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8.9.1899 Erstes Blatt
 
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Nr. 211 Erstes Blatt._________Freitag den 8. September

1899

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Die Gießener

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Fernsprecher Nr. 51.

Amtlicher Teil

Bekanntmachung.

Zum Ministerwechsel in Preußen schreibt dieKöln. Ztg." an leitender Stelle:

Die Berufung des Oberpräsidenten Studt und des Regierungspräsidenten Freiherrn v. Rheinbaben in das preußische Staatsministerium hat offenbar den Zweck, festere und thatkräftigere Männer an die Spitze der beiden) wichtigsten Zweige der Hinein Verwaltung zu stellen. Beide stehen schon seit längerer Zeit auf der Ministerliste; beide sind streng konservativ in ihren politischen Anschauungen, wenn sie auch im ganzen fern von Fraktionsbeziehungen sind. Beide haben in längerer Thätigkeit im Westen kennen ge­lernt, wie wichtig es ist, die gemeinsamen Interessen von Landwirtschaft, Handel und Gewerbe zu pflegen und jeder einseitigen Bevorzugung agrarischer Bestrebungen entgegen^ zutreten; und insoweit ist zu hoffen, daß sie gegenüber der jetzigen agrarischen Voreingenommenheit des Herrn v. Miqnel ein gewisses Gegengewicht bilden werden.

Herrn Studts Thätigkeit untersteht seit mehr denn einem Menschenalter der öffentlichen Kritik. Als Regierungs­präsident in Königsberg, wo er bei seinem Abgänge durch den Freiherrn v. d. Recke, den jetzigen Minister a. D., er­setzt wurde, als Unterstaatssekretär in Elsaß-Lothringen und zuletzt als Oberpräsident der Provinz Westfalen hat er sich jederzeit als ein kenntnisreicher, ruhig abwägender, gerecht urteilender, wohlwollender und unermüdlicher Beamter be­währt. An die Spitze Westfalens wurde er während der schwierigsten Zeit, nach dem Ausbruch des großen Berg­arbeiter-Ausstandes. berufen; nicht minder schwierig war seine Aufgabe der katholischen Geistlichkeit gegenüber, zumal er aus seinem protestantischen Glauben niemals ein Hehl gemacht hat. Wenn er jetzt nach zehnjähriger Verwaltung aus Westfalen scheidet, so nimmt er mit sich in sein neues verantwortungsreiches Amt die dankbare Anerkennung und warme Verehrung zahlreicher Kreise, die den gediegenen Kern in der ernsten Hülle zu erkennen und vollauf zu würdigen reiche Gelegenheit gehabt haben und die ihm auf­richtig wünschen, daß ihm das neue dornenvolle Amt, zu dessen Verwaltung er jetzt nach Berlin übersiedelt, zum Nutzen des Vaterlandes reiche Erfolge bringen möge. Denn das eine ist gewiß, daß des neuen Kultusministers in der Reichshauptstadt schwierige Aufgaben harren. Vor allem wird im Amte selbst mit scharfem Besen gekehrt werden müssen. Minister Dr. Bosse, der als Mensch die wärmsten Sympathieen besitzt, dem niemand sein hohes Streben, seine idealen Ziele, feine großen Kenntnisse, seinen unermüdlichen

Gießen, den 5. September 1899.

Bett.: Das Hochbauwesen der Kreise, Gemeinden, Kirchen und Stiftungen.

Das Grohherzogliche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien, Kirchenvor­stände oder Stiftnngsvorstände des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 14. August l. Js., noch nicht entsprochen haben, werden an deren Erledigung mit Frist von 8 Tagen erinnert.

v. Bechtold.

Bekanntmachung, betreffend: Den Viehmarkt zu Hungen. Der Viehmarkt zu Hungen am 18. d. Mts. wird wegen -er herrschenden großen Seuchengesahr verboten.

Gießen, am 5. September 1899.

Großh. Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Eifer wird abstreiten können, hat es nicht verstanden, in seinem Ministerium festen Fuß zu fassen und die sämtlichen Zügel seiner verschiedenartigen Verwaltungszweige kräftig in die Hand zu nehmen und zu führen. Hier wird ein Umschwung ganz besonders notwendig und erwünscht sein; nach der bisherigen Geschäftsführung Studt kann man sicher sein, daß dieser Umschwung sich recht bald bemerkbar machen wird. Anders aber wird es um die eigentliche schulpolitische Aufgabe stehen, die an den neuen Minister herantritt; große grundsätzliche Umwälzungen sind hier nicht wünschenswert. Grade auf diesem Gebiete ist der gegenwärtige Partei­wirrwarr ganz besonders hemmend. Jetzt, wo der Kampf mit den Agrariern trotz aller Miquelschen Verkleisterungs­versuche immer unvermeidlicher hervortritt, wird es ein Zeugnis politischer Staatsklugheit sein, nicht noch durch ein neues Schulgesetz nach dem Muster des Zedlitzschen die mannigfachen unvereinbaren Gegensätze auf die Spitze zu treiben, die zwischen Reaktionären, Liberalen und Ultra- montanen bestehen. Was die Stellung des neuen Ministers zur katholischen Kirche betrifft, so darf man vertrauen, daß die lehrreiche Schule, die sich in Münster ihm geöffnet hat, fruchtbar gewesen sein wird. Er wird wie bisher gute Beziehungen mit ihr aufrecht erhalten, aber dafür sorgen, daß die staatlichen Aufsichtsrechte keine Beeinträchtigung er­leiden. Wir glauben uns nicht zu täuschen, wenn wir an­nehmen, daß die so lange vernachlässigte Medizinalreform durch den Minister Studt eine nachdrückliche Förderung gewinnen wird.

Eine ganz andere Natur als Minister Studt ist der I neue Minister des Innern, Frhr. v. Rheinbaben; er I hat etwas von einer angeborenen jugendlichen Sieghaftig- keit an sich, welche ihm rasch und weit die Herzen derer öffnet, die mit ihm zu thun haben. Es ist merkwürdig zu sehen, wie es nacheinander vier so überaus verschiedenartig veranlagten Herren, wie den Herrn v. Hagemeister, Frhrn. v. Berlepsch, Frhrn. v. d. Recke und Frhr. v. Rheinbaben, gelungen ist, jedem in seiner Eigenart, sich so gut in dem I überaus schwierigen Regierungsbezirk Düsseldorf zu be- I währen, daß sie sich dort schnell die Herzen der ruhigen I niederrheinischen und bergischen Bevölkerung gewonnen haben I und daß man sie sämtlich nur mit dem lebhaftesten Bedauern I und mit der aufrichtigen Ueberzeugung, einen ausgezeichneten Vertreter der Staatsinteressen zu verlieren, scheiden sah. Das trifft in vollem Maß auch für den Frhrn. v. Rhein- I baben zu, obwohl er nur wenige Jahre, seit Februar 1896, I an der Spitze des Düsseldorfer Bezirks gestanden hat, und I obwohl man gerade wegen seiner besonderen Tüchtigkeit an- I nahm, daß er bald den Düsseldorfer Wohnsitz mit einem Ministersessel vertauschen würde. Wie wenig dieser kon- I servative Beamte mit dem Jdeenkreise der jetzigen unglück­seligen Führer der konservativen Partei zu thun hat, trat noch in den letzten Monaten deutlich zutage. Während Graf Limburg-Stirum, obwohl er zuletzt preußischer Ge­sandter in Weimar gewesen war, nicht davor zurückschreckte, die Ablehnung eines kleinen Reichsbeitrags für das Goethe- denkmal in Straßburg zu befürworten, hat Frhr. v.Rhein- baben sich umgekehrt mit unermüdlichem Fleiß und feinstem Kunstsinn an die Spitze der großartigen Ehrung gestellt, I welche die schöne Düsselstadt dem deutschen Dichterheros I bereitet hat; und seiner Förderung ist das Gelingen dieser Ehrung mit an erster Stelle zu verdanken. Seine eigent­liche Ausbildung als Beamter hat Herr v. Rheinbaben im Finanzministerium gefunden; in dieses wurde er durch Herrn I v. Scholz als Vortragender Rat berufen, und als er zum I Nachfolger v. d. Reckes in Düsseldorf ernannt wurde, klagte Herr v. Miquel laut, daß man ihm seine beste Stütze ge­nommen habe. Man hatte bisher immer geglaubt, daß er ansersehen sei, einmal der Nachfolger Miquels zu werden und in unserer Finanzverwaltung mit dem kleinlichen und bureaukratischen Geist aufzuräumen, der dort immer mehr überwuchert. Aber Herr v. Miquel ist jetzt mehr denn je von seiner Unentbehrlichkeit überzeugt, und so ist jetzt Frhr. v. Rheinbaben berufen worden, die schwierige Aufgabe zu übernehmen, an welcher Frhr. v. d. Recke gescheitert ist. I Diese Aufgabe ist um so schwieriger, weil nicht die Gewähr geboten ist, daß, wenn jetzt der neue Minister mit fester Hand zugreifen und die arg erschütterte Disziplin unter I seinen politischen Beamten wiederherstellen sollte, nicht eine andere Hand mit Sammethandschuhen dazwischen fährt und das neue Gewebe in der Nacht leise wieder auftrennt. Wie schwierig die neue Aufgabe ist, das tritt sofort zu Tage, wenn man nur an die Frage des Berliner Oberbürgermeister- I postens erinnert und damit an einen Rechtszustand, von | dem vor Jahresfrist niemand hätte Voraussagen dürfen.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über^die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundert pro Monat August 1899 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kg. betrag«^ 16,g0, $cu Mk. 5,25, Stroh Mk. 4,20.

Gießen, den 5. September 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

daß er in Preußen überhaupt möglich sein würde. Wir lauben, daß Frhr. v. Rheinbaben nur mit schwerem Herzen und nur auf den Drang einer starken Ueberredungskrast ein neues Amt antritt; er würde gewiß lieber in Düssel- jorf geblieben sein und sich dort in beneidenswerter Stellung nützlich gemacht haben. Am Rhein, wo man sein Scheiden weit über den Düsseldorfer Bezirk hinaus beklagt, kann man ihm nur wünschen, daß es ihm bald gelingen möge, klare Verhältnisse zu schaffen.

Für Westfalen ist jetzt die schwierige Frage der Er­nennung eines neuen Oberpräsidenten zu lösen. Die Be­völkerung ist etwa zur Hälfte katholisch, zur anderen Hälfte evangelisch; seit Jahren streben die Ultramontanen danach, an der Spitze der Provinz einen katholischen Oberpräsidenten zu sehen, wie dies zur Zeit auch in Schlesien bei annähernd gleichen Konfessionsverhältnissen der Fall ist. Sollte viel­leicht Herr v. Miquel auch in der Erfüllung dieses ultra- montanen Wunsches neben der Gemeinde-Wahlrechtsvorlage, der Besetzung des Kölner Erzbistums und der Schaffung des Aachener Bistums ein Mittel erblicken, das gesamte Zentrum für die Billigung des Rhein-Elbe-Kanals zu ge- winnen?

* Transvaal.

Nie hat sich die englische Presse in einem schlimmeren Lichte gezeigt, als während der seit Monaten dauernden unwürdigen Burenhetze. Ein Teil der Blätter zeigt eine geradezu abscheuliche Verlogenheit, alle aber, mit Ausnahme weniger radikaler Organe, ergehen sich in den gröblichsten und schmählichsten Entstellungen. Jedermann weiß, daß Mr. Makeman, der von den Buren verhaftete (bereits wieder freigelaffene) Redakteur desTransvaal Leader", und Mr. Monypenny, der nach Natal geflüchtete Redakteur desJo­hannesburg Star", die Haupthetzer gewesen sind, die den Petitionsschwindel in Szene gesetzt haben, und daß im Be­sonderen Mr. Monypenny, der gleichzeitig der Berichterstatter derTimes" und der reich bezahlte Agent der Rhodesischen Kapitalisten ist, die Agitation gegen die Buren mit den gewissenlosesten Mitteln geschürt hat. Nichts­destoweniger hat die Londoner Jingopresse die Stirn, zu behaupten, daß das einzige Vergehen, welches die Herren Pakeman und Monypenny begangen haben, darin besteht, daß sie in ihren Blättern, die sie mit vielem Geschick leiteten, den Buren eifrig die freimütige Annahme der Milnerschen Vorschläge anrieten." Mir steht im Augenblick kein Ausschnitt, der die Art und Weise dieses sogenannten eifrigen Anratens" illustrieren könnte, mehr zur Verfügung schreibt der Korrespondent derT. R.", aber über die empörende Weise, in welcher die genannten Herren über­haupt ihre Zeitungspolemik gegen den Transvaalstaat und seine leitenden Persönlichkeiten führten, diene ein Ausschnitt aus demTransvaal Leader" der auf das vor kurzer Zeit geschaffene neue Landesverteidigungsgesetz Transvaals Bezug hat und also lautet:Die von dem Raad vollzogene Rati­fikation des Artikels 74 der Verfassung ist nach der Meinung desLeader" und, wie wir glauben, jedes denkenden Mannes, die kaltblütige Proklamierung eines Zustandes konstitutioneller Barbarei in dieser Republik. Es gibt unter der weißen Nasse kein zweites Land, wo ein Minister es wagen würde, eine solche Maßnahme vorzuschlagen. Dieser Artikel, der einen gewiegten Diplomaten wie den Präsidenten Krüger mit der Zustimmung einer gleichfalls eigentümlich veranlagten Persönlichkeit wie Herr Cronje, einer Marionette wie Herr Schalk Burger, einer das Gerichtswesen beeinflussenden Person wie Herr Kock und eines unmanierlichen Stroh­mannes wie Herr Reitz dazu ermächtigt, den Kriegs­zustand zu erklären und jeden Einwohner zu zwingen, Kriegs­dienste gegen alle Angreifer zu leisten, mögen sie seine Freunde oder Volksgenossen sein, kennzeichnet die furchtbar höllische Tiefe, zu der diese Republik gesunken ist." Man muß in der Thctt mag man das betreffende Gesetz ait sich billigen oder nicht jedenfalls die ungeheuere Geduld bewundern, mit der die Regierung der Südafrikanischen Republik so unerhörte Frech­heiten seitens eines Eindringlings über sich ergehen ließ. Die Form ist über alle Maßen un­verschämt.

Und was nun das Anraten von Reformen der Sache nach betrifft, so haben die Agitatoren ganz rückhaltlos er­klärt, daß, wenn sie sich auch vorläufig mit den vom Präsi­denten Krüger angebotenen acht Sitzen in der Volksvertretung begnügten, sie das nur als eine Abschlagszahlung betrachten und sofort nach Zusammentreten des neuen Volksraads eine Neuverteilung der Parlamentssitze beantragen und