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8.7.1899 Zweites Blatt
 
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Gießener Anzeiger

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Deutsches Keich.

Darmstadt, 6. Juli. Ihre Königliche Hoheit die G r o ß - Herzogin haben sich heute früh nach Koburg auf Schloß Rosenau begeben.

Berlin, 6. Juli. Kaiser Wilhelm wird nach einer Meldung derVoss. Ztg." gelegentlich seiner Nordlands­fahrt die neue russische Stadt Alexandrowsk am Eis­meer besuchen. Ferner wird derVoss. Ztg." bestätigt, daß der Kaiser in Bergen (Norwegen) nach der Aufwartung des Kapitäns Mancron das dort weilende französische Schul­schiffIphigenie" besichtigen und über die Kadetten Schau abhalten wird. Dieser Austausch von Höflichkeiten ist zwischen den beiden Regierungen vereinbart worden.

Berlin, 6. Juli. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Polizei-Präsidenten Dr. Schütte zu Königsberg i. Pr. zum Geheimen Regierungsrat und Vor­tragenden Rat im Staatsministerium.

Berlin, 6. Juli. Finanzminister v. Miquel ist heute früh nach Ems abgereist. Während seiner Abwesenheit wird der Nnterstaatssekretär Obersinanzrat Lehnert die Amts­geschäfte im Finanzministerium führen.

Berlin, 6. Juli. Der verantwortliche Redakteur des Vorwärts", Jacobey, der wegen Verletzung des Urheber­rechts angeklagt war, ist heute freigesprochen worden. Er sollte das Vergehen durch den Abdruck dreier, dem Chef- Redakteur derPost", Kronsbein, abhanden gekommenen Briefe des Freiherrn v. Stumm begangen haben.

Dortmund, 6. Juli. Das kaiserliche Hofmarschallamt hat dem Oberpräsidium von Westfalen mitgeteilt, daß der Kaiser bestimmt am 3. August zur Hafen-Einweihungs- feier nach Dortmund kommen wird.

Ausland.

Rom, 5. Juli. In der Presse wird die Frage vielfach erörtert, ob die Regierung sich vielleicht durch den Umstand, daß das königliche Dekret, betreffend die politischen Maßnahmen, die Genehmigung der Kammer nicht er­halten könnte, sowie im Hinblicke darauf, daß auch die ver- faffungsmäßige Opposition diesem Dekret Giltigkeit abspricht, von der Inkraftsetzung der königlichen Ordre absehen werde. In unterrichteten Kreisen werde jedoch diese Diskussion als müßig bezeichnet und versichert, die Regierung sei in ihren Entschlüssen durchaus nicht schwankend geworden, und das

Dekret werde zweifellos zur Durchführung gelangen. Die Eventualität, daß sich die Negierung für die Auflösung der Kammer entschließe, wird von der Mehrheit der Politischen Kreise für unwahrscheinlich gehalten. In regie­rungsfreundlichen Organen wird eine solche Maßregel aufs entschiedenste widerraten und betont, daß sie als unmotiviert erscheinen würde, da ja die letzte, unter sehr schwierigen Umständen erfolgte Abstimmung in der Kammer erwiesen habe, daß das Kabinett Pelloux über eine starke Majorität verfügt. Diese Abmahnung entspringt keinesfalls der Be­sorgnis, als ob die Regierung bei einem Appell an die Wähler einen Mißerfolg erleiden könnte; das fanatische Treiben der Radikalen wird vielmehr im Lande allgemein verurteilt, und die Schließung der Kammersession findet bei der Bevölkerung durchwegs Billigung. Aber auch in dem Falle, daß die Regierung die Vornahme von Neuwahlen doch für zweckmäßig erachten sollte, sind in der nächsten Zeit keine endgiltigen Beschlüsse hierüber zu erwarten, da die Berufung der Wähler an die Urnen kaum vor dem No­vember erfolgen würde. M. N. N.

Petersburg, 5. Juni. Der furchtbare Notstand in Rußland zieht immer weitere Kreise. DieRusskija Wedomosti" und dieRossija" heben hervor, daß in vielen Notstandsgegenden die Bauern einem neuen Elend entgegen gehen, selbst wenn die Ernte noch so gut ausfallen sollte. Die Sache ist die, daß die Bauern häufig, um einstweilen nur leben zu können, die künftige Ernte bereits auf dem Halm verpfändet haben, und zwar zu Spottpreisen. Be­sonders ist dies im Gouvernement Ssamara geschehen. Voraussehen läßt sich, daß die Bauern nicht im stände sein werden, ihre Ernte einzulösen und diese somit den Geldleihern anheim fallen wird. DieRusskija Wedomosti" rufen nun die Gesellschaft auf, den Bauern zur Auslösung ihrer Felder behilflich zu sein und zwar ihnen das Geld nicht zu schenken, sondern gegen jährliche Rückzahlung von 1 Rbl. zu leihen. Aber wohl nicht mit Unrecht befürchtet dieRossija", daß die Kräfte der Gesellschaft hierfür nicht ausreichen dürften. Das Blatt sieht nur einen Ausweg, den das Staatsinteresse gebieterisch fordere: alle Ver­pfändungsgeschäfte bezüglich der Aussaat für ungiltig zu erklären und den Gläubigern anheimzustellen, nur das zu­rückzuerhalten, was sie wirklich gegeben haben, und zwar in natura oder in Geld.

Charkow, 6. Juli. Infolge einer Explosion ist die Naphta-Fabrik Botscherow vollständig niedergebrannt. Fünf

| Arbeiter und sieben Feuerwehrmänner sind verbrannt. Viele > Personen trugen schwere Verletzungen davon.

In Finland nimmt die Auswanderung einen so großen Umfang an, daß die russischen Behörden und die russischen Konsuln im Auslande sich eingehend mit ihr beschäftigen müssen. Dauert die Auswanderung so, wie sie mit Jahresbeginn sich entwickelt hat, so dürften dies Jahr allein aus dem Bezirk Oesterbotten 1215 000 Menschen auswandern. Der Hauptstrom an Auswanderern geht jetzt nach Nordamerika.

Sofia,6. Juli. Der Schluß der Sobranje erfolgt am 9. d. Mts. Fürst Ferdinand ist samt Familie abgereist.

Sofia, 6. Juli. Die Belgrader Zeitungsmeldungen von dem Ausbruch einer Revolution in Bulgarien und von der gewaltsamen Entfernung der Fürsten Ferdinand über die Grenze sind unbegründet. Es herrscht hier vollkommene Ruhe.

Madrid, 6. Juli. Das Gerücht, die Regierung beab­sichtige eventuell die konstitutionellen Garantien a u f z u h e b e n, bestätigt sich. Silvela erklärte in den Cortes, die Durchführung der neuen Steuern bilde für ihn eine Kabinettsfrage.

Hessischer Landtag.

Zweite Kammer der Stände.

nn. Darmstadt, 6. Juli 1899.

Die Sitzung wird um Vfc10 Uhr eröffnet. Am Minister­tisch: Staatsminister Rothe, Ministerial-Rat Braun, Ministerial-Rat Eisenhut und Oberbaurat Hoffmann.

Abg. Ulrich erstattet namens des Ausschusses Bericht über eine Anzahl von dringlichen Regierungsforderungen, für Neueinrichtungen und Berufung von Lehrkräften an der Landesuniversität, die Technische Hochschule und für die Baugewerbeschule zu Darmstadt, die Kunstgewerbe- Schule zu Mainz sowie für die Kunstgewerbeschule zu Offenbach. Die Kammer bewilligt sämtliche For­derungen. Die Vorlage der Regierung, Gerichtsstand und das gerichtliche Verfahren in Ansehung des Landesherrn und der Mitglieder des Großherzoglichen Hauses, wird ohne Debatte angenommen. Die Regierungsvorlage, den Ge­setzentwurf die Ruhegehalte und Fürsorge für die Hinterbliebenen der Staatsbeamten, wird nach dem

Feuilleton.

Irankfurter Aries.

Ortgtnalbertcht für denGießener Anzeiger".

(Nachdruck verboten.) Abschiedsvorstellung der Frau Ernst: Gerhart Hauptmanns Biberpelz".

Hermine v. Preufcheu im Salon von Bangel.

Dr. M. Das Frankfurter Theater weiß seine Künstler estzuhalten. Unter der Intendanz Claar wird das ewige Kommen und Gehen thunlichst vermieden, man trägt Sorge, daß sich ein Grundstock, man könnte sagen: ein künstlerischer Reservefonds, heranbilde. Und das Publikum hat für die alten Kräfte etwas übrig, und verfällt nicht in die leidige Untugend, immer neue Gesichter sehen zu wollen.

Theaterjahre zählen wie Kriegsjahre doppelt.

Frau Marie Ernst, die sich in der Rolle derDaja" von den Frankfurtern verabschiedete, hat ein reiches Stück schauspielerischer Arbeit und eine stattliche Serie künstlerischer Erfolge hinter sich. Ursprünglich war ihre Domäne das hochtragische Fach. Mit den Jahren hat sie sich dann in das Fach der seriösen Familienmütter hineingearbeitet. Die moderne Litteratur", welche allgemach eine neue Einteilung in die bisherige Schablone der Rollenfächer gebracht, und manche Gestalt geschaffen, die sich in keine der stehenden Rubriken einfügen ließ, ist namentlich den weiblichen Mimen zu gute gekommen; sie hat ihre Jugend weiter hinauf­gerückt: Backfischchen jugendliche Liebhaberin Salon­dame Anstandsdame Heldenmutter komische Alte. Das war der sehr enge Kreis, in welchem sich bis vor kurzem die Schauspielerinnen bewegen mußten. Ibsen, Hauptmann haben ihn durch ihre Frauenfiguren bedeutend erweitert.

Frau Ernst konnte auch noch von dieser neuen Kunst

profitieren. Ihre Frau Alving aus IbsensGespenster" steht uns noch nach einer Reihe von Jahren denn das Drama ist niemals mehr zur Wiederholung gelangt leb haft als eine Meisterleistung in Erinnerung.

DieDaja" ist ja nun nichts weniger als eine tragende Rolle; die gutmütige Beschränktheit ihres Geistes gestattet keine sogenannteVertiefung". Aber gespielt will sie sein in einem Gepräge, das weit, weit von der Trivia­lität einer Kadelburg'schen Kaffeeschwester und Frau Ge­vatterin abliegt. Sie gehört immerhin zu den Rollen, in welchen eine Schauspielerin zeigen kann, ob sie einervor­nehmen Schuld" angehört.

Gerhart Hauptmanns lustigstes Stück Lustigkeit ist nicht seine starke SeiteDer Biberpelz" steht gegenwärtig auf dem Schauspielrepertoire. Um den Humor Hauptmanns ist's ein eigen Ding, es ist ein sogenannter indirekter, er packt uns nicht unmittelbar, man muß ihm entgegenkommen, ihn aus den Situationen herausfühlen. Sudermann und Max Halbe, wie verstehen sie es doch, selbst in ihre ernstesten Dramen Partieen zu verweben, die uns ein herzliches Lachen abnötigen. Ueber die Thorheiten und Albernheiten der Hauptmann'schen Menschen bringen wir es höchstens zu einem von Wehmut getrübten Lächeln oder der Empfindung kalten Spottes. DerBiberpelz" hat etwas Kleist'sches an sich das hat man sofort herausgefunden. Unser Verstand wird in ähnlicher Weise angeregt und befriedigt, wie imZerbrochenen Krug". Aber die Sonnenlichter eines goldenen Humors blinken an keiner Stelle dieser originellen Diebskomödie, weshalb sie schwerlich einen festen Platz und eine dauernde Bedeutung in unserer Litteratur erhalten wird.

Im Kunstsalon Bangel weckt gegenwärtig das Jn- tereffe und auch die lebhafteste Opposition eine große, etwa aus 60 Nummern bestehende Preuschen-Ausstellung. Einige der Sachen sind uns von früheren Ausstellungen her bekannt, andere, welche der ägyptischen Reise der

Künstlerin ihren Ursprung verdanken, neu. Hermine v. Preuschen, die es vorgezogen hat, sich den klang­volleren griechischen Vornamen Hermione beizulegen, arbeitet leider in den letzten Jahren ziemlich ungleichwertig. Zwar, als Meisterin genialer Pläne und blühender Farbenstudien, verdient sie noch immer, daß man sich mit ihr beschäftigt, wennschon die Zeichnung und das Durcharbeiten des Motivs auf gar vielen ihrer Bilder an Genauigkeit und Klarheit recht sehr zu wünschen übrig läßt. Sie ist die richtige Etikettenmalerin". Wenn andere Maler es meist dem Kunsthändler überlassen, für ihr Bild den entsprechenden Titel zu finden, so ist das ein Geschäft, das Frau Hermine sehr ernst nimmt. Diepoetische Idee", die packende Etikette" ist in der Regel schon vor der Ausführung da. Das wäre schließlich gleichgiltig, wenn letztere nicht öfters eine arge Enttäuschung den Erwartungen bereitete, die der Titel erweckt hat, und nach Absicht der Malerin auch er­wecken sollte. Ein einfaches italienisches Landhaus an irgend einem südlichen Meeresgestade muß bei der Preuschen min­destens mit einem glanzvollen, historischen Namen aus der Renaissance etikettiert werden, ein altes, herabgestürztes Steinbild, von wilden Ranken umsponnen, wird zurIsis" oderSphinx" erhoben, eine antike Säule, aus grüner Gartenwildnis sich hervorhebend, bekommt die Balladen­strophe mit auf den Weg:Noch eine hohe Säule. . ."

So fehlt es auch der Serie ägyptischer Studien keines­wegs an zugkräftigen Namen. Wir finden unter ihnen eineArabische Begräbnisstätte", einenJsistempel bei Philae",Helouan in der Wüste" u. dgl.

Möglich, daß Herminen v. Preuschen, die nach dem Tode ihres Mannes, des Dichters Konrad Telmann, ihren dauernden Wohnsitz in Berlin genommen, die kühlere Luft des Nordens Vorteile für ihre Malweise bringt, und sie in Deutschland es wieder lernt, sich in strengere künstlerische Selbstzucht zu nehmen.