ, die die Alten mit Opfern zu besänftigen suchten. Wenn man die schönste Statue belebte, würde man eine Vorstellung von dieser außergewöhnlichen Frau erhalten. In der That, wenn man sie sah, glaubte man, eine Statue handeln, sprechen, sich bewegen zu sehen."

Auf einem Ball bei der Herzogin von Bassano sah sie der Kaiser zum erstenmal, und es dauerte nicht lange, bis sie die Hälfte ihres Programms, die Freundin des Herr­schers zu werden, erreicht hatte. Sie ging dabei mit un­glaublichem Selbstvertrauen in der Gewißheit ihrer Un­widerstehlichkeit zu Werke, und das gerade zog den für Frauenreize so überaus empfänglichen Kaiser um so stärker

Gießener Anzeiger

General-'Unzeiger

kam gleichmäßig an die drei Wiesbadener Turnvereine zur Verteilung. Nach dem Kartenabsatz war das Fest von etwa 60000 Personen besucht.

»*Brief" au8 Gießen. In einem mit H. unter­zeichneten Artikel derDeutschen Warte" Nr. 326 A. Brief aus Gießen" hat es ein Skribax unternommen, unsere Stadt angelegentlichst dem Fremden Besuche zu em­pfehlen, allerdings in recht merkwürdiger Art und Weise. Der Skribax meint eingangs seines Schreibens u. a. man höre und staune:Vorbei fährt man (an Gießen) auf dem Schienenwege Frankfurt a. M.Hamburg wohl manchmal, läßt aber die Stadt fein links ober rechts liegen. Wenn Du, lieber Leser, allerdings ganz außerordent­lich Merkwürdiges (!) suchst dann bleibe lieber weg, Du könntest leicht enttäuscht von bannen ziehen" rc. Wie viele Mittelstäbte bieten überhaupt etwasganz außer­ordentlich Merkwürdiges"? Der ganze Artikel macht den Eindruck, als habe ihn der Ultimus einer Sexta verfaßt, ein stilloses Kauderwelsch, so, daß man nicht weiß, ob man sich mehr über die Stupidität des Verfassers oder über die Schriftleitung derDeutschen Warte" wundern soll, die es für gut fand, solchem Geschreibsel Aufnahme zu gewähren, ein Blatt, das zudem noch auch in unserer Stadt beharrlich auf den Abonnentenfang ausgeht.

Die Z. Ricker'sche Buchhandlung in Gießen, Süd- an läge 5, bringt soeben ihren Weih nach tskatalog zum Versand. Der umfangreiche Katalog ist sehr vornehm auSgeftattet, und führt dem Publikum alle neuen Er­scheinungen des Buchhandels vor Augen. Besonders durch eine große Anzahl ausführlicher Besprechungen der be­deutendsten Werke ist der Katalog ein guter Ratgeber für Bücherkäufer. Auch noch verschiedene kleinere Kataloge und Prospekte liegen diesem Weihnachtskatalog bei, und möchten wir unsere Leser speziell auf das hübsche Büchlein von Johannette Lein, unserer 80jährigen Mitbürgerin, aufmerksam machen; dieses Merkchen sollte auf keinem Weihnachtstische fehlen.

** Eine größere Anzahl penfionierter Großh. Staats­beamten aller Grade war kürzlich inStadt Pfungstadt" in Darmstadt versammelt, um zu beraten, wie sie im Hin- blick auf die stets teurer werdenden Lebensbedürfnisse ihre Lage verbessern und einer Erhöhung ihrer früheren Preisen und Verhältnissen angepaßte» Ruhegehalte teilhaftig werden könnten, wie eine solche den seit dem 1. April 1897 pensionierten Beamte» durch das Beamtengesetz vom 9. Juni 1898 rückwirkend sowie auch allen seit 1870 pensionierten Volksschullehrern gewährt worben ist. Es ist zweifellos, daß sowohl das Bedürfnis, wie auch die Berechtigung zu einer solchen Auf­besserung bei den vor dem 1. April 1897 pensionierten Beamten ebenso vorliegt wie bei denjenigen, welche nach diesem Zeitpunkt in Ruhestand getreten sind. War doch das oben erwähnte Gesetz allseits schon 10 Jahre früher erwartet und auch in Aussicht gestellt worden, und die gedachte Scheidegrenze zwischen den Aufgebefferten und den

Feuilleton.

Das ßnde einer Aavorttin.

Aus Paris kommt die Nachricht, daß dort, von der Welt längst vergeffen und mitten in der Großstadt in frei­williger Einsamkeit begraben, eine Frau gestorben ist, deren Name einst auf aller Lippen war und eine geraume Zeit lang der Unterhaltung in den Salons und auf den Terrassen der Boulevard-Cafss immer neuen Stoff lieferte. Es ist die Gräfin Castiglione, von der wir sprechen jene exzen­trische Italienerin, deren Schönheit den Kaiser Napoleon III. in ihren Bann gezogen hatte, und die einen Augenblick daran denken konnte, am Hofe des zweiten Kaiserreiches die Rolle einer Pompadour ober Dubarry zu spielen.

Woher sie kam, wo ihre Wiege stand, darüber schwebt Dunkel. Nur soviel steht fest, daß die schöne Virgine schon mit 15 Jahren die Gattin des kaum um sechs Jahre älteren Grafen von Berasi Castiglione wurde, eines jungen Edel- «anneS aus altern piernontefischen Geschlechte, der ein statt­liches Vermögen besaß. Mit dem letzteren hatten ihre Launen schnell genug aufgeräumt. Wie sie mit ihrem ehe­lichen Herrn und Gebieter umzugehen pflegte, wenn er ihr einmal den Gehorsam verweigerte, davon eine kleine Probe. Sie hatte sich gleich nach der Hochzeit geweigert, ihrer

Adresse für Depeschen:

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