Ausgabe 
8.1.1899 Drittes Blatt
 
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fertigen könnte, und ich hätte in einer der dankbarsten Pflichten, die ich meiner Universität schulde, gefehlt."

Die publio library in Manchester zählte bereits am Ende des ersten Jahres 23,000 Bände, die während dieses Zeitraumes 138,000 Entlehnungen erzielten, so daß jeder Band durchschnittlich mindestens sechsmal benutzt worden war. Ihr erster Bibliothekar war der erwähnte Edward Edwards, der früher am Britischen Museum thätig gewesen war. Manchester hat bis jetzt immer in der ersten Reihe der englischen Volksbibliotheken gestanden und außerordent­lich schöne Resultate erzielt. Besonders verdient auch hervor­gehoben zu werden (eine Erscheinung, die mau auch bei den übrigen public libraries in ähnlicher Weise flndet), daß nur ganz außerordentlich wenig Bücher verloren gehen: das Verhältnis beträgt jetzt 1 Band auf etwa 13,000 Ver­leihungen. Das ist ganz bedeutend weniger als an irgend einer der großen wissenschaftlichen Bibliotheken Englands oder Deutschlands.

Nachdem im Jahre 1853 Blackburn, Sheffield, Cam­bridge und Ipswich die Ewart-Bill angenommen hatten, folgten in rascher Aufeinanderfolge eine Reihe von anderen englischen Städten. Die erste schottische Stadt, die die Bill annahm, war Airdrie im Jahre 1853. Als zweite folgt Dundee aber erst volle 13 Jahre später. Ueber- haupt ist das Vordringen der Bibliotheksbewegung in Schott­land sehr mühevoll und langsam gewesen. Das liegt nicht nur daran, daß die Bevölkerung dieses Landes über sehr weite Gebiete zerstreut ist, ohne viele Mittelpunkte zu be­sitzen (man erinnere sich auch, daß Schottland nur vier Millionen Einwohner hat, während allein London mit seinen Vorstädten 6 Millionen zählt) vielmehr ist wohl der Haupthinderungsgrund, die unglaubliche, nennen wir es ein­malSparsamkeit" des Schotten, der jeden Penny zweimal umdreht, ehe er ihn ausgiebt, außer wenn es für einen Whisky ist. Selbst die beiden größten Städte Schottlands, Edinburg und Glasgow, spielen in der Geschichte der groß­britannischen Volksbibliotheken eine recht unrühmliche Rolle:

Glasgow besitzt noch jetzt keine städtische Volksbibliothek, und in Edinburg stieß der Plan auf Errichtung einer solchen zweimal auf so große Schwierigkeiten, daß er das dritte Mal vielleicht nur dadurch zur Verwirklichung ge­langte, daß ein reicher Schotte, der für Volksbibliotheken ein hervorragendes Interesse hat, der Stadt eine enorme Summe zur Errichtung eines Volksbibliotheks-Gebäudes schenkte.

Um sich von der Hartnäckigkeit der Schotten und den Mitteln, mit denen die Opposition arbeitete, einen Begriff machen zu können, sei die Geschichte der Edinburger Biblio­theksbewegung hier ganz kurz erzählt:

Freunde der Volksbibliotheken hatten im Jahre 1867 alles vorbereitet, um den Steuerzahlern den Antrag auf Annahme der Ewart-Bill zu unterbreiten; unter ihnen be­fand sich eine große Zahl der angesehensten und einfluß­reichsten Bürger der Stadt. Aber auch die Feinde regten sich und organisierten sich vielleicht bester als die An­hänger der Sache. Die große Versammlung, in der über die Annahme oder Verwerfung der Bill entschieden werden sollte, fand am 18. Mai 1868 statt. Pom ersten Augen­blicke an war klar, daß die Gegner des Planes von dem Saale Besitz ergriffen hatten. Als die Namen der Männer, die den Aufruf unterschrieben hatten, verlesen wurden, erhob sich ein solches Geheul und ein solcher Lärm, daß es dem Vorsitzenden trotz aller Anstrengungen nicht gelinge« wollte, die Ruhe wieder herzustellen. Die Gegner wollten eben von Argumenten keinen Gebrauch machen vielleicht hatten sie auch keine und beschränkten sich darauf, durch möglichst großen Lärm jede Diskussion zu verhindern. Man mußte sich schließlich damit begnügen, die Abstimmung vorzunehmen, und diese ergab gegen die Gründung der Bibliothek 1106 Stimmen, dafür nur 71.Eine schimpf­lichere Versammlung ist selten in Edinburg abgehalten worden," bemerkt angesichts dieser Vorgänge ein eng­lischer Schriftsteller.

(Fortsetzung folgt.)

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Nr 7

Drittes Blatt.

Sonntag den 8. Januar

1899

Gießener Anzeiger

General-Mrzeiger

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Fernsprecher Nr. 51.

Amtlicher Feil.

Gießen, den 5. Januar 1899. Betreffend: Register über Zu- und Wegzüge. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grofih. Bürgermeistereien deS Kreises.

Wir sehen der Einsendung der Verzeichnisse über die Zu- und Wegzüge, oder Bescheinigungen, daß Einträge in diese Register im Jahre 1897 nicht zu machen waren, bis zum 20. d. Mts. entgegen. Die Bescheinigungen sind nach dem Muster, welches auf der letzten Seite des Formulars vorgedruckt ist, aufzunehmen.

Das Formular zu den Zu- und Wegzügen ist von der Großh. Centralstelle für die Landesstatistik in Darmstadt zu beziehen.

v. Bechtold.

England und Frankreich.

Zwilchen den beiden großen westeuropäischen Kolonial- staatcn finden sich immer von neuem Differenzpunkte, welche den Frieden zu stören geeignet sind, und Kaiser Wilhelm hatte ganz recht, als er in seiner Unterredung mit den Präsi­denten des Reichstags die internationale Lage durchaus nicht al« so stabil hinstellte, um sorglos der Entwickelung der Dinge entgegensetzen zu können. Zuerst war es die Faschodafrage, welche eine Zeit lang die Welt in Atem hielt und Waffen- geklirr verursachte, dann kam die Rede des englischen Bot­schafter« in Paris, die arg verstimmte und die Heilung der Wunden hinausschob und schließlich haben die beiden Mächte auch noch in Asten Differenzpunkte gefunden. England richtet seine Ansorüche auf das ganze Flußthal des Pangtse - Kiang unb auf die Verbindung dieses Thales mit seinen hinter­indischen Besitzungen, wo bekanntlich seit längerer Zeit die Franzosen mit den Engländern konkurrieren. Frankreich hat sein Augenmerk auf die südchinrstschen Provinzen ebenfalls geworfen, auch auf diejenigen, welche nicht direkt die französische Provinz Tonkir. berühren, und auch nach den Südwestproomzen de» Pangtie-Kiang Thale« blickt es lüsternen Blickes. Ins- besondere find e« die Eisenbahnkonzessionen, welche einen Gegenstand erbitterten Wetibewerb« bilden. Die Engländer hott n bisher den wertvolleren Teil davongetragen und wohl

Feuilleton.

Englische Wolksöiöliotheken.

Don Dr. Ernst Schultze.

(2. Fortsetzung.)

Die erste public library, die unter den Bestimmungen der Ewart-Bill eröffnet wurde, war die von Manchester. Unter lebhafter Anteilnahme der gesamten Bevölkerung und der ganzen Presse fanden die Eröffnungsfeierlichkeiten am 2. September 1852 statt. Aus den vielen bei dieser Gelegenheit gehaltenen Reden (der Eröffnung wohnten u. a. Charles Dickens, Thackeray und Bulwer Lytton bei) seien nur einige Worte aus der Rede Bulwers angeführt:

Bildung ist." sagte er,richtig betrachtet,das Werk eines ganzen Lebens, und die Bibliotheken sind die Schulen der erwachsenen Leute. Es hat auf mich einen rührenden Eindruck gemacht, als ich in der Bibliothek in Peel Park jo viele intelligente junge Gesichter mit einem solchen Ernst und einer solchen Aufmerksamkeit über die Bücher gebeugt sah, und als ich fühlte, welch eine gesunde Anregung die alten englischen Erregungsmittel des Bierpalastes und der Destillation ersetzt hat."

Anch ein Professor der Universität Cambridge wohnte -der Feierlichkeit bei; es hat fast den Anschein, als wäre <s das Bestreben der letzteren gewesen, die der Volksbildung feindliche Haltung der Universitätsvertreter im Parlament, »on der oben die Rede war, wieder gut zu machen. Sir James Stephen, Professor der modernen Geschichte in Cambridge, führt aus:

Wenn ich in der Mitte meiner Umgebung Ihrer Ein- »adung nicht gefolgt wäre, hierher zu kommen und durch Meine Gegenwart, soweit ich es kann, das tiefe Interesse M zeigen, das die Lehrer der Jugend in Cambridge an er moralischen und intellektuellen Wohlfahrt dieser großen

?e^men' hätte ich nicht gewußt, wie ich vor mir selbst die Ueberlegenheit meiner zufälligen Stellung recht­

tnfolgedeffen die Franzosen in Südchina mehr gewähren lassen, als fie es höchstwahrscheinlich unter anderen Umständen ge- than haben würden. Seitdem aber Frankreich ernstlich Miene macht, aktiv in die Verhältnisse im Pangtse-Kiang-Thale ein­zugreifen und nachdem es eine Expedition den Fluß hinauf entsandt hat, werden die Engländer gereizt. Man glaubt in London nicht, daß es sich dabei nur um die Befreiung eine» französischen Missionar« gehandelt habe.

Jedenfalls find die Beziehungen zwischen Frankreich und England wieder recht gespannte, und es ist wohl kaum anzu- nehmen, daß diesmal die französische Regierung so leicht nachgeben wird wie in der Faschodafrage. Denn die franzö­sischen Interessen in Südchina sind äußerst vitale, und mit großen Opfern hat e« fich dort festgesetzt, die e« nicht ohne weiteres aufs Spiel wird setzen wollen. Der sich freuende dritte bei diesem Inter» ssenstreit ist das friedliebende Rußland, dessen Zeit noch nicht gekommen scheint, um selbst in den Wettbewerb mit aller Macht einzutreien. (xx)

Deutsches Reich.

Berlin, 6. Januar. Das Befinden des Kaisers ist jetzt ein sehr gutes. Heute Vormittag um 10 Uhr hatte der Monarch eine Besprechung mit dem Bildhauer Walther Schott und hörte von 11 Uhr an die Vorträge des Kriegs­ministers uirä des Chefs des Militär-Cabinets, v. Hahnke.

Berlin, 6. Januar. Wie dieStaatsbürger-Zeitung" erfährt, ist der Gesetzentwurf betreffend die Besteuerung der großen Warenhäuser im preußischen Finanz­ministerium festgestellt. Man hofft, .ihn noch in dieser Woche dem Landtage vorlegen zu können. Heber den Inhalt des Entwurfs ist noch keine Verlautbarung möglich.

Berlin, 6. Januar. Wie dieVossische Zeitung" aus San Remo meldet, sind dort gestern der Fürst und die Fürstin von Hohenzollern mit großem Gefolge eingetroffen. In San Remo wird demnächst auch die Kron­prinzessin von Schweden erwartet.

Berlin, 6. Januar. Wie derLokal-Anzeiger" meldet, wurde in der Nacht zum Donnerstag auf den Militär- post en am Pulverturm zu Tegel, Grenadier Hoffmann, ein Schuß abgegeben, der ihm den Zeigefinger der linken Hand fast ganz wegriß. Der Posten gab sofort Feuer, konnte aber den Fliehenden infolge der Dunkelheit nicht treffen. Die herbeigeholte Wachmannschaft machte sich sogleich

an die Verfolgung, holte den Angreifer aber nicht mehr ein. Nach einer anderen Meldung soll der Soldat erschossen und tot aufgefunden worden sein.

Berlin, 6. Januar. Alle Bemühungen, den Aufenthalt des Professors Dr. Otto Harnack ausfindig zu machen, sind bisher gescheitert. Aus München, Meran und Rom ist die Nachricht eingetroffen, daß man von dem Verschwun­denen noch nichts bemerkt habe.

Berlin, 6. Januar. Alters- und Invaliditäts- Versicherung. Aus dem neuesten Berichte der Jn- validitäts- und Altersversicherungs-Anstalten ist zu ent­nehmen, daß die Durchschnittssätze der Renten sich, wenn auch langsam, so doch stetig steigern. Während der Durch­schnittssatz der im Jahre 1891 begonnenen Altersrente 123 Mk. 57 Pfg. betrug, belief er sich für die im Jahre 1897 begonnenen auf 137 Mk. 88 Pfg., steigerte sich also in sechs Jahren um 14 Mk. 31 Pfg. Die gleichen Zahlen für die Invalidenrenten betrugen 113 Mk. 39 Pfg. und 127 Mk. 89 Pfg., die Steigerung also 14 Mk. 50 Pfg. Es wird natürlich wieder nicht ausbleiben, daß die Sozial­demokratie sich über die angebliche Geringfügigkeit der Durchschnittssätze der Renten und über die ihrer Steiger­ungen, in die staatliche Versicherung herabsetzendem Tone auslassen wird. Demgegenüber muß immer von Neuem betont werden, daß einmal diejenigen Versicherten, welche erwerbsunfähig im Sinne der Jnvaliditätsversicherungs-Be- stimmungen geworden sind oder das Alter von 70 Jahren erreicht haben, selbst die ihnen nach weit geringfügigeren Beitragsleistungen zufallenden Renten anders ansehen, al» die sozialdemokratischen Agitatoren, daß heute von den Rentenberechtigten insgesamt viele Millionen mehr bezogen werden, als die Versicherten Beiträge zahlen, und daß endlich die Jnvaliditäts- und Altersversicherung auch gar nicht so gedacht war, daß die Rentenberechtigten ohne jede weitere Anlehnung an ihre oder andere Familien von der Rente leben sollten. Von diesen Gesichtspunkten aus be­trachtet, stellt sich der Durchschnittssatz der Renten durch­aus nicht niedrig dar, im Gegenteil er lindert schon in der erreichten Höhe außerordentlich viel Elend und ist trotz aller sozialdemokratischen Begeiferungen wohl geeignet, ein schönes Bild von der Krönnng des Arbeiterversicherungs­gebäudes zu liefern. Im Uebrigen wird sich natürlich der Rcntendurchschnittssatz sowohl bei dev Atters- wie bei der