Ausgabe 
8.11.1899 Zweites Blatt
 
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Heute morgen sind in der des Nebels zwei Güter- Der Materialschaden ist

In der vergangenen Nacht

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Bei dm hchmw'sch«

aus Ruinsbach.

* München, 6. November. Der 23 Jahre alte Kunst­maler Drawer aus Märkisch-Friedland (Preußen) er­schoß seine Geliebte, weil sie sich wegen seiner mißlichen finanziellen Verhältnisse von ihm losgesagt hatte, und ver­giftete sich sodann mit Karbolsäure.

* Metz, 6. November. Heute vormittag 10 Uhr findet in der Kathedrale die Beisetzung des am am 24. v. Mts. verstorbenen Bischofs Fleck statt. Bischof Korum von Trier wird die Leichenrede in deutscher und französischer und französische Bischöfe

sehr bedeutend.

* Chemnitz, 5. November. _ _

stießen bei Grünhainichen zwei Eisenbahnzüge zusammen. Der Bremser wurde getötet, ein Reisender

-eiqnete sich htute morgen ein ill. Derdortsrlbstbeschäftigte von Schröck, ein noch jung« Dom ersten Stock in die Tust, "k-wmWrUnglM abtnb in b®.2 * ige. toi M D-rlch" an b® eon ^rbcrn tont* ttnrich S* ** in tin genfter -»M'L vÄSfe X'Ä"*

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Sprache halten. Viele deutsche sind zur Feier hier eingetroffen. Straßburg, 6. November.

Nähe von Wendenheim infolge züge zusammen gestoßen.

b leicht verletzt.

* Wien, 6. November. Der renommierte Jokey Rum- ihold, der heute im November-Handicap Baron Born's Elluczi" ritt, stürzte; er blieb bewußtlos liegen und starb pater im Spital.

Lemberg, 6. November. Auf dem Wege von der Hauptpost nach dem Bahnhofe entwendeten unbekannte 7häter aus einem Poft- und Ambulanzwagen zwei Säcke mit rekommandierten Briefen und mehrere lausend Gulden Bargeld.

* Brüssel, 6. November. Als Madame Severine gestern in derAlhambra" ihren Vortrag zu gunsten der Laren begann, brach sie gleich im Anfang ihrer Rede, von einem Unwohlsein überwältigt, zusammen und mußte ins Hotel geschafft werden. Das Publikum brachte ihr eine ly apathische Ovation.

* London, 2. November. Eine recht zu denken gebende Statistik überHungernde Schulkinder in London" ift soeben erschienen. Die statistischen Aufstellungen sind ^rch Anfragen, die vor einiger Zeit an sämtliche Londoner Schulen ergingen, zu stände gekommen. Es ergiebt sich demnach, daß unter 449 945 Londoner Schulkindern 55 050 H iinger leiden. Der Prozentsatz ist natürlich in den ver- ilüebenen Stadtteilen verschieden. Am höchsten ist er in Southwurk, wo unter 26 645 Kindern 5912 schlecht genährt smd. Anschließend an diese Tabelle wird eine Uebersicht .ber die bestehenden Anstalten zur Speisung armer Schul- linder gegeben. Im ganzen werden jährlich 1 337 000 Mahlzeiten an bedürftige Kinder verabfolgt. Bei den wohl- Ih atigen Vorkehrungen zeigt sich aber ein bedauerlicher -Wange! an Organisation. Während an einige Schulen Speisemarken im Ueberfluß verabfolgt werden, erhalten andere überhaupt keine. Die Armee der Schlechtgenährten

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Der ffieintommi^onat igen vermißt. Man nimmt üerte Mann in einem Anfall ein erkränkt hat.

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suchten Heiratsschwindler sei. Er riet aber stets davon ab, ihn zur Anzeige zu bringen, weil bei einer gerichtlichen Ver­handlung die Betreffenden selbst noch mehr bloSgelegt werden würden, als er.

Vermischtes.

» Dortmund, 6. November. Durch flüssige Schlacken wurden auf dem Stahlwerk Hoesch fünf Mann ver­brannt, drei von ihnen schwer.

Osnabrück, 6. November. Das Dorf Hörding­hausen ist zum größten Teil abgebrannt. Man ver­mutet, daß das Feuer durch spielende Kinder entstanden ist.

* Bonn, 6. November. Zwischen zwei Einjährigen des 160. Infanterieregiments fand ein Pistolenduell statt, wobei einer derartig verwundet wurde, daß er bereits verstarb. Der andere wurde verhaftet. Die Ursache war ein geringfügiger Wortwechsel.

Hannover, 4. November. Ein unerhörter Vor­fall spielte sich dieser Tage hier ab. Eine Dame, Schwägerin eines angesehenen Geschäftsmannes, kam am Donnerstag mit zwei anderen jungen Mädchen von Ronnenberg nach Hannover. Als sie aus einem Geschäftslokale an der Georgstraße herauskamen, wurden sie von einem reduziert aussehenden jüngeren Menschen verfolgt. Die Damen be­traten ein anderes Geschäftslokal. Während dieser Zeit sah der Verfolger fortgesetzt durchs Schaufenster und als die Damen aus dem Laden heraustraten, verlangte der Mensch, der sich schließlich als stellenloser Kellner entpuppte, von einem Schutzmann, daß er eine der Damen, die Schwägerin des Geschäftsmannes, verhaften solle, weil sie seiner Logis­wirtin Unterröcke gestohlen habe. Die aufs äußerste be­stürzte Dame verwahrte sich gegen die schamlose Verdächtig­ung, nannte ihren Namen und Wohnort und bat zu ihrem Verwandten geführt zu werden. Der Schutzmann aber brachte die Dame nach dem Polizeibureau trotz ihres Flehens. Im Polizeibureau wurde die Dame einem längeren Verhör unterzogen und sie mußte sich dann in Gegenwart des Denunzianten eine peinliche Untersuchung gefallen lassen, um dem Menschen Gelegenheit zu geben, die sämtlichen Unterkleider der Dame zu mustern! Inzwischen aber waren die Begleiterinnen der Dame fortgelaufen und hatten den Schwager der Dame herbeigeholt. Dieser gab seiner tiefsten Entrüstung über eine derartige unerhörte Beleidigung einer anständigen Dame kräftigen Ausdruck und bewirkte auch sofort die Freilassung der Dame, nachdem der Denunziant erklärt hatte, sich geirrt zu haben. Die Polizeibeamten, der Distriktskommissar nicht ausgeschlossen, äußerten nun eben­falls, und zwar, als ob es sich um die harmloseste Sache von der Welt handle, daß allerdings ein Irrtum vorliege. Damit scheinen die Beamten die Sache für erledigt zu halten. Der Schwager der Dame und letztere natürlich jelbst sind anderer Ansicht und werden nicht ruhen, bis diese schwere Beleidigung die genügende Sühne gefunden hat.

* Würzburg, 6. November. Im Augustinerkloster hier erhängte sich der 41jährige Frater Patritius Hammer

verteilt sich auf verschiedene Klassen, von denmehr oder weniger vernachlässigten Kindern des gut bezahlten Hand­werkers, nach denen man zu Hause wenig sieht", bis zu den Kindern der wirklich Armen, von denen es im Bericht heißt:Es gibt eine ganze Gemeinde armer Kinder, haupt­sächlich von Tagelöhnern und Witwen, die in der Frühe mit einem kleinen Stück Brot, das mit Margarine bestrichen ist, in die Schule geschickt werden. Solche Kinder haben in den meisten Fällen überhaupt kein Mittagmahl oder sie erhalten einen Penny, den sie natürlich vernaschen. Das Brot wird oft, nachdem es halb angebiffen wurde, wegge­worfen, weil es ungenießbar ist. Am Samstag, Sonntag und Montag haben die Kinder gewöhnlich zu essen, da die Eltern an diesen Tagen noch Geld haben; an den übrigen Tagen hungern sie."

* Lissabon, 5. November. Die Pestnachrichten aus O p o r t o aus der letzten Woche lauten wesentlich beruhigender. Gestern gab es nur einen Fall.

Kirche und Schule.

Im «rotzherzogtum Hessen befanden sich im Frühjahr 1899 986 einfache Volksschulen mit 159680 Schulkindern. An diesen Schulen unterrichteten 2415 Lehrer und 188 Lehrerinnen. Von diesen 986 Volksschulen waren 884 gemeinsame, 52 evangelische, 49 katholische und 1 israelitische Schule. Hiervon entfallen auf Starkenburg 314 ge­meinsame, 27 evangelische und 24 katholische Schulen mit 1020 Lehrern und 76 Lehrerinnen ; auf Oberhefsen entfallen 404 gemeinsame, 3 evang., 4 katholisch und 1 israelitische Schule mit 724 Lehrern und 6 Lehrerinnen; auf Rheinhessen 166 gemeinsame, 22 evangelische und 21 katholische Schulen mit 671 Lehrern und 106 Lehrerinnen.Die Zahl der Schul­kinder betrügt in Starkenburg 69 486, hierunter 46363 Evangelische, 22Q88 Katholische, 879 Israeliten und 156 anderer Konfessionen; in Oberhessen sind es 42260, darunter 38386 Evangelische, 3038 Katho­lische, 832 Israeliten und 4 anderer Konfessionen; in Rheinhessen 47 934 Kinder, darunter 22710 Evangelische, 24116 Katholische, 456 Israeliten und 652 anderer Konfessionen. Es kommen also in Starken­burg auf 1000 Einwohner 150 Schulkinder, auf 1 Schule 190, auf eine Lehrstelle 63; in Oberhessen auf 1000 Einwohner 153 Schulkinder, auf 1 Schule 103, auf 1 Lehrstelle 57; in Rheinhessen auf 1000 Ein­wohner 143 Kinder, auf 1 Schule 229, auf 1 Lehrstelle 61. Die Zahl derPrivatunterrichtsanstalten betruchu derselben Zeit in Starkenburg 25 mit 106 Lehrern und Lehrerinnen und 1788 Schülern, in Oberhessen 13 mit 34 Lehrern und Lehrerinnen und 392 Schülern, in Rheinhessen 14 mit 108 Lehrern und Lehrerinnen und 1928 Kindern. Fortbildungs­schulen gab es in Starkenburg 318 mit 10311 Schülern oder auf eine Fortbildungsschule durchschnittlich 32,4 Prozent; in Oberhessen gab es 404 mit 6602 Schülern oder auf 1 Fortbildungsschule 16,3 Prozent; in Rheinhessen 183 Fortbildungsschulen mit 6857 Schülern, oder auf eine Fortbildungsschule durchschnittlich 37,5 Prozent.

Weimar, 2. November. Eine Aenderung des diesseitigen Volksschulgesetzes von grundsätzlicher und praktischer Bedeutung soll, wie wir bereits kurz meldeten, unfern Landtag in Kürze beschäftigen. Es handelt sich um anderweite Regelung der Ortsschulaufsicht. In dem Schulgesetz von 1874 wird der Ortsschulvorstand als der gegebene Ver­treter und Wächter der Volksschule anerkannt, und er wählt aus seiner Mitte den Ortsschulausseher. Nur in mehrklassigen Schulen führt der erste Lehrer oder Rektor die Leitung der Schule. Die letztere Einrichtung wird nicht angefochten, wohl aber die Wahl des Schulaufsehers durch den Schulvorstand, an deren Stelle die Ernennung durch die Regierung treten soll. Da es sich Überhaupt nur um ein- oder zweiklassige Land­schulen handeln kann, so ist nicht abzusehen, wie die Regierung eine andere oder bessere Wahl treffen kann als der Schulvorstand, da auf den Dörfern außer dem Lehrer selten pädagogisch gebildete Männer zu finden sein werden. Auch die Schulvorstände haben in den allermeisten Fällen den Ortsgeistlichen zum Schulaufseher bestellt; so wird es wohl auch die Regierung halten. Es mag aber den Geistlichen die Berufung durch die Regierung angenehmer fein, als die zeitweilige Wahl durch den Schulvorstand, und hierin mag auch wohl der Hauptgrund für eine Aenderung des bisherigen Verhältniffes zu finden fein.

Gerichtssaal.

Darmstadt, 7. November. Der 67 Jahre alte Landwirt Adam Adler 3. von Astheim, dem am 9. Juli die Frau gestorben ist, lernte in Mainz in einer Restauration eine Kellnerin kennen, der er, obwohl er nur wußte, daß sie Käthchen heiße, alsbald die Heirat versprach. Da er auch einige Hundertmarkscheine zeigte, willigte das Mädchen ein und begleitete ihn einige Tage später in sein Haus in Astheim. Auf ihren Wunsch wurde auch der 18 Jahre alte Bureaugehilfe Aloys Kuhlmann, den sie als ihren Stiefbruder vorstellte, mitgenommen. Das Liebes­pärchen verabredete, während der Alte von künftigem Glück träumte, wie es demselben den Mammon abnehmen könne. Am vierten Tage kam der Plan zur Ausführung. DerStieffchwager" veranlaßte den Adler mit nach Mainz zu gehen, um die Ehepapiere zurecht zu machen nnd das Mädchen abzumelden. Derselbe willfahrte, nachdem er sich erst noch überzeugt hatte, daß die Fenster und Thüren des Zimmers, in dem sein Geld war, wohl verschlossen waren. In Mainz machte sich Kuhlmann nach einiger Zeit von seinem Begleiter los und ging in dieMoguntia", wo später auch die Scharhag, so heißt das Mädchen, mit über 3000 Mk. in Gold, die sie gestohlen hatte, erschien. Als die beiden Männer weg waren, hatte diese vom Hofe aus ein Fenster geöffnet, war eingestiegen und hatte das Geld aus einem Schrank entnommen. Mit dem Schatz hatte die Diebin sich dann so schnell als möglich auf den Weg gemacht; in Griesheim verzehrte sieSpeck und Eier" und ließ ein Goldstück wechseln. Dies erzählte die Wirtin dem auf der Heimkehr vorsprechenden Adler, der natürlich, als er dies hörte, lief was er laufen konnte, um nach Hause zu kommen und zu sehen, was geschehen war. Das saubere Paar hatte sich in Mainz etwas ausgerüstet und dann eine Rheinreffe angetreten, die je­doch nur bis Köln gedieh. Hier wurden beide verhaftet. In deren Besitz fand man noch 2600 Mk. die Adler zurückerhält. Die schon zweimal wegen Diebstahls bestrafte Scharhag wurde gestern vor der Strafkammer zu 3 Jahren Zuchthaus unter Zulassung von Polizei­aufsicht und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre. Kuhlmann, der hauptsächlich unter dem Einfluß der viel geriebenen Scharhag gehandelt hatte, wurde zu 1 Jahre Gefängnis verurteilt.

^(Darmst. Tagebl.)

Marburg, 6. November. Die hiesige Strafkammer verur­teilte einen 12jährigen Schulknaben aus Bromskirchen wegen schweren Diebstahls und Einbruchs zu sechs Wochen Gefängnis. Bemerkt sei, daß der hoffnungsvolle Junge schon einmal vier Wochen wegen Diebstahls in Wehlheiden verbüßt hat.

Mteratur.

Ein modernes Gedichtbuch für 10 Pfennige, unb zwar eine Anthologie von Liedern der besten modernen Dichter mit Buchschmuck von Herrn. H i r z e l ist vor geraumer Zeit in 100000 Exemplaren im Verlage von M. Liemann in Berlin erschienen. Der feinsinnige Sammler der Dichtungen, Dr. Ludwig Jacobowskt, der verdienstvolle Herausgeber von Die Gesellschaft", Halbmonatsschrift für Kunst, Liiteratur und soziales Leben, hat das Büchlein speziell für die breiteren Schichten des Volkes bestimmt an Stelle der minderwertigen und spekulativen Kolportagelitteratur. Wie jene den Geschmack des Volkes verdirbt und lediglich die Taschen der Verleger füllt, hat neulich in diesem Blatte ein praktisches, den Preußischen Jahrbüchern entnommenes Beisviel zur Genüge gekennzeichnet. Gerade mit ihren eigenen Waffen sollen in vorliegendem Falle diese Aftermuse bekämpft und

gleichfalls aus dem Wege der KolportageDie Neuen Lieder fürs Volk" vertrieben werden. Namen wie Sudermann, Hauptmann, Fontane, Stieler, Greif, Dahn, Har t, Pfau, Anzengruber, JacobowSki, Rosegger, Seidel, Conrad, Fitger, Schlaf, Schaukal, Wildenbruch, Roquette, Scheffel, Dahmel, Falk u. a.- wer zählt die Völker, nennt die Namen? sind in der Sammlung, sogar meist mit mehreren Beiträgen, vertreten. Selbst die Königin von Rumänien Carmen-Sylva sdmdete ein aller­liebstes Verslein für all die Vielkn, Vielen, denen ihre soziale Stellung kein Bändchen Goldschnitllyrik auf dem obligaten Alt- Mahagonitisch mit Stegverbtndung gestattet. Wird Gießen dazu beitragen, daß die Hoffnung des unermüdlichen Verfassers, ein« Million dieser Büchlein im Volke zu verbreiten, nicht illusorisch wird? Auf unserer Fahrt ins moderne, neuromantische Land trafen wir das Büchlein bisher nur in der Buchhandlung Schneider, Sonnen st raße. Vivant aequentee. Dennb i t Kunst dem Volke und das Volk der Kunst", wie bereits unsere Volksvorstellungen und Lesehalle in die Praxis zu übersetzen versuchen .... Welche reine geistige Nahrung und welche erfrischende Anregung gewähren die 160 Seiten den vom Getriebe des Alltags Erschöpften! Der Arbeitsmann, auf den nach deS Tages Last und Hitze das Büchlein in seinem einfachen Schmucke wartet, kann getrost wie Hermann Sudermann in dem einzig-schönen Gedicht, daS die Sammlung von dem erfolgreichen Dramatiker enthält, sprechen:

Wir JungenS sind jung wir haben Kraft, UnS ist der Mut noch nicht erschlafft, Wir wissen zu ringen mit Not und Mühn. Wir wissen, wo blaue GlückSblumen blühn; Bald kehren wir lachend heim nach Haus' Und jagen Frau Sorge zur Thür' hinaus ..." Jul. B-r.

Zola und die jungen Mädchen. Wir lesen firnNeuen Wiener Tageblatt": Der in Wien im 2. Bezirk, Scholzgasse Nr. 16, wohnhafte Affecuranzbearnte Herr I. Fuchs hat drei Töchter, deren älteste Mitglied eines hiesigen Bildungsvereins ist. Aus der Bibliothek dieses Vereins entlehnte das 19jährige Fräulein denDoktor Pascal" von Zola. Der Vater fand sich veranlaßt, das Buch zuerst zu lesen und dessen Lektüre seiner Tochter zu verweigern. Um eine Entscheidung über die Berechtigung seines Vorgehens zu erlangen, schrieb Herr Fuchs kurz entschlossen folgenden Brief an Zola:

Hochverehrter Meister! Gestatten Sie einem Vater junger Mädchen, sich um einen Rat an Sie zu wenden. Ich habe vorläufig meiner Tochter das Lesen Ihrer Bücher nicht erlaubt. Besonders hat man mit von demDoktor Pascal" abgeraten, und ich bin dabei bei meinen Töchtern auf Widerspruch gestoßen. Ich bitte Sie selbst nun ergebens! um Ihre maßgebende Meinung, der sich beide Teile gerne beugen werden."

Auf diesen Brief langte vor ungefähr einer Woche die Antwort ein, die in deutscher Übersetzung folgendermaßen lautet:

MeinHerrI Ich schreibe nicht für die jungen Mädchen, und ich glaube nicht, daß jede Lektüre gut ist für Gehirne, welche noch m der Entwickelung begriffen sind. Sie haben vollkommen recht, die Er­ziehung und Bildung Ihrer Kinder so zu lenken, wie es Ihnen gefällt, und sie schulden Ihnen Gehorsam. Später, wenn das Leben sie frei­macht, werden sie lesen, was sie wollen. Gestatten Sie u. s. w.

Emile Zola."

Universität und Hochschule.

Verschiedenesr Der B r e s l a u er Universitätsrektor ver­bot unter Androhung der Aufhebung der Vereine allen studentischen Verbindungen, den neuen Mitgliedern die ehrenwörtliche Verpflichtung abzunehmen, beim Austritt aus der Korporation in keine andere farbentragende Verbindung hierselbst einzutreten. Der außer­ordentliche Professor der Nationalökonomie Dr. Kindermann in Heidelberg hat der Handelskammer und dem Kaufmännischen Verein mitgeteilt, daß er Angehörige des Handelstandes sowohl selbst­ständige wie Angestellte, zu seinen Vorlesungen etnlabe, ohne von ihnen ein Honorar zu beanspruchen. Er wird zwei Stunden wöchentlich über Finanzwissenschaft, vier Stunden über praktische Nationalökonomie lesen und zwar in der Mittagstunde von 12 bis 1, sodaß Angestellte ohne Versäumnis im Geschäft das Kolleg hören können. Je nach der Teil­nahme an diesen Vorlesungen gedenkt bann die Handelskammer Erwäg­ungen anzustellen, ob sie nicht regelmäßige akademische Handelskurse einrichten soll.

Kandwirtschast.

H. L. Bekämpfung der Rindertuberkulose. Der Hessische Lmbwirtschaftsrat hat: 1. Großherzogliche Regierung ersucht, die balbige Herbetführung reichsgefetzlicher Maßregeln zur Bekämpfung der Rinbertuberkulose bringlichst zu beantragen. 2. Großherzogliche Regierung ferner ersucht, die Bekämpfung der Rinbertuberkulose im Großherzogtum durch Inangriffnahme nachstehender Maßregeln und Gewährung der nötigen Mittel energisch unterstützen zu wollen: a) Denjenigen Züchtern und Züchtervereinigungen, welche die Impfung ihres ZuchlvtehbestandeS mit Tuberkulin beantragen, und sich zur Durchführung eines von Großh. Regierung vorzuschreibenden Ver­fahrens zur Tilgung der Tuberkulose verpflichten, ist kostenlose Impfung zu gewähren; b) es dürfen nur solche Bullen zur Zucht gekört werden, welche nach unmittelbar vor der Anschaffung vor- zunehmender Jmvfung mit Tuberkulin nicht reagiert Haden. Die­selben Tiere müssen nach 4 Monaten wieder geimpft werden, und können nur dann weiter zur Zucht verwendet werden, wenn sie nicht reagieren. Außer der kostenfreien Impfung ist für die durch event. Reaktion bei der zweiten Impfung entstehenden Verluste Entschä­digung aus staatlichen, bezw. öffentlichm Mitteln zu gewähren; c) alle nach amtlich vorgenommener Impfung als nicht reagierend bezeichneten Tiere sind mit einem amtlichen Zeichen zu versehen; d) die Molkereien des Landes find anzuwetsen, Molkereiabfälle dauernd nur in gekochtem Zustande abzugeben. 3. Der Landwtrt- scvaftsrat hat ferner die Festsitzung eines Zeitpunktes in AuSficht genommen, von welchem ab nur noch mit unter 2 beantragten Zeichen versehene Rinder zum Wettbewerb bet Schauen zugelassm werden können.

H. L. Nuskunstsftelle für Rechtsfragen. Der Hessische Lrndwirtschaftsrat errichtet, wie uns mttgekhetlt wird, eine Aus­kunftsstelle, bei welcher die Mitglieder der landwirtschaftlichen Vereine unentgeltlich Auskunft und Ratschläge über Neuerungen der Rrchtslaze und überhaupt Rechtsfragen erhalten können, welche mit dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches und dem landwirt­schaftlichen Berufe in Beziehung stehen.

Wetterbericht. Im Nordwesten des Erdteils ziehen fortgesetzt größere Depressionen auf nordwärts gerichteter Bahn vorüber. So lag heute wieder ein Depressions-Centrum zwischen den Hebriden und den Shetland'Jnseln. Bon demselben erstreckt sich über die britischen Inseln und Westfrankreich ein Ausläufer südwärts bis zu den Pyrenäen. Neber dem Kontinent besteht noch hoher Druck mit einem Kerne über den unteren Donau-Ländern, doch haben in Central-Europa die Barometerstände an Intensität etwas verloren. Speziell über Süddeutschland sind die Gradienten sehr gering und herrscht daselbst demgemäß ruhiges, meist heiteres Wetter. Nur im Flachlande treten stellenweise Morgennebel auf. Die Hochstationen verzeichnen andauernd Temperatur-Umkehr. Boraussichtl'che Witterung: Vorerst noch Fortdauer des meist heiteren Wetters. Unter tags ziemlich mild, morgens und abends fallen stellenweise Niederschläge.

So schön wie neu können Kragen unb Manschetten mit Macks Pyramiden-Glanz-Stärke geplättet werden. (UeberaH vorrätig in Packeten zu 10, 20 und 50 Pfg ) 7557