Ausgabe 
8.9.1899 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

;0öt8Ms.

!- d-r Ä h> -«- Stern b

1 »enntnis L®5n,N'» ' LL'^N

!

SÄ ^rlobung des hem u

Sympathie sich Ä"fe"l^lt# tat4 ^Siienernatben bat, j £*»«««(& b taen des erlaubten J* M mt Sicherheit eine

D-r Herr ttgnf »ird 1 berSdntjin ter Nieder- il S°^er8 im Herzogtum I fmer Schwager!' uveck PyMM, des Königs 'N zu Bentheim-Bentheiin di Pratola, welche bereits ns Garten ein gut besuchtes nehmen, am Montag dcvi nals konzertieren. Die ii italienische Kapelle ist usf ich ihrer Heimat begriffe-. den 17. Leptember 1899 eus Heute können wir unsern nm für bitfe AeranMtung djening beifügen ju hülfen, au# bieimal wieder eine oten wird, wie fit nm <xx\ ! ögbich ist, d* rvüchr die \ imt wird. Die Mebew ium der Rennbahn Gießet r Radfahr-Gesellschast. Die Konkurrenzen für Bes­uch solche für Herrenfahrer amm sieht vor: Samstag nds 9 Uhr: Zusammenkunft ekommnen Gäste im BereM- ^tersweg. Sonntag, !? Frühschoppen im LerrmS- 'ersweq, nachmittagsL^Uhr: ltusik auf dem Brandplatze. ,er m »°-s° beteilige«, Über Teilnehiner am W in Visen, welch- j«®1** L berechtigt ( * ortfopiime bil-ügm- * leginn bet Sennen. «- nLff mit Damen auf w fische Beleuchtung, W'

5S'

herpreii «r * < t Stadt eine . w«ben l! Itett. «Ärfaefet#

Mit bet Wfi* :?tn|e« # J t |On(ltgti eher S*treten-

. «viSxs $s*r<s»*V NM ouv X m

^.Mnderp und

, 3 Tcurntot'® --x^s >

W

1 °20OO i

Preise im Werte von 40, 20, 10 Mk. Nur offen für alle diejenigen Fahrer, welche im Mannschaftsfahren gestartet haben. Meldeschluß ist Montag, 11. September, abends 9 Uhr, bei dem 1. Vorsitzenden der GießenerWanderer", Herrn Wilhelm Homberger, Seltersweg 52.

* ' Deutscher Anwaltstag. Für den in der Zeit vom 7.-9. Septenber in Mainz stattfindenden 14. deutschen Anwaltstag sind die Anmeldungen außerordentlich zahl­reich eingelaufen, und zwar aus Nord- wie aus Süddeutsch­land. Neben ernster Arbeit erwartet hier die Anwälte ein reiches Programm verschiedenartiger Vergnügungen, worunter ein Nachtfest, eine Rheinfahrt und eine Kellerbesichtigung. Die erste geschäftliche Sitzung findet Freitag Morgen statt.

* * Der Landesausschuß und das Landeskomitee der Hessischen Zentrumspartei erläßt soeben eine Einladung zum 6. Hessischen Katholikentag, der am Nachmittag des 24. l. Mts. in Mainz abgehalten wird. Die Einladung ist von sämtlichen Zentrumsabgeordneten der zweiten Stände­kammer unterzeichnet.

* * Polizeibericht. Gestern mittag gegen 12 Uhr wurde der 5 Jahre alte Junge des Knechts Christoph Steih von dem Knecht Kaspar Rang, bei Oekonom Puth dahier, am Wißmarerweg, etwa 50 Meter jenseits des Bahnviadukts, auf der Straße überfahren, und blieb auf der Stelle tot. Der Knecht Rang hatte an der Feldscheuer von Puth an der Militärschwimmanstalt zwei leere Erntewagen, welche derselbe aneinandergehängt hatte, geholt. Der Verlebte und sein 8 Jahre alter Bruder Heinrich hatten sich von ihrer in nächster Nähe befindlichen Wohnung zu Rang be­geben und sich auf den Hinteren Erntewagen gesetzt, um wohl eine Strecke Weges mitzufahren. Es liegt dieses über­haupt in der Gewohnheit der Kinder, bei jeder sich ihnen bietenden Gelegenheit auf die Wagen zu klettern. Rang fuhr mit den beiden Wagen an der Wohnung von Steih vorbei, und hatte die Mutter der beiden Jungen gesehen, daß dieselben auf dem Hinteren Wagen waren. Sie schickte alsbald ihr 10 Jahre altes Mädchen nach, um die Jungen zu rufen. Dasselbe lief nunmehr dem Fuhrwerk nach, rief den beiden Jungen, welches jedoch Rang infolge des Wagen­gerassels nicht hörte. Auf das Zurufen stieg der ältere Junge während des Fahrens hinten vom Wagen, und der Verlebte versuchte, am vorderen Teil des Wagens herunter­zusteigen, kam hierbei zu Fall und fiel anscheinend vor das linke Vorderrad des Wagens, welcher ihm über den Kopf ging und die rechte Kopfseite schwer verletzte, sodaß der Tod sofort eintrat. Rang wurde erst durch das Geschrei des Mädchens aufmerksam. Denselben dürfte wohl keine Schuld treffen. Gestern abend gegen 8 Uhr kam ein Wirt von Allendorf a. d. Lda. mit einem Wagen vor hiesigem Polizei­amt angefahren, und hatte auf demselben einen Mann gefesselt liegen. Der Wirt gab an, der Mann habe sich in seiner Wirtschaft wie rasend geberdet und sich mit seinem Messer in den Kopf gestochen. Derselbe wurde zur ärzt­lichen Untersuchung in die alte Klinik verbracht, wo er als­bald wieder entlassen wurde. Der Mann scheint in einem Anfall von Delirium gehandelt zu haben.

N. Geiß Nidda, 6. September. Das heute hier ge­feierte Dekanatsmissionsfest des Dekanats Nidda, verherrlicht durch die Gesangsvorträge des Kirchengesang­vereins unter Leitung des Herrn Lehrers Kietz, und des Schülerchors unter Leitung des Herrn Lehrer Auth, wurde besonders gehoben durch die von Herzen kommende und die Herzen tiefergreifende Predigt des Herrn Pfarrer Grein aus Gießen über Petri Fischzug, worauf er das Thema gründete:Die Kennzeichen treuer Missionsarbeit in der Ferne und in der Heimat." Ebenso gab derselbe interes­sante Mitteilungen über die bahnbrechende Thätigkeit der Missionsärzte. Auf die Erfolge der Heidenmission in China ging Herr Missionar Plath näher ein. Die Kollekte ergab 44 Mk. Der ganze Ort war geschmückt; die Feldarbeit ruhte vollständig.

P.C. Groß Umstadt, 7. September. Auf viele Anfragen giebt das Ausstellungs-Komite hier bekannt, daß den mancherlei Wünschen nach Verlängerung der Aus­stellung nicht Rechnung getragen werden kann, weil der Beginn der Zuckerfabrik-Kampagne bevorsteht, und bis dahin der Ausstellungsplatz geräumt sein muß. Der Schluß der Ausstellung ist also unwiderruflich am 17. ds. MtS., abends 8 Uhr, sodaß noch zwei Sonntage in die Ausstel­lungszeit fallen. Der Eintrittspreis ist auf 50 Pfg. herab­gesetzt, um auch Minderbemittelten den Besuch der Aus­stellung zu erleichtern. (Nur am Freitag den 8. ds. Mts. beträgt der Eintrittspreis noch 1 Mk.) Auch die Konzert­tage der letzten Woche, Sonntag, Mittwoch und Freitag sind 50 Pfennigtage. Der Ausstellungs-Katalog wird von dieser Woche an für den sehr billigen Preis von 20 Pfg. verkauft; er enthält im 5. Teil eine kurze geschichtliche Ab­handlung über Groß-Umstadt. Kürzlich besuchten Mit- glieder des gräflichen Hauses Erbach-Erbach die Ausstellung und sprachen sich sehr anerkennend über dieselbe aus.

Zell i. O., 6. September. Der schon ziemlich bejahrte Wagner Horn von hier wurde gestern morgen als Leiche in der Mümling aufgefunden, und zwar unter sonderbaren Umständen. Am Hais der Leiche war nämlich mit einem Strick ein schwerer Stein befestigt, der den Körper tief in das Wasser zog. Der Verlebte war seit Samstagabend, wo er sich bis nach 10 Uhr in einer hiesigen Wirtschaft befand, verschwunden. Seine Frau hatte ihn, da er nicht nach Hause kam, spät nachts noch in der betreffenden Wirt­schaft gesucht. Bis jetzt ist die Todesursache noch nicht mit völliger Sicherheit festgestellt.

0 Mainz, 6. September. Von den ersten Morgen- sttunden bis zu dem Vormittag zogen über die hiesige Gegend eine Reihe äußerst heftiger Gewitter, die teilweise von molkenbruchartigen Niederschlägen begleitet waren. Ohne zu zünden schlug der Blitz an vielen Stellen ein, und ver­ursachte in den Telegraphen- und Telephonleitungen große Verheerungen.

Ans der Zett Pr die Zeil.

Vor 5 Jahren, am 8. September 1894, starb zu Charlottenburg Hermann vonHelmholtz, der Erfinder des Augenspiegels. Ueberall hat er mit philosophischem Geiste den Zusammenhang der einzelnen Erscheinungen auf­zudecken gesucht und hat so die Physiologie auf Bahnen gelenkt, welche die Aussicht eröffnen, den Rätseln der Lebens­vorgänge näher zu treten. H. wurde am 31. August 1821 zu Potsdam geboren.

Vermischtes.

* Krefeld, 6. September. Der größte Teil der Arbeiter der Krefelder Seidenfärberei, Aktiengesellschaft, wie der Seidenfärberei Gust. Büschgens Sohn, Aktiengesellschaft, ist aus ständisch. Die übrigen Arbeiter reichten ebenfalls die Kündigung ein.

* Köln, 6. September. Ein Bubenstreich ist in den letzten Tagen auf der Eisenbahnstrecke Mühlheim-Dellbrück verübt worden, indem 72 Schienenbefestigungsnägel entfernt wurden, wodurch 6 Schienen lose auf den Schwellen lagen. Glücklicherweise wurde der Anschlag früh genug bemerkt und die Entgleisung eines alsbald nach der Entdeckung ein­läutenden Personenzuges verhütet.

Hamburg, 6. September. Infolge des starken Nebels auf der Unterelbe kollidierte ein Leichter mit dem aus New-York kommenden englischen Petroleumtankdampfer Beaconlight". Dem Leichter wurde die Steuerbordseite oberhalb der Wasserlinie vollständig ausgeschnitten, er mußte nach Hamburg zurückkehren und seine Ladung löschen. Beaconlight" ist auf Grund geraten, später aber wieder flott geworden.

* Kiel, 6. September. Ein gewisser Schlüter lockte ein fünfjähriges Mädchen in seine Wohnung, vergewaltigte es und versuchte es durch Messerstiche zu töten. Der Verbrecher wurde hieran durch Nachbarn verhindert und verhaftet.

* Leipzig, 6. September. Der Generalstreik der Bauschlofser hat mit einem vollständigen Sieg der Ar­beiter heute geendet. Sämtliche Forderungen der Streikenden wurden bewilligt.

* Markersdorf bei Burgstädt, 6. September. Die große Strumpf- und Trikotwaren-Fabrik von Roscher in Markers- dorf ist durch Groß feuer gänzlich eingeäschert worden. Sämtliche bedeutenden Lagervorräte sind mit verbrannt, der Schaden betrügt über 200 000 Mark.

* München, 6. September. Die als Gebrüder Loibl in Zürich verhafteten Personen (vgl. gestrige Nr.) sind mit den flüchtigen Gelddieben nicht identisch. In den M. N. N." erläßt die Staatsanwaltschaft folgende Be­kanntmachung: Nach Unterschlagung von 40 000 Mk. (da­runter 23 000 Mk. in Tausendmarkscheinen und 17 000 Mk. in verschiedenen deutschen Banknoten) sind am Donnerstag von München flüchtig geworden: 1. Franz Loibl, Bankge­schäftslehrling, geb. am 21. November 1882 in Ufterlin (Bezirksamt Landau an der Isar) 1,70 Meter groß, schlank, dunkelbraune, kurz geschnittene, aufwärts gekämmte Haare, bartlos, rötliches Gesicht von gesunder Farbe, braune Augen, Plattfüße, steifer Gang mit vorwärts geneigtem Kopf, und 2. dessen Bruder Karl Loibl, Herrschaftsdiener und Metzger, geb. 1880 in Brunnber (Bezirksamt Landau an der Isar), beide in Adldorf (Bezirksamt Landau an der Isar) behei­matet, 1,68 Meter groß, untersetzt, kräftig, volles, blasses Gesicht, blonde, kurze, aufwärts gekämmte Haare, rasiert, vielleicht Schnurrbartanflug, steifen Gang. Beide sprechen Münchener Dialekt und haben gute Manieren. Beide sind des Radfahrens kundig. Die Münchener Polizeidirektion setzt eine Belohnung von 4 Prozent des beigebrachten Geldes für Festnahme der Flüchtigen und Wiedererlangung des Geldes aus.

* Augsburg, 6. September. Der erste Bürger­meister, Herr Hofrat v. Fischer, der sich gegen­wärtig in Hohenschwangau zur Kur befindet, soll, wie gerüchtweise verlautet, wegen seines Herzleidens beabsichtigen, in den Ruhestand zu treten.

* Heidelberg, 6. September. Glück im Unglück hatten ein Vater und ein Kind, die mit dem Lokalzug von Schlierbach hierher fuhren. Als der Zug in voller Fahrt begriffen war, stürzte das Kind aus dem Wagen und fiel in das zweite Geleise, auf dem in einer Entfernung von vielleicht 100 Meter ein zweiter Zug heransauste. Unge­achtet der damit verbundenen Todesgefahr sprang der Vater dem Kinde sofort nach und riß es noch im letzten Augen­blick von den Schienen weg. Der Zug sauste vorüber, während der Lokalzug anhielt. Die Passagiere desselben eilten herbei- und sahen nun zu ihrem größten Staunen, daß weder Vater noch Kind den geringsten Schaden erlitten hatten.

Gaggenau (Baden), 6. September. Heute wurde hier ein Mädchen auf offenem Felde von ihrem eifersüchtigen Verehrer ermordet.

* Backnang (Württernb.), 6. September. Jüngst wurde in sehr mysteriöser Weise eine Bürgerstochter nachts in ihrem Schlafzimmer durch einen Schnitt über die Halsschlagader getötet. Ein Nachbar wurde alsbald unter dem Verdacht der Thäterschaft verhaftet. Nun ist der Vater der Ermordeten gefänglich eingezogen worden. Er genießt, wie demSchwäb. Merkur" berichtet wird, allgemein das Lob eines ehrenhaften, sehr weichherzigen Mannes und liebevollen Familienvaters. Ueber die Ver­dachtsgründe, welche die Verhaftung herbeigeführt haben, sind bis jetzt nur unsichere Gerüchte in die Oeffentlichkeit gedrungen.

* Kahla, 6. September. Wie bereits gemeldet wurde, ist der Spar-Vor schu ß-Verein in Konkurs geraten. In der jüngst abgehaltenen Generalversammlung, an der ungefähr 200 Mitglieder teilnahmen, wurde stürmisch Auf­schluß über den Stand der Bücher gefordert. Revisor Kook

aus Hannover führte nach demLeipz. Tagebl." aus, er sei noch nicht in der Lage, einen enbgihigen Abschluß vor- äulegen; doch glaube er, die Dinge ständen nicht so schlimm, wie überall angenommen werde. Nach wiederholten Lärm­szenen unterschrieb zum Schluß der Versammlung ein großer Teil der Anwesenden ein Ersuchen an das Amtsgericht um Verhaftung des Vorstandes und der Mitglieder des Aufsichtsrates.

* Christiauia, 6. September. Baron Toll in Peters­burg kaufte in Toensberg für 70 000 Kronen das Fang­schiff ,,Harald Harrfager". Das Schiff soll für eine am 1. März 1900 in Aussicht genommene Expedition ins Polar meer ausgerüstet werden.

Gottrrdirnst der israelitischen KeligionageseSschast.

Sabbathfeier am 9. September 1899.

Freitag abend 63o Uhr, Samstag vormittag 8 Uhr Predigt, nachmittag 4 Uhr, Sabbathausgang 7<o Uhr.

Wochengottesdienst morgens 5 Uhr, abends 6»° Uhr.__________

Neueste Meldungen.

Depeschen deS BureauHerold'.

Berlin, 7. September. Wie aus Stuttgart gemeldet wird, begann um 8</, Uhr der Zapfenstreich, an dem sämtliche Spielleute und Musik-Korps, weit über tausend Mann, teilnahmen. Vom Schlosse horten der Kaiser, der König von Württemberg mit Gemahlin, der König von Sachsen und die anderen Fürstlichkeiten den Vorträgen zu.

Berlin, 7. September. Die von einer hiesigen Korre­spondenz verbreitete Nachricht, der preußische Land­wirtschaftsminister Frhr. v. Hammer st ein habe seine Demission gegeben, wird von den Berl. Neueft. Nachr. als unwahr bezeichnet.

Wien, 7. September. Tschechischen Blättern zufolge ist der österreichische Botschafter in Petersburg als Nach­folger des Grafen Thun ausersehen.

Eger, 7. September. Zwischen Sozialisten, die vor der Redaktion derNachrichten" demonstrierten und den Deutsch-Nationalen kam es zu einem heftigen Zusammen­stoß, wobei ein Deutsch-Nationaler durch einen Messerstich lebensgefährlich verletzt wurde.

Paris, 7. September. Gestern abend 11 Uhr ging Über Paris ein furchtbares Unwetter verbunden mit einem heftigen Organ nieder. Mehrere Schornsteine stürzten ein, Dächer wurden abgedeckt, Bäume entwurzelt und zahlreiche Passanten durch herabfallende Ziegeln verwundet.

Loudon, 7. September. Die unerwartete Rückkehr Salisburys nach dem plötzlichen Eintreffen Chamberlains bestätigt den Ernst der Lage. Der nächste Ministerrat wird über Krieg ober Frieden entscheiden. Chamberlain wird die einfache Verwerfung der Vorschläge Transvaals sowie die Absendung eines Ultimatums fordern. Gleichzeitig wird er die Einschiffung eines neuen Armeekorps nach Süd­afrika beantragen.

Konstantinopel, 7. September. Zwischen dem Sultan und dem Fürsten von Montenegro finden Verhand­lungen statt, zwecks Abschlusses eines Bündnisses.

Prozeß Dreyfus.

Der im heutigen Bericht über den Prozeß Dreyfus angebeutete scharfe Wortwechsel zwischen bem Vorsitzenden des Kriegsgerichts und dem Verteidiger Labori hat sich nach dem Stenogramm folgendermaßen abgespielt: Labori: Niemals hat man gesagt, daß Dreyfus ein Mitschuldiger Esterhazys war, wir müssen wissen, ob die Anklage auf dieses Gebiet hinübergespielt werden soll! Dreyfus ruft mit lauter Stimme: Ich protestiere gegen diese gehässige Anklage. Der Vorsitzende fordert Labori auf, sich zu mäßigen. Labori: Ich habe kein ungemäßigtes Wort ge­sagt. Vorsitzender: Aber Ihr Ton war nicht ernst. Labori: Meines Tones bin ich nicht Herr. Vorsitzender: Wenn Sie Ihrer nicht Herr sind, entziehe ich Ihnen das Wort. Labori: Ich füge mich, aber ich nehme Akt davon, baß man mir immer das Wort entzieht, wenn ich mich auf einen Boden begebe, auf dem man mir nicht mehr widerstehen kann. (Lebhafte Er­regung im Zuhörerraum. Zeichen des Beifalls und Murren. Die Erregung ist sehr groß.) Der Präsident droht, den Saal räumen zu lassen. Er fragt alsdann Labori, ob er Fragen stellen wolle. Labori erwidert, nachdem er hervorgeboben, daß feine Sprache eine achtungsvolle sei, da er ferner die Fragen nicht stellen könne, die den Kern der Verhandlung bildeten, so behalte er sich vor, die durch feine Verantwortlichkeit und durch das Recht der Verteidigung erforderte Haltung einzunehmen. Vorsitzender: Setzen Sie sich! Labori: Ich setze mich, aber nicht auf Befehl! (Bewegung.)......

Berlin, 7. September. Zur Dreyfus-Affaire schreiben dieBerliner Neuesten Nachricht en": Von deutscher Seite ist alles gewährt, was billigerweise erwartet werden konnte. Neue Schritte zu unternehmen, die dergleichen Miß­achtung anheim fallen würden, wie die früheren, verbietet die Würde Deutschlands und seiner amtlichen Organe.

Paris, 7. September. Der Kriegsminister soll Cavaignac aufgeforbert haben, sich in den Requisitionen streng an den Wortlaut der Entscheidung des Kassations­hofes zu halten. Am Nachmittage cirkulierte das Gerücht in Rennes, Labori werde seine Verteidigung niederlegen. Das Gerücht ist jedoch unbegründet.

Neunes, 7. September. Cernuschi erkrankte nach seiner Vernehmung. Er darf jedoch Rennes nicht verlaffen. Man glaubt, daß Mercier mit neuenEnthüllungen" und mit neuen Zeugen ä la Cernuschi hervortreten wird.

Paris, 7. September. Die Aerzte werden sich über den Gesundheitszustand Du Paty du Clams erst in drei bis vier Tagen aussprechen können, da die vor­genommene Operation nicht die erhofften Resultate er­geben hat.