Ausgabe 
7.9.1899 Zweites Blatt
 
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Deutsches Reich.

Berlin, 5. September. DieKreuzzeitung" erklärt, daß die Blättermeldung über Gegensätze innerhalb der konser­vativen Partei jeder Begründung entbehre und daß die Partei das Bild voller Einigkeit darbiete.

Wie dieNordd. Allgem. Ztg." meldet, ergeben hier eingetroffene amtliche Meldungen, daß die englische Zeitungsnachricht von ernsten Unruhen im Hinter­lande von Kiautschou erfunden ist. Im Hinter­lande von Kiautschou herrscht Ruhe. Chinesen sind daselbst nicht erschossen worden, und Freiherr v. Ketteler hat keine Veranlassung gehabt, drohende Vorstellungen beim Tsung- li-Aamen zu machen.

Zu der Meldung, daß in Cettinje die Er­richtung einer diplomatischen Vertretung Deutschlands geplant werde, schreibt diePost", daß in Montenegro schon seit langer Zeit der Wunsch gehegt wird, ist wohl bekannt. Bis jetzt ist jedoch an hiesiger maßgebender Stelle seitens amtlicher Kreise des Fürstentums Montenegro noch kein diesbezügliches Verlangen geäußert worden.

Zur Kölner Erzbischofsfrage erfährt die Rhein.-Westf. Ztg." von gut unterrichteter Stelle, daß als Kandidaten nur ernsthaft in Betracht kommen der Bischof Dingelstedt-Münster und der Bischof Simar-Pader­born. Beide Herren seien in Berlin durchaus genehm. Falls es zur Wahl komme, werde zwischen diesen beiden die Entscheidung fallen. Das Kölner Kapitel habe die päpst­liche Zusicherung, daß sein Wahlrecht durch die bisherige Zusicherung nicht beschränkt werde. Indessen spitze sich die ganze Frage darauf zu, ob es überhaupt zur Wahl komme. Es sei wahrscheinlich, daß im Einverständnis mit der Re­gierung der apostolische Stuhl den Bischof Sim ar zum Erzbischof ernenne.

München,5. September. General v. Safferling, der frühere bayerische Kriegsminister, ist heute morgen gestorben.

Ausland.

Wien, 5. September. Blättermeldungen zufolge unter­nahm Graf Thun die Einberufung einer gemein­samen Partei-Konferenz, in welcher über die Art verhandelt werden soll, wie die Forderung der Deutschen betreffs der Aufhebung der Sprachen-Derordnung, ohne die Tschechen zu verletzen, durchgeführt werden könnte.

Wie in amtlichen und militärischen Kreisen ver­sichert wird, soll gegen den neuen Zeugen im Prozeß z» Rennes, Cernuschi, weil derselbe noch im österreichischen Armee-Verbande steht und weil er Oesterreich ohne Erlaubnis verlassen hat, das militärgerichtliche Verfahren wegen Desertion eingeleitet werden. Er wird von seinen Kameraden als geistig nicht normal bezeichnet. Man hält ihn für erblich belastet, da seine Mutter im Jrrenhause gestorben ist. ,

Aussig, 5. September. Der Handelsminister Baron Dipauli besuchte hier eine Fabrik. Die Gemeinde-Ver­tretung hatte demonstrativ jede Begrüßung unter­lassen, weshalb der Minister sofort wiederab­reiste.

Budapest, 5. September. Der Minister des Innern ordnete an, daß sächsische Nationalfahnen in Siebenbürgen bei festlichen Anlässen an öffentlichen Gebäuden nur bei gleichzeitiger Vertretung der ungarischen

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Zum Ministerwechsel in Prentzen

schreibt uns unser Berliner xxKorrespondent:

Als Freiherr v. d. Recke v. d. Horst vor einigen Tagen Berlin verließ, um aufUrlaub" zu gehen, da war- es ausgemachte Sache, daß er sein Portefeuille niedergelegt hatte. Deshalb kam die Bestätigung seines Rücktrittes niemandem überraschend, umsomehr als der bisherige Minister des Innern schon seit längerer Zeit als sehr amtsmüde be­zeichnet worden war. Dagegen hat wohl niemand im jetzigen Augenblick an den Rücktritt des Kultusministers Dr. Bosse gedacht. Zwar ist sein Rücktritt schon zu wiederholten Malen angekündigt worden, und es hieß mehrfach, daß er selbst dringend seine Entlassung wünsche, aber jetzt war man doch nicht auf einen Wechsel im Kultusministerium ge­faßt. Von politischer Bedeutung ist nur der Rücktritt des Ministers des Innern und zweifelsohne auf die letzten Sochbedeutsamen Ereignisse zurückzuführen, wie sie die Kanal- cage gezeitigt hatte. Der Minister des Innern ist Chef der gesamten Landesverwaltung, der direkte Vorgesetzte der Oberpräsidenten und der Regierungspräsidenten, denen wiederum die Landräte untergeordnet sind. Es ist erklärlich, daß in dem Augenblick, wo die Staatsregierung gegen einen Teil der Verwaltungsbeamten mit besonderen Maßregeln vorgeht, die Stellung des betreffenden Ministers stark in Mitleidenschaft gezogen wird, und in diesem Sinne ist es zu verstehen, wenn der Ressortchef seine Entlassung nimmt. In der inneren Politik Preußens tritt der Minister des Innern schon in seiner Eigenschaft alsPolizeiminister" stärker hervor, und Herr v. d. Recke hatte denn auch eine große Zahl Gegner sich im Laufe der Jahreerzogen". Was seinen Nachfolger, den bisherigen Regierungspräsidenten Freiherrn v. Rheinbaben in Düsseldorf betrifft, so hat man von diesem noch nicht gehört, daß er eine entschiedene Partei­stellung einnimmt. Uebrigens erinnern wir uns, daß er schon als Ministerkandidat genannt wurde, da Herr von Köller seine Entlassung nahm. Herr v. Rheinbaben ist einer der jüngsten Minister, die wir gehabt haben, man darf also auf eine ganz hervorragend tüchtige Kraft schließen. Es kommt ihm vielleicht im Kampfe mit den Parteien, der auch ihm nicht erspart werden wird, zu statten, daß er nach keiner Seite hin politische Verpflichtungen hat und daß er sich somit eine gewisse Unbefangenheit hat bewahren können. Jedenfalls scheint man an maßgebender Stelle auf ihn hohe Erwartungen zu setzen, die sich hoffentlich erfüllen.

Dr. Bosse war bekanntlich seit 1892 Kultusminister, welcher Posten in Preußen ungemein viel Takt und Ge­schmeidigkeit erfordert. Der nunmehr zurückgetretene Minister hat ebenfalls manche Anfeindung erfahren, aber er verstand es, alle Schwierigkeiten zu überwinden. In frischer Er­innerung ist noch seine Auseinandersetzung mit dem Land­wirtschaftsminister im Abgeordnetenhaus, und schon damals glaubten viele, es sei um Herrn Dr. Bosse geschehen. Aber die Wogen hatten sich wieder geglättet, ehe sie einen Schiff­bruch im Gefolge gehabt hatten. Der jetzige Kultusminister, bisheriger Oberpräsident von Westfalen, Wirk!. Geh. Rat Studt, war seit 10 Jahren in seinem letzten Amte, wo er es verstand, die scharf sich kreuzenden Gegensätze auszugleichen und in hervorragendem Maße zur Hebung der westfälischen Industrie beizutragen. Im übrigen huldigt Herr Studt derselben positiv-christlichen Gesinnung wie sein Vorgänger, und es ist anzunehmen, daß das Kultusministerium auch ferner nach den bisherigen Grundsätzen geleitet werden wird.

Aller Wahrscheinlichkeit nach ist die Zusammenstellung des preußischen Ministeriums vorläusig abgeschlossen, wenigstens dürften vor der Wiederzusammenberufung des Landtages keine weiteren Veränderungen eintreten.

* * *

Die Bekanntmachungen, in denen die ge­maßregelten Landräte sich von ihren Kreisange­hörigen verabschieden, sind zum Teil auch für weitere Kreise von Interesse. So heißt es in dem Schreiben des Herrn v. Bonin, bisherigen Landrats in Neu-Stettin: Des Königs Majestät haben auf den Vortrag des König­lichen Staatsministeriums zu genehmigen geruht, mich in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen. Indem ich dem­gemäß mit dem heutigen Tage mein Amt niederlege, danke ich allen Kreiseinsassen, insbesondere den Herren Beamten, welche mir unterstellt waren, wie auch denen anderer Ressorts für das Vertrauen und die wirksame Unterstützung, welche Sie mir während meiner mehr als 25jährigen Thätigkeit als Landrat des Kreises entgegengebracht und gewährt haben. Ich scheide aus dem Amte mit dem Bewußtsein, in meinem amtlichen und außeramtlichen Verhalten immer nur das Wohl des Vaterlandes und des Kreises im Auge

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Donnerstag den 7, September

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Zweites Matt

1899

General-Anzeiger

Amts» uitb Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.

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Dienstag vormittag nahm der Kaiser um 9 Uhr das Frühstück mit den Herren des Gefolges im Garten des kaiserlichen Palastes ein. Um 11 Uhr empfing er den Bürgermeister von Dar-es-Salaam, Soliman ben Rassr.

DerReichs-Anzeiger" veröffentlicht eine große Anzahl von Auszeichnungen anläßlich der Anwesenheit des Kaisers im Elsaß bei den diesjährigen großen Herbstmanövern. U. a. erhielt der Bürgermeister von Straßburg, Back, den Stern zum Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub und der Unterstaatssekretär des Ministeriums für Elsaß-Lothringen Dr. Petri, den Kronenorden 2. Klasse.

DH. Berlin, 6. September. Gestern um 5 Uhr nachmittags begab sich der Kaiser in Straßburg zu den neuen Hafen- Anlagen auf der Sporen-Jnsel und kehrte um 6 Uhr nach dem Statthalter-Palais zurück, wo er am Abend eine Ab­ordnung aus Schlettstadt empfing, welche Pläne und An­sichten der Hoch-Königsburg überreichte. Um 7 Uhr fand Tafel für die Civil-Behörden statt.

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2 Mark 20 Pf«, monatlich 76 Pf« mit vringerlatz».

Bei Postbezug Ü Mark 50 Pj^. ^ierieljährltch

gehabt zu haben, und bitte die Bewohner des Kreises, mir ihr bisheriges Vertrauen und Wohlwollen auch ferner er- ;alten zu wollen. Herr v. Kotze, bisheriger Landrat ;es Kreises Wanzleben, erläßt folgende Bekanntmachung: Nachdem Seine Majestät der Kaiser und König geruht haben, mich zur Disposition zu stellen, habe ich mein Amt mit dem heutigen Tage niedergelegt. Ich kann indessen nicht aus meinem Amte scheiden, ohne den Herren Bürger­meistern und den Herren Amts-, Gemeinde- und Gutsvor­stehern, sowie den Eingesessenen des Kreises für die Unter­stützung, die ich während meiner 16 jährigen Thätigkeit als Landrat des Kreises jederzeit gesunden habe, meinen herz­lichsten Dank auszusprechen." Die Verfügung, in der den Gemaßregelten ihre Amtsentsetzung mitgeteilt wurde, beschränkte sich lediglich auf die kurze Nachricht von der er­folgten Stellung zur Disposition. Der bisherige Landrat des Kreises Dramburg, Herr v. Brockhausen, teilt den ihm zugegangenen Erlaß des Oberpräsidenten in Stettin im Wortlaut, wie folgt, mit:Des Königs Majestät haben auf den Vortrag des Königlichen Staatsministeriums mittels Allerhöchsten Erlasses vom 26. d. Mts. auf Grund der Be­stimmung im § 87 Nr. 2 des Gesetzes vom 21. Juli 1852, betreffend die Dienstvergehen der nicht richterlichen Beamten, zu genehmigen geruht, Sie, im Interesse des Dienstes, in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen. Indem ich Ihnen hiervon Kenntnis gebe, ersuche ich Sie, Ihr Amt sofort niederzulegen. Stettin, den 1. September 1899. Der Ober-Präsident der Provinz Pommern. In Vertretung: v. Strantz." ___________________________________________

Das Kaifermanöver.

R. Die Parade des 15. Armeekorps am Mon­tag fand bei herrlichstem Wetter statt und nahm einen glänzenden Verlauf. Der Kaiser traf Punkt 10 Uhr auf dem Paradefeld, dem Polygon, ein und wurde von dem zahlreich versammelten Publikum stürmisch begrüßt. Er ritt die Front des ersten Treffens ab und besichtigte das zweite Treffen vom linken Flügel aus. Es fanden zwei Vorbei­märsche statt. Der Kaiser setzte sich zweimal an die Spitze des Hannoverschen Königs-Ulanen-Regiments Nr. 13. Die anderen Fürstlichkeiten, die Chefs von Regimentern sind, führten diese persönlich vor. Nach der Parade hielt der Kaiser Kritik ab und zog an der Spitze des Manen- Regiments Nr. 13, dem die Standarten-Schwadron und Fahnenkompagnie folgten, in die Stadt ein. Gegen 2 Uhr traf der Kaiser vor dem Palast ein, zu seiner linken ritt der Großherzog von Baden.

Um 6i/2 Uhr abends fand im kaiserlichen Schlosse Paradetafel statt. An derselben nahmen Teil: Der Groß­herzog von Baden, Prinz Regent Albrecht, der Erbgroß- herzog von Baden, der Statthalter Fürst zu Hohenlohe- Langenburg, Generaloberst der Kavallerie Graf Waldersee, die kommandierenden Generale Graf Haeseler und Freiherr v. Meerscheidt-Hülleffem, die nähere Umgebung des Kaisers, die Kabinetschefs, die Generalität, die fremdherrlichen Offi­ziere, sowie die Kommandeure der Regimenter und selb­ständigen Bataillone, die heute in Parade gestanden haben, ferner der Staatssekretär v. Puttkammer und der Bezirks­präsident v. Halm.

Der von dem Kaiser bei der Paradetafel ausgebrachte Trinkspruch hatte folgenden Wortlaut:

ES gereicht Mir zur besonderen Freude, Ihnen, Herr General, und dem Korps Meinen Glückwunsch zur heutigen Parade auSzu- sprechen. Sie werden es Mir bei diesem Anlatz nicht verdenken, wenn Ich zu gleicher Zeit wehmutsvoll eingedenk Ihres von uns allen und dem KorpS so hoch verehrten Vorgängers, noch einmal dankbar an die Jahre erinnere, während deren er seine volle körper­liche und geistige Rüstigkeit, biS zum letzten Augmblicke seinem Kriegs­herrn dienend, für dieses Korps eingesetzt hat. Sie haben auf der Grundlage, die er gelegt, aufbauend, das Korp« heute in ganz vor­züglicher Verfasiung vorführen können. Ich wünsche, daß eS alle Zeit, auch im nächsten Jahrhundert, so brav unb tüchtig seine FriedensauSbildmig betreiben möge, damit eS stets feiner hohen Auf­gabe gerecht bleiben möge, im Schatten des ewigen Munsterdomes dieser herrlichen Stadt. Ich leere Mein Glas und trinke auf daS Wohl des fünfzehnten Armeekorps! Hurra! Hurra! Hurra!

Der König von Württemberg war bereits um 6y2 Uhr abends nach Stuttgart abgereist; der Erbgroßherzog von Baden begiebt sich heute abend IP/2 Uhr zu seinem Armeekorps nach Koblenz.

Der Kaiser verlieh, wie weiter gemeldet, wird, dem Königs-Ulanen-Regiment Nr. 13 die Fahnenbänder in Weiß und Orange und übergab sie dem Regiment mit einer An­sprache auf dem Paradefeld. Am Abend fand ein großer Zapfenstreich vor dem Kaiferpalast statt; gleichzeitig wurde vom Turm des Münsters ein glänzendes Feuerwerk abge­brannt. Die Stadt ist festlich erleuchte^.

K Gießener Anzeiger