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Bohrloche bemerkbar, den man anfänglich dem moorigen Unterboden zuschrieb, da das Rohr von der Narbe des Seebettes über sechs Meter in den Erdboden hineingetrieben war, und deshalb schrieb man diesem Umstande keine weitere Bedeutung zu. Später aber, als sich der Gasgeruch fortwährend bemerkbar machte, kam man auf den Gedanken, ein Streichholz über das Bohrrohr zu halten und alsbald schlugen nun Helle Flammen heraus, die an den fortwährend nachströmenden größeren Gasmengen reichliche Nahrung fanden, so daß die Leute zeitweilig das Feuer kaum löschen konnten. In der Tiefe machte sich an dem Bohrrohr ein Brodeln und Kochen des Untergrundwassers bemerkbar und es war interessant anzusehen, wie aus der Tiefe der See die Flammen herausschlugen. Die Bohrarbeiten sind jetzt an dieser Stelle wieder aufgegeben und sollen weiter westlich nahe der Moole fortgesetzt werden. Der Physikalischen Universitäts-Anstalt in Rostock ist diese Erscheinung mitgeteüt worden. Ob es sich hier um wirkliche Gasquellen oder nur um einen Anstich von Lagern faulenden Tanges oder sonstiger organischer Stoffe handelt, steht noch dahin.
* Ein Streik auf dem Brocken. An einem der letzten Tage stellten plötzlich sämtliche Kellner des Brockenwirtshauses die Arbeit ein, so daß die zahlreichen Besucher des alten Bergriesen einige Stunden hungern und dursten mußten. Erst gegen Mittag, als die Gäste energisch nach Bedienung verlangten, waren die Streitigkeiten zwischen der Verwaltung und dem Personal ausgeglichen, und nun ging es wieder flott ans Bedienen der hungrigen und durstigen Bergsteiger.
* Ein hübsches Scherzwort vom Geigerkönig Joachim wird der „Neuen Musikzeitung" mitgeteilt. Professor Joachim ist ein Freund von Bonmots und verschmäht es auch gelegentlich nicht, einen ganz richtigen Kalauer zu machen. So ging er eines Tages mit einigen seiner Freunden durch den Berliner Thiergarten spazieren und trällerte unvermittelt das Allegro der Beethoven'schen ^.-äur-SymPhonie vor sich hin. Man fragte ihn, wie er gerade auf diese Musik komme, und erhielt zur Antwort: „Sehen Sie nicht diesen prächtigen Ahorn dort drüben? Bei dem siel mir die Symphonie mit ihren schönen — ^-Hörnern ein.
* Was für Andröes Luftballon angesehen worden ist. Der Bergingenieur Jshizki meldete dem Jsprawnik in der Jenisseisker Taiga, wie aus Petersburg geschrieben wird, daß er im September 1898 am oberen Lauf der großen Pita bei einem Ritt ein großes Zelt mit den Stricken verloren habe. Wahrscheinlich ist dieses Zelt von den Tungusen, die von den Nachforschungen nach dem Androe- schen Ballon wußten, für dessen Reste angesehen worden, was im Februar d. I. Anlaß zu dem bekannten Gerücht von der Auffindung des Andrseschen Ballons durch einen gewissen Jakowlew gab. — In Kopenhagen ist am Samstag von Grönland der Dampfer „Godihaab" eingetroffen, von dem man Nachrichten über Andree erwartete. Er hat jedoch nichts neues überbracht. Er hat in diesem Sommer seine zweite Reise bis Godhavn ausgedehnt, das etwa unter 69 Grad an der Westküste Grönlands liegt. Bon hier bis nach Upernivik, dem nördlichsten Hinterlande Grönlands und der Welt überhaupt, sind immer noch 4 Grad oder 60 Meilen, was in diesen Breiten eine sehr große und oft unüberwind- Reise bedeutet. Der „Godthaab" tritt seine dritte Reise jetzt nach dem nördlichst gelegenen Hafenplatze der viel unzugänglicheren Ostküste Grönlands, Angmagsalik, unter etwa 65 Grad Nordbreite, an, von dort kann er durch die Andrupsche Expedition, die dort abzuholen ist und die Ostküste nach Andree absuchen wollte, entscheidende Nachrichten bringen.
• Soldatenbriefe nach den deutschen Kolonien. Seit einigen Monaten besteht bekanntlich die postalische Verfügung, daß Briefe, welche an in den deutschen Kolonien stehende Militärpersonen vom Feldwebel abwärts gerichtet sind und die Aufschrift „Soldatenbrief. Eigene Angelegenheit des Empfängers" tragen, als „Soldatenbriefe" für 10 Pfg. befördert werden, wenn sie nur bis 60 Gramm schwer sind. Haben die Briefe aber auch nur das geringste Uebergewicht,
so werden sie als gewöhnliche Briefe behandelt, d. h. sie müssen als Ausländsbriefe für je 15 Gramm mit 20 Pfg. freigemacht, im anderen Falle müssen 40 Pfg. bezahlt werden. Wie oft kommt es vor, daß in Unkenntnis dieser Bestimmung die Briefe garuicht oder ungenügend frankiert in den Postbriefkasten geworfen werden. Die Mitglieder unserer bewaffneten Macht in Afrika und Kiautschou sind dann zur Zahlung des Portos nebst Straszuschlag geradezu verurteilt, denn ein Brief aus der Heimat wird sicher nie zurückgewiesen. Hat ein solcher Brief Uebergewicht, so bedient man sich am besten eines kleinen Kniffes, indem man aus einem Briefe einfach zwei macht. Jeder kostet dann 10 Pfg., während sie vereint mindestens 80 Pfg. erfordern.
* Die Kunst der Reklame. Man schreibt der „Franks. Zeitung": Der Tod des französischen Chokoladenfabrikanten Menier ruft einen Vorgang ins Gedächtnis zurück, welcher vor 40— 50 Jahren dieses schon damals bedeutendste Chokoladenhaus Frankreichs in ernstliche Gefahr gebracht hatte. Man bemerkte nämlich plötzlich, daß alle in den Magazinen lagernden Vorräte, die weit über eine Million wert waren, einen weißen Belag zeigten, so daß sie zum Verkauf ungeeignet waren. Nachdem verschiedene Versuche, durch Umschmelzen der Chokolade den Uebelstand zu beseitigen, sich als vergeblich erwiesen hatten, da auch die umgeschmolzene Masse einen Stich ins Weiße zeigte, und nach wenigen Tage wieder einen weißen Belag hatte, stand der Chef vor dem Ruin und äußerte, daß er zu jedem Opfer bereit sei, wenn ihm jemand ein Mittel angeben wollte, die Gefahr abzuwenden. Da trat ein junger Kommis vor und sagte: „Herr Menier, den weißen Belag von der Chokolade kann ich nicht fort^haffen; wenn Sie mir aber 25000 Frs. zahlen wollen, so will ich Ihnen ein Mittel angeben, wie wir uns aus der Affaire herausziehen können. Natürlich brauchen Sie erst zu zahlen, wenn das Mittel geholfen hat." Der Ertrinkende greift nach einem Strohhalm, und so ging Menier, wenn er auch zu dem noch sehr jungen Mann kein großes Zutrauen hatte, auf den Vorschlag ein. Beide verschwanden in dem Privatkabinel Meniers und konferierten längere Zeit. Das Resultat der Besprechung war, daß am folgenden Tag alle Anzeigen, welche dem Publikum die Chokolade Menier als die beste der Welt empfahlen, den Zusatz enthielten: „Die Chokolade Menier ist die einzige Chokolade der Welt, welche beim Lagern weiß wird." Natürlich galt das in den Augen des Publikums als eine besondere Empfehlung und die Chokolade Menier wurde noch mehr gekauft als bisher. Das Haus war aus aller Verlegenheit und der junge Kommis erhielt seine redlich verdienten 25 000 Frs.
Unterhaltungen in Bad-Nauheim
vom 8. August 616 12. August.
Dienstag den 8. August, nachmittags von 41/« bis 6Va und abends von 8 bis 10 Uhr auf der Terrasse: Konzert der Kurkapelle. Abends Weber-Konzert. Abends 8 Uhr: Theatervorstellung. Mit Vergnügen. Mittwoch den 9. August, nachmittags von 4'/, bis 7 Uhr: Doppel-Konzert des Zapf'schen Vokal-Künstler-Quartetts aus Wiesbaden und der Kurkapelle. Abends von 8 bis 10 Uhr: Konzert des Vokal-Künstler-Quartetts. Abends 8 Uhr im Saale: Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle. Der Zigeunerbaron. Donnerstag den 10. August, nachmittags von 4'/, bis 7 Uhr auf der Terrasse: Konzert der Kurkapelle. Abends von 8 bis 10 Uhr im Saale: Tanz. Freitag den 11. August, nachmittags von 4</i bis 671 und abends von 8 dis 10 Uhr aus der Terrasse: Konzert der Kapelle des Hess. Jäger-Bataillons Nr. 11 aus Marburg. Bei gutem Wetter fpielt die Kurcapelle von 11 bis 12*/» Uhr mittags am Teichhause. Abends 8 Uhr: Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle. Fledermaus. SamStag den 12. August, nachmittags von 47» bis 67, und abends von 8 bis 10 Ubr auf der Terrasse: Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr «m Saale: Konzert deS Königl. SSchs. Hofopernsängers Eichhorn und der Pianistin Fräulein Mabel Seyton.
Spittzlm der ntrrinigten Frankfurter StMtheater.
Opernhaus.
Dienstag den 8. August: Fidelio. Mittwoch den 9. Auaust: Der fliegende Holländer. Donnerstag dm 10. August: Don
Juan. Freitag dm 11. August: Boccaccio. SamSrag dm 12. August: Der Bärenhäuter. Sonntag dm 13. August: Afrikanerin. Montag den 14. August: GaSparone. Dienstag den 15. August: Königin von Saba.
Schauspielhaus.
Dienstag den 8 August: Za za. Mittwoch dm 9. August: Pfarrer von Ktrchfeld. Donnerstag dm 10. August geschloffen. Freitag den 11. August: Liebelet. In Ctvil. SamStag dm 12. August: Maria Magdalena. Sonntag den 13. August: Hüttenbesitzer. Montag den 14. August: Vetlchenfresser.
Universitäts-Nachrichten.
— Leipzig. Zum Rektor der hiesigen Universität wurde der Direktor deS landwirtschaftlichen Instituts Prof. Wilhelm Kirchner gewählt.
— Königsberg. Der Privatdozent Dr. Ernst Gutzeit wurde zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität ernannt.
— Aachen. Dem Dozenten an der Technischen Hochschule Dr. Max Wien ist das Prädikat Proseffor betgelegt worden.
— München. Der Professor an der Technischen Hochschule Maler Philipp Sporrer ist, 70 Jahre alt, gestorben.
— Wien. Der Professor für angewandte medizinische Chemie an der hiesigen Universität Ernst Ludwig beging am 1. August daS Jubiläum feiner 25jährigen Wirksamkeit in diesem Lehramt.
— Zürich. Der im Frühjahr durch die theologische Fakultät der hiesigen Hochschule mit brr Würde eines Ehrendoktor- ausgezeichnete Dr. phil. Max Krenkel in Dresden hat eine Stiftung von 10,000 Pik. errichtet, deren Zinsen als Sfipedtum für fächstsche Theologie-Studierende an der Universität Zürich Verwendung finden sollen.
— Utrecht. Hier ist am 1. August im Alter von 76 Jahren der Professor in der philosophischen Fakultät A. Wynne gestorben.
Meratur, Wissenschaft und Kunst.
— Neueste Erfindungen und Erfahrungen" auf den Gebieten der prakttfchen Technik, der Elektrotechnik, der Gewerbe, Industrie, Cbemie, der Land- und Hauswirtschaft rc. 26. Jahrgang (A. Hartlebens Verlag in Wien). PränumerattonSpretS ganzjährig für 13 Hefte franko 7,50 Mk. Einzelne Hefte für 60 Pfg. in Briefmarken. Diese Zeitschrift dient ausschließlich nur der Praxis. Ihre Mttteilungm, die sich über alle Berufsarten verbreiten, bestehen in praktischen, zuverlässigen und leicht ausführbaren Anweisungen, Arbeitsverbesserungen und Neuerungm auf technischem und industriellem Gebiete. Besonders wertvoll sind die zahlreichen Anweisungen zu neuen, lohnenden Erwerbsarten. Die „Neuesten Erfindungen und Erfahrungen", im 26. Jahrgänge erscheinend, bieten jedermann, insbesondere dem Techniker und Industriellen, die Mittel, alle neuen Erscheinungen und alle wertvollen praktischen Er» rungenschaften kennen zu lernen und so zu verstehen, daß er sie in seinem Geschäfte sofort verwerten kann und demzufolge immer auf der Höhe der Zett steht. Hunderte von Fragen auS allen BerufS- fächern finden in dieser Zeitschrift praktische und kofimlose Beantwortung.
— »Der Stein der Weisen" enthält in dem kürzlich zur Ausgabe gelangten Schlußhefte (deS 11. Jahrganges) eine umfangreiche, durch 24 Abbildungen erläuterte Abhandlung über Erste Hilfe bei Erkrankungen ober Verletzungen der Radfahrer, welche den vtelm Freunden dieses Sportes sehr willkommen fein dürste. Die Ausführungen rühren von einem erfahrenen Arzte der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft her und behandeln das Thema zwar knapp aber mit möglichster Vollständigkeit. Das Heft der beliebten Halbmonatschrift populär-wiffenschaftlicher Richtung (A. HartlebenS Verlag, Wien) enthält ferner Aufsätze über DaS Frauenleben im tropischen Amerika, eine größere Anzahl von optisch elektrischen Mis- cellen (mit 9 Bildern), eine kurze Erläuterung Heber Innendekoration eines ländlichen Wohnhauses (mit 4 Bildern), Artikel über Die Tinte, Die künstliche Erzeugung von echten Perlen, Lieber das Renn- radsahren, Ein Kapitel auS der Zauberbotanik (mit 4 Bildern), den berühmten Palmengarten von Biskra in Algerien (mit Bild), schließlich naturwissenschaftliche Mitteilungen und Notizen für HauS und Hof, Litteraturbericht u. s. w. Auf Grund der in diesem Hefte enthaltenen Ankündigung, dürfte der neue (12. Jahrgang) der beliebten Revue sowohl äußerlich als inhaltlich einen weiteren Schritt nach vorwärts machen.
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Vergebung von Hchlosserarbeiten.
Die Anlage eines Blitzableiters, sowie die Lieferung zweier Hofthore für "die Synagoge der israelitischen Religionsgesellschaft dahier sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden.
Reflektanten wollen ihre diesbezüglichen Offerten bis zum 11. d. Mts. an Herrn Architekt L. Seuling, hier, gelangen lassen, bet welchem auch Zeichnungen und Bedingungen während dessen Bureaustunden eingesehen werden können. 5745
________________Vkr Vorstand brr ifrarl. ReligmsgMschaft.
Orts-Gewcrbcverein.
Henerat-Mersammlung
Dienstag den 8. August, aöends 8'/, Zlstr, im Kaiferstof.
Tages-Ordnung:
1. Jahresbericht. 2. RechnungSablage. 3. Vorstandswahl. 4. Die Hauptversammlung des Landesgewerbevereins und die Gewerbeausstellung in Groß- Umstadt. 5. Das Lehrlingswesen. 6. Verschiedene Vereinsangelcgenheiten. 5773 Der Vorstand.


