Samstag den 8. April
1800
Erstes Blatt.
82
Amts- und Anzeiseblatt für den Areis Gietzen
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Skctlion, Expedition und Druckerei:
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Alle Anzeigeu-DermittlungSstellen de» In- und AuSlandet mhmtn Anzeigen für den Gießener Anzeiger rnrgegen.
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Staatssekretär v. Bülow seinen Osterurlaub unterbrochen und eine rege amtliche Thätigkeit entfallet hat. Die Er« eignisse in China scheinen hierzu weniger Veranlassung g^ geben zu haben als die Vorgänge auf Samoa, die auch heute noch nicht völlig geklärt sind und eine verschiedene Deutung zulassen, je nachdem man nun aus englisch-amerikanischer oder aus deutscher Quelle schöpft. Es ist felbft« verständlich, daß wir den bisher von amtlicher deutscher Seite abgegebenen Darstellungen unbedingtes Vertrauen schenken, nur wundern wir uns, daß unsere Regierung Nicht mit mehr Nachdruck ihrem Standpunkte Geltung verschafft. Freilich mögen die Schwierigkeiten besonders groß fein, sonst würde auch wohl kaum das Bombardement von erfolgt sein. Ob solches gerechtfertigt war, kn*"6*'
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führen. Jedenfalls hat Deutschland, als es vorschlug, besondere Kommission nach Samoa senden, damit gezeigt, daß es bereit ist, die strittige Frage möglichst auf freundschaft-
Adrrffe für Depeschen: Anzkigcr Dietzen.
Fernsprecher Nr. 51.
lelintlne von Anzeigen zu der nachmittag» für bm folgen tag erscheinenden Nummer bi» vor«. 10 Uhr.
bedauern dürfte, den ersten Versuch einer ,hm von Deutschland gebotenen Freundschaft so arg gemißbraucht zu haben.
— Wie in dem Berichte der preußischen Staatsschulden-Kommission über das Rechnungsjahr 1897/98 mitgeteilt wird, hat sich diese Kommission auch mit dem Fall Grünenthal beschäftigt. Es heißt in dem Berichte: „Aus Anlaß des Falles Grünenthal sind die Mitglieder der Kommission am 15. April v. I. mit sämtlichen Mitgliedern der Hauptverwaltung der Staatsschulden zu einer gemeinschaftlichen Besprechung zusammengetreten. In dieser Besprechung ist zunächst festgestellt, daß im Bereich der preußischen Staatsschuldenverwaltung keinerlei Unordnungen oder Unebenmüßigkeiten stattgefunden haben. Demnächst sind alle Bestimmungen, welche über die Anfertigung und Kontrolle der preußischen Staatspapiere erlassen sind, einer genauen Nachprüfung unterzogen. Die Kommission hat sich überzeugt, daß diese den Anforderungen durchaus genügen und hat in der, der Besprechung folgenden Sitzung einstimmig folgenden Beschluß gefaßt: „Die Staatsschuldenkommission hat nach der heutigen gemeinsamen Besprechung keinen Anlaß gefunden, irgend welche Vorschläge, zur Verschärfung der in dieser Beziehung bereits vorhandenen Kon- । trollmaßregeln zu machen".
— Die ehemaligen hannoverschen Offiziere haben beschlossen, anläßlich der Kabinettsordre vom 24. Januar dem Kaiser ihren Dank durch Darbietung einer Ehrengabe auszudrücken. In Aussicht genommen ist eine aus Silber gearbeitete Nachbildung der Waterloosäule. Die Überreichung soll, da der Kaiser die Annahme zugesichert hat, am 18. Juni d. I. als am Jahrestage der Schlacht bei Waterloo stattsinden. Ein Aufruf fordert zu Beiträgen auf. Ein Welfenblatt, das zufällig in der Lage war, diesen Aufruf zuerst zu veröffentlichen, benutzt diese Gelegenheit, um wiederum hämische Bemerkungen im Sinne des Welfen- tums daran zu knüpfen. Mit dieser Haltung beweist indessen die Welsenpartei ihre unheilbare Verbohrtheit so augenfällig und in so unkluger Weise, daß man ihr zu I dieser Leistung nur gratulieren kann.
— Ein Zwischenfall in Brasilien. Der „Hamb. I Storr." teilt folgende Zuschrift mit: Einige in Südbrasilien I erscheinende deutsche Zeitungen berichteten vor einiger Zeit, I daß ein Angestellter des deutschen Konsulats in Curitiba I von brasilischen Soldaten angegriffen und mißhandelt worden sei. Der Vorfall ist, wie wir auf Grund zuverlässiger Er- I kundigungen aus Brasilien erfahren, von den dortigen Blätter» I teilweise übertrieben worden und hat sich wie folgt zuge- I tragen: Am 20. Januar d. I., abends 6 Uhr wurde ein I bei dem erwähnten Kosulate beschäftigter Beamter beim I Nachhausegehen von einem brasilischen Soldaten an der Brust gepackt, als er durch einen Trupp von etwa zehn I Soldaten, die sich auf dem Bürgersteige befanden, hindurch- I gehen wollte. Der Angegriffene stieß den Soldaten zurück, I worauf dieser ein Rasiermesser hervorzog und Miene machte, I zum Angriffe vorzugehen, woran er indessen durch seine I Kameraden gehindert wurde. Konsul Baerecke, der dem vor I einiger Zeit in ein Berufsamt umgewandelten Konsulate ix | Curitiba vorsteht, machte die Angelegenheit am nächsten Tage I bei der zuständigen Militärbehörde anhängig. Der schuldige I Soldat wurde ermittelt und nach erlittener strenger -öe-
JU Deutsche Interesse« auf Samoa.
Cie Weltlage ist augenblicklich nicht geradezu gesahr- bür*nib für uns, aber sie erfordert doch die gespannteste Alchse'nksamkeit der maßgebenden Kreise. Daß m dieser B?»qichiang nichts versäumt wird, beweist die Thatsache, daß
Polizeiverordnung,
betreffend Verhütung von Waldbränden.
Mit Rücksicht auf die zur Zeit bestehende Gefahr der (Stau ung von Waldbränden bestimmen wir auf Grund des Wim 79 der Kr. u. Pr.-O. das Folgende:
1, Das Rauchen von Cigarren, Cigaretten und un- g Mellten Tabakspfeifen in Waldungen und deren Um- g .Mg cn, sowie auf Haiden außerhalb der chaussierten Ver- b ilckvn gswegen ist untersagt.
2,. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu StXvM. geahndet.
3.. Das Verbot gilt vorerst für 4 Wochen.
G»ie ßen, den 5. April 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
SJ-jugsprd» vicrkiiäbrlid) 2 Mark 20 Psq. mouctlid) 75 Psg. mit Bringkriohn.
Bki Postbezug 2 Mark 50 Psg. vierteljährlich.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
Gießen, den 1. Avril 1899.
W-Ii Die Anstellung der Kreisstraßenwarte.
Großherzogliche Kreisamt Gießen a« di.e Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Sie wollen, soweit aus Ihren Gemeipdekassep Gehalte atji Straßenwarte bezahlt worden sind, die Gemeindeein- lurtmet veranlassen, sofort mit der Kreiskaffe abzurechnen, bicnit diese in den Besitz sämtlicher Hauptquittungen aoiflangt-
Binnen 14 Tagen sehen wir Ihrem Bericht entgegen, btLj bie-je Abrechnung stattgefunden hat.
v. Bechtold.
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Deutsches Reich.
Berlin, 6. April. Der Vorschlag der deutschen Regierung betreffs Entsendung einer aus drei Mitgliedern bestehenden Kommission nach Samoa ist, nachdem er von Seiten der amerikanischen Regierung unverzügliche Zustimmung gefunden hat, nunmehr auch endgültig von England angenommen worden. Die diplomatische Aktion Deutschlands ist, wie die „National-Zeitung" meldet, zugleich insofern erfolgreich, als die Beschlüsse dieser internationalen Kommission einstimmig gefaßt werden müssen.
— Zu den Vorgängen auf Samoa schreibt die Tägl. Rundschau": Die Verhandlungen der Schutzmächte sind jetzt so weit gefördert, daß endlich auch England sich mit dem deutschen Vorschläge einverstanden erklärt hat. Danach wird die Kommission, die die Verhältnisse auf Samoa zu prüfen hat, demnächst eingesetzt werden. Was die nur in einem Teil unserer gestrigen Nummer nach dem Redaktionsschluß aufgenommenen Nachrichten auswärtiger Blätter, die als angeblich offiziös eingeschmuggelt wurden, anbelangt, so erweisen sie sich glücklicherweise als unrichtig. ES ist für die Kommission ausdrücklich ausgemacht und auch von Eng- land zugestanden worden, daß ihre Beschlüsse einstimmig aefaßt werden müssen. Daß England dieser Bedingung zu- aeftimmt hat, erscheint um so natürlicher, als die Jnleresten- aemeinschaft der Engländer und Amerikaner zwar in Bezug auf das eine Ziel, die Verdrängung der Deutschen, festge- halten wird, im übrigen aber durchaus nicht auf so festen Grundlagen beruht, wie von englischer Seite gewünscht wird. Es könnte daher sehr leicht der Fall eintreten, daß wider Erwarten England selbst majorisiert wurde, und darauf will man es doch lieber nicht ankommen lasten. Musten die Beschlüsse einstimmig gefaßt sein, so hat es England schlimmstenfalls immer noch in der Hand, jede Beschlutz- faffung überhaupt zu hindern. Das liegt durchaus im Sinne seiner bisherigen Taktik, die darauf bedacht ist, vor allem Samoa nicht zur Ruhe kommen zu lasten und durch Hinziehen der unleidlichen Verhältniste den deutschen Einfluß und das deutsche Ansehen immer mehr zu untergraben. Man sieht also daraus, daß zwar vor der Hand von unserer
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WKWtec tim Anzeiger «öütatlvf) viermal teigelegt.
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betreffend Verminderung der Herbstzeitlose.
Interesse der Wiesenkultur ordnen wir auf Grund de«M 24 der Wiesenpolizei-Ordnung auch für das lausende rtiLht nn, daß die auf den Wiesen wachsenden Herbstzeit- c Zeit des höchsten Saftstandes durch Ausrupftn bejs: Stengel beseitigt werden. Das Ausziehen hat möglichst beit, feudjtem Boden zu geschehen, damit der Schaft der nicht schon dicht unter dem Boden abbricht.
Dir auSgerupften Pflanzen sind nicht auf die Wege zu rntaftn, woselbst die Schafe durch das Freffen derselben Staber nehmen können, sondern abseits von den Wegen umtayi^ringen
Dir Beseitigung der Herbstzeitlosen hat bis zum SO, ®tai 1. I. zu erfolgen, die bis dahin säumigen Be- sihh.ki ha-ben sich der Erhebung von Strafanzeigen zu ge= miirtigcn.
Gießen, den 4. April 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
auswärtigen Politik das einzige erreicht ist, was zu erreichen war, daß aber die Lage selbst nach wie vor ziemlich hoff- nunqslos erscheint. Der einzige reelle Nutzen, der für un8 hoffentlich dabei herausspringt, ist der, daß wir melle,cht auf längere Zeit gründlich von der ..englischen Freundschaft" kuriert sind. Ganz richtig schreiben die „Hamb. Nachr.": Nach der bisherigen Haltung Englands m der samoanischen Frage erscheint es uns zweifelhafter denn je, ob Deutschland es vor sich selbst verantworten kann, die Unterstützung durch England als zuverlässigen Faktor in irgend welche politische Zukunftsrechnungen einzustellen; selbst ein geschriebener und lein, । unterzeichneter Vertrag scheint uns dafür nicht genügende ement von Apia Sicherheit zu bieten. Der zweisehaften Haltung des englischen
„aufregend" und „friedestörend" hinzustellen. Wir erblicken darin eine Verstärkung unserer Befürchtung bezüglich der
। englischen Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit und halten die kichern Wege zu losen. ctaWn finh nröfitc Vorsicht für geboten. Glücklicherweise ist unsere
dagegen haben die Amerikaner und Engländer fast gar feine Plantagen auf Samoa angelegt. Daß die Vereinigten Staaten ganz gerne ihre Hand auf dieses kleine $nfelreiq) im südlichen Großen Ocean legen möchten, ist wohl zu glauben, da sie ihm durch die Annexion Hawaiis bedenklich näher gerückt sind und deshalb ein um so größeres Interesse daran haben, den deutschen Einfluß zursickzudrängen. Dies zu verhüten, wird unsere Regierung aber hoffentlich fein Mittel scheuen, und wenn die gütliche Vermittelung nichts fruchten sollte, so sehen wir nicht ein, weshalb wir nicht auch einmal den Engländern und Amerikanern die Zähne zeigen sollen. Gerade Deutschland hat ein überwiegendes Interesse daran, wer auf Samoa König ist, und deshalb darf es sich unter feinen Umständen den ihm nicht genehmen Kandidaten Englands der Vereinigten Staaten aufdrängen lasten. Es wäre an der Zeit, daß die schwankende Haltung in der Samoa-Angelegenheit einem entschiedenen Auftreten
Bekanntmachung.
Die erledigte Stelle eines Kreisftraßeuwarts wtilbeTtt Sitz in Wieseck oder Trohe soll demnächst wieder bl4h* werden.
Sewerber wollen ihre Meldungen unter Angabe von AW und seitheriger Beschäftigung, sowie unter Anschluß
Zeugnissen bei dem Kreisstraßenmeister Senßfelder da- hl«bis spätestens 15. April l. I. einreichen.
Gießen, am 4. April 1899.
Der Kreis-Ausschuß des Kreises Gieße».
_________________v. Bechtold.___
Bekanntmachung
Kn Stelle des Buchhalters Karl Nagel zu Gießen ist dimWeißbinder Philipp Otto daselbst zum Ersatzmann dlttt Vertrauensmannes aus dem Kreise der Arbeitnehmer fihtiit Jnvaliditäts- und Alters-Versicherungsanstalt Groß- hlkyozimm Hessen ernannt worden.
Gießen, am 4. April 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
^Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwirt, Matter für hessische Volkskunde.


