Ausgabe 
7.12.1899 Zweites Blatt
 
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M, 288 Zweites Matt Donnerstag den 7. Dezember

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ÄtteteUra. Tryebitisn und »rutktd;

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Grettsbeitase«: Girßemr FsmillrublMer, Der hessische Kmdwirt, KlLNer für hessische MKrKmÄe.

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Ibrefle für Depeschen: >«}dfCC Fernsprecher Nr. 51.

Beendigung des frevelhaft heraufbeschworenen Krieges ganz wesentlich, zumal da mit Sicherheit anzunchmen ist, daß der Aufstand der Afrikander ein allgemeiner werden wird, sobald den Buren irgend ein entscheidender Schlag gelingt.

Die gescheiterteJsmore"

hat ihre Ladung zum größten Teil geleichtert. Man berichtet:

London, 4. Dezember. Einer amtlichen Meldung zu« folge ist das TransportschiffJsmore", das gestern bei den Felsen der St. Helena-Bai auf den Grund geriet, gebrochen. Es sind nicht nur alle Truppen und Mann­schaften, sondern auch 20 Pferde gerettet worden.

Wenn das letztere besonders hervorgehoben wird, so hat dies, wie man weiß, seinen Grund darin, daß den Engländern gegenwärtig ein Nachschub guter Pferde wichtiger ist als ein solcher von Mannschaften. Es fehlt ihnen an Kavallerie zur Verfolgung der Feinde, d. h. zur Ausnutzung ihrer wirklichen und eingebildeten Erfolge.

Alle Nachrichten, welche sich auf die Ereignisse in Natal beziehen, datieren um fünf bis sechs Tage zurück, haben als, zum Teil nur noch bedingten Wert, zum Teil sind sie ganz überholt. Sie mögen hier folgen:

Loudon, 5. Dezember. Ein Scheinwerfer-Apparat mit Vorrichtung zum Aufblitzen des Lichtes ist von dem KriegsschiffTerrible" am 30. November nach der Front abgesandt worden, um der englischen Besatzung von Lady- smith Signale zu übermitteln. DemNatal Advertiser- ist nach einer Reutermeldung vom 30. November ein Tele­gramm aus Estcourt zugegangen, nach dem ein Farmer aus Mooi River, der von den Buren gefangen genommen, aber wieder freigelasien worden war, nachdem sie ihn bis nördlich Än Colenso mitgenommen hatten, erklärt habe, General Joubert lebe und befinde sich wohl. Die Eisenbahnbrücke über den Tugela sei zerstört, die Telegraphendrähte seien unberührt geblieben. Die S t r a ß e n - brücke sei nicht beschädigt. (Mittlerweile ist sie ge­sprengt. D. R.)

London, 5. Dezember. DieTimes" melden aus dem englischen Lager bei Frere vom 29. November, die Stellungen der Buren bei Colenso seien von den britischen Vorposten in Chieveley aus sichtbar. Die Stellung scheine sehr stark, ein Frontangriff auf sie erscheine fast unausführbar. ,, L _

London, 4. Dezember. Nach einem Bericht desBureau Laffan" endete der am Dienstag (28. November) von Frere

* Vom Kriegsschauplatz.

Unkontrolierbare Nachrichten bringen jetzt die englischen Blätter, und zwar ziemlich übereinstimmend dieTimes", Daily Chroniele" undDaily Mail" über die

Schlacht am Modderflusse.

Hiernach hätten die Engländer am 29. November, also am Tage nach der Schlacht, den Fluß über­schritten, die Buren vom nördlichen Ufer vertrieben und deren Stellungen besetzt. Das sind aber nur unverbindliche Berichte von Privatkorrespondenten, denen wir vorläufig keinerlei Wert beizumessen vermögen, so lange nicht ein amt­licher Bericht General Methuens sie bestätigt. Dieser hat ausdrücklich berichtet, daß es nur einer kleinen Abteilung gelungen sei, über den Fluß kommen, nicht aber dem Gros seiner Armee. Man sieht! »nicht ein, was ihn ver­anlaßt haben sollte, diesen großen 'Erfolg zu verschweigen und das Kriegsamt verhindert hätte, ihn bekannt zu geben. Dabei ist es auffallend, daß den genannten englischen Blättern das, was am 29. November geschehen sein soll, erst am 4. Dezember, also fünf Tage später gemeldet wird. Außerdem setzen die Berichte derDaily Mail" und des Daily Chroniele" und wohl auch der derTimes" voraus, daß die Brücke über den Modderfluß noch intakt war.Daily Chroniele" berichtet wörHch:Bei einem Versuche, die Brücke zu stürmen, fielen Mglische Soldaten zu Dutzenden". Wiederholt aber wurde" gemeldet, daß die Buren die Brücke zerstört hätten. Würden sie dies nicht geihan haben, so wäre dies ein so ungeheuerlicher Fehler, wie man ihn denselben schlechterdings nicht zutrauen kann. So bleibt auch heute noch das BUd der Schlacht unklar und man ist lediglich auf Vermutungen angewiesen. Auch weiß man immer noch nicht mit positiver Sicherheit, wo Lord Methuen jetzt steht und wo die Buren unter Cronje sich festgesetzt haben. Ob sie sich wirklich bei Spyt- fontein, wo das Gelände außerordentlich durchschnitten und für ihre Taktik besonders geeignet sein soll, der Kolonne Lord Methuens nochmals entgegenstellen werden, bleibt ab­zuwarten; vielleicht ziehen sie es vor, auch hier im Westen die jüngste Taktik Jouberts in Natal zu wiederholen und gegen die rückwärtigen Verbindungen Me­thuens vorzustoßen. Eine solche Befürchtung hält ver­mutlich Lord Methuen auch am Modder fest und zwingt ihn, durch ausreichenden Truppennachschub zunächst seine Rückzugs- und Zufuhrlinien sicherzustellen.

Von den beiden belagerten Städten

fiel es dem Monarchen plötzlich ein, die Straßenreiniger | zu sich kommen zu lassen. Halb tot vor Schreck und Furcht traten die vier Leute in ihrer unsauberen Kleidung vor den Zaren hin. Zu ihrem grenzenlosen Erstaunen wandte sich dieser mit sehr freundlicher Miene zu ihnen und sagte lächelnd:Meine Kinder, ich habe mich noch nie in meinem Leben so gelangweilt, wie gerade jetzt und ich dachte, ihr könntet mich vielleicht amüsieren". Dann steckte er seine Hände in die Taschen und holte Gold und Banknoten heraus. Er legte das Geld auf den Tisch und fuhr fort:Das sind hier mindestens 5000 Rubel. Sie gehören demjenigen von Euch, der es fertig bekommt, unbeweglich wie eine Statue eine ganze Stunde vor mir zu stehen. Ich zähle bis sechs und dann dürft Ihr Euch nicht mehr rühren". Die armen Mujiks wurden bald blaß, bald rot bei ihren Bemühungen, sich still zu verhalten. Nach einer Viertelstunde sank einer von ihnen ohnmächtig zu Boden. Bald stieß ein anderer einen tiefen Seufzer aus und der dritte fiel auf die Knie nieder und flehte weinend um Er­barmen. Der Kaiser gab Befehl, die drei Schwachköpfe hinauszubefördern. Nun blieb nur noch Adam Wolodsko im Zimmer. Sein Gesicht hatte sich purpurn gefärbt, aber er zuckte nicht mit einer Muskel. Endlich bekam Nikolaus den Spaß satt und er sagte:Höre, Adam Adamowitsch, dies soll keine Falle sein. Bewege kein Glied, aber erzähle mir eine kleine Geschichte, damit dir Zeit schneller vergeht. Es fehlen noch 20 Minuten an der vollen Stunde." Wo­lodsko dachte eine Weile nach, dann begann er von einem höchst aufregenden Vorgang zu berichten. Er schilderte, wie ein durch einen verschneiten Wald wandernder Mann von Wölfen angefallen wurde. Der Zar fing gerade an, sich für die Sache zu interessieren, als die Stimme des Er- zählers ganz plötzlich zu versagen drohte. Nikolaus erkannte sofort die Ursache und gab dem Mann die Erlaubnis, seine Geschichte mit Gesten zu begleiten.

Feuilleton.

* Eine seltsame Geschichte. Einige der vornehmsten Mit­glieder der exklusiven russischen Kolonie in Paris fanden sich, so wird geschrieben, vor kurzem bei einem Diner zusammen, das die für wenige Tage in der Villa Sumiäre weilende Prinzessin Juriewsky. die morga- natische Gemahlin weiland des Zaren Alexander 11., ihren wenigen intimen Freunden gab. Beim Diner fragte eine Nichte der Prinzessin Lise Trubetzkoi, des Exlieblings der Pariser, die Gastgeberin, aus welchem Grunde sie sich seit Jahren weigere, den Grafen Petrowitsch Wolodsko zu empfangen.Er ist doch ein so distinguierter, schöner, geistreicher und liebenswürdiger Kavalier", fügte die reizende junge Dame hinzu.Ah, diese Eigenschaften besitzt Wo­lodsko in der That", entgegnete Prinzessin Juriewskl,aber feine Abstammung--es ist unmöglich es ist

unmöglich ich kann ihn nicht empfangen, meine Liebe . Ich weiß", gestand Komtesie Olga errötend,mit seiner Herkunft hat es eine besondere Bewandtnis. Er wollte mir auch alles erzählen, wenn ich vorher einwilligte, ihn zu Heiraten".Thun Sie nur das nicht", rief die Prinzessin lachend:Sie könnten es später bereuen".Aber", fuhr sie ernst werdend, fort,es ist unrecht von mir, den armen Petrowitsch zu verspotten. Er hat nichts Entehrendes aetban auch seine Vorfahren Nicht doch ich sehe Nicht ei«, weßhalb ich das Geheimnis seiner Abstammung nicht verraten soll. In Moskau kennt Jedermann die Geschichte." Und die witzige, noch immer schöne Frau erzählte ihren gespannt lauschenden Gästen Folgendes:Vor etwa 70 Jahren stand Zar Nikolaus I. eines Tages - eS war schauderhaftes Regenwetter an einem Fenster des Kreml in Moskau und sah gelangweilt auf die Straße. Einige Mujiks beschäftigten sich damit, den Schmutz aus den Gossen zu kratzen und in kleine Karren zu schaufeln. Da

Kimberley und Mafekiug ist es so gut wie ganz still geworden. Aus Kimberley er­fährt man gar nichts mehr, und über Mafeking bloß, daß in der letzten Zeit bis zum 21. November das Bom­bardement mehr Schaden angerichtet hat, die Garnison aber glaubt, die Stadt halten zu können, und daß am 22. No­vember die Buren von der Westseite her einen Angriff ge­macht, aber sich zurückgezogen haben, als die Garnison Granaten auf sie abfeuerte.

Hinkenden Schrittes geht der KriegSgott auch auf dem

Zentral-Kriegsschauplatz

in den Norddistrikten der Kapkolonie einher. Wir ver­zeichnen folgende Meldungen:

Loudou, 4. Dezember. Aus Sterkstroom (Kap­kolonie) meldetDaily Mail" vom 28. November: General Gatacre habe eine starke Stellung inne und werde durch das zweite Northumberland - Regiment verstärkt. Die Buren, welche am Tage vorher Molteno besetzten, hätten sich zurückgezogen.

London, 5. Dezember. DieTimes" melden aus Sterkstroom, General Gatacre habe am 29. November seine Truppen in Molteno konzentriert. Er habe fünf Bahnzüge requiriert, die 1000 Sack Weizenmehl in das britische Lager schaffen sollen.

Kapstadt, 3. Dezember. Ein Telegramm des Reuter- schen Lureaus aus Rokstad in Griqualand-East besagt: Die Buren aus Barkly East wurden in den süd­lichen Drakenbergen in der Nähe des Mount Fletcher gesehen. Sie beabsichtigen augenscheinlich eine Invasion von Griqualand-East. .

London, 4. Dezember. DemDaily Mail" wird aus Kapstadt telegraphiert, nach Berichten von Flüchtlingen seien die Grenzdistrikte der Kapkolonie, nämlich ColeSberg und BurgherSdorp, thatsächlich zu den Bure.n übergegangen; 25 Freistaat - Buren genügten, um Venterstadt zu nehmen, wo, wie man glaubt, über 2000 Kolonisten zu den Buren übergingen. Den englisch Ge- finnten wurde gesagt, sie sollten nach Kapstadt gehen und dort für die Buren-Armee Kaffee kochen.

Amsterdam, 4. Dezember. Hiesigen Blättern zufolge beträgt die Gesamtzahl der Holländer im Kap- laude, welche in den Reihen der Buren kämpfen, fünftausend. r . ...

I Wenn die letzteren Meldungen sich bestätigen, und sie kommen von den verschiedensten Seiten, so verschlechtern sich die Chancen der Engländer für eine baldige und siegreiche

Im nächsten Augenblick war der Mujik wie umgewandelt. Mit blitzenden Augen erzählte er weiter, den Kampf zwischen dem Ueberfallenen und seinen furchtbaren Angreifern mit drastischen Bewegungen illustrierend. Bald vergaß der Mujik, in wessen Gegenwart er sich befand; er fuchtelte mit den Armen in der Luft und sprang wie ein Tollhäusler hin und her. Der Herrscher aller Reußen hielt sich die Seiten vor Lachen, und als Wolodsko endlich wieder zur Besinnung kam, durfte er seine Taschen mit dem Gold und den Banknoten füllen und wurde dann in Gnaden entlassen. Dank der Sparsamkeit und der Klugheit des armen Straßen­kehrers hat das Gold reiche Zinsen getragen. Wolodskos Sohn trat in die Armee und empfing nach der Schlacht von Plewna den Titel eines Grafen". Als Prinzessin Juriewski geendet hatte, erhob sich Komtesse Olga und er­klärte den Anwesenden, daß sie nun nicht mehr zögern werde, Petrowitsch ihre Hand zu reichen. Cs gäbe ver« schiedene Arten von Tapferkeit und in ihren Augen ser Adam Wolodsko ein Held.

Humoristisches.

* Boshaft. Frl. Aeltlich (erzählend, wie sie von einem Herrn verfolgt wird):Und zuletzt wurde der Mensch so zudringlich, daß er meinen Schleier hochhob!" - Herr: .Aber dann hatten Sie doch Ruhe vor ihm?" (Lust. Blätter.)

* Zarte Behandlung. Baronin: .Herr Medrzmalrat, ich möchte den Winter über in eine milde, schöne Gegend!" Medizinai- rat: .Haben Gnädige schon eine Krankheit gewählt?"

* In der Verlegenheit. Frau vom Hause: .Was mutz ich sehen! Sie haben meine Tochter geküßt!" Herr:Entschuldiyen Sie, gnädige Frau, aber es war mir absolut unmöglich, meine Gefühle für Ihr Fräulein Tochter in Worte zu kleiden!

Der Pantoffelheld. Besuch: .Dein Rauchzimmer hast Du Dir aber wirklich reizend eingerichtet! Hausherr (seufzend). .Ja, wenn ich nur darin rauchen dürfte!"

* Gemütlich. (Im Restaurant.) Gast: .Aber Kellner, tote konnten Sie mir nur den alten Nierenbraten empfehlen? Kellner: «Ja, sonst kriegen wir ihn!"