Ausgabe 
7.7.1899 Zweites Blatt
 
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Werden einmal gekauft und nie wieder. Der gesunde Sinn des Publikums versteht bald das wirklich Gute von dem Talmifabrikat zu unterscheiden. Dies beweist der enorme Erfolg des Kosmin-Mundwassers, da jeder, der es nur einmal versucht hat, dabei bleibt. Kosmin-Mundwasser verdient allerdings auch das höchste Vertrauen, da es infolge seiner gesetzlich geschützten Eigenart die Zähne bei regel­mäßigem Gebrauch unbedingt schön und gesund erhält. Flacon 1.50 Mark mehrere Monate ausreichend. Käuflich in Drogerien, Parfümerien, bei den Coiffeuren und auch in Apotheken.

* Krankhaft veranlagte Töchter gebildeter Stände, die durch Nervosität, Hysterie und sonstige Störungen innerhalb der Familie nicht zu ihrem Recht kommen und zugleich für die übrigen Familienmitglieder eine Last sind, haben bisher eine geeignete Unterkunft nicht gefunden. Töchterpensionate sind selbstverständlich nicht der rechte Platz, Nervenheilan­stalten und zumal Irrenanstalten sind es ebensowenig, und Erziehungsanstalten für minderwertige und schwachsinnige Kinder entsprechen dem Bedürfnis dieser Altersstufe nicht mehr. So ist es nicht auffällig, daß an den Ev. Diakonie­verein, von dessen Schwestern eine verhältnismäßig große Zahl in der Heilerziehung und in der psychischen Kranken­pflege thätig ist, wiederholt die Anregung gelangte, diesem Bedürfnis abzuhelfen. Das soll nunmehr geschehen, indem der genannte Verein (Direktor: Professor D. Dr. Zimmer in Berlin-Zehlendorf), der schon auf anderen Gebieten der Diakonie an der Frauenwelt" mit Erfolg neue Wege ein­geschlagen hat, den ersten Versuch einerHeilerziehungs- anstalt für krankhaft veranlagte Töchter gebildeter Stände" macht. Die Anstalt soll am 1. Oktober d. Js. am Sitze des Vereins in Berlin-Zehlendorf eröffnet werden.

* Furchtbare Phautafiewaffen. Es ist jetzt wieder einmal an der Zeit, zu fragen, was aus allen den furchtbaren Waffen und Maschinen wird, deren Erfindung von Zeit zu Zeit die ganze Welt in Erstaunen setzt, und von denen dann nie wieder etwas zu hören ist. Diese Thatsache, die jedermann, der über ein einigermaßen gutes Gedächtnis ver­fügt, in häufigen Wiederholungen verfolgen kann, hat eben den Anlaß dazu gegeben, daß alle verständigen Menschen den meisten sogen. Sensationsnachrichten gegenüber wahrhaft zweifelsüchtig geworden find. Als die Rede davon war, daß Tesla ein Mittel erfunden hätte, ein Torpedo vom Lande aus auf weite Entfernungen hinaus auf ein bestimmtes Ziel zu lenken, da sprach sich die Mehrzahl der bedeutenden Fachzeitschriften dahin aus, daß es unmöglich wäre, an ein solches Zeug zu glauben. Und doch, woher dieser gewisse Zweifel? Warum sollte eine solche Erfindung nicht möglich sein, wo doch die Menschheit schon mit so mancher vordem unglaublich erscheinenden Entdeckung überrascht worden ist! Denselben allgemeinen Zweifeln begegnet auch die neue französische Erfindung, die die drahtlose Telegraphie oder, richtiger gesagt, die Herrschen Wellen dazu benutzen will, um aus weiter Entfernung Kriegsschiffe und Pulvermagazine in die Luft zu sprengen. Es soll ein Verfahren entdeckt sein, durch die elektrischen Wellen aus bedeutenden Abständen Funken zu erzeugen, die zur Explosion von Sprengstoffvorräten führen sollen. Es ist nun lehrreich zu sehen, was die großen tech­nischen Zeitschriften dazu sagen. Der LondonerElectrician" fragt zunächst:Warum soll denn nur eine feindliche Flotte und nicht auch unsere eigenen Schiffe und Pulvermagazine in Gefahr sein?" Ferner:Kann es denn nicht passieren, daß man zu friedlichen Zwecken, also vornehmlich zur draht­losen Telegraphie, elektrische Wellen in den Raum aussendet und damit irgendwo unbeabsichtigt eine fürchterliche Erplosion herbeiführt? Es ist schrecklich, die Möglichkeit vor sich zu

sehen, daß Aether.Wellen, die zu friedlichen Zwecken dienen sollten, ein Kriegsschiff wie die Maine oder die Pulver­magazine einer Festung, sagen wir die von Toulon, aus bloßem Zufall in die Luft sprengen sollten. Aber wir können dieser Möglichkeit kaum Glauben schenken." Der LondonerEngineer" sagt dazu:Da ziehen wir doch noch den alten Magneten vor, der die eisernen Nägel aus den Schiffen herauszog, so daß sie zusammenfielen. Auch dabei brauchte man nur an die Magneten zu glauben und es war alles in Richtigkeit." Man wird also bei den Nachrichten von der Erfindung solcher Waffen gut thun, sich selbst mit der nötigen Ruhe zu wappnen und sich versichert zu halten, daß Erfindungen von solcher Tragweite denn doch nicht allmonatlich oder auch nur alljährlich gemacht werden.

Köln. Ztg."

* Der Kaiser und sein Kurier. Bekanntlich trifft, sobald der Kaiser außerhalb seiner Residenz sich befindet, jeden Tag in dem jeweiligen kaiserlichen Hauptquartier ein Kurier ein, welcher die Postsachen aus Berlin bringt und solche auch wieder mitnimmt; so auch unlängst während der Segel­regatten. Bei dem Uebernehmen des Kuriers an Bord der Hohenzollern" ereignete sich, als diese vor Helgoland ankerte, eine hübsche Episode. Von dem Torpedoboot, welches den Kurier in die Nähe derHohenzollern" brachte, wurde er durch eine Pinasse abgeholt, konnte aber mit dieser, der aufgeregten See wegen, nicht am Fallreep anlcgen, sondern mußte längsseits halten. Mit zugeworfenen Tauen wurden nun von der auf den Wellen tanzenden Pinasse alle Kisten und Packete einzeln über die Reeling geholt, bis schließlich der Kurier selbst noch übrig blieb, der unmöglich auf dieselbe Weise übergeh oll werden konnte. Da ergriff der Wackere eine Strickleiter und erklomm mit seiner umgehängten Tasche das Deck des Schiffes. Der Kaiser hatte den ganzen Vor­gang beobachtet und ließ durch einen Adjutanten dem Kurier seine Anerkennung aussprechen, sowie ein Goldstück überreichen.

* Ein zusammenfaltbares Hotel ist das Neueste, was in Amerikaausgeheckt" worden ist. Geschlossen sieht das Hotel" einem gewöhnlichen Gepäckwagen unserer Eisenbahn ähnlich. Am Bestimmungsorte aber wird der Wagen teil­weise umgeschlagen und aufgeklappt. Zwischenwände werden eingeschoben und der ganze Raum, der eine fünf bis sechs mal größere Fläche bedekt, als die Bodenfläche eines Bahn­wagens ausmacht, in einzelne Zimmer eingeteilt. Nun werden die Möbel auch aufgeklappt, und dasHotel", das für reisende Zirkusgesellschaften bestimmt ist, ist fertig und wird mit allem Komfort der Neuzeit, mit elektrischem Lichte, Baderäumen u. s. w. ausgestattet, Zu der Umwandlung des Wagens in das Hotel ist nur eine Stunde Arbeit von vier Personen erforderlich.

Meratur, Wissenschaft und Kunst.

«arte der deutschen Verwaltungsbezirke der Karo­linen, Palau und Marianen. Mit 7 Nebenkarten und Beglctt- worten. Bearbeitet mit Benutzung bisher noch unveröffentlichter Quellen von Paul Langhans. Gotha, JustuS Perthes. Preis 1 Mk. Nichts kann die Leistungsfähigkeit unserer ersten geographischen An­stalt in helleres Licht setzen, als die Veröffentlichung vorliegender Karte. Denn wir haben eS hier nicht mit einer rohen Uebersichts- skizze zu thun, wie sie bei jedem kartenmäßig darstellbaren Ereignis der Zeitgeschichte zu erscheinen pflegen, sondern mit sorgfältig durch­gearbeiteten, offenbar seit langem vorbereiteten Spezialkarten, die ein reiches Origtnalmaterial verwertet haben. Neben vielem topographisch Neuen zeigt die Karte aber vor allem den Kulturstandpunkt unseres neuesten Schutzgebietes nach den neuesten Angaben der dort ansässigen Handelshäuser und Missionen. Sämtliche Handelsstattonen und Ländereien der Jaluit-Gesellschaft, die den Handel der Karolinen vollständig beherrscht, sowie alle mit weißen Missionaren und ein­

geborenen Lehrern besetzten Missionsstationen finden sich verzeichnet. Die Hauptkarte in 1:5000 000 zeigt außerdem da« Gebiet, welches das deutsche Reich 1885 auf Grund des päpstlichen Schiedsspruches Spanten überließ, die 1885er Flaggenheißungen unseresIltis" und Albatros" auf den einzelnen Inseln, sowie die Grenzen und Re­gierungssitze der neu eingerichteten Verwaltungsbezirke. Auch die neue nordamerikanische Kabelstation Guam fällt innerhalb deS Karten- randeS. Unmittelbaren Vergleich der Größen- und Entfernungs­verhältnisse ermöglicht die Karte der deutschen Retchsküste im Maß­stabe der Hauptkarte. Ueber welch ungeheuren Flächenraum die Inseln des neuen Schutzgebietes zerstreut find, geht auf das deut­lichste aus dieser vergleichenden Zusammenfiellung hervor: die Ent­fernung der westlichsten von der öfiltchsten Karolinen-Insel beträgt das Z'/rfacke der Luftlinie Emden-Memel! Eine zweite Nebenkarte in 1:40 000 000 bietet eine Uebersicht über sämtliche deutsche Schutz­gebiete in der Südsee (auch von Kiautschou), die nach Mitteilung der Begleitworte 253 000 qkm. (mit 439000 Etnw.) bedecken. Eine Anzahl Pläne bringen genauere Darstellungen der wichtigeren Inseln: der bergigen FelSinseln Kusate, Ponape und Jap mit ihren wald­bedeckten Höhen und korallenumsäumten Küsten, des gewaltigen Ruk- AtollS und der größten aller Karolinen, der fruchtbaren Palau- Gruppe. Die Begleitworte bieten ein erschöpfendes Bild der geo­graphischen und wirtschastlichen Grundzüge des neuen Schutzgebietes.

Katechismus der deutschen Kriegsmarine von Richard Dittmer, Kapitän zur See a. D. Mit Titelbild und 174 in den Text gedruckten Abbildungen. Zweite, vermehrte und verbesierte Auflage. In Originalleinenband 4 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Zweck dieses von berufenster Seite verfaßten Buches ist, weiteste Kreise mit den Einrichtungen unserer Kriegsmarine vertraut zu machen. Mußte auch zur Wahrung der Handlichkeit des Bändchens davon abgesehen werden, sämtliche amtltchm Vorschriften für die Dienstzweige wörtlich zum Abdruck zu bringen, so genügt doch schon daS Mttgeteilte völlig, an dem vorliegenden Katechismus einen nie versagenden Führer und Berater zu haben. Sehr dankenswert sind u. a. die Ausführungen über die Annahme und Einstellung alö Seekadett. Jedem Binnenländer wird die ausgiebige Erklärung marinetechnischer Ausdrücke hochwillkommen sein. Die ebenso schöne, al« reichhaltige Illustrierung macht mit dem ganzen schwimmenden Material unserer Marine, den Uniformen, Rang- und Dienstabzeichen, Sturmsignalen, Seeschifffahrtszeichen und Flaggen bekannt. DaS Buch ist nicht nur ein Beitrag zur Erweiterung der Kenntnis, sondern auch ein Mittel zur Erkenntnis der Notwendigkeit der deutschen Kriegsflotte.

Bunte Falter von Wolfgang Lehmus. Preis 1 Mark. Verlag H. L. Thilo, Berlin, W. 50. In diesem schmucken Bändchen tritt uns ein junges lyrisches Talent von bestimmter Eigenart ent­gegen. JedeS empfängliche Gemüt wird an diesen sinnigen, stimw- ungsreichen und oft von liebenswürdigem Humor durchwehten, form­gewandten Versen seine helle Freude habm. Für Geschenkzwecke dürfte es kein geeigneteres Gedichtbuch geben.

Neueste Erfindungen und Erfahrungen" auf den Gebieten der praktischen Technik, der Elektrotechnik, der Gewerbe, Industrie, Chemie, der Land- und Hauswirtschaft rc. 26. Jahrgang (A. Hartlebens Verlag in Wien). PränumerationSpreis ganzjährig für 13 Hefte franko 7,50 Mk. Einzelne Hefte für 60 Pfg. in Brief­marken. Diese Zeitschrift dient ausschließlich nur der Praxis. Ihre Mitteilungen, die sich über alle Berufsarten verbreiten, bestehen in praktischen, zuverlässigen und leicht ausführbaren Anweisungen, Arbeitsverbesserungen und Neuerungen auf technischem und indu­striellem Gebiete. Besonders wertvoll sind die zahlreichen Anweis­ungen zu neuen, lohnenden Erwerbsarten. DieNeuesten Er­findungen und Erfahrungen", im 26. Jahrgange erscheinend, bieten jedermann, insbesondere dem Techniker und Industriellen, die Mittel, alle neuen Erscheinungen und alle wertvollen praktischen Er­rungenschaften kennen zu lernen und so zu verstehen, daß er sie in seinem Geschäfte sofort verwerten kann und demzufolge immer auf der Höhe der Zeit steht. Hunderte von Fragen auS allen Berufs­fächern finden in dieser Zeitschrist praktische und kostenlose Beantwortung.

UniversttSts Nachrichten.

Bonn. Zum Rektor der hiesigen Universität für da« nächste Studienjahr wurde der Konststorialrat Prof. vr. Friedrich Steffert aewählt. Der Profeffor der Elektrotechnik Karl Ztckler wurde zum Rektor an der technischen Hochschule in Brünn gewählt.

Bonn. Prof. Dr. Klein ist heute gestorben. Er war seit Errichtung de« Rheinischen Provinzial Museums hierselbst als Direktor desselben thätig und trat zu Anfang dieses Jahres in den Ruhestand.

Großherzogl. Landes-Irrenanstalt.

Am 1. November l. I. wird die Stelle des zweiten Affifteuz- arztes (1500 Mk. und freie Station) fret und soll alsbald mit einem psychiatrisch schon vorgebildeten Arzte wiederbesetzt werden. Bewerbungen werden zunächfi nur brieflich bis zum 1. August l. I. hierher erbeten.

Heppenheim a. d. B., den 1. Juli 1899.

Großherzogliche Direktion der Landes-Irrenanstalt.

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