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Freitag den 7. Zuli
1S99
Nr. 157
Erstes Blatt.
Meßmer Anzeiger
Keneral-Anzeiger
Anrts- unb Anzaigeblertt für den Ttreis Gieren
(XX)
zuführen.
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Parlamentsschlutz in Frankreich.
Bei uns in Deutschland kommt es nicht vor, daß die Ministerien von den Parlamenten hinweggefegt werden; selbst einstimmig abgegebene Tadelsvota würden kaum einen Minister bewegen, von seinem Amte zurückzutreten, das ihm durch das Vertrauen feines Monarchen verliehen worden ist.
Anders liegt die Sache z. B. in Frankreich, wo die Kabinette von der Gunst des Senats oder der Deputiertenkammer abhängig sind, insbesondere der letzteren. Wer zählt die Kabinette, wer nennt die Namen aller Minister, die seit Begründung der dritten Republik am Ruder gewesen sind und im Palais Bourbon ihr Grab gefunden haben! Wenn aber die Senatoren und Deputierten in die Ferien gegangen sind, wenn das Parlament geschlossen worden ist, dann darf sich das Ministerium in einer behaglichen Sicherheit wiegen. In dieser glücklichen Lage befindet sich jetzt das Kabinett Waldeck-Rousseau, nachdem die Parlamentssession am Dienstag geschloffen worden ist.
Ja, das wunderbarste aller Kabinette, in dem gleichsam Feuer und Wasser vertreten sind, das alle Parieischattierungen von den Gemäßigten bis zum Sozialisten aufweist, darf aufatmen und frohlocken: es hat den Rest der Saison überdauert. Unsere Anschauung ist es ja von vornherein gewesen, daß das Kabinett Waldeck-Rousseau zwar keine erhebliche sichere Majorität in der Kammer hat, daß aber die Parteien berücksichtigen würden, unter welch schwierigen Umständen das Ministerium ins Amt getreten ist und daß ein starker Opfermut dazu gehörte, in die Bresche zu springen und die Verantwortung für die kommenden Dinge zu tragen. Freilich ist es ja als ein günstige« Zeichen zu betrachten, daß Dreyfus in Frankreich landen konnte, ohne daß dieses Ereignis gewaltige Aufregung verursacht hätte. Wie würde die Ankunft des Kapitäns ausgenommen worden sein zu der Zeit, da Zola sein „J’accuse" in die Oeffentlichkeit schleuderte! Ja, auch bei den leidenschaftlichen Franzosen heilt die Zeit viele Wunden, auch bei ihnen macht die Erregung kühler Ueberlegung Platz.
Ende dieses Monats beginnen in Rennes die Kriegsgerichtsverhandlungen; angesichts dessen war cs eine Notwendigkeit, daß das Parlament geschloffen wurde, um den Urteilsspruch der Richter in keiner Weise zu beeinfluffen. Eine Erörterung der Affaire in der Kammer während der Gerichtsverhandlungen hätte sich kaum vermeiden lassen, sie
wäre aber für die glatte Erledigung der Angelegenheit keineswegs ersprießlich gewesen.
Besondere Aufmerksamkeit müßte die französische Regierung jetzt dem Offizierkorps widmen, da allerhand Anzeichen dafür vorhanden sind, daß die Disziplin vielfach nicht so streng gehandhabt wird, wie es das Staatsintereffe erfordert. Wenn auch offiziös die Meldungen über Fälle von Widerspenstigkeit der Offiziere dementiert werden, so wird doch immerhin etwas Wahres daran sein. Jedenfalls hat das Kabinett während der parlamentslosen Zeit genug zu thun, um die innere Lage zu festigen und Frankreich über den Schlußakt des Dreyfusdramas glücklich hinweg-
Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hieße».
Fernsprecher Nr. 51.
alt, schon Vorsitzender einer Anzahl von Arbeiterbildungsvereinen war, fand er eine hochbefähigte Hilfskraft. — 1868 faßten in Nürnberg die dort vertretenen Arbeitervereine (mit 14,000 Arbeitern) den folgenschweren Beschluß, den Abfall von Schulze-Delitzsch zu Marx zu vollziehen. Anfangs befehdeten sich beide Strömungen auf das erbittertste, die Maßregeln, mit welcher Polizei und Regierungen gegen sie vorgingen, führten aber bald eine äußere Vereinigung herbei. Auf dem Gothaer Kongreß (22. bis 27. Mai 1870) einigte man sich über ein gemeinsames Programm. Seitdem entwickelte sich die deutsche Sozialdemokratie mit erstaunlicher Schnelligkeit, selbst das Ausnahmegesetz vom 21. Oktober 1878 vermochte die Entfaltung nicht zu hemmen, nachdem der Partei das allgemeine gleiche und geheime Wahlrecht, wie Sombart fagt, freilich als reife Frucht in den Schooß gefallen war. 1891 trat an die Stelle des Gothaer Programms das Erfurter, das auf streng marxistischer Grundlage abgefaßt ist. Die Anarchisten und die sogenannten „Jungen" wurden, erstere bereits 1872, letztere 1891 in Erfurt, ausgeschloffen. Die gewerkschaftliche Organisation wurde neben der politischen nicht vernachlässigt; die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen wuchs von 102,000 im Jahre 1871 auf 1,786,000 im Jahre 1893, die Zahl der Abgeordneten vvn 2 auf 44.
Die Marx'sche Richtung verschaffte sich auch in den anderen Ländern mehr und mehr Geltung, wenn auch in diesen die sozialdemokratische Agitation nicht entfernt einen so großen Erfolg aufzuweisen vermochte, wie in Deutschland. Erst in den letzten Jahren weist auch in Frankreich, Oesterreich, England u. s. w. die sozialdemokratische Bewegung ein rasches Wachstum auf. Die Sozialdemokratie hat, obwohl die Internationale 1873 zu Ende ging, ihren internationalen Charakter beibehalten, an ihre Stelle traten seit etwa zehn Jahren internationale Arbeiterkongresse; aus einem solchen (1889 in Paris) wurde bekanntlich die allgemeine Feier des 1. Mai — als Demonstration für den achtstündigen Arbeitstag — beschlossen.
tariat für eine Wiederbelebung der Elisabeth'schen Gewerbeordnung, wonach jeder Meister nur drei Gesellen und einen Lehrling halten durfte, und der Lohn durch den Friedensrichter festgesetzt wurde. Als die erste, typisch- sozialistisch-proletarische Bewegung bezeichnet man gewöhnlich die Chartistenbewegung in England 1837 bis 1848. In ihr tritt bereits das Streben nach materieller Lebens- Verbesserung der Fabrikarbeiter in den Vordergrund, der Maximalarbeitstag erscheint bereits als Forderung im Programm. Die Namen O'Connell und O'Connor standen an der Spitze, und die ersten Märtyrer der Arbeiterbewegung lieferte der Versuch der Regierung, die Bewegung zu unterdrücken: in Newport blieben 10 Tote und 50 Verwundete im Kampfe. Die Bewegung verlief aber schließlich im Sande.
Die moderne Sozialdemokratie knüpft fast ausschließlich an die Namen Marx und Lassalle an. Schon 1848 veröffentlichte Marx, der Mitglied des internationalen geheimen Kommunistenbundes war, in Gemeinschaft mit Engels das berühmte kommunistische Manifest. Im Anschluß daran bildeten sich in Deutschland zahlreiche Arbeitervereine, und im Jahre 1864 erfolgte die Gründung der internationalen Arbeiterassociation auf marxistischen Prinzipien. Inzwischen hatte Ferdinand Lassalle in Deutschland eine glänzende agitatorische Wirksamkeit entfaltet, das Resultat bestand in der am 23. Mai 1863 erfolgten Gründung des allgemeinen deutschen Arbeitervereins, der ersten allgemeinen Organisation der sozialdemokratischen Parte:. Bereits 1864 blieb der begabte Führer im Duell, bei seinem Tode zählte der Verein erst 4600 Mitglieder. Die Anhänger der marxistischen Richtung, als deren Führer und Agitatoren Bebel und Liebknecht auftraten, riefen dagegen die sozialdemokratische Arbeiterpartei ins Leben (1869), und bereits bei der Neichstagswahl 1874 brachten es die i Sozialdemokraten auf 340,000 Stimmen. Wilhelm Liebknecht i inszenierte im Auftrage seines Lehrers und Freundes Marx | die deutsche Bewegung; in August Bebel, der, 24 Jahre
Die Steuerreform in Hessen
ist — so schreibt der Darmstädter Tägliche Anzeiger — durch die Beschlüsse der Zweiten Kammer auf das höchste gefährdet, was um so mehr zu bedauern ist, als das Programm der Reform dahin geht: 1. Beseitigung der Doppelbesteuerung, 2. Erleichterung der Steuer für die kleinen Gewerbetreibenden, 3. Ermäßigung der überaus hohen Grundsteuer, 4. Heranziehung des fundierten Einkommens durch eine Ergänzungssteuer.
Die Beschlüsse der Zweiten Kammer weichen in vielen Punkten von der Regierungsvorlage ab. Insbesondere ist die Annahme des sozialdemokratischen Antrages bezüglich der Ergänzungs- oder Vermögenssteuer ein steuerpolitischer Fehler ersten Ranges. Wenn man die Beseitigung der Doppelbesteuerung zum Prinzip erheben will, darf man die Zuschlagssteuer nicht zu einer Einkommensteuer zweiter Klasse machen.
Das Gesamteinkommen soll in der höchsten Stufe in Hessen mit 41/2 Prozent belastet werden und diese Steuer alsdann nach unten stufenweise abfallen. Insoweit das Einkommen aus gesichertem Besitz fließt, soll alsdann eine Zuschlagssteuer von dem Werte dieses Besitzes erhoben werden. Die Zweite Kammer greift aber erstens die Rente, d. h. das Einkommen, und greift dann weiter das Vermögen, welches in progressiver Weise herangezogen, also konfisziert werden soll. Dieser sozialistische Gedanke wurde von sozialdemokratischer Seite vorgeschlagen und von der Kammer gebilligt. Wie die „Worms. Ztg." erfährt, steht die Regierung auf dem Standpunkt, daß man in Heffen derartige Konfiskationen nicht gutheißen, die höchste Ziffer auch nicht über 472 Prozent bemessen darf, weil Preußen nur 4 Pro
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Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
In dem Gehöfte des Landwirts Johann Georg Mandler zu Kinzenbach (Kreis Wetzlar) ist bei zwei Ochsen die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
An einem Zuchtstier und an acht Kühen zu Atzbach (Kreis Wetzlar) ist Bläschenausschlag festgestellt worden.
Gießen, den 4. Juli 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
Die Gießener A«mttie»Stätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.
Feuilleton.
Das 19. Jahrhundert.
Anter Mitwirkung hervorragender Fachgelehrter herausgegeben von Friedrich Thieme.
(Nachdruck oder Auszug verboten.)
XI.
Sozialismus und Arbeiterbewegung.
(Schluß.)
Diejenigen Volksklaffen, deren Interessen an allen diesen Experimenten und Systemen am dringendsten betei- liat waren, die Arbeitermaffen, blieben lange Zeit allen solchen Versuchen am fernsten. Das Proletariat begnügte sich die Schlachten und Klassenkämpfe des Bürgertums ausfechten zu helfen, so in den Revolutionen von 1789, 1830 und 1848, welche sämtlich rein bürgerliche Bewegungen darstellen. Die ersten wirklich proletarischen Bewegungen finden wir in England, wo die rasche Entwickelung der kapitalistischen Produktionsweise das Bedürfnis zu gemeinschaftlichem Vorgehen naturgemäß am ersten fühlbar machte. Zuerst sind es freilich nur Vorstöße rein instinktiver Art, qeqen das Zunächstliegende anstürmend, was handgreiflich im Wege zu liegen scheint. Man zerstörte und plünderte Fabriken, vernichtete die als allgemeine Feinde betrachteten Maschinen. — „In England," berichtet W. Sombart in der bereits erwähnten Schrift, „wird 1812 die Zerstörung von Fabriken mit dem Tode bestraft, der beste Beweis, wie oft das Verbrechen vorgekommen ist". In anderen Ländern haben wir ganz ähnliche Ereignisse. Zum Beispiel der Fabrikbrand in Uster in der Schweiz im Jahre 1832, m Deutschland die Weberunruhen in den 40er Jahren, in Frankreich der Lyoner Seidenweberaufstand im Jahre 1831. Lange dauerte es, „bis diese Leute zu Rufen, diese Rufe zu gemeinsamen Forderungen,' zu Programmen sich krystallisieren." Lange Zeit kämpfte das englische Prole-
Hberhesstscher Aöstöauverein.
Jereiusöezirk Hießen.
Am Sonntag dem 16. Juli, nachmittags 4 Uhr, findet im Saale der Wirtschaft „Zum Englischen Hof" in Griiuberg eine Versammlung des Oberhessischen Obstbauvereins statt, in welcher der Sekretär des Vereins, Herr K. Reich el t, Lehrer für Naturwissenschaften und Obstbau an der Großh. Obstbauschule und Landw. Winterschule in Friedberg, einen Vortrag über Obstbanmpslege mit besonderer Berücksichtigung der Obstbaumkrauk- heiten und Schädlinge hallen wird.
Die Mitglieder des Vereins sowie sonstige Interessenten werden hierzu freundlichst eingeladen.
Gießen, den 6. Juli 1899.
Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen des Oberhessischen Obstbauvereins.
Frhr. Schenck.
Gießen, den 6. Juli 1899.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien von Grüuberg und den benachbarte« Orten.
Obige Versammlung wollen Sie im Interesse Ihrer Gemeindemitglieder auf ortsübliche Weise bekannt machen.
Zugleich verweisen wir Sie aus unser Ausschreiben vom 1. November 1898 (Kreisblatt Nr. 258), wonach die Mitglieder der Blutlaus- zc. Kommissionen besonders aufzufordern sind, den fragl. Vortrag zu besuchen.
I. V.: Frhr. Schenck.


