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8.4.1899 Zweites Blatt
 
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Samstag den 8. April

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Zweites Blatt

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Feuilleton.

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gestattet werden, an der Stelle im Fernewald, an welcher am 14. Juni 1897 ihr Ehemann beim Holzfahren ver­unglückte, ein Kreuz aufzustellen. Die von der Oberförsterei geltend gemachten Bedenken wegen der Konsequenzen dteser Erlaubnis hat die Landwirtschaftliche Kommission nicht teilen zu müssen geglaubt.

Nachdem in der Sitzung vom 2. März d. I. beschlosien worden, den auf Wiederbelegung älterer Teile des Friedhofes gestellten Antrag der Baudeputatwn an dieselbe behufs Prüfung der Frage, ob nicht durch eine entsprechende Erweiterung des alten Friedhofes dem Bedarf an Gräbern bis zur Eröffnung des neuen Friedhofes ent­sprochen werden könne, zurückzuverweisen, haben die ein* schlägigen Erhebungen stattgefunden. Die Kommission hat sich gegen eine Erweiterung des alten Friedhofs im Sinne der Frage ausgesprochen und zwar sowohl im Hinblick aus die hohen Kosten, wie aus ästhetischen Gründen. Die zur Wiederbelegung in Aussicht genommenen Gräberfelder 8 und 9 des alten Friedhofes würden bei Schonung derjenigen Grabstätten, welche dem Augenschein nach von Angehörigen unterhalten werden, Raum für 890 große und 450 Kinder- qräber bieten bezw. eins der Gräberfelder auSreichen bts zu der für den 1. Oktober 1900, spätestens 1. April 1901 vorgesehenen Eröffnung des neuen Friedhofes an der Marburgerstraße. Herr Schmal! spricht sich für An­gliederung eines Stückes Gelände an den alten Friedhof und für bessere Ausnutzung des noch vorhandenen meistens für Rabattengräber vorgesehenen Raumes auS; ohne Not solle man alte Teile des Friedhofs nicht wieder belegen. Herr Köber ist für den Baudeputationsantrag. Herr Beigeordneter Georgi wünscht, daß eine Wiederbelegung möglichst vermieden werde und feststellen zu lassen, ob event. bis Juni n. I. mit dem vorhandenen Raum auszukommen sei. Herr Petri spricht sich gegen Anfügung von Gelände aus. Herr Kirch ist ebenfalls gegen Erweiterug des Friedhofs, er finde nichts darin, wenn alte Teile wieder belegt würden. Herr Beigeordneter Georgi weist auf die spätere Be­stimmung des Friedhofes als Anlage hin, wodurch sich eine Wiederbelegung verbiete. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt, daß diese Möglichkeit jedenfalls in sehr weiter Ferne liege, da selbst nach Schließung des Friedhofes Be­erdigungen in Erbbegräbnissen stattfänden; er empfiehlt vor-

welche in einer Antwort auf eine der jetzt beliebten Um­fragen, deren Zweck die Feststellung der hervorragendsten Thaten des 19. Jahrhunderts ist, unter diesen Großthaten unseres Säkulums verzeichnet wird. Der Stil seiner letzten Sonaten und Quartette ist derjenige, an dem sich unsere Gegenwart ihren Stil gebildet hat (vor allem Wagners Polyphonie wäre ohne den Stil der letzteren Werke unmög­lich gewesen, und mit ihm schließt sich die ganze neudeutsche Schule an sie an). Die nationalromantische Richtung fand ihren Hauptvertreter in Karl Maria von Weber (1786 bis 1826), dem Komponisten desFreischütz" (1820), des Oberon" und der 1823 erschienenenEuryanthe", welche für die Entwickelung der Musik insofern bedeutungsvoll ge­worben ist, als in ihr die Auflösung der Einzelform zur großen Szene sich vorbereitet, und sie so den Uebergang zu WagnersLohengrin" vermittelt.

Unter Webers Einfluß standen u. a. Marschner (17961861), der Schöpfer vonHans Heiling" und Templer und Jüdin" (1829), und auch Ludwig Spohr (17841859) und Konradin Kreutzer (17801849), letzterer bekannt durch seine OperDas Nachtlager von Granada", gehörten, wenigstens im wesentlichen, der romantischen Richtung an. Das Lied pflegte Franz Schubert (17971828), den sich der geniale Robert Schumann (18101856), bekannt vor allem durchPara­dies und Peri" und seine Manfredmusik, zum Vorbilde nahm. Letzterer endete bekanntlich in geistiger Umnachtung. Felix Mendelssohn-Bartholdy (18091847) stand abwechselnd unter Webers, Beethovens, Händels und Bachs geistigem Einfluß, ohne darum weniger eigenartig zu sein; seine Musik zu ShakespearesSommernachtstraum" wirkt ebenso bezaubernd, als seine Chöre zuAntigone" und Oedipus" packend und erhebend.

Ein Humorist auf dem Gebiete der Tonkunst war der melodienreiche Lortzing (18031851), der in seinen Opern Zar und Zimmermann",Undine",Der Waffenschmied" u. s. w. alle Reize seiner liebenswürdigen Kunst vor uns entfaltet, während ein anderer Humorist der Musik, der in Paris Triumphe feiernde Offenbach (1822 bis 1880)

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deren Dispens von verschiedenen Bestimmungen der ein­schlägigen Verordnungen nötig ist. Danach soll Herrn Martin Langsdors die Anlage einer Feldscheuer, Herrn Georg Balser für die Goethestraße, Herrn Gott­lieb Nauheimer für dieselbe Straße und Herrn Dach­deckermeister Prang für die Privatstraße durch die Löber'sche Hofraite die Erlaubnis zum Bau von Wohnhäusern mit teilweiser Holzkonstruktion gestattet werden.

Herrn Wilhelm Orbig soll gestattet werden, für die Dauer der Bauzeit eines Hintergebäudes an seinem Hause in der Sonnenstraße vorübergehend den Stadtbach zu überbrücken.

Dem Gesuch des Schützenvereins um Beseitigung dreier kranker Kirschbäume auf dem Trieb, welche bei dem Bau von Festhallen hinderlich sind, wird unter der Be­dingung zugestimmt, daß diese Bäume alsbald durch neue ersetzt werden.

Zur Verlängerung des zwischen der Stadt und dem Badeanstaltsbesitzer Benner betr. einer Wiese an der Lahn bestehenden Pachtverhältnisses erteilt die Versammlung ihre Genehmigung.

Herrn vr. Mettenheimer soll ein Stück Straßen­gelände am Schiffenbergerweg zum Preise von 10 Mk. per Quadratmeter überlassen werden.

Einige Rechnungen über Herstellungsarbeiten in der ehemals Schüler'schen Besitzung werden genehmigt.

Die Herstellung des Asphaltbelags für die im laufenden Jahre auszuführende Erhöhung der Bürgersteige soll der Firma Hermann Thiele hier übertragen werden, welche sich erboten hat, bezeichnete Arbeit, zusammen 3820 Quadratmeter Belag, zum Preise von 16 781 Mk. auszuführen.

Herrn Maurermeister Keßler in Annerod soll ge­stattet werden, die zur Fundamentierung des Aussichtsthurmes auf derHochwarte" erforderlichen Bruchsteine einem in der Nähe befindlichen älteren Bruche zu entnehmen, gegen Entrichtung einer Bruchgebühr von 80 Pfennig per Kubik­meter.

Der Verpachtung ehemals Katzenstein'scher Acker­parzellen, welche sich zur Anlage von Wiesen nicht mehr eignen, an Frau Nebe stimmt die Versammlung zu.

Der Georg Zörb Witwe von Hörnsheim soll

Künste im 19. Jahrhundert steht wohl, wenigstens soweit Deutschlands Beteiligung an dem allgemeinen künstlerischen Schaffen in Frage kommt, die Musik. Während im vorigen Jahrhundert die italienische Musik herrschend war, erstand in dem unseren oder vielmehr seit dem Ende des vorigen Säkulums eine deutsche Schule, deren Stilall­gemeines Muster in Deutschland, Frankreich und England wurde, und welcher alles Große und Schöne in der Musik der späteren Zeit seinen Ursprung verdankte". Der erste, welcher mit der italienischen Tradition brach, war Gluck (17141787), dessen OpernOrpheus",Jphigenia", Alceste" u. s. w. nach langem Kampfe die Anerkennung sogar der bis dahin auf Lully und Rameau schwörenden Pariser errangen. Glucks Büste erhielt auf Kosten der Nation ihren Platz neben denjenigen der genannten Ton- fünftler eine Ehre, die diesem großartigen Pionier des reinen musikalischen Dramas gebührte. Joseph Haydn (17321809) verlieh der Symphonie ihre klassische Form, in ihm begrüßen wir zugleich den Schöpfer der bis in die neuere Zeit geltenden Formen der Instrumentalmusik. Das zweite feiner beiden gewaltigen Oratorien:Die Schöpfung" undDie Jahreszeiten", gehört, als 1801 entstanden, noch dem 19. Jahrhundert an. Noch höher steht uns der Name Mozart (17561791), der geniale Meister wird neben einem Goethe und Raphael genannt. SeinDon Juan", seine .^auberflöte" bezaubern noch heute so mächtig wie vor 100 Jahren die Herzen und Geister. Der unerschöpf­liche Künstler schuf während feiner kurzen Lebens- und Wirkenszeit nicht weniger als 20 Bühnenwerke, 41 Sym- phonien, 36 Messen, Motetten, Psalmen und andere Kirchen- stücke, im ganzen gegen 800 Kompositionen. Doch bic französische Revolution stürzte die alte Zeit, auch für die Kunst Hub eine neue Anschauung mit neuen Aufgaben an. Ludwig van Beethoven (17701827), der Vollender der Instrumentalmusik, ließ uns in seinen Melodien die neue Zeit vorahnend empfinden. 1805 erschien seinFidelio", seit derZauberflöte" der erste Anlauf einer weiteren Ent­wickelung, 1822 dieMissa solemnis*, und 1824 jene be­rühmte 9. Symphonie über SchillersLied an die Freude",

Sitzung der Stadtverordneten

am 6. April 1899.

«wesend die Herren Oberbürgermeister Gnauth, tMcorbneten Georgi und Wolff, von feiten der Stadt- vEivrdmeten die Herren Brück, Emmelius, Euler, $ tber, Flett, Dr. Fuhr, Dr. Gaffky, Hanau, Hz »ab ach, Helfrich, Heyligenstaedt, Huhn, Jug- tilearbt, Keller, Kirch, Löber, Loos, Orbig, Pf tlri, Scheel, Schiele, Schmal! und Wall en fels.

Die Rechnung der Gemein de krank en Versicherung flfc 18:98 wurde vorgetragen und nicht beanstandet.

Die Versammlung sprach sich hierauf für Besür- Np.irtumg einer Anzahl solcher Baugesuche aus, bezüglich

Vas 19. Jahrhundert.

Unter Mitwirkung hervorragender Fachgelehrter herausgegeben von Friedrich Thieme.

(Nachdruck oder AuSzug verboten.) VII.

Musik, Gesang, Schauspielkunst.

Die Wiffenschaft spricht zum Geist, die Kunst zur Seele. Clnif im ihre innersten Tiefen greifen die Worte, Töne und 8Mcn, welche des Künstlers Geist zu machtvoller Wirkung zi- ttreinigen wußte. Lange bevor der kühl reflektierende W-piand die Gesetze des Lebens fand, erweckte schon die KAmsl die Ahnung des Edlen in uns; der göttliche Funke d'irZ Menschen verklärt sich iw ihr zur leuchtenden, wunder- titottn Flamme, sie ist gewiffermaßen die Kristallisation des nMichlichen Empfindens; obgleich ebenso wie alles andere «lieber Welt den Regeln der fortschreitenden Entwickelung ue himorfen, erzeugt sie auf' jeder Stufe dieser Entwickelung WÄlommenes, während die Wiffenschaft in mühsamer Teil- axrlhit Stein auf Stein zum großen, nie vollendeten, immer in feinen Grundfesten wankenden Bau zusammen- tttöjt! Die Geschichte der Kunst seit der Renaissance ist d>mDarstellung eines glanzvollen, farbenreichen, pomphaften Dlmmphzuges, an welchem alle Künste mit gleichen Erfolgen bdtftiligt sind. Das 19. Jahrhundert steht gegen die früheren liniierte nicht zurück, obwohl es ihm vor allem m den btiTknben Künsten nicht möglich gewesen ist, einen neuen gTJBjin. selbständigen Stil auszubilden.

Die Fülle der künstlerischen Erscheinungen tm av- lajyfinfcen Jahrhundert ist so unendlich, daß wir im Rahmen ctßitf Zeitungsartikels kaum einen schwachen Begriff davon M erwecken imstande sind. Die großen allgemeinen Uthörn mgen, welche wir in der Litteratur einander ablosen fafän, machen sich auch hier im wesentlichen geltend: Die klLMHe Periode wird von der romantischen verdrängt, ihrerseits der Realismus folgt. An der Spitze aller

Deutsches Keich.

Serliu, 6. April. Der Kaiser hörte heute morgen non SUHr an den Vortrag des Staatssekretärs v. Bülow «wnb darauf die Vorträge des Kriegsministers v. Goßler umb dtS Generals v. Hahnke.

S<r!, 6. April. Wie diePost" erfährt, ist an hjustger unterrichteter Stelle von Unruhen im Kamerun- 8,biete nichts bekannt. Es liegt die Vermutung nahe, afj ei sich bei den diesbezüglichen Meldungen eines Londoner Telegraphen-Bureaus um frühere Ruhestörungen im Innern vton Kamerun handelt.

Berlin, 6. April. DieNordd. Allgem. Zig." meldet: hier eingegangenen telegraphischen Meldungen ist die Besetzung von Jtschau in Ruhe erfolgt. Mit den Erricht Ssitzungen zur Bestrafung der Schuldigen im Falle kEttnz ist begonnen worden. Das deutsche Vorgehen hat itttiti den Erfolg gehabt, daß durch Befehl des Kaisers Lten tSIjina zum Schutze der Missionare und Bergwerks- Blrimtrn nach Jtschausu Militär gelegt worden ist.

Berlin, 6. April. DemLokal-Anzeiger" wird aus LUlagbibürg berichtet: Die schwarzen Pocken sind in k?»vitz'sch bei Bitterfeld ausgebrochen. Zwei polnische SOeiter sind in die Klinik zu Halle eingeliefert worden. StDtr Kreis Physikus von Bitterfeld konstatierte weitere Fälle. Gfa befürchtet eine Ausbreitung. Die Klinik von Halle trt'tigttttc sich, weitere Kranke aufzunehmen.

M. 82

UgNch es Ausnahme de» Montag».

Sir Gießener WirrUUMltÄtUt m.i r dem Anzeiger ,B4«rlich viermal deigelegt.