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7.9.1899 Erstes Blatt
 
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Prozeß Dreyfus.

Rennes, 5. September.

D.H. Die heutige Sitzung begann um 6 Uhr 35 Min., unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt. Man be­schäftigte sich nur ausschließlich mit dem Studium des geheimen Dossiers. Der gestern vernommene Zeuge Cernuschi wurde noch nicht verhört. Bei Beginn der öffentlichen Sitzung um 8 Uhr legt Labor! einen Antrag vor, in welchem er auf das Verhör eines fremden Offiziers von feiten des Regierungs-Kommissars hinweist und beantragt, kommissarisch oder auf diplomatischem Wege die fremden Attaches ver­hören zu lassen. Er begründet seinen Antrag damit, daß die Anklage sich nicht gescheut habe, Fremde in die Debatte zu ziehen und sieht sich deshalb veranlaßt, an die französische Regierung die Forderung zu stellen, auf diplomatischem W«ge die fremden Attaches über das Bordereau zu verhören und von den betreffenden Regierungen die im Bordereau angeführten Schriftstücke zurückgeben zu lassen, um an der Hand derselben die Unschuld Dreyfus' feststellen zu können. CarriZre erklärt, er wisse nicht, ob es möglich sei, das Ver­langen der Verteidigung zu erfüllen. Sicher sei, daß es sich um einen sehr delikaten Punkt handele. Vielleicht könnte man die Offiziere um Hergabe von Dokumenten bitten, wenn dieselben existierten, aber er glaube nicht, daß die Regierung das könne. Der Vertreter des Ministers des Aeußern, Paleologue, kann die Wichtigkeit nicht verstehen, welche die Verteidigung den Noten des Bordereaus beimesse. Der von der Verteidigung beantragte Schritt sei vom diplomatischen Standpunkte aus nicht zulässig. Nächster Zeuge ist Redakteur Basset vom Matin. Derselbe bekundet, Esterhazy habe ihm in London in einer Unterredung gesagt, er sei der Autor des Bordereaus und habe dasselbe auf Befehl Sandhers geschrieben, der einen faktischen Beweis von der Schuld des Dreyfus haben wollte. Labori fragt den Zeugen: Welches war die materielle Situation Ester- chazys, als der Zeuge ihn sah? Basset sagt: Beim ersten- male schien er mir reichlich mit Geld versehen, bei einer späteren Begegnung schien er Mangel zu leiden. General Roget verlangt das Wort. Er sagt, er habe einen Brief von Esterhazy erhalten, dessen Original er am 9. August dem Präsidenten Jouaust überreicht habe. Er besitze nur noch die Kopie des Briefes, aber er habe später noch weitere Briefe von Esterhazy erhalten, die er uneröffnet dem Präsidenten des Kriegsgerichts gegeben habe. Labori bittet um Verlesung der Briefe, worauf Präsident Jouaust meint dieselben seien von gar keiner Wichtigkeit. Labori bleibt bei seinem Verlangen, worauf Präsident Jouaust erwidert, er werde die Briefe zu den Akten geben. Auch Regierungs- Kommissar Carri-re bemerkt, er habe ebenfalls Briefe von Esterhazy erhalten, er habe dieselben aber nicht gelesen. Auf eine Frage Laboris erklärt General Roget, nach seiner Ansicht sei dem Geständnis Esterhazys kein Wert beizumessen. Er hege die Meinung, daß Esterhazy ein Strohmann sei. lieber letztere Aeußerung drückt Labori sein Erstaunen aus. Auch Verteidiger Demange findet es seltsam, daß man erst so spät behaupte, Esterhazy sei ein Strohmann. Labori fragt: Warum, wenn Esterhazy ein

gericht in Rennes voreingenommen gegen Dreyfus sei und daß neuerdings der Gerechtigkeit ein Schlag ins Gesicht versetzt werden würde. Naturgemäß sind die Anschauungen über den voraussichtlichen Ausgang des Prozesses fortgesetzt Wandlungen unterworfen, und die Stimmung wechselt mit jedem Tage; augenblicklich sind bekanntlich die Aussichten für den Angeklagten wieder besser. Doch davon wollen wir hier nicht sprechen, sondern auf die von der Regierung be­schlossenen Maßregeln für den Nrteilstag Hinweisen, aus denen zu erkennen ist, welche Bedeutung die Dreyfusaffaire für Frankreich erlangt hat und welchen Einfluß der Urteils- fpruch auf die innerpolitischen Verhältnisse Frankreichs aus­zuüben geeignet ist. Man ersieht aber auch aus diesen Vorsichtsmaßregeln, wessen die Regierung gewärtig ist für den Fall, daß der Gerichtshof ein freisprechendes Urteil fällt.

Wer will es heute noch leugnen, daß die Dreyfus- angelegenheit seit fünf Jahren die französische Republik in ihren Grundfesten erschüttert hat und mehrfach nahe daran war, eine direkte Gefahr für die Republik zu bilden! Die Hauptgefahr lag darin, daß der Glaube an die Schuld des Kapitäns Dreyfus gleichgeachtet wurde der Vaterlandsliebe, und daß es bis vor ganz kurzer Zeit der weitaus größte Teil der Franzosen als eine Ehrensache ansah, ein dreyfusfeindliche Ge­sinnung zu bekunden. Denn es galt ja, Front zu machen gegen einen Verräter, der sein Vaterland an Deutschland verkauft haben sollte. Diese Ansicht ist jetzt freilich vielfach geschwunden, aber in den Reihen der Nationalisten wird auch heute noch mit allen Mitteln darauf hiugearbeitet, das französische Volk aufzulehnen gegen einen Freispruch des Kapitäns. Welcher Mittel diese Leute fähig sind, haben die Ereignisse bei dem Rennen in Auteuil genugsam ge­zeigt, und nicht ohne Grund befürchtet die Regierung, daß es in Rennes zu noch ärgeren Exzessen kommen werde, wenn das Kriegsgericht ein für Dreyfus günstiges Urteil abgeben sollte. Und wer kann es den Machthabern in Paris verdenken, wenn sie nach allen Kräften vorzubeugen suchen, wenn sie für alle Fälle gerüstet sein wollen.

Die nächsten Tage werden entscheidend sein für Frank­reichs Geschick, sie werden einen Prüfstein bilden, für das heutige Regime, für die innere Kraft der Republik. Es ist ja sonderbar genug, daß dieAffaire" eine solche Bedeu­tung erlangt hat, daß der Bestand der Republik von ihr abhängig sein kann. Aber wir haben da mit französischen Verhältnissen zu rechnen, die immer anders beurteilt werden müssen, als unsere gefestigten Zustände. Jedenfalls hat nicht nur Frankreich, sondern ganz Europa Ursache, den kommenden Tagen mit Spannung und Erwartung entgegenzusehen.

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langsam etwas zurückzugehen. In einzelnen Orten kauft man den vierpfündigen Laib Schwarzbrot eben für 40 Pfg.

0 Alsfeld, 4. September. Wie von uns schon früher mitgeteilt wurde, beabsichtigte der landwirtschaftliche Pro­vinzialverein von Oberhessen die Einfuhr von Zucht- Vieh, Simmenthaler Raffe aus der Schweiz. Der Ankauf der bestellten Tiere hat in der letzten Zeit im Simmenthal stattgefunden und ist das Vieh 27 Stück au der Zahl vorigen Samstag in Gießen unter die Besteller ver steigert worden.

* Fulda, 4. September. Wie bereits gemeldet wurde, haben die beiden Beigeordneten und sämtliche sechs Stadl­räte ihr Amt niedergelegt; der Oberbürgermeister Dr. Antoni erklärte in einem an den Magistrat gerichteten Schreiben, daß er gleichfalls gewillt sei, von seinem Amte zurückzutreten und begründet diese Absicht u. a. wie folgt: In dem letzten halben Jahre ist zwischen der Stadt­verordnetenversammlung und dem Magistrate, an dessen Spitze zu stehen ich die Ehre habe, ein so gespanntes Ver­hältnis eingetreten, daß ein ferneres gedeihliches Arbeiten im Interesse der Stadt mir nicht mehr möglich erscheint. Dazu kommt, daß der Magistrat, und ich natürlich mit, in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung unter Billigung des Herrn Stadtverordnetenvorstehers auf das schwerste beleidigt worden ist und daß die Stadtverordnetenversamm­lung dem Magistrate die erforderliche Genugthuung ver­weigert. Abgesehen von den Schwierigkeiten, die hierdurch im Verkehr mit der Stadtverordnetenversammlung entstanden sind, verbietet mir mein Ehrgefühl, künftighin in einem Amte zu bleiben, dessen Träger jederzeit in Gefahr schwebt, ungesühnten Beleidigungen ausgesetzt zu sein. Weiter kommt dazu, daß bis jetzt mit der Stadtverordnetenversammlung eine Verständigung über die Vermehrung der städtischen Bureaus nicht herbeigeführt werden konnte. ... Ich fühle mich deshalb im Gewissen verpflichtet, die Verantwortung für die prompte Erledigung der städtischen Geschäfte ab» zulehnen, und da ich mir einen leitenden Beamten ohne Verantwortung nicht denken kann, so folgt mit zwingender Notwendigkeit hieraus die Folgerung, daß ich mein Amt niederlege . .. ." Das an die Stadtverordneten er­gangene Schreiben der Magistratsmitglieder läßt ebenfalls erkennen, daß der Ausgangspunkt der Differenzen in den verletzenden Bemerkungen zu suchen ist, die in der Sitzung der Stadtverordneten vom 10. April d. I., als die Ver­legung der städtischen Bureaus in das Schloß beraten wurde, gegen den Magistrat gefallen sind.

Kokairs und ProvinMis.

W. Büdingen, 5. September. Der Termin für unsere Obstausstellung ist nun auf die Zeit vom 29. September bis 2. Oktober festgesetzt. Sie wird im Volksschulgebäude stattfinden. Es können sich an ihr die Mitglieder des Ober­hessischen Obstbauvereins in den Kreisen Büdingen und Schotten beteiligen. Man darf wohl bei dem reichen Obst- fegen in einzelnen Orten der genannten Kreise auf eine recht rege Beteiligung hoffen. Die Ausstellungsleitung be­hält sich vor, eine Auswahl unter dem ausgestellten Obst für die Jubiläumsausstellung in Dresden zu treffen. Die ausgewählten Früchte werden dort unter dem Namen der betreffenden Eigentümer ausgestellt, und außerdem wird aus ausgewählten Früchten eine Sammelausstellung veranstaltet. Die Brotpreise fangen jetzt hier und da an ganz

* Transvaal.

Die Transvaalkrisis steht noch auf demselben Flecke. Daß Chamberlain, wie eine Drahtnachricht meldet, plötzlich nach London zurückgekehrt ist, kann bei der Schärfe der Lage nicht überraschen. DerStandard" meldet aus Johannesburg von gestern: Selbst diejenigen Persönlich­keiten, die den Buren ernstlich geraten haben, ein maßvolles Verhalten anzunehmen, haben jetzt, wie wir bereits meldeten, angefangen, alle Hoffnung aufzugeben, daß die Feindseligkeiten noch abgewendet werden könnten. Eine dieser Persönlichkeiten hat sich dahin geäußert, Transvaal würde 30,000, der Oranje-Freistaat 20,000 Mann ins Feld stellen können. Die Meldungen desStandard" sind oft übertrieben. Die Deutschen in Transvaal stehen auf Seite der Buren, wie ein Drahtbericht derKab.-Korr." meldet, worin es heißt:Johannesburg wird immer öder. Die wohlhabenden Unternehmer haben sich bereits fast sämtlich, den Frauen und Kindern folgend, über die Grenze nach Natal gerettet, und was an Uitlanders zurückbleibt, sind diejenigen, die bezahlt werden, um zu bleiben, und die große Anzahl derer, die seit Wochen, ja Monaten, stellen­los geworden sind und nicht die Mittel besitzen, die Gold­stadt zu verlassen. Die Deutschen sind geblieben und haben unter Oberstleutnant Schiel ein deutsches Kriegskorps gebildet, bad, 900 Mann stark und mit Burengewehren ausgerüstet, sich zur Verfügung des Generals Joubert ge­stellt hat und zwar ausdrücklich für Operationen im Felde. Es herrscht unter den Deutschen in Johannesburg große Begeisterung."

Ferner meldet dieK. Ztg." aus London, daß die Vorbereitungen des englischen Kriegsministers für einen etwaigen Krieg mit Transvaal beendet seien. Die Regierung stelle für die Kosten vorläufig fünf Millionen Pfund zur Verfügung. Einem Londoner Abendblatt zu­folge hat die Regierungsdruckerei den Auftrag erhalten, die Proklamation zur Einberufung der Reserve 1. Klasse drucken zu lassen, und die erforderlichen Exemplare heute abzuliefern. Eine letzte Meldung besagt: Drei Infanterie- Brigaden sind nach dem Kap beordert. Die Admi­ralität hält sieben Transportschiffe bereit.

Die Rekrutierung eines deutschen Korps schreitet rüstig fort. Die Anzahl der Freiwilligensoll mehr als 4000 betragen.

UermiMes.

Karlsruhe, 5. September. Der Arbeiter Bieringer hat sein zweijähriges Töchterchen mit einem Revolver, den er sich beim Besuch der benachbarten Kirchweih geliehen, im Scherz erschossen. Aus Verzweiflung darüber hat er dann Selbstmord begangen.

Oels, 5. September. Unter großer Beteiligung der Bevölkerung und der Vereine fand in Oels die Enthül­lung des Bismarck-Denkmals statt. Die Festrede hielt Landrat a. D. (!) v. Kardorff. Seitens der Stadt übernahm Bürgermeister Kallmann das Denkmal.

* Wien, 5. September. Zu dem Selbstmorde des Advokaten Dr. Schiestl liegt heute folgende weitere ausführliche Meldung vor: Die Motive des Selbstmordes Dr. Schiestls und der Ermordung feiner Schwester, der Frau Prossinag, sind noch nicht aufgeklärt. Die Annahme, er habe das Vermögen feiner Schwester in Spekulationen ver­loren, ist bereits wiederlegt. Heute mittag wurde der Geld­schrank in Schiestls Advokaturkanzlei durch eine gerichtliche Kommission geöffnet. In der Kasse wurden alle Depots aus den Vermögen seiner Schwestern, der Advokaten-Wittwen Prossinag und Pacher, und ihrer Kinder, sowie die Depots der Klienten unberührt vorgefunden. Trotzdem enthalten stenographische Aufzeichnungen, die bei Schiestls Leiche ge­funden wurden, die Erklärung, er müffe seinem Leben ein Ende machen, da er durch unglückliche Spekulationen finan­ziell ruiniert sei. Schiestl war für den 9. September zum Landesgericht vorgeladen, um Rechenschaft zu geben über die Verwaltung dreier Häuser aus einer Konkursmasse, deren Zinsertrag er seit zwei Jahren nicht abgeliefert hat. Man glaubt, daß dies die Ursache des Selbstmords fei. Das Telegramm, durch das Schiestl seine Schwester aus Steier­mark berief, enthielt auch die Bemerkung, er brauche ihre Unterschrift auf ein wichtiges Papier. Vielleicht verlangte er, sie solle ihm zur Rettung ihr Vermögen zur Verfügung stellen und erschoß sie in einem Wutanfall, als sie dies verweigerte.

* London, 5. September. DampferPrinz Re­gent Luitpold", von New-Iork nach Bremen, passierte die Scilly-Jnseln und signalisierte, daß er Steuerbord- Schraube und Schaft verloren habe.

UmverMts Nachrichten.

Berlin. In dem Disziplinarverfahren gegen Dr. AronS ist nunmehr von dem Vertreter der Anklagebehörde die BerufungSrechtfcrtigungsfchrtft eingereicht worden. Die Annahme, daß nach der Begründung, die die Fakultät dem freisprechenden Er­kenntnis beigegrben hatte, der Kultusminister Bosie die nur münd­lich erfolgte Berufung fallen lasten könnte, hat sich als nicht zutreffend erwiesen.

Der Doktortitel der Technischen Hochschulen. Wie derBerliner Wissenschaftlichen Korrespondenz" von zuverlässiger Seite mttgeteilt wird, hat Kaiser Wilhelm II. die Absicht, gelegent­lich der hundertjährigen Gedenkfeier der Technischen Hochschule in Charlottenburg den Technischen Hochschulen daS Recht zu geben, in Zukunft den Doktortttel zu verleihen. Wir geben diese Nachricht einstweilen wieder. t ..

Kiel. Prof. Quincke, Direktor der medizinischen Klinik ander hiesigen Universität, hat sein Entlassungsgesuch einge- reicht, um nicht dem gebauten Neubau der Klinik seine Zustimmung und seine Mitwirkung zu geben. Er glaubt gegenüber der Zukunft der Univerfität und gegen sich selbst nicht die Veranwortung für diesen Neubau übernehmen zu können.

Strohmann war, hat er denn nicht im Zola-Prozeß ein Geständnis abgelegt. Roget: Das weiß ich nicht. Ich habe die Meinung, daß Esterhazy ein Strohmann sein könne daraus erhalten, daß Esterhazy absichtlich Briefe umher­liegen ließ,* welche gefunden werden, und den Generalstab kompromittieren sollten. Labori verlangt, daß der Rapport des Generals Zurlinden über die Enquete, welche gegen Esterhazy geführt worden ist, verlesen werde, um zu sehen, ob es die Sprache fei, wie man über einen Strohmann spreche. Die Verlesung erfolgt. Nach unwesentlichen Be­kundungen des Generals Zurlinden und des Redakteurs Desezet vomTemps" wird der Senator Trarieux auf- gerufen. Er ist von den bisher geladenen der letzte Zeuge der Verteidigung. Er spricht mit großer Wucht und lauter Stimme. Er erzählt, daß auch er nach der Verurteilung des Dreyfus an dessen Schuld gezweifelt habe, daß er aber später infolge der rein antisemitischen Angriffe gegen Dreyfus beunruhigt worden sei. Er habe mit Hanotaux und Scheurer-Kestner über die Affaire gesprochen. Zeuge schil­dert alsdann die Machenschaften, mit denen man die Revi­sion zu hintertreiben suchte. Später sei er, Trarieux, zu dem Botschafter einer fremden Macht (Italien) gegangen, und habe ihn um nähere Auskunft gebeten. Der betreffende Botschafter habe wiederholt gesagt, Dreyfus sei unschuldig. Die französische Regierung habe einen Irrtum begangen. Nicht nur, so sagte der Botschafter weiter, hat keiner unserer Attaches jemals Verbindung mit Dreyfus gehabt, sondern auch keiner unserer Offiziere kannte auch nur seinen Namen. Ferner habe der betreffende Botschafter ihm erzählt, daß er 1898 in den Händen Panizzardis einen Brief gesehen habe, worin der Agent A. (Schwartzkoppen) genau die Vor­gänge mitteilte. Der wahre Verräter war Esterhazy. Nachdem noch der Gerichtshof in der Frage, ob die Doku­mente des Bordereaus auf diplomatischem Wege erbeten werden sollen, sich für inkompetent erklärt hat, wird die Sitzung geschloffen. Morgen findet Fortsetzung der Ver­handlung statt.

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Paris, 5. September. Die Vorladungen für Schwartzkoppen und Panizzardi gehen durch den Kriegsminister, den Justizminister und den Minister des Aeußern an den deutschen und italienischen Botschafter. Falls Schwartzkoppen und Panizzardi ermächtigt werden, der Vorladung der Verteidigung zu folgen, so können sie nach Belieben in Rennes erscheinen oder kommissarisch in ihrer Heimat verhört werden.