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Nr. 211 Zweites Blatt________Freitag den 8. September
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Die Vorladung der Militärattaches.
Wir haben uns erst vor einigen Tagen mit dem Dreyfus- 'Prozeß des näheren beschäftigt; die Verhandlung vom Dienstag veranlaßt uns aber, heute noch einmal darauf zurückzukommen. Von vornherein war vorauszusehen, daß der für die Beratungen vorgesehene Termin eingehalten werden würde, da im Laufe des Prozesses immer neue Leugen von der Anklagebehörde sowie von der Verteidigung an die Szene geführt werden würden. Schon oft ist im Laufe der Zeit, während welcher eine Revision des Dreyfus- Prozesses angestrebt wurde, die Frage aufgeworfen worden, ob es denn nicht am einfachsten wäre, wenn diejenigen Aemden Regierungen, mit denen Dreyfus in Verbindung -gestanden haben sollte, eine offene Erklärung zu Gunsten des Angeklagten abgäben. Zu erzwingen ist eine solche Erklärung nach völkerrechtlichem Brauche freilich nicht, aber sie hätte ja freiwillig erfolgen können. Staatssekretär v. Bülow hat zwar namens der deutschen Regierung mehrfach darauf hingewiesen, daß die letztere mit dem Kapitän Dreyfus niemals Beziehungen unterhalten habe, und auch Ltalienischerseits war eine solche Kundgebung erfolgt, aber es ist ja bekannt, daß die Franzosen bisher derartigen Erklärungen keinen Wert beilegten, da sie nicht in ihren Kram -paßten. Jetzt scheint es doch, als ob eine Zeugnisablegung seitens der Militärattaches Deutschlands und Italiens, welche im Jahre 1894 den Botschaften in Paris zugeteilt waren, stattfinden werde.
Der unermüdliche Verteidiger Dreyfus', Maitre Labori, wacht die größten Anstrengungen, um diese beiden Herren zum Reden zu bringen, und die französische Regierung wird nicht nur diese Vorladungen auf diplomatischem Wege an die genannten Offiziere, die Obersten v. Schwartzkoppen und Panizzardi, gelangen lassen, Labori hat auch an den deutschen Kaiser und den König von Italien die direkte Bitte gerichtet, den beiden früheren Attachees die Genehmigung zur Zeugenaussage zu erteilen. Man sieht, Labori thut nichts halb. Es läßt sich aber heute noch nicht sagen, ob er mit seinem Schritt Erfolg haben wird. Sowohl' Kaiser Wilhelm wie König Humbert werden mit Interesse den Dreyfusprozeß verfolgt haben und gewiß gern das Dunkel gelichtet sehen, aber vielleicht verweisen sie auf die bereits von ihren Regierungen abgegebenen Erklärungen,' denen die Leiden Attaches kaum noch etwas hinzufügen können. Es ist ja bekannt, daß die Militärattaches die Aufgabe haben, die militärischen Ereignisse und Fortschritte desjenigen Landes, in welchem sie stationiert sind, aufmerksam zu verfolgen bezw. zu erforschen. Sie sind gezwungen, nach dem Grundsatz zu handeln: „Man gebraucht den Spion, aber man verachtet ihn." Schwartzkoppen und Panizzardi können wohl aussagen, daß Dreyfus ihnen keine Dienste geleistet habe, sie können aber nicht erklären, wer ihnen Kenntnis gegeben hatte von dem französischen Mobilmachungsplan usw.
Georg Freiherr von Rheinbaben,
der neue preußische Minister des Innern.
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Georg Freiherr von Rheinbaben entstammt einem alten schlesischen Adelsgeschlecht. Er wurde am 21. August 1855 zu Frankfurt a. O. geboren, steht also — für einen Minister ein sehr seltener Fall — erst im 44. Lebensjahre. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Frankfurt studierte Frhr. von Rheinbaben Jurisprudenz, war dann eine Zeit lang bei der Regierung in Schleswig beschäftigt und trat später als vortragender Rat ins Finanzministerium ein. In dieser Stellung verblieb er bis zu seiner Ernennung zum Regierungspräsidenten in Düsseldorf. Ebenso wie er hier Nachfolger des Ministers v. d. Recke v. d. Horst wurde, ist er seinem Vorgänger nun auch als Minister gefolgt.
Labori verspricht sich deshalb vielleicht etwas zu viel von der Zeugenschaft der Attachees. Jedenfalls aber bildet der Zwischenfall eine interessante Erscheinung im Dreyfusprozeß und ist geeignet, die Augen neuerdings auf das in Rennes sich abspielende Drama zu richten. xx
Prozeß Dreyfus.
Rennes, 6. September.
Die heutige Verhandlung des Kriegsgerichts wurde um 6V2 Uhr eröffnet. Die Sitzung war zuerst geheim. Gewisse Stücke aus dem geheimen Dossier wurden nochmals geprüft und alsdann folgte die Vernehmung des Zeugen Cernuschi. Während im Lyceum geheim verhandelt wurde, versammelte sich eine zahlreiche Menschenmenge vor dem Gebäude. Eine ganze Anzahl Pariser und Pariserinnen,
Engländer und Engländerinnen sind eigens für die heutige Verhandlung nach Rennes gekommen. Die Wartenden diskutieren lebhaft die Frage, ob Schwarzkoppen und Panizzardi nach Rennes kommen werden oder nicht. Um 8y2 Uhr wurde die Oeffentlichkeit wieder hergestellt. Infolge der Ueberfüllung des Saales herrscht schon zu Beginn der Sitzung lebhafte Unruhe. Labori verlangt vom Zeugen Trarieux, daß er Mitteilungen über Savignaud machen möge, den Burschen, welcher für Picquart in Tunis einen Brief an Scheurer-Kestner zur Post gebracht haben will. Trarieux giebt über denselben eine sehr schlechte Auskunft und bemerkt, Savignaud habe ein falsches Zeugnis abgelegt. Er sei ein lügnerischer Zeuge. Labori verlangt alsdann vom Zeugen Trarieux Mitteilungen über die Affaire des Petit bleu. Trarieux kommt diesem Verlangen nach, wobei er den Major Lauth sehr scharf angreift, der behaupte, daß Picquart ihn habe verleiten wollen, das'Petit bleu umzufabrizieren. Trarieux fragt den Major Lauth, wie es dann komme, daß er mit Picquart noch sechs Monate in Verbindung geblieben sei, nachdem ihn dieser zu einer Fälschung habe verleiten wollen. Zeuge konstatiert dann noch, daß die Radierung des Petit bleu nach dem Fortgänge PicquartS erfolgt sei und eine der Manipulationen gewesen sei, mit welchen man Picquart verderben wollte. Picquart sei das Opfer leichtfertiger Verdächtigungen gewesen. Nachdem Zeuge noch alle gefälschten Depeschenbriefe und alle Fälschungen aufgezählt, ruft er: die Fälschungen in dieser Affaire sind zahllose.
Major Laut antwortet auf die Angriffe Trarieux mit ausweichenden Redensarten ohne thatsächlichen Hintergrund. Was seine Beziehungen anlange, die er mit Picquart unterhalte, so wolle er erzählen, daß, als der Zar in Paris war, mehrere Herren ein Diner gegeben hätten, zu welchem die Herren ihre Frauen mitgebracht hätten. Picquart sei aber mit einer Dame erschienen, deren Platz picht dort gewesen sei und die übrigens kürzlich in einem Ehescheidungsprozeß eine Rolle gespielt habe. (Lärm im Saal.) Picquart springt auf und ruft: Ich erhebe Einspruch gegen diese Bemerkungen. (Murren und großer Lärm.) Präsident Jouauft bittet den Hauptmann der Gendarmerie für Ruhe zu sorgen.
General Zurlinden giebt jetzt einige genaue Angaben über die Vorgänge, welche zur Verfolgung des-Obersten Picquart geführt haben. Er versichert dabei, daß die Radierung des „Petit bleu" in dieser Sache nur eine sehr kleine Rolle gespielt habe. Picquart sei von den Offizieren Gonse, Henry, Lauth und Gribelin einstimmig angeklagt worden, weshalb man zu seiner Verfolgung geschritten sei. Zeuge Trarieux konstatiert, daß Zurlinden nicht nur die Verfolgung eingeleitet habe, er habe sie später als Gouverneur von Paris auch fortgesetzt. Nun sei die Untersuchung abgeschlossen und zwar zu gunsten Picquarts. Labori
Feuilleton.
Die Mosen von la Malmaison.
Von Johannes Pasig.
(Nachdruck verboten.)
Nur wenige Jahre waren seit dem Tage von Tilsit vergangen, und doch hatten sich die Zeiten gar sehr- geändert! Die edle Königin Luise hatte ihr Herzeleid mit ins Grab genommen, und der Korse war von seiner schwindelnden Höhe jählings herabgestürzt.
In der Geschichte jener Tage begegnet uns auf Napoleons Seite ein liebliches Friedensbild, das unsere lebhafte Teilnahme erregt, dem Kaiser so nahestehend, und doch von ihm innerlich so grundverschieden, wenig bekannt, und doch wert, bekannt zu werden; in der ganzen Geschichte Napoleons das einzige Wesen, das den versöhnenden Schimmer der Poesie und des Friedens über das Lebensbild des letzten Titanen verbreitet — Josephine von Brauch arnais, die Gemahlin Napoleons.
Am 21. April 1814 war Napoleon in die Verbannung nach Elba gegangen; an demselben Tage hatte König Ludwig XVIII. den Thron seines am 21. Januar 1793 enthaupteten Bruders Ludwigs XVI. bestiegen. Die große Aufgabe der Verbündeten war erfüllt, die Friedensverhandlungen waren ihrem Abschluß nahe, und die Fürsten schickten sich bereits an, die feindliche Hauptstadt zu verlassen, um in die Heimat zurückzukehren. Zu jener Zeit fuhr an einem milden, sonnigen Maientage ein Staatswagen die
große Landstraße von Paris nach Rueil hinab und wandte sich hinter dem Städtchen dem Schlosse la Malmaison zu. In dem Wagen saß Kaiser Alexander von Rußland.
Hatte er die Absicht, das Schloß in Augenschein zu nehmen, das Napoleon vor allen anderen so kostbar ausgestaltet, oder wollte er die Kunstschätze besichtigen, die der Eroberer auf seiner Siegesbahn allenthalben zum Geschenk erhalten, oder aus aller Herren Länder mit fortgenommen, und hier zum großen Teile geborgen hatte, jene herrlichen Kunstschätze, die nach den Friedensbestimmungen von 1814 sämtlich in Frankreichs Besitz verbleiben sollten. Oder aber gedachte Alexander den Garten zu besuchen, der als der schönste der Welt, als ein Reich der Feen gepriesen wurde? Wies doch jener Garten allein viele tausende von Arten der seltensten und schönsten Pflanzen aus Neu-Granada und Mexiko, vom Orinoko und Amazonenstrom, von den Kordilleren und aus Westindien auf, von wo diese hierher in die Gärten von la Malmaison und seine luxuriösen Treibhäuser verpflanzt worden waren.
Alles dies hatte für Alexander indes letzt gar kem Jntereffe. Seine Gedanken weilten bei der Bewohnerin des Schlosses, der demütigen Dulderin, der Kaiserin Josephine. Hier, inmitten ihres Hofstaates und der sie umgebenden Pracht, in tiefster Trauer um Napoleons Geschick, lebte die verwitwete Kaiserin, wie sie genannt wurde, seit Napoleon sich von ihr geschieden hatte, seit die Kirche vian sagt, wegen eines Fehlers in ihrem Taufschein ben Schritt gebilligt, den ihm der Stolz eingab. So hatte Josephine, das Weib seiner Jugend, das er liebte bis zu seinem letzten
Atemzuge, der Prinzessin Marie Luise von Oesterreich weichen müssen. Hier in la Malmaison hatte Josephine von Napoleons eigener Hand die Botschaft von der Geburt des Kindes erhalten, dem Napoleon den Titel eines „König von Rom" in die Wiege legte; hier in dem nahen Schlößchen la Bagatello wurde ihr die wehmütige Freude zuteil, das liebliche Kind ihres Gemahls sehen und küssen zu dürfen. Bonaparte selbst hatte ihr auf ihre unablässigen Bitten den Knaben zugeführt, und der Anblick der zärtlichen Liebe, die das-Kind sofort für Josephine faßte, ihre Worte: „Liebes Kind, Du wirst vielleicht alles erfahren, was Du mich gekostet haft," hatte selbst sein eisernes Herz erweicht, sodaß er mit Gewalt das Kind und sich selbst losriß, um sie nimmer wiederzusehen. Seit jener Stunde litt die edle Kaiserin an einem Herzweh, das nur der Tod zu heilen vermag.
Inzwischen war alles das in Erfüllung gegangen, was Josephine vor vier Jahren Napoleon frei ins Gesicht gesagt hatte: „O Bonaparte, wie oft hast Du mich Deinen guten Engel genannt. Verstößest Du mich, so verstößest Du Dein Glück. Hingerissen von grenzenloser Ehrbegierde, wirst Du, Unseliger, zu spät erkennen, daß Du über einem Vulkan einherschreitest, Deine Vergehen werden wie Blitze in den Krater hinabfahren, und ein furchtbarer Ausbruch wird die Folge sein." Und Napoleon hatte einsehen müffen, daß sie recht gehabt.
In dem Augenblick, da er Fontainebleau verließ, um nach Elba abzugehen, that er den durchdringend schmerzlichen Ausruf: „C’est mon divorce, qui m’a perdu!* (Meine


