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7.6.1899 Zweites Blatt
 
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Mittwoch den 7. Ium

Nin«h»e »en Anzeigen zu der nachmittag- für de»

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S4»rftr«ße Ar. 7.

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tragen. L , . .

** Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge- meindeschule zu Calbach, mit der Stelle ist Lektorendienst verbunden, dem Herrn Fürsten zu Ysenburg und Büdingen in Büdingen steht das Präsentationsrecht zu derselben zu, die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Göbelnrod, mit der Stelle ist Organisten- und Lektorendienst verbunden, die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu Zahmen, eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu F'r eien st ein au, die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende 3.Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Sprend­lingen (Kreis Offenbach), dem Herrn Fürsten zu Jsen- burg-Birstein steht das Präsentationsrecht zu derselben zu, eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Obertshausen, sämtlich mit dem gesetzlichen, nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalt.

** Bon hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Karoline Bastian, geb. Schäfer aus Wetzler, wegen Dieb-

blieben war.

Ich hätte wohl einen Plan," sagte sie endlich.

Das wäre aber famos!"

Hm . . . ja . . . aber ich weiß nur nicht . .

Was denn?"

Ach, Herr Roland, ich traue mich ja nicht

Sehen Sie, wie sich Ihre schwarze Seele verrät!" raunte sie triumphierend.Papa hatte ganz recht: Sie flattern hier nur so herum! Das wollte ich blos wissen. Und nun bedanke ich mich schönstens für jede Verschwörung. Wir gehen jetzt hübsch nach Hause, und meinen Plan be­halte ich für mich." . _ .

Wie schlecht Sie sein können, Fraulem Erm!" erwiderte er lächelnd.Damit Sie aber sehen, daß Ihr gestrenger Herr Papa doch nicht so ganz recht hat, so lesen Sie, bitte, einmal diesen Brief meiner Mutter, den ich vorhin mit der Abendpost erhalten habe."

Zögernd, wie in ein verbotenes Geheimnis, ließ sie ihre braunen Rehaugen über die engen Zeilen fliegen. Dann aber plötzlich stieß sie einen leisen Freudenschrei aus und sagte aufgeregt: ,

O, Sie lieber Herr Roland! Wenn ich das gleich gewußt hätte! Aber nun schnell hören Sie meinen Plan . . .!"

Und nachdem sie noch eine Weile sehr wichtig mit­einander getuschelt hatten, hielt Roland einen Umgang im Saale ab, sprach überall ein paar heimliche Worte, die ein vergnügtes Lächeln und Nicken hervorriefen, und nur bei der Familie Linder begnügte er sich, ein paar artige Wendungen über das schöne Konzert anzubringen und dabei den Blick tief in Isoldens Augen zu tauchen.

Bald danach erschien auch Ernestinchen in der Saal- thür, ihren dunklen Sommermantel über den Schultern, von dem das Wasser in ordentlichen kleinen Bächen herunter­lief. Sie schüttelte sich, daß auch die Tropfen aus ihren braunen Locken nur so flogen, und sagte:

Brrr, Kinder, ist das ein Regen!"

(Schluß folgt.)

«. 13t Zweites Blatt

fragen!" _ . A

Mich? . . . Wo wir so alte Bekannte sind? Schon von der Eisbahn her? . . Immer schießen Sie los!"

Nee, nee! Ich bin so schon verschrieen genug wegen meiner sogenannten Dämlichkeiten, die nach meiner eigenen Taxe allerdings ..."

Die vernünftigsten Handlungen von der Welt sind," unterbrach er sie ernsthaft und ohne mit einer Wimper zu zucken.Das ist ganz meine Meinung."

Sie sah ihn trotzdem mißtrauisch an; denn auf Ironie verstand sie sich schon ziemlich gut.

Es ist wirklich meine ehrliche Ueberzeugnng," beteuerte er nachdrücklich.Also bitte!"

Schließlich ist mir das auch schnuppe, Herr Roland!" platzte sie heraus.Denken Sie von mir, was Sie wollen, aber sagen Sie mir jetzt, ob Sie's mit Isolden ehrlich meinen oder nicht." .

Der junge Architekt wurde rot bis in die Haarwurzeln Über diesen heftigen Frontangriff.

Aber Fräulein Ernestine!" sagte er verlegen.

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Artug-pret- vieneljährlich

2 Mart 20 Pf,.

monatlich 75 Pfß.

mit Bringerloh».

Bei Postbezug

2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

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Montag-

Oe Gießener |i»rti<»l titlet dtt dem Anzeiger Htitlidj viermal beigelrgt.

Ober-Ingelheim. __________

*+ Schülerpensionäre. Der Abg. Häusel hat in 'der Kammer den Antrag eingebracht:Hohe Kammer wolle die Regierung ersuchen, den dekretmäßig angestellten Lehrern an den höheren Lehranstalten das Halten von L-chuler- pensionären, soweit solche die Anstalten besuchen, an denen diese Lehrer thätig sind, zu untersagen, sowie auch die Er­teilung von Nachhilfestunden an die Schüler ihrer Klassen gegen Entgelt zu verbieten." Hierzu bemerken die ,.N. Hess. Volksbl.": Die akademisch gebildeten Lehrer werden diesem Anträge die größte Sympathie entgegenbringen, es dürste sich vielleicht noch eine Verschärfung empfehlen durch Weglassung der Wortedekretmäßig angestellten" undgegen Entgelt". Denn eine große Anzahl Jahre lang an den Anstalten wirkender Lehrer ist nicht dekretmäßig, sondern nur provisorisch angestellt, und die Wortegegen Entgelt

Feuilleton.

Pas Mockengespenst.

Eine heitere Geschichte von Alwin Römer.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Der Saal selbst war mit blinden Fenstern ausgemalt, lit man mit billigen Gardinen- und PortiSrenschleiern hloricrt hatte. An den braungebeizten, schlicht verzierten hoMulen prangten frische Tannenzweige. Es sah ganz Limelnd aus, und da nach dem Dache zu ausreichend für krnitilation gesorgt war, so fühlte sich der Rest des Konzert- Mikurns hier ganz wohl.

Der schlimme Roland, ein hübscher, junger Architekt, kr wegen seiner Vorsicht, mit der er jeder Erklärung idev seine Absichten Isolden gegenüber ausgewichen war, fA die volle Ungnade des Justizrats zugezogen hatte, war mm Ende des Konzertes unbemerkt an den Backfisch heran- Meten und hatte ihn durch ein heimliches Zeichen zu einer Mitrrcbung hinausgelockt.

Fräulein Ernestine," sagte er draußen beklommen, Zws" ist* denn heute mit Ihrer Schwester Isolde?"

Was soll denn mit ihr sein?" erkläxte sie schnippisch ind drehte an ihrer dunkelroten Zopfschleife.Sie wird tüM den Schnupfen haben."

So!" sagte er gedehnt. ..Na, den tanzt sie sich näch­st hoffentlich weg!" ;

Ja, wenn wir hier bUeben zum Tanz!"

Sie wollten vorher gehen? Aber warum denn? Das Anvitter hat sich längst wieder verzogen. Draußen ist das Meiste Wetter."

Die Vorgänge in Paris.

waß die Dreyfus-Affaire noch schwere innerpolitische «mmckelungen für Frankreich im Gefolge haben werde, iot mobil niemand bezweifelt, der die Ereignisse nut offenen Mgen verfolgte. Der Rückschlag war eben zu stark gewesen, »ic öffentliche Meinung war förmlich vor: den Kopf gestoßen, nl5 Die Anschauungen über die Schuld des Exkapltans Mmus eine für diesen günstige Wendung annahmen. Es Seit bekanntlich ein Partei in Frankreich, welche unter iifltn Umständen den Kapitän Dreyfus auf der Teuselsinsel Ms>n zu sehen wünscht und sich durch keine noch so Über- Agenden Gründe die Schuldlosigkeit desselben einreden Haffen will. Und da es den Anschein hat, als ob wirklich Kit bem Präsidium Loubels die für Dreyfus gunsifge ?8tnt:ung eingetreten ist, so ist es erklärlich, daß der ganze

jener Partei sich gegen das jetzige Staatsoberhaupt nitttL Die Szenen, welche am Sonntag auf dem Renn-

Auteuil sich abspielten, dürfen als der Ausfluß jenes Grobs angesehen werden, wenn es auch festzustehen scheint, hinter den Kulissen noch andere Mächte mitarbeiteten, die fieilich ihre Vorbereitungen nur recht mangelhaft getroffen tattern. Wir meinen die Royalisten.

Der Herzog von Orleans hat ja schon oster versucht, die öffentliche Meinung bei geeigneten Anlässen für sich zu w.nen. Bisher hat er damit wenig Glück gehabt, und n dürste sich auch jetzt wieder sagen, daß es ihm schwerlich oilinijen werde, die Aufregung, in der sichPariser anläßlich der letzten Stadien der Dreyfus-Affaire befinden, in i'mnen Gunsten auszubeuten. Aber der Versuch mußte muffens gemacht werden. Daß die thätliche Bel-fdigung te Kräsidenten der Republik den Royalisten kerne Freunde uMren wird, kann als sicher gelten, im Gegenteil, ihre gatiie hat dadurch große Einbuße erlitten; denn jeder Patriot Msitt sich nun der Gefahr klar geworden fein, welche dem Saleurlanbe von jener Seite her droht.

Auch ber französischen Regierung dürften nunmehr die Wvw geöffnet sein, und sie wird sich allen Eventualitäten «müder wappnen müssen. Denn es stehen für Frankreich noch recht aufregende Tage bevor: Die Rückkehr Zolas, jroie das Eintreffen Dreyfus' und die kriegsgerichtlichen Mianblungen gegen denselben. Die Regierung muß mit tat leicht erregbaren Blute der Franzosen rechnen, oie ja u iunb für sich, schon so unberechenbar sind. Hier kann Muy seine im Laufe langer Jahre erlernte Staatskun dMisch dokumentieren; die Aufgabe, die seiner harrt, is limerig und bedarf eines ganzen Mannes. Fest und iicht um eines Haares Breite vom Wege des Rechts ab-

Graüsbeilaqen: Gießener FamilienblÄier, Der hessische Landwirt, Mtter für hessische Dalkskunde.

Um so eher müssen wtt fort!"

Ach, nicht doch! ©te verderben mir die ganze Freude. Läßt sich denn Frau Mama wirklich nicht bewegen?"

Ernestine hatte gedankenvoll ihr Zopfende zwischen die weißen Zähne geschoben; eine Unart, der sie trotz aller väterlichen Drohungen nun schon seit Jahren treu ge-

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeig-blatt für den Nreis Giefzen

weichend muß"dw Regierung jetzt vorgehen, und sie darf |W b« ^^nwal^ft^in G.che^ Ta^hner sicher sein, daß die Freunde der Republik sich um sie schar« und Dienstknecht Stöhr (Stehr

werden und daß auch das Ausland die Bemuhunge d I H l Diebstahls vorn Amtsanwalt m Zwmgeu- leitenden französischen Kreise, die Ruhe im Lande zu erhalten, I , ® L $ Johann Albert Haushammer aus Breslau ympathisch verfolgt. _______________0^ von der Staatsanwaltschaft in Gießen;

, . I Weißgerbergeselle Gustav Schäfer aus Friedberg wegen

Xirkfiltä linb Diebstahls vom Amtsanwalt in Friedberg, Arbeiter Kurt

U,lV l " ni 1899 Otto Stegmann aus Kreuzburg wegen Betrugs Schmied

Glkßeu, I I A^lf Haupt aus Frankfurt a. M. wegen Diebstahls, Werk-

»* Dienstnachrichten. Dem Schulamtsaspiranten Adam I meicter snaui Wagenzink aus Waldheim wegen Unterschlagung, Heid aus Gimbsheim wurde eine Lehrerstelle an der höheren I Taglöhner Karl Silz aus Düsseldorf wegen Diebstahls, Bürgerschule zu Ober-Ingelheim, dem Schulamtsaspiranten I Schiffer Rudolf Schlimm (Slümp) aus Sneek roegen Be- Johannes Kraus aus Abenheim eine Lehrerstelle an der I ^»hung, sämtlich vom Amtsanwalt m Mainz; Schlosser Gemeindeschule zu Undenheim, dem Schulamtsaspiranten I ^luton ^pp aus Ehrenfeld wegen Diebstahls von der Andreas Borngässer aus Schwabsburg die Lehrerstelle Staatsanwaltschaft in Gießen; Gärtner Konrad Oehl aus an der Gemeindeschule zu Mörstadt, dem Schulamtsaspiranten Gonsenheim wegen Bettelns vom Amtsanwalt tn Bingen; Jakob Köhler aus Wallertheim eine Lehrerstelle an der Taqlöhner Theodor Klemm aus Viernh^m wegen Betrugs Gemeindeschule zu Nieder-Saulheim, dem Schulamtsaspiranten I ÜQm Amtsanwalt in Zwingenberg; Schuhmacher Paul JohannesMerkenbach aus Alzey eine Lehrerstelle an der Rrämer au§ Zürich wegen Diebstahls vom Polizeiamt Mainz; Gemeindeschule zu Hamm übertragen; dem Heinrich Georg | Sattler Joh. Georg Wagrampf aus Nürnberg wegen.«or- Christian Desch aus Laubach wurde das Patent als Geo- I perverletzung vom Amtsanwalt in Alzey; Koimnis Heinrich meter 1. Klasse für den Kreis Schotten erteilt; dem Schul- I Schwarz (Schwarzer) aus Breslau wegen Betrugs vom amtsaspiranten Christoph Stillbauer aus Heßloch wurde Polizeiamt Mainz; ferner wegen Strafverbüßung: eine Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Kastel, dem I $nton Brenner aus Ellwangen, Brauer Albert Kowall aus Schulamtsaspiranten Georg Wagner aus Weiterstadt die Sadzawska, Bäcker Adolf Hertneck aus Vaihingen und ^ag- Lehrerstelle an der Gemeindeschnle zu Wahlen i. O. über- I löcner Georg Friedr. Ludw. Popp aus Worms, sämtlich

1 vom Amtsgericht Worms; Bäckergeselle Theodor Lapple aus Eßlingen vom Amtsgericht Offenbach; Dienstknecht Karl Krämer aus Stuttgart vom Amtsgericht Gernsheim; Dienst­knecht Konrad Link aus Ober-Hilbersheim vom Amtsgericht