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Donnerstag den 7. September
Nr. 210
1899
Drittes Blatt
Meßmer Anzeiger
Keneral-Anzeiger
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Chamberlain.
muß den Mut bewundern, mit dem das kleine Volk seine Rechte zu verteidigen entschlossen ist. Präsident Paul Krüger steht im 2. Jahre seiner Präsidentschaft, die er nun schon zum 4. Male bekleidet; er nird von den Jungheers allgemein verehrt und deshalb wird der bevorstehende Kampf erbitterter werden als frühere Zusammenstöße, zumal auch die Zulus, Kaffern und die benachbarten Matabelles die Unterstützung der Boeren beschließen dürsten. (Vgl. Hauptartikel.)
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Zwei Könige und ein Land.
(Zur serbischen Krisis.) (Schluß.)
In einem weiteren Bericht äußert sich der Berichterstatter über seinen Empfang bei den beiden Königen, zunächst bei Exkönig Milan:
Durch die freundliche Vermittelung des Herrn Mimster- präsidenten wurde Ihrem Vertreter die Ehre zuteil, Don den Majestäten König Alexander I. und König Milan huldvollst empfangen zu werden. Zuerst wurde ich dem König Milan vorgestellt. Der König empfing mich m seinem Zimmer, einem kleinen, einfachen Salon. Bei meinem Eintritt kam er mir einige Schritte entgegen und bot mir die Hand, mich gleichzeitig einladend, neben ihm an dem runden Tische Platz zu nehmen. König Milan ist noch immer eine imposante Hünengestalt, nur der gebleichte Schnurrbart zeugt <von der Last der Jahre. Seine Bewegungen sind alle geschmeidig und leicht. Der Komg oina gleich in medias res über und betonte, er wolle sich über die augenblicklichen politischen Verhältnisie nicht auslassen, da er doch in dem jüngsten Drama selbst eine Hauptrolle spiele. Seine Mitteilungen könnten somit vielleicht falsch aufgefaßt werden, auch stehe er zurzeit außerhalb der Politik, da seine Aufgabe bei der Armee liege. Diese sei ihm besonders ans Herz gewachsen, und da müsse er mit aufrichtiger Freude und Anerkennung auf die deutsche Armee verweisen, von der er viel Schönes und Gutes gelernt und für das serbische Heer herübergenommen habe. Der König betonte ferner, wie zu wiederholtenmalen serbische Offiziere ins Ausland, besonders nach Deutschland und Oesterreich gingen, um dort zu lernen und ihre Erfahrungen in der Heimat zu verwerten. Der König nannte mir die einzelnen Herren, die deutsche Ausbildung genossen haben, und meinte zum Schlüsse, er strebe, soweit dies in Serbien opportun und möglich sei, danach, sem Offizier- korps in deutscher Strammheit und Tüchtigkeit zu erziehen. Ich dankte dem König für diese freundliche Erklärung und b rächte das Gespräch auf die Person des Königs Alexander. „ Haben Sie ihn denn unten nicht gesehen?" fragte er mich. «Ich sah wohl unten einen jungen Herrn Offizier im Gespräche mit anderen Offizieren, wußte aber nicht, daß ich Seine Majestät vor mir habe. Er sah auch ganz anders iai8, als man ihn im Ausland allgemein beschreibt." Dieser Bemerkung hatte ich es wohl zu verdanken, daß ich fünf Minuten später vor den König Alexander I. in den Garten-
Pavillon, wo der König während des heißen Tages arbeitet, befohlen wurde.
König Alexander I. Der Monarch ist ein junger, kräftiger Herr von schlanker Figur und überaus einnehmendem Wesen. In dem offenen, schön zu nennenden Gesichte glänzen große, schwarze Augen, deren Blitzen der Kneifer mildert. Der dichte, schwarze Schnurrbart verleiht ihm einen männlichen Zug und läßt ihn um vier bis fünf Jahre älter erscheinen, als er wirklich ist. Seine Haltung ist militärisch stramm. Man merkt diesem Körper die turnerische Trainirung, das Reiten, Schwimmen, Fechten und Bergsteigen an. Er empfing mich ungemein gnädig und bot mir ebenfalls die Hand, mich zum Sitzen einladend." „Mein Vater sagte mir", Hub er an, „Sie wünschten mich zu sehen, ich erfülle Ihre Bitte." Und nun begann er, in munterem Tone lebhaft und anregend mit mir zu sprechen, für alle meine Fragen eine gnädige Antwort habend. „Sie sind erstaunt, mich so gesund zu sehen", bemerkte er lachend. „Ja, ich weiß, man will mich im Ausland mit aller Gewalt krank machen, ich bin es aber nicht, wie Sie sehen. Die einzige Beschwerde hat mir vor zwei Jahren einmal mein Magen bereitet, und ich bin deshalb nach Karlsbad gegangen, das ist alles. Seit damals bin ich gesund und fühle mich sehr wohl, so lange ich mich von meinen Aerzten bestimmen lasse, diätetisch zu leben; aber es geht nicht immer, gerade jene Speisen unberührt zu lassen, die man am liebsten ißt. Uebrigens sind die meisten in Karlsbad Heilung Suchenden aus dem Balkan, was wohl mit dem Klima und den Nationalspeisen Zusammenhängen mag." „Ich bin überglücklich", erwiderte ich, „sowohl durch persönliche Ueber- zeugung, wie aus Eurer Majestät Munde selbst eine treffliche Widerlegung der im Ausland verbreiteten Lügen über Eurer Majestät Wohlbefinden zu erfahren." Der Könst wehrte lächelnd dankend ab und brachte dann selbst das Gespräch auf die momentane politische Lage. Seine Auslastungen nach dieser Richtung hin sind als eine bedeutsame Enuntiation zu betrachten, denn in den Worten des Königs liegt dessen Glaubensbekenntnis als Regent. Sie zeigen uns, welch hohen Idealen der noch jugendliche König zustrebt und mit welch gereiftem Ernst er seine schweren Pfiichten auffaßt."
Die Berichte dieses Spezialkorrespondenten machen wohl auf jeden Unbefangenen, der die Geschichte Serbiens, das I Treiben der Parteien und nicht zum letzten das abenteuerliche Leben des „Königs" Milan verfolgt hat, den Eindruck politischer und persönlicher Schönfärberei, ja erinnern in
Kruger.
Zur Transvaal Krifis.
Der Krieg zwischen England und Transvaal wird sich den neuesten Meldungen zufolge kaum mehr abwenden lassen, nachdem Chamberlain, der englische Kolonialminister, dessen Bild wir unseren Lesern vorführen, sich für ein energisches bewaffnetes Vorgehen mit aller Entschiedenheit ausgesprochen hat. Die Boeren, namentlich aber „Ohm" Paul Krüger, ihr Präsident, erfreuen sich lebhafter Sympathie, denn man
ihrer Ueberschwänglichkeit hinsichtlich ihrer Entstehung etwa« an „bestellte Arbeit". Immerhin enthalten sie viel Jnter- estantes und verraten gewandte individuelle Auffassung.
Vermischtes.
Berlin, 5. September. Die Hauptverhandlung in der Spieler-Affaire beginnt am Montag dem 2. Oktober vor der 4. Strafkammer des hiesigen Landgerichts. Es ist eine ganze Woche für die Verhandlungen vorgesehen. In derselben werden etwa 100 Zeugen vernommen werden. Augeklagt sind der Regierungs-Referendar von Kayser, Leutnant der Reserve von Kröcher und Kaufmann von Schach- meyer.
Cardiff, 5. September. Das aus Oporto gekommene Schiff, welches einen Pestkranken an Bord hatte, ist einer dreitägigen Quarantäne unterworfen worden.
* Loudon, 4. September. Schreckliche Leiden schiffbrüchiger Seeleute. Die norwegische Barke „Drott" wurde, wie bereits kurz gemeldet, am 11. August auf der Fahrt nach Buenos Aires in der Straße von Florida ein Wrack. Neun Mitglieder der Mannschaft wurden über Bord gewaschen, und die Boote gingen bald verloren. Acht der übrigen Seeleute machten ein Floß, das sich aber bald in zwei Teile teilte, so daß zwei Personen auf dem einen Teile blieben und sechs auf dem anderen. Einer dieser Leute fing Fische mit einer Angel und hielt dadurch seine Kameraden am Leben. Dann wurde er wahnsinnig und sprang über Bord. Zwei andere starben vor Hunger und Durst und ihre drei überlebenden Kameraden aßen von ihren Leichen und tranken ihr Blut. Da sich immer noch kein Segel zeigte und die Leichen übelriechend wurden, zogen die drei Ueberlebenden das Los, um Denjenigen, den das Los traf, zu töten. Das Los fiel auf einen Deutschen. Dieser nahm sein Schicksal ohne Murren hin und riß sogar seine Kleidung auf, um den Todesstreich zu empfangen. Als der Dampfer „Woodruff" das Floß mit den beiden Norwegern entdeckte, aß einer derselben noch Fleisch von seinem toten Kameraden und das Floß war umschwärmt von Haifischen. Beide hatten das Blut des Deutschen getrunken und Teile seines Körpers verzehrt. Von den beiden Ueberlebenden ist Anderson irrsinnig und Thomasten furchtbar verstümmelt, da Anderson ihn angriff und Teile von seinem Gesicht und seiner Brust abbiß.^
* Ein Betrugsprozeß gegen den Kutscher des Fürsten Bismarck, Patzke, ist von der Staatsanwaltschaft zu Altona eingeleitet worden. Patzke war seinerzeit in dem Prozeß der Familie Bismarck gegen die Photographen Wilcke und Priester in Hamburg, sowie den ehemaligen Bismarck'schen Förster Spörcke wegen Hausfriedensbruchs bezw. Beihilfe dazu, begangen in der Sterbenacht des Fürsten Otto von Bismarck, als Zeuge zur Hauptverhandlung vor das Altonaer Landgericht zum 18. März d.J. geladen worden. Einige Zeit vorher befand er sich in Varzin, weil er vom Fürsten Herbert Bismarck den Auftrag erhalten hatte, die in Varzin beigesetzte Leiche der Fürstin Bismarck nach Friedrichsruh zu überführen. Patzke hat diesen Auftrag auch ausgeführt, worauf er während der Beisetzungsfeierlichkeiten in Friedrichsruh Hieb. Einige Tage später reiste er zu der Hauptverhandlung vor der Strafkammer des Landgerichts nach Altona. Patzke hat nun, obwohl er in der Zwischenzeit sich in Friedrichsruh aufhielt, sich für die ganze Zeit, beginnend mit der Reise nach Varzin bis zur Reise nach Altona, bte Rersespesen auszahlen lassen. Er ist deshalb wegen Betrugs zur Anzeige gebracht worden.
• Der Heringsfang befriedigt in diesem Jahre wenig. Das Fangergebnis der von Emden in See gehenden Heringslogger ist gegen das Vorjahr ein ganz bedeutend geringeres. Während im Vorjahre die Heringslogger durchschnittlich 400 bis 500 Kantjes Heringe (1 Kaufte --- 1 Tonne Seepackung) anbrachten, treffen die Logger jetzt mit höchstens 150 Kantjes ein. Auch von den übrigen Heringsfanghäfen Deutschlands, wie Elsfleth, Vegesack, Geestemünde und Glückstadt, lauten die Berichte gleich ungünstig. Ebenso wird aus Schweden, Holland und Schottland berichtet, daß dort in diesem Jahre bedeutend weniger Heringe gefangen werden als im Vorjahre. Die Preise dieses Nahrungsmittels sind daher ungewöhnlich hoch; eine Tonne Heringe kostet jetzt 40 bis 50 Mark, während der Preis in den Vorjahren sich zwischen 20 bis 30 Mark hielt. In Deutschland werden jährlich für etwa 50 Millionen Mark Heringe verbraucht. Hieraus geht hervor, daß der Hering zur Volksernährung einen bedeutenden Teil beizutragen hat.


