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8.6.1899 Drittes Blatt
 
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Drittes Blatt

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Donnerstag den 8. Juni

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Ktbeüi km Anzeiger e»*nwtlt viermal llrfteft.

RilBihieu, Expedition und Druckerei:

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Ach, Papa," flüsterte sie. das alles gekommen ist! . . . wahrhaftig jetzt nicht erzählen, machen und recht vergnügt sein. Rolands Mutter angekommen, treten sie schon in den Saal! auch noch vor der, bitte, bitte! Verlobung!"

Teufelsmädel!" murmelte sie frei.

Mutti!"

Und wie er sich umwandte, tauchte juft unter einem pudelnassen, mächtigen Parapluie der Lockenkopf des Wild­fangs auf.

Komm doch mal näher!" rief er kurz.

Wenn Du wüßtest, wie Aber ich kann Dir das Du mußt jetzt ein Ende Soeben ist nämlich Herrn . . . Siehe nur, da Nun blamiere mich nicht . . . Morgen ist nämlich der Justizrat, und gab

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandmrt, Klätter für hessische Volkskunde._________________

Inn.B |si eee Anzeigen zu der nachmittag» für Im erscheinenden Nummer bil vor«. 10 Ahr.

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Und als eine Viertelstunde später einer in fröhlicher Weinlaunedas Brockengespenst" hochleben ließ, da that er schon ganz vergnügt mit und stieß mit der ganzen ein­geregneten Gesellschaft der Reihe nach an.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietze».

Fernsprecher Nr. 51.

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Krr der Vater!"

hat uns den Regen vom Brocken wahrscheinlich hierM z«schoben," lachte der Wildfang.

'M nun begann der Ball.

Aland tanzte trotz ihres kühlen Benehmens die Polo- naisik mitt Isolde, und als sie endlich auf ihren Platz zurüMhrle, strahlte ihr liebliches Gesicht von heimlichem Glittii', Baß es der Frau Justizrätin ganz beklommen ums Herz', murbe.

$ie gerne wäre sie gegangen! . . .

Mer in jeder Tanzpause erschienen die Herren am SaaMgong mit triefenden Schirmen und klatschnassem Schr.hkug ... Es mußte ein Regen zum Erbarmen drauchiil fein. _ _ t .

Ms-er und Polkas, Mazurkas und Rheinländer löstetsich, ab. Es wurde Mitternacht, und immer noch schicm i8 draußen zu gießen. Die Augen wurden ihr schw»m. ^jn einer neuen Pause war sie glücklich eingenickt und ttiiurmtc gerade von einem fürchterlichen Zornausbruch ihreLÄ herirn und Gebieters, der hinter die Übertretung

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Bei Postbezug R Mark 50 Pf,.

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seines Verbotes gekommen war, da schreckte sie durch eine plötzlich im Saale eintretende Stille aus dem unruhigen Schlummer auf und richtete, wie alle anderen, die ver­schlafenen Augen nach der Saalthür.

Im Eingänge aber stand kein anderer als ihr Gemahl, der Justizrat! ... .

Sie wurde blaß und fing an zu zittern. Da stand er auch schon vor ihr.

Aber Doris," flüsterte er,was soll das heißen?"

Ich denke, Du bist auf dem Brocken?" fragte sie, noch ganz konfus.

Es ging nicht. Doctor Mertens verstauchte sich unter­wegs "den Fuß. Da mußten wir umkehren. Aber wie kommt Ihr denn hierher?"

Die Mädchen quälten so, und da bin ich mit ihnen zum Konzert gegangen. Weiter wollten wir wirklich nichts. Aber wir sind dann eingeregnet."

interessante Thatsache zu verzeichnen, daß von dieser Be­völkerung 56,12 v. H. nicht zur Staatseinkommensteuer ;erangezogen werden konnten, was wohl auf die vielen Personen dienenden Standes zurückzuführen ist, die sich beständig in Wiesbaden aufhalten. Nach Wiesbaden folgen dann hinsichtlich der mit einem Einkommen von über 3000 Mk. veranlagten Zensilen Charlottenburg (also wieder an zweiter Stelle) mit 4,00 der Gesamtbevölkerung, Frankfurt a. M. mit 4,29, Kassel mit 4,19 und Hannover mit 3,24, während Berlin mit 2,63 erst an neunter Stelle zu nennen ist. Die wenigsten derartigen' Zensiten haben Essen mit 1,92, Dort­mund mit 2,03, Altona mit 2,06, Elberfeld mit 2,13, Krefeld mit 2,15, Barmen mit 2,15 und Danzig mit 2,15. Nach ihrem Charakter kennzeichnen diese Zahlen mehr die durchschnittliche Wohlhabenheit der betreffenden Städte. Wollte man die verhältnismäßig größte Zahl höchstbesteuerter Personen suchen, so würde man sich nach Berlin und Frank­furt a. M. zu wenden haben.

* Komische Firmenschilder. Die PariserAurore" teilt folgende Ladeninschristen mit, von denen sie versichert, daß sie wirklich und thatsächlich in Paris existieren. In einer Straße, der ehemaligen Banlieue ist zu lesen:Schuh­macher, giebt zu essen und zu trinken, rasiert sauber hinten in der Allee." Ein Wirishausschild besagt: Laßt Euch nicht anderswo betrügen! Kommt hierher!" Ein Färber endlich hat folgendes Plakat ausgehäugt: Handschuhe für Kurzsichtige."Diese An­kündigung", schreibt dieAurore",hat uns in einen Abgrund von Betrachtungen versenkt. Wir haben noch niemals Brillen für Einarmige gesehen.

Ein Preisausschreiben für Entwürfe von Gasofen­mänteln erläßt die Fabrik pat. Gasheizöfen und Badeöfen I. G. Houben Sohn Carl in Aachen. Preisrichter: Dr. Kisa, Dir. des städt. Museums, Prof. Dr. Max Schmid und Reg.-Baumeister C. Sieben von der königl. techn. Hoch­schule Aachen. Die Preise betragen Mk. 400,, Mk. 150. und Mk. 100.. Bedingungen versendet kostenfrei die ausschreibende Firma.

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Vermischtes.

* Leipzig, 4. Juni. Die Leipziger Wollkämmerei hat für jugendliche Arbeiter ein sogen. Burschenheim gegründet, das sich vorzüglich bewährt. Das hierzu erbaute Haus ist zur Zeit für 200 Personen eingerichtet und soll später zur Aufnahme der doppelten Zahl erweitert werden. Je ein Zimmer wird von vier Burschen bezogen; auf jeden entfallen 18 Kubikmeter Luftraum sowie ein besonderes Bett. Von dem 12 bis 13.50 Mk. betragenden Wochenlohn wird für Wohnung, Früh- und Abendkaffee mit Semmel, sowie für das Waschen und Ausbessern der Kleidung wöchent­lich 1.50 Mk. einbehalten, wogegen für die regelmäßig ge­botene warme Mitternachtsmahlzeit (Nachtschicht) nichts zu entrichten ist. Der weitere Bedarf an Nahrungsmitteln kann auf eigene Rechnung aus der Kantine entnommen werden. Das Gebäude besitzt ein besonderes Schulzimmer für den Fortbildungs-Unterricht, einen Saal für gesellige Zusammenkünfte, sowie einen Kegelschub und in jedem Geschoß ein gemeinsames Spielzimmer.

* Die reichsten Städte. Von den in den 23 größten Städten zur Staatseinkommensteuer veranlagten Personen hat soeben das Statistische Amt der Stadt Charlottenburg eine vergleichende Uebersicht herausgegeben. Danach zählte im Veranlagungsjahre 1898 Dortmund die meisten zu dieser Steuer veranlagten Personen, nämlich 66,72 v. H. der Gesamtbevölkerung, sodaß der Prozentsatz der nicht veranlagten Personen mit unter 900 Mk. Ein­kommen in dieser Stadt nur 33,28 betrug. Dann folgt an zweiter Stelle Charlottenburg, wo 55,51 v. H. der Gesamt­bevölkerung veranlagt waren. Daran schließen sich Barmen mit 52,66, Essen mit 50,76, Düsseldorf 48,91 und an sechster Stelle Berlin mit 48,24 v. H. Die wenigsten Ver­anlagten haben Königsberg i. Pr. mit nur 23,76, Danzig mit 26,85 und Breslau mit 29,92 v. H. Dieser Tabelle ist vom Statistischen Amt der Stadt Charlottenburg noch eine Uebersicht der mit einem Einkommen von Über 3000 Mk. veranlagten Zensiten (physischen Personen) beigegeben worden. Nach dieser Uebersicht zählte die meisten solcher Zensiten Wiesbaden, nämlich 5,77 vom Hundert der Gesamtbevölkerung, die sich 1898 auf 78,271 Seelen belief. Dabei ist die

Deutsches Keich.

ffittlit, 6. Juni. Die Kaiserin traf heute früh in Berlin ein und wohnte gegen 9 Uhr der Generalversamm­lung des evangelischen kirchlichen Hilfsvereins int Schlosse bei. Nach der Frühstückstafel erteilte die Kaiserin dem tih liffchn Botschafter eine Audienz und begab sich dann mit dem Lmprinzen zum Armee-Jagdrennen nach Hoppe- garten.

»tlii, 6. Juni. In Gegenwart der Kaiserin, des ^ conimwn und des mit der Vertetung des Kaisers betrauten PrinMil Fv iedrich Heinrich ist heute im Vorgarten der Uni- nerfttiäl das Helmholtz-Denkmal feierlich enthüllt "orbten. Eine zahlreiche und hochansehnliche Festversamm- 'img wohnte der Feier bei. In Vertretung des Kultus- minisä.ksöO r. Bosse erschien der Unterstaatssekretär vr. Bartsch, fernem ÜJZi nifter v. Miquel und Staatssekretär Freiherr Mchlhoßen und der Chef des Civil-Kabinetts v. Lukanus, on i btr Familie des Gefeierten erschienen Frau v. Helm­holtz i mit ilhrem Sohne, ihrer Tochter, Schwiegersohn und den lknlellkindern. Die Festrede hielt Staatsminister Dr. Delbmck als Vorsitzender des Komitees, der auf die unoe r dängCidjen Verdienste des Verstorbenen hinwies. Als­dann: fil ldie Hülle des Denkmals, und es nahm das Wort her der Universität, Professor Waldeyer, welcher im Narnvn bei,' Universität das Denkmal übernahm.

Nrli», 6. Juni. Der Reichstagsabgeordnete Freiherr v. MMiin m ist bei dem Präsidenten des Reichstages um einem Urlaub von drei Wochen eingefommen. Freiherr SZ'WM leidet noch an den Folgen des ihm am 23. Mai bei Tssl. Goarshausen zugestoßenen Unfalles und wird der Poff"' zufolge kaum vor einigen Wochen in der Lage sein, den intern Arm völlig zu gebrauchen oder auch die Reise nach Vcrlim ohne Bedenken zu unternehmen.

gßnlim, 6. Juni. Die Wahlprüfungs-Kommission des ReichNageV hat heute die Wahl des Abgeordneten Christen für t| ilti.g erklärt, dagegen die Wahl des Abgeordneten li ler beanstandet.

DM, 6. Juni. Der Botschafter in Rom, Freiherr von iHaurma-Jeltsch, welcher schon im vergangenen Winttn leidend war, hat jetzt, nach derNordd. Allgem. 3tg wegen seines angegriffenen Gesundheitszustandes um EnthMngi von seinem Posten nachgesucht. Frhr. v. Saurma ist infolgedessen in den einstweiligen Ruhestand versetzt roopitl Zu seinem Nachfolger ist dem Vernehmen nach der s|ch-re Gesandte in Stockholm, jetziger Gouverneur von ötlün, General der Kavallerie Graf o. Wedel, aus- erMi.

Meßmer Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Feuilleton.

Das Mrockengespenlt.

Eine heitere Geschichte von Alwin Römer.

(Nachdruck verboten.) (Schluß.)

Gott," sagte die Justizrätin ängstlich.Wie sollen M nach Hause kommen?"

,.,Ks hilft nichts, wir müssen hier bleiben, bis es auf- j Tttljaf," erklärte Erni.Sei nur gut, Muttchen! Wir n/ci f o jung nicht wieder zusammen."

Anstand.

Paris, 6. Juni. Madame Dreyfus wird sich am 20. ds. nach Rennes begeben, da sie hofft, die Erlaubnis zu erhalten, ihren Gatten im dortigen Arsenal wieder­zusehen. Dreyfus' Befinden ist nach den letzten Nachrichten refriedigend.

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Herrgott!" schrie sie auf.Das Brockengespenst!" und wollte Kehrt machen.

Aber er hatte sie schon am Zopfe gepackt und zog sie näher, unbekümmert um den Kreis der doch offenbar im Komplott gewesenen Ballgäste.

Also es regnet draußen, mein Fräulein?" fragte er ärgerlich lachend; denn der Kobold schnitt ein gar zu drollig- wehmütiges Gesicht.

Eigentlich: nein, Papa!" sagte sie kläglich.

So? . . . Aber wovon bist Du denn so naß? Dem Schirm klatscht ja ordentlich."

O, das war eine köstliche Idee, Papa! . . . Daß Du auch gerade dazwischen kommen mußtest! Das haben wir nämlich mit der Gießkanne gemacht, da­mit Muttchen und Isolde glauben sollten, es regne wirklich Spitzbuben."

Du Nichtsnutz!" sagte ergrimmt Papa Linder.Trotz­dem ich ausdrücklich vei boten hatte"

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Universttäts Nachrichten.

Wien. Dr. Ferdi' and Alt w rde als Pltoatdozent für Ohrenheilkunde an der bt figen Unive'sität, und Dr. Alfr d Kohn als Pitvetdozent für Histologie an der deutschen Universität tn Piag jU0elaffen.$^^ Staatsrat des Kantons Waadt hat den eid- oenösstschen KontrollingenUur beim EUenbahn-Dpartemcnt Franz Sw ü le zum Prvfesior für Brückenbaukunde an der Ingenieur schule der Universität Lausanne ernannt.

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eingeregnet? . . . Bist Du närrisch? ... Es ist ja kein Tropfen gefallen! . . . Draußen scheint der Mond und Wölkchen steht am Himmel." Sie sah ihn ungläubig an.

Hier hat es gegossen!" behauptete sie.

Er schüttelte nur den Kopf.

Indessen erscholl eine Stimme vom Eingänge her, er sofort als die seiner Tochter Ernestine erkannte:

So ein Hundewetter! . . . Das wird auch gar nicht anders! . . . Wir können noch lange nicht nach Hause,