Mittwoch den 8. Februar
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Drittes Blatt.
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Gießener A nzeiger
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Heimat-Unzeiger
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MchMPelze hüllen, der immergrüne harzduftende Tannenbaum dtr W.'üdpoesie zur fröhlichen Weihnachtszeit ins Haus.
laber im Auftrage des „Judustriesyndikates zur wirtfchaft- lichen Erschließung üdh Kiautschon und Hinterland" im Innern der Provinz Shantung thätig war und am 19. Dezember nach Tsintau zurückgekehrt ist. Herr Krause wurde am Nachmittag des 13. Dezember in einem Dorfe von zahlreichen Chinesen angegriffen und in einem dichten Steinhagel, den die Angreifer auf ihn und die ihn begleitenden Chinesen richteten, am Kopfe zweimal leicht verletzt. Schwereren Verwundungen entging der Angegriffene nur dadurch, daß er Gelegenheit fand, sich auf sein Pferd zu schwingen und ein Gasthaus zu erreichen, wo er zunächst durch die Ortsbehörde und am folgenden Tage durch den Kreismandarin Schntz fand. Das Gepäck, das ans Handkarren nachfolgte, wurde zwei Stunden nach dem Angriff von einer bewaffneten Bande von etwa 20 Mann überfallen. Mitgenommen wurde Alles, was die Räuber gebrauchen konnten, der Rest wurde zum Teil beschädigt. Herr Krause verlangte vollen Schadenersatz und -Bestrafung der Uebelthäter. Ein Haupträdelsführer, den Herr Krause am Zopfe mit sich ins Gasthaus geschleppt hat, erhielt alsbald seine Züchtigung in der landesüblichen Form: 500 Bambushiebe am ersten, zweimal 500 am zweiten Tage. Im übrigen sah sich Herr Krause genötigt, dem Kreismandarin unter der Androhung, er werde die diplomatischen Behörden anrufen, ein Ultimatum zu stellen, das in Tsintau am 25. Dezember, also am ersten Weihnachtsfeiertage ablief.
i AWvan gestorben.
Berlin, 6. Februar. Das Abgeordnetenhaus vEies- heute den Gesetzentwurf betreffend die Verteilung d«»i öffentlichen Lasten an Grundstücken, Teilung neuer An- sindtluAgen 2c. an eine besondere 14gliedrige Kommission. Der Nachweis über die Erhöhung des Eisenbahn-Disposi- tijMfouds wurde debattelos erledigt und sodann die Etats- b^aiuiig fortgesetzt. Die Etats der direkten und indirekten Setllcrn, der Staatsarchive und des Kriegsministeriums w-Liden genehmigt. Morgen verschiedene Anträge.
Berlin, 6. Februar. Der frühere Reichskanzler Graf (Qaprivi ist heute vormittag auf dem Gute Skyren, wo ert bei seinen Verwandten wohnte, gestorben.
Berlin,6. Februar. Die Beerdigung des Grafen (Qoprivi findet am Donnerstag nachmittag 1 Uhr in Skyren statt. Das Infanterie-Regiment Nr. 78, dessen (Lh'if Graf Caprivi war, wird durch eine Deputation einen K^ernz «im Sarge des Verstorbenen niederlegen lassen.
Trossen, 6. Februar. Caprivi litt schon seit längerer MI an Herzaffektionen. Er war erst seit drei Tagen bett- läigtrig Gestern trat Lungenödem ein und heute Herzschlag. Der Tod wurde sofort dem Kaiser gemeldet.
W Kiautschon. Die inTsiutau erscheinende deutsche
Miller Erde über ihre frierenden Kinder breitet. Unter ihijn ruhen die schlummernden Pflanzenkeime, die Knospen, btje&irücn, die zartesten Sprossen der Tierwelt.
11 nb wie kostbar ist diese aus funkelnden Sternkrystallen g'Mbt t Decke! Um die Jahreswende gießt die Nachmittags- fc’nnc ^fahlgelbes Licht darüber, um die Schatten der Land- sc'sasi in tiefblauen Tönen darauf zu malen. Dann aber tciuchl die untergehende Wintersonne in Purpurlicht die Flur, bic5 öct Mond, der in frostigen Nächten besonders hell erchich'lt, wieder intensiv weißes Licht über die malerische Älter landschast schüttet.
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Ausland.
Wien, 6. Februar. Unmittelbar vor dem Auseinandergehen haben die Parteien des österreichischen Abgeordnetenhauses, wie schon so ost im Verlaufe der gegenwärtigen Krise, sich mit Kundgebungen an die Öffentlichkeit gewendet, die, halb Rechenschaftsbericht, halb letztwillige Verfügung, über ihr Verhalten in der Vergangenheit ausklären und ihre Absichten für die Zukunft feststellen sollen. Der parlamentarische Ausschuß der Rechten ist mit einer Resolution vorangegangen, welche den fruchtlosen Verlauf der Tagung beklagt, die Hände der Mehrheit in Unschuld wäscht und dem Wunsche nach Verständigung über die schwebenden Streitfragen Ausdruck giebt, aber zugleich von der Regierung erwartet, sie werde im Sinne der Autono- misten-Adresse vorgehen, derselben Adresse, als deren, wenngleich nur teilweise und noch lange nicht genügende Verwirklichung die Spracheuverordnungen von der Mehrheit selbst unzähligemal bezeichnet wurden. Nunmehr ist auch die deutsche Opposition mit Ausnahme der Schönerer-Partei
Deutsches Deich.
Darmstadt, 6. Februar Die erste Ständekammer
Aber wem ein warmes Herz für die Mutter Natur — die immer noch die beste Mutter aller Mütter ist — im Busen schlägt, der wird, nicht nur an dem glänzend geschmückten Tannenbaum im Hause, sondern auch an den dem Froste trotzenden Fichten und Tannen im Walde draußen seine Freude haben. Denn gerade unsere Nadelbäume, die mit ihren breiten, grünen Fingern den fallenden Schnee auffangen, treiben mit diesem ein recht interessantes Spiel. Die Flocken ballen sich auf den nach dem Gipfel zu kürzer werdenden Aesten nach und nach zu dichteren Massen, sodaß sich schließlich aus den Bäumen pyramidale Prachtgestalten entwickeln. , , „
Dem Großstädter ist es nicht häufig vergönnt, im Schlitten, unter Schellengeläut, durch solch eine groteskromantische Landschaft dahinzufliegen und die reine, köstlich erfrischende Waldluft zu atmen; aber im Harz und im Riesengebirge, wo die Schneeflocken in reicherer Fülle herniederfallen, zeigt der Wald recht oft diese Physiognomie. Es sind Landschaftsbilder von wunderbarer Pracht, die ja auch recht häufig durch den Pinsel des Malers auf die Leinwand gezaubert werden. ,
Der Städter hat in der Regel zu wenig Fühlung mit der Natur, um der rechten Winterpoesie sein Herz zu öffnen, nur die Jugend, welche sich im Schnee tummeln darf, begrüßt die tanzenden Flocken mit Jubel. Sonderbar ist es, daß wir mehr Freude und Vergnügen in der Erinnerung an die Wintertage unserer Kindheit empfinden als an der heutigen Wiederkehr der kalten schneebringenden Tage. Ach, in der Jugend war alles so schön — selbst der erfrorenen Nasen und Ohren erinnert man sich mit Vergnügen. m
Aber die Ernüchterung bleibt nicht aus. Was soll uns der Schnee? In dieser Zeit des lebhaften Verkehrs ist er nur lästig, und bei einigen Graden unter Null mit steifen
tritt erst am 25. Februar zusammen.
Berliu, 6. Februar. Zur gestrigen F r ü h st ü ck s t a f e l b i im Kaiserpaar waren u. a. geladen: Prinz und Prinzessin Adolf von Schaumburg-Lippe und die Bischöfe vim Limburg und Fulda. Nachmittags sprach der Kaiser fuxje Zeit bei dem Staatssekretär v. Bülow vor, dem er auch heute vormittag einen Besuch abstattete. Von 10Uhr an hörte der Kaiser heute die Vorträge des Ministers IviltbCt d. Recke, des Chefs des Civilkabinetts v. Lukanus, des a 9 Staatssekretärs Tirpitz und des stellvertretenden Chefs des 'IdPlML Mtiriiiekabinetts v. d. Gröben.
Berlin, 6. Februar. Prinz Georg von Preußen fühlte sich gestern etwas besser. Zu Besorgnissen liegt vor. Der Prinz hat das Bett nicht zu hüten
Feuilleton.
Schnee.
Don F ed Hood.
(Nachdruck verboten.)
Die Romanschriftsteller und Poeten, welche sich mehr
gut . A der der Wald ist die herrlichste Stätte der winter- ’llllserek ifiltn 'Romantik und Schneepoesie; fast möchte ich sagen, ' üelt i- her Wald überhaupt die Heimat der deutschen Dicht- ^lmlierkunst sei. Er bildet fast in jedem deutschen , 6y. D.Mmärchen den „Ort der Handlung", Waldesrauschen Wanderlust erfüllt unseren ganzen Liederschatz, und wenn sich die friernden Bäume in ihre
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, Milmg, die „Deutsch-asiatische Warte", berichtet in ihrer j Eevtueni- MBiiner vom 24. December über einen chinesischen Ueberfall ' ' 105 $ aill1De,n deutschen Bergassessor Krause, der seit dem l l.Oc- ' ' 1.10 $ ■
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dMB ihre Einbildungskraft als durch ihre Wahrheitsliebe Hw®®® aAchichnen, pflegen die weiße Schneedecke als ein über die ter biS 'wri Üe Flur gebreitetes „Leichentuch" zu bezeichnen, unter a im die „tote Natur" bis zum Wiederauferstehungs-
et voa ® tclg ruht. Aber die Natur ist nicht tot, und die Schnee- hich bikdt fein Leichentuch; weit eher könnten wir diese als eine wvniche wohlige Schlummerdecke bezeichnen, welche die gütige
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Berlin,6. Februar. Der Erbprinz von Sachsen- (Sebut-g ist heute nachmittag 4 Uhr in Martinsbrunn bei
mit einer gemeinsamen Kundgebung nachgefolgt, welche den der Mehrheitsresolution zu Grunde liegenden Sachverhalt vom Standpunkte der Deutschen beleuchtet. „Tägl. Rdsch."
Paris, 6. Februar. Eine neue angebliche Spionage-Geschichte soll durch Zufall im Loire-Departement entdeckt worden sein. Infolge Einstürzens einer Holzbrücke fiel der Postwagen in die Loire. In dem aufgeweichten Postbeutel fand sich u. a. folgender, an einen ausländischen Agenten gerichteter „verdächtiger Brief": „Ich schicke Ihnen die zwei verlangten Photographien zurück. Sie erhalten demnächst drei Photographien des Werkes, von dem ich mit Ihnen sprach. Ich hoffe, Sie haben meinen letzten Brief von vor acht Tagen beantwortet, wie ich bat, unter den in St. Etienne vereinbarten Anfangsbuchstaben." Als Absender wurde ein gewisser Durand vermutet. Seine Instruktion schrieb vor, den Brief in ein Hotel der Rue Turbigo zu Paris gelangen zu lasten. Bei der nun folgenden Haussuchung in dem Hotel wurden hohle Garnrollen, enthaltend Photographien wichtiger Dokumente, ferner ein photographischer Apparat, mehrere Klischees von Festungsplänen und ein Brief, in dem Auskunft über französische Offiziere erbeten wird, beschlagnahmt. Durand gab vor, er sei Strumpfwarenhändler. Die Untersuchung habe jedoch ergeben, daß er in Wirklichkeit ein verabschiedeter Offizier vom 20. Armeekorps sei. Nun kommt folgende weitere Nachricht: „Eine nochmalige Prüfung der bei Durand beschlagnahmten Stücke hat ergeben, daß es sich hier gar nicht um Dokumente handelt, die die nationale Verteidigung betreffen, sondern nur um obscöne Photographien, mit denen Durand heimlich Handel trieb. Durand ist also nicht der gesuchte Offizier. Der Gesuchte ist ein Leutnant B., welcher gestern abend in Chalons-sur-Marne verhaftet worden ist." — Das scheint eine recht absonderliche Geschichte zu sein!
„T. R."
Vermischtes.
* Einer, der noch mit Goethe gesprochen hat. Aus London wird berichtet: Dieser Tage ist der Professor emeritus des Hebräischen an der Universität Aberdeen, Dr. John Forbes, im patriarchalischen Alter von 97 Jahren verstorben. Er war der letzte Engländer, der noch mit Goethe gesprochen hatte. Forbes sah den Dichter 1829 in Weimar. Sein Eindruck war folgender: „Die Frische von Goethe's Aussehen ist erstaunlich, wenn man bedenkt, daß er jetzt im 81. Jahre steht. Sein Antlitz ist fast genau so, wie es die letzten Bilder darstellen. Seine
Gliedern auf die langweilig und mühsam über verschneite Geleise daherrollende Straßenbahn zu harren, ist wahrlich auch kein Spaß. Und dann — was kostet dieser verteufelte Schnee für ein immenses Geld! Es ist sehr schön gesagt: „Frau Holle schüttelt die Betten ans." Aber dieses Vergnügen der alten Dame kostet den Städtern, insbesondere den Großstädtern, kein kleines Vermögen. Der Berliner Magistrat z. B. zahlte im Winter 1896/97 für die Entfernung des Schnees eine Summe von rund 730000 Mark. Und häufig war es noch schlimmer. Nein, das ist keine Kleinigkeit. In Geldgeschäften hört die Gemütlichkeit auf!
Der Landmann aber, der sich die Fortschaffung des Schnees sehr energisch verbitten würde, sieht die Sache mit anderen Augen an. Er begrüßt mit Freude die Bedeckung der Fluren mit dem Schlummermantel und wünscht nur, daß die Flocken rechtzeitig und reichlich vom Himmel herniederfallen. Er weiß, daß der Schnee die Saat gegen den Frost schützt und auch ein — bedeutendes Düngungsvermögen besitzt. Diel größere Stickstoffmengen als der Regen bindet der Schnee beim Niedersallen zur Erde und fördert so die Fruchtbarkeit des Bodens; das wurde durch vielfache Analysen des Schnees, durch Isidor Pierre, Boussin- gault, Albert Larbaletrier und andere nachgewiesen So wird die praktisch gewonnene Erfahrung der Landleute, daß schneereiche Winter gute Ernten vorbereiten, durch die Wissenschaft erklärt und bestätigt.
Es ist also nicht die tote Natur, welche die Schneedecke verhüllt, sondern gerade die keimende, die wieder erstehende, eine Welt, die nur noch zu jung und zu zart ist, um die rauhe Witterung ertragen zu können. Sie ruht unter der weichen, warmen Schlummerdecke, bis sie, vom Schlaf gekräftigt, erwacht und an das Tageslicht hervortritt.


