Mnz
iren
825$
Ich 27.
WuMl
Koten* 8191 ttz. -w
tfi. Neu!
Mn
labt 11.
sMolle
Mische.
d Anzüge.
Uatrahen.
. in Uhr
1916
U'i gelten w* S°°5, tterie-
Nr, 289 Erstes Blatt.________Freitag den 8. December__>8"
AGießenerAnzeigerM
ä-äktk d)enera(-^n^elqer
Aints- und Anzeigeblutt fiw den Äveis Gieren.
_________________ ___^———■ l «ll l| 'M
NtUftüa, Expedition und Druckerei:
>4*CHro|t Mr. 7.
GrattsdMagen: Gießener Fsmilienblätter, Her hrsssihr Landwirt, KlLttrr für hessische Volkskunde.__
Äfcttffe für Deprfcheu-. Anzeiger Fernsprecher Nr. 51.
—■—um was?
i Amtlicher Teil.
Gießen, 5. Dezember 1899.
Betr.: Die Wahl der Schulvorstandsmitglieder.
Die
Großh. Kreis-Schulcommisfwn Gießen an die Gr. Bürgermeistereien «ud Schulvorstände des Kreises.
Gemäß Art. 69 des VolsschulgesetzeS ist eine Neuwahl der unständigen Mitglieder der Schulvorstände notwendig geworden.
Sie wollen nach Art. 69 pos. 5 des Volksschulgesetzes baldigst eine Neuwahl der „unständigen" Mitglieder durch den Ortsvorstand vornehmen lassen und das Wahlprotokoll dem Schulvorstande übergeben. Die Schulvorstände beauftragen wir, die Resultate der Wahl zugleich mit Bericht alsbald an uns einzureichen, sodaß die neugewählten Mitglieder mit Anfang des Jahres 1900 in ihr Amt eingewiesen werden können.
v. Bechtold.
Bekanntmachung,
betreffend: Schießübungen.
Cs wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß das 1., 2. und 8. Bataillon des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm am 11*, 12., 18., 14., 15., 16., 18. und 19. l. Mts., morgens von 980 bis nachmittags 330 Uhr, Schießübungen mit scharfen Patronen in dem Gelände zwischen Alte« Buseck, Große« Buseck, B-ueru, Climbach, Treis a. d. Lda., Mainzlar uud Danb- rivgeu abhalten wird, und daß dieses Gelände durch Posten abgesperrt werden wird.
Die Schußrichtung läuft von der Straße Alteu-Buseck—Daubriugeu in östlicher Richtung.
Die Straßen Treis a. Lda., Mainzlar, Daub- riugen, Alteu-Buseck, Großeu-Buseck, Beuern und Allertshausen sind ungefährdet.
Gießen, den 6. Dezember 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Hhealerverein.
4. Theaterabend, am 5. Dezember.
Die vorgestrige Aufführung des Schauspiels „Ewige Liebe" vermittelte uns die Bekanntschaft mit einem Schriftsteller, besten Werke den meisten wohl noch vollständig fremd waren: mit Hermann Faber (Dr. jur. Goldschmidt), der in Frankfurt a. M., wo seine Dramen auch alle zuerst gegeben worden sind, seinen Wohnsitz hat. Seine „Ewige Liebe" erschien vor zwei Jahren, wurde in Frankfurt, sowie an einer Reihe mittlerer Bühnen öfters aufgeführt, und eroberte sich kürzlich auch das Berliner königliche Schauspielhaus. Wenn die Berliner Aufführung der ..Ewigen Liebe" keinen so durchschlagenden Erfolg hatte, wie die Frankfurter, so lag das meist an dem Darsteller des alten Musiklehrers Führing, den Herr Vollmer spielte, welcher für diese Rolle nicht die geeignete Veranlagung besitzt. — Für den gestrigen Abend hatte der Theaterverein als Gast in dieser Rolle Herrn Arthur Bauer aus Frankfurt gewonnen, für welche Wahl, wie nicht minder für die Wahl des hochinteressanten und litterarisch bedeutenden Stückes besonderer Dank gebührt. ,
Dieser vierte Theaterabend war wirklich em höchst genußreicher, in erster Stelle durch das Verdienst Herrn Bauers, der eine wahre Prachtleistung bot. Die Vielseitigkeit dieses Künstlers, den wir im vergangenen Winter eüs Bartel Turaser sahen, trat uns gestern abend rn seinem Führing, dieser teils komischen, Jeil8 Charakterfigur, wieder so recht vor Augen. Die Figur des vergrämten alten Geigers mit dem polternden Wesen und dem grundehrlichen Herzen wird uns noch lange vor Augen stehen.
Wenn Herr Bauer derart in seiner Rolle aufging, daß
Gießen, den 6. Dezember 1899.
Betreffend: Wie oben.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien Alteu-Bufeck, Allertshausen, Beuern, Climbach, Daubriugeu, Großen Buseck, Mainzlar und Treis a. d. Lda.
Die vorstehende Bekanntmachung wollen Sie alsbald auf ortsübliche Weise veröffentlichen «ud vor dem Betreten des abgesperrteu Geländes warnen «ud insbesondere darauf Hinweisen, daß au den betreffenden Tagen sich keine Holzarbeiter und Holzsammler in den gefährdeten Waldungen und Steiubrücheu aufhalteu dürfen.
v. Bechtold.
* Der Prinz von Wales und der deutsche Kaiser.
Gießen, den 7. Dezember 1899.
„Auf Befehl der Königin!" — so begann der Prinz von -Wales, der künftige König von England, den Toast, den er beim Bankett im Schloß zu Windsor auf den Kaiser Wilhelm ausbrachte. „Auf Befehl der Königin!" — Gewiß war dies die vorgeschriebene Form des Toastes, aber sie entsprach auch zugleich der Empfindung des englischen Thronfolgers. Er bringt einen Trinkspruch auf den deutschen Kaiser nicht aus eigenen Sympathien aus, sondern „auf Befehl". Man weiß in Deutschland längst, daß der Prinz von Wales seinem Kaiserlichen Neffen gegenüber von Gesühlen beseelt ist, die man nahezu als Abneigung bezeichnen kann. Ueber die Gründe dieser wenig freundlichen Gesinnung des Prinzen orientiert ein Artikel, den die „Dtsche. Wochenztg." in den Niederlanden bringt. Dieses Blatt schreibt:
„Es ist nur erklärlich, daß ein Mann, der dem Greffen- alter schon nahesteht, der aber zur politischen Unthätigkeit verdammt ist, von einem gewissen Gefühle des Neides bewegt wird, wenn er sieht, daß sein soviel jüngerer Neffe seit einem Jahrzehnt bereits ein großes Reich regiert und, wie man ohne Uebertreibung sagen darf, zurzeit die meistbeachtete Persönlichkeit im politischen Leben der ganzen Welt ist. ... ...
Die gezwungene Unthätigkeit eines Thronfolgers tft Sache des Schicksals, aber bei dem Prinzen von Wales kommt noch persönliches Verschulden hinzu. Wenn man von ihm auf dem europäischen Kontinent gesprochen hat, so ist es nicht im guten Sinne gewesen. Er hat Leidenschaften man den Schauspieler Bauer vollkommen vergaß und nur den alten Führing sah, so läßt sich leider ein gleiches Lob dem Vertreter der anderen männlichen Hauptrolle. Herrn Steinert, nicht spenden. Herr Steinert spielte nicht den Gymnasiallehrer Schubart, sondern lediglich sich selbst, und bedauerlicherweise ließ er dabei allen seinen schauspielerischen Mängeln, die schon oft das Mißfallen des Publikums erregt haben, nur allzu sehr Raum; während er im Anfang des ersten Aktes reserviert und sympathisch spielte, entwickelte er schon vor Schluß desselben an wieder sein falsches Pathos, brachte er die Worte gequetscht und mit Nachklang heraus, gab er seinem Körper wieder die abscheuliche gebückte Haltung.
Ganz vortresflich war die Vertreterin der werblichen Hauptrolle, Fräulein Hammer, als Violinkünstlerin Klara Spohr. Richtige Auffassung paarte sich bei ihr mit einem entzückend frischen Spiel, das alle Zuschauer bezauberte. Wir zählen Fräulein Hammers gestrige Leistung zu dem besten, was wir in diesem Winter von unseren heimischen Künstlern sahen. .
Die übrigen Rollen waren ohne Ausnahme in sehr guten Händen. Fräulein Haussig spielte die verlassene Studentenbraut Martha Dörnach einfach, wie die Dichtung es vorschreibt, und ergreifend. Ihre Schwester Agathe, die Kleinstädterin aus Weilberg, die ihren unsoliden Ehemann Albert Renninger so gut durchschaut hat, aber trotzdem ein zufriedenes Eheleben mit ihm führt, war durch Frau Direktor Helm gut vertreten. Renninger, dieser über Schubarts Liebe zu Klara moralisch entrüstete Ehemann „aus der guten alten Schule", der nach einem eigenen wunderlichen Moralkodex lebt, sollte nach dem Theaterzettel von Herrn Paren gespielt werden. Da letzterer jedoch, wie
den Lauf gelassen, die wohl im vergangenen Jahrhundert bei Fürsten und Fürstensöhnen gang und gäbe waren, die aber heute, wo strenge Anforderungen an das sittliche Leben der auf dem Throne befindlichen oder der dem Throne nahestehenden Personen gestellt werden, hart verurteilt werden. Je näher nun die Zeit heranrückt, wo der Mensch die Summe seines Lebens ziehen muß, desto unbequemer mag ihm der Abschluß sein, und desto mahnender mögen ihm Menschen sein, die trotz viel größerer Jugend ein stattliches Plus auf ihrem Konto haben. Denn mag sich auch der deutsche Kaiser, schon infolge seines lebhasten Tempera- ments, manchen Gegner erworben haben, mit dem negativen Konto übler Leidenschaften vermögen ihn auch seine Gegner Gott sei Dank nicht zu belasten, und das positive Konto starker Arbeitskraft können sie ihm nicht schmälern. So ist es nur natürlich, wenn der Prinz von Wales seinen kaiserlichen Neffen mit dem Gefühle des Mißbehagens sieht, das etwa ein Kranker gegenüber einem kraftstrotzenden Manne empfindet, dessen Anblick ihn daran erinnert, was er selbst hätte sein können und sollen.
Dazu kommt nun noch die Ehe des Prinzen mit einer dänischen Prinzessin. Es ist eine alte Thatsache, daß fürstliche Persönlichkeiten ihrer Gattin um so eher einen gewissen politischen Einfluß einräumen, je mehr sie aus auf ganz anderen Gebieten liegenden Gründen auf die Nachsicht der Gattin zu rechnen allen Anlaß haben. Welcher Art aber die Gesinnungen der Töchter König Christian IV. von Dänemark gegen Deutschland sind, ist ja allgemein bekannt, und man kann danach bemessen, nach welcher Richtung wohl die Prinzessin von Wales dereinst ihren Einfluß auf die Politik geltend machen dürste, wenn erst ihr Gemahl aus dem englischen Königsthron sitzt.
Diesen Zeitpunkt aber kann man als nicht zu fernliegend ansehen. Wir wünschen der englischen Herrscherin gern, daß sie das Lebensalter Kaiser Wilhelms I. erreiche, aber der nach dem Naturgesetz vorhandenen Wahrscheinlichkeit entspricht die Erfüllung dieses Wunsches nicht.
Man würde nun sehr fehl gehen, wenn man diesen Faktor der prrsönlichen Stimmungen mit Rücksicht auf die parlamentarische Regierungsform Englands unterschätzen wollte. Trotz des parlamentarischen Regimes ist der Monarch in England keineswegs eine lediglich repräsentative Figur, und in Bezug auf die auswärtige Politik ist er es schon gar nicht. Man hat dies im Jahre 1870 beobachten können, wo die persönliche Abneigung der englischen Königin gegen Wilhelm I. nicht zum kleinsten Teil dazu beitrug, daß die Sympathien Englands vorwiegend auf der Seite Frankreichs waren, und daß die englische Regierung eine etwas zweideutige Haltung einnahm.
wir hörten, in der Probe zu nahe Beziehungen zu der Frau Souffleuse anzuknüpfen versucht hatte, so war die Rolle aus Herrn Walther übertragen worden, der sich ihrer mit viel Geschick entledigte. Die kleine Rolle des Schutzmannes Kunowski hatte dann Herr Walther an Herrn Direktor Helm abgetreten. Konzertmeister Wittmann (Herr Rolan) erschien im Vergleich zu dem ihm doch gleichalterig zu denkenden Führing etwas zu jugendlich, hatte auch eine zu ehrliche Maske. Fräulein Eichenwald (Frau Kunowski) und Fräulein Berken (Dienstmädchen) waren durchaus an ihrem Platze. Last not least erwähnen wir den Alphonse Wassermann des Herrn Henry, der seine Szene mit Führing und Klara äußerst wirkungsvoll spielte, und in Erscheinung und Ton prächtig den ein» gebildeten Gigerl und Kunstdilettanten wiedergab.
x Otto Erich HartlebenS Werke „Ein Ehrenwort" und „Abschied vom Regiment" erzielten vorgestern bei ihrer Erstaufführung im Residenztheater zu Hannover einen stürmischen Erfolg.
— Otto Ernsts vieraktige Komödie „Jugend von heute" wurde zum überhaupt erstenmale im Königl. Schauspielhause zu Dresden aufgeführt. Das Stück, das die modernen Ich- und Übermenschen und die Auswüchse der heutigen Kultur geißelt, um die Notwendigkeit eines idealen Strebens darzuthun, fand mit seiner interessanten Handlung und seinem geist- und gemütvollen Dialog beifälligste Aufnahme.
— Agnes Sorma, welche bekanntlich in dieser Saison noch in unserem hiesigen Theaterverein auftreten wird, gastierte vorgestern abend zum erstenmale in Leipzig vor total überfülltem Hause. Sie spielte das Rautendelein in der „Versunkenen Glocke" und bot eine großartige, künstlerische Leistung, wie sie in gleicher Vollendung in Leipzig noch nicht gesehen worden ist. Das enthusiasmierte Publikum überschüttete me geniale Künstlerin mit begeisterten, nicht endenwollenden Ovationen.
— Max Dreyers „Probekandidat" wurde vorgestern im »reS- lauer Lobetheater mit allgemeinem nachhaltigen Beifall aufgeführt, trotzdem der Schluß des Dramas auf Anordnung der Censur geändert worden war.


