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Dienstag den 7. November
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wirkten,daß sie bei einer großen Zahl von Geschäftsleuten Kredit fand, den sie nun in ausgiebigem Maße in Anspruch nahm. Ihre Opfer waren Kaufleute der verschiedensten Branchen, Juweliere, Möbel-, Teppichhändler, Marchands des modes2C. Größere Bestellungen, die sie in einem Modesalon gemacht hatte, führten zur Konstatierung der methodisch durchgeführten Schwindeleien der „Gräfin". Sie war in diesem Salon eines Tages mit dem Grafen St. erschienen und hatte, während dieser etwas von ihr entfernt Bestellungen machte, ihn als ihren Onkel bezeichnet. Die Inhaberin des Ladens kannte den Grafen, glaubte den Angaben der Ca- briany und lieferte ihr Toiletten im Werte von 2000 fl. Als nun die Gräfin nie zahlte und die Modistin erfuhr, daß Graf St. nicht der Onkel der Schwindlerin sei, erstattete sie die Strafanzeige. Daraufhin wurden Erhebungen eingeleitet, die zur Verhaftung der Gräfin Cabriany führten. Es wurde ermittelt, daß alle Angaben erdichtet waren. Ein Grafengeschlecht Cabriany existiert nicht; sie war nie verheiratet. Sie legitimierte sich als Julie Hampel, die Tochter eines Försters aus Jglau. In jungen Jahren sei sie in die Welt hinausgezogen und habe ein höchst aben- teuerliches Leben geführt. Julie Hampel ist von ungewöhnlicher Intelligenz, sie spricht deutsch, polnisch, ftanzösisch, englisch und italienisch. Nunmehr wird sie sich wegen Falschmeldung, Betruges, Meineides und Dagabondage zu ver
antworten haben.
• Die akademische Depofition au der Jenaer Universität. Während jetzt die Immatrikulation an der Universität Jena in einfacher Weise gehandhabt wird, indem der Prorektor
Handschlag als akademische Bürger verpflichtet, war dies in früheren Jahren in Jena und auf den meisten Hochschulen umständlicher und ging der eigentlichen Inskription die akademische Deposition voraus, welche vom Depositor vorgenommen wurde. Der Depositor Wolfgang Carl Rost hat ein Schriftchen über die akademische Deposition herausgegeben, in welcher das Deponieren wie folgt erklärt wird: „Es ist das Deponieren eine gar bekannte Sache und von uralten Zeiten auf Akademien bräuchlich gewesen, obgleich man nicht eigentlich sagen kann, zu welcher Zeit solches seinen Anfang genommen. Die Absicht derselben ist flugs aus dem lateinischen Wort: deponere, ablegen, zu merken, nämlich der neue Studiosus soll nunmehr sein voriges Wesen ablegen und ein anderer Mensch werden. Damit nun da« Werk desto bessere Impression in die Gemüter machen möge, so haben die Alten so abenteuerliche Instrumente und Manieren mit Fleiß erfunden, wie denn die Untugenden und Laster jener Zeit so beschaffen sind, daß sie nicht häßlich genug vorgestellt werden können." Folgende Instrumente wurden bei der Deposition der Studenten vorgezeigt: 1. Der Hut mit den Hörnern. Es soll das das Vorbild eines frechen, unbändigen Gemüts sein, einem stößigen Ochsen gleich, der allenthalben mit Gewalt hindurch und nichts vertragen will. Dieses Laster hält der Depositor dem Studioso vor, zeigt dessen Thorheit und führt ihn dagegen zu Leutseligkeit, Freundlichkeit, Geduld. 2. Der Bacchantenzahn ist ein Vorbild eines Menschen, der einem wilden Eber, beißenden Hund oder fressenden Wolf gleicht, und wenn nun der Depositor denselben Zahn von dem neuen Studioso ausnimmt, so sollen auch alle wilde, beißende.
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W. Der Kaiser und Transvaal*).
Man schreibt uns aus unserm Leserkreise: Wohl selten hat ein Krieg, zumal in einem fremden Erdteil, in einem sowohl, was seine Größe, als seine Eigenart betrifft, vielen ganz unbekannten Lande, in allen Ländern und bei allen Parteien soviel Interesse geweckt, als der gegenwärtige „Burenkrieg". Und fragen wir, was das Interesse dabei eigentlich geweckt hat, so lautet die Antwort: die gerechte Sache auf der einen und die ungerechte auf der andern Seite. Diese allgemeine Teilnahme ist von hoher Wichtigkeit; denn sie zeigt, daß noch Sinn für Recht und Gerechtigkeit vorhanden ist, wenn auch die ungerechte Sache auf Seiten eines mächtigen Volkes liegt. Ganz von selbst entspringt diesem Sinn für Recht und Unrecht das Verlangen, alle möchten darin eins sein bis zum Thron hinauf; noch mehr, man wünscht, es werde das auch vor höchster Stelle kund gethan durch Reden, durch Thun, durch Lassen. Durch Reden ist eS geschehen; denn was unser Kaiser bei dem Fiasko des berüchtigten Einfalles in Transvaal vor einigen Jahren gesagt — seine Depesche an „Ohm Krüger" ist wahrlich nicht blos für damals gesagt gewesen — das war seine Herzensmeinung, und ist es so gewiß heute noch, als unser Kaiser sich noch nicht als ein schwankendes Rohr gezeigt hat, sondern als sein Thun und Lassen das Prädikat „zielbewußt" allezeit verdient hat. Und betrachtet man seine telegraphische Rückantwort an sein englisches Dragoner- Regiment, so gehört nicht viel Verstand dazu, eine stille Ironie herauszufinden; denn heil und unversehrt wieder Heimzukommen, ist wohl noch keinem in den Kampf ziehenden Regiment gewünscht worden, im Gegenteil, man erwartet von ihm blutige Lorbeeren, umsomehr, wenn man Burenscharfschützen im Gebirgsterrain gegen sich hat. Was wollen da königliche Dragoner ausrichten, ohne dezimiert zu werden?
Aber die Englandsreise'. Der Kaiser hatte diese Reise gewiß schon länger vorgesehen; ist sie doch gar nicht unnatürlich, denn der kaiserliche Enkel besucht die königliche, oder wenn man will, kaiserliche Großmutter. Mittlerweile spitzt sich die Sache zwischen England und Transvaal zu; die Buren sind stammverwandt. Die Kriegsursache ist eine durchaus ungerechte. Da wird der Kaiser von Versammlungen und Tagesblättern bestürmt, nicht nach England zu gehen. Ich hätte es für besser gehalten, man hätte von diesem Ansturm abgesehen und hätte es dem Kaiser überlassen. Wer weiß, ob er nicht von selbst abgesehen von seiner Reise; ob er es jetzt thut, wo man ihm fast Vorschriften zu machen wagt, ist mir sehr fraglich. Erst durch jen großen Ansturm der öffentlichen Meinung hat
*) Wir geben vorstehendem Artikel auL unserem Leserkreise, wenngleich er auch nicht ganz auf dem von uns vertretenen Standpunkt steht, gern Raum, zumal er aus ehrlicher Gesinnung und warmem Herzen kommt.
* Der Roma» der Försterstochter. In Wien ist dieser Tage eine schöne Hochstaplerin verhaftet worden, der es gelungen war, durch ihr sicheres Auftreten monatelang viele Leute zu täuschen. Ueber diese sehr interessante Angelegenheit wird aus Wien berichtet: Auf dem Turf, im Theater und auf dem Korso lenkte in den letzten Monaten eine Dame durch ihre Schönheit und den Luxus ihrer Toiletten besondere Aufmerksamkeit auf sich. Die Dame, die sich Sophie Gräfin Cabriany nannte, befindet sich seit einigen Tagen in Haft, da sie als eine Hochstaplerin entlarvt wurde, und sich auch fälschlich den Titel Gräfin Cabriany beiaelegt hat. Die Wohnnng der falschen Gräfin Cabriany war von gediegenster Eleganz. Die Dame war eine blendende Erscheinung von hoher Gestalt, voll Grazie in den Bewegungen, mit einem jugendfrischen, pikanten Gesichte. Ueber ihre persönlichen Verhältnisse sprach die Gräfin stets nur mit Zurückhaltung und mit Ausdrücken des Kummers. Sie deutete an, daß sie aus adeligem Hause stamme, im Alter von 17 Jahren - sie zählt jetzt 33 Jahre — den Grafen Cabriany kennen und lieben gelernt habe, daß aber ihre Eltern der ehelichen Verbindung widerstrebt haben. Sie sei dann mit dem Grafen entflohen, habe ihn in Paris geheiratet, nach einigen Monaten aber sei sie von ihrem Manne verlassen worden und lebe jetzt von dem Ertragnis nicht besonders ergiebiger Kohlengruben, sowie einer Monatsapanage von 300 fl., die ihr ihr Gatte ausgeworfen.Gegenwartig sei das Scheidungsverfahren im Zuge, nach dessenErledigungihr
Adreffe für Drpkschen: Anzeiger frtejmk
Fernsprecher Nr. 51.
direktor von Fischer. Als Grund für den Rücktritt Reichardts wird erschütterte Gesundheit angegeben.
— Gegenüber einer englischen Blättermeldung stellt die „Nordd. Allg. Ztg." wiederholt fest, daß der Unter- staatslekretär im Auswärtigen Amt, Freiherr v. Richthofen, während seines ganzen Erholungsurlaubs nicht auf englischem Boden gewesen ist, und auch keinerlei geschäftlichen Briefwechsel nach England geführt hat. Der „Post" zufolge, hat sich Freiherr v. Richthofen von Ajaccio, wo er einen Teil seines Urlaubs verlebte, nach Baden-Baden begeben.
— Wie der „Lok.-Anz." aus München meldet, fand Staatssekretär v. Podbielski in seiner Besprechung mit dem bayerischen Ministerpräsidenten insoweit ein freund- lichesEntgegenkommen, als die Vorschläge der Reichs- postverwaltung unter Voraussetzung der Aufrechterhaltung des Reservatrechtes zur Verhandlung angenommen, jedoch aus Gründen politischer Erwägungen erst später vertragsmäßig geregelt werden sollen. Die „Nordd. Allgem. Ztg." meint, daß sich ein Ausweg nicht allzu schwer finden lassen dürfte, um die Schwierigkeit der Einheitlichkeit des Postwertzeichens mit der Trennung der Verwaltungen zu vereinbaren, zu beseitigen.
— Dem zum 9. d. Mts. einberufenen Kolonial- rate wird, dem Vernehmen nach, außer dem Etat auch ein Erlaß, betreffend gesetzgeberische Bestimmungen über Verhinderung der Einwanderung Mittelloser in die Kolonien, vorgelegt werden. Man hofft, daß der Kolonialrat in drei Tagen seine Beratungen erledigen werde.
— Die „Börsen-Zeitung" schreibt: Wie wir hören, hat der aus demHarmlosen-Prozeß bekannte Regierungsreferendar v. Kayser seine Entlassung aus dem Dienste nachgesucht und erhalten.
— Die „Berl R. Nachr." schreiben: Das in ausländischen Blättern verbreitete Gerücht, in der Samoafrage sei eine Entscheidung erfolgt, trifft nicht zu. Richtig ist, gutem Vernehmen nach nur, daß Graf Bülow nicht gewillt ist, die deutsche Stellung in Samoa aufzugeben.
M.P.C. Dem Wiederbeginn der parlamentarischen Verhandlungen wird mit begreiflicher Spannung entgegengesehen. Es ist den Verbündeten-Regier- ungen der Rat erteilt worden, auf das Gesetz zum Schutz der Arbeitswilligen im Interesse des leichteren Zustandekommens der neuen Flottenvorlage Verzicht zu leisten. Davon kann nach Lage der Sache nicht wohl die Rede sein. Wenn die Mehrheit des Reichstags eine Ablehnung der Vorlage auf sich nehmen will, möge sie es thun. Es scheint aber garnicht, als ob im Zentrum, der konservativen Partei und bei einem Teil der Nationalliberalen der Wunsch bestehe, den Gesetzentwurf so rasch wie möglich in die Versenkung verschwinden zu lassen. Allerdings herrscht in den-
RelattiaD, »kpevition und Druckerei:
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vierteljährlich 2 Mark 20 Pj§. monatlich 75 PsA mit Vcingerlohn.
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Gießener Anzeiger
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diese Reise eine Bedeutung erlangt, die sie anfangs gar nicht hatte, und wird ihre Unterlassung erst recht politisch ausgebeutet werden. Das muß doch allen Deutschen feststehender Kaiser thut nichts was dem Vaterland schädlich ist; die Politik kann nun einmal nicht immer mit offnen Karten spielen. Ob der Kaiser geht oder bleibt, er weiß warum? Und dann vergessen wir nicht: das deutsche Reich mit seinem Kaiser ist und bleibt noch für lange Zeit ein vielbeneidetes Reich, es fehlt ihm nicht an falschen Freunden, die in Wirklichkeit heimliche Feinde sind, und jede ungünstige politische Konstellation wird uns dieselben enthüllen. Daß wir nicht auftreten können, wie wir wollen, haben die zu verantworten, die dem Kaiser die Flotte verweigern.
Deutsches Reich.
Berlin, 4. November. Der Kaiser hörte heute morgen die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts und des Kultusministers Dr. Studt und empfing darauf eine Abordnung der Schwestern, Aerzte und freiwilliger Krankenpfleger, welche nach Transvaal entsendet werden. Später nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen.
— Die „Staatsbg. Ztg." schreibt: Das Programm für die Zweikaiserzusammenkunft steht nunmehr fest. Der Zar trifft mit seiner Gemahlin am Mittwoch, dem 8. November er-, früh 9 Uhr in Potsdam ein, wo auf dem Bahnhof großer Empfang stattfindet. Der Aufenthalt dauert den ganzen Tag, erst um 10 Uhr abends setzt das russische Kaiserpaar die Heimreise fort. Der Zar steigt im Potsdamer Stadtschloß ab und beabsichtigt, im Laufe des Tages auch nach Berlin zu kommen und in seiner Botschaft vorzusprechen. Aus den weiteren Einzelheiten des Programms der Zweikaiserzusammenkunft ist zu entnehmen, daß es dabei zur Erörterung und Entscheidung in wichtigen politischen Fragen, die zurzeit im Vordergründe des Interesses stehen, kommen wird.
— Dem „Lokal-Anzeiger" zufolge, wird der Zar während seines hiesigen Aufenthaltes bei dem Offizier- Korps des Kaiser Alexander-Regiments, dessen Chef er ist, dejeunieren, außerdem wird eine Parade des Regiments stattfinden.
— Das Staatsministerium trat heute nachmittag 3 Uhr unter dem Vorsitz seines Vizepräsidenten, Finanzminister v. Miquel, in seinem Dienstgebäude zu einer Sitzung zusammen.
— Nach der „Nat. Ztg." bestätigt sich die vor einiger Zeit aufgetauchte Meldung, daß der Leiter der Hand els- politischen Abteilung im Auswärtigen Amt, Wirk!. Geheimerat Reichardt zurücktreten und durch den Direktor im Reichsschatzamt, Dr. v. Körner, ersetzt werden soll. Als künftigen Direktor im Neichsschatzamt nennt man denwürttembergischenBundesratsbevollmächtigten,Ministerial-
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