Ausgabe 
7.6.1899 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

1899

Erstes Blatt.

NI 131

18«

»er,

OB

lllterei

ch dli**1

Alle Anzeigen-Bermritiungsstellen bc» In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger enkgegen.

Mittwoch dm 7. Juni

3. Rat b ch mit

tfolbon, Expedition und Druckerei:

^chukstraße Ar. 7.

[OSSi

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hietzea.

Fernsprecher Nr. 51.

«nnnifme von Anzeigen zu der nachmittag- für dm fvtgi<'u-ii Lag erscheinendm Nummer bi- vorm. 10 Uhr.

Deutsches Keich.

Mu, 5. Juni, D-rNordd, Allg-m Ztg.' zujolg- ist I iit Nachricht, daß der Präsident des Reichs- P oi ten t amtcö in den Ruhestand versetzt werden soll,

Zzezngspreis vlerteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Psg. mit Bringerlohn.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

Wehmer Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Zlints- «l»d Anzeigeblatt für den Nreis iSkfectt

Ausland.

Budapest, 5. Juni, D-r Großgrundbesitzer Charles Dufour, der sich auf einer Erholungsreise befand, stürzte

le»

i und

gMl

benr im*

ws

berg angehören sollen. Auch Berlin, das ursprünglich als I Ausstellungsort in Aussicht genommen war, wirb gum Un- tritt in den Ausschuß eingeladen werden, verhalt sich aber bis jetzt ablehnend, da es erst den Erfolg der Pariser | Weltausstellung abwarten will. Die Ausstellung, die den Zweck verfolgt, den Stand des deutschen Stadtewesens zu Anfang des 20. Jahrhunderts zu veranschaulichen wird m der Hauptsache die Fortschritte auf den Gebieten der städtischen Verwaltung (Bureau- und Finanzverwaltung), des Verkehrswesens, des Tief- und Hochbaus, des Straßen­bahnwesens, der Kunst und Architektur, der öffentlichen Gesundheit und Wohlfahrt, der Krankenpflege, des 'Schul- und Armenwesens, der Baupolizei, des Feuerlo ch- und allgemeinen Polizeiwesens, des Sparkassen- und Le hwesens und der städtischen Gewerbebetriebe zeigen. Zur Teilnahme aufgefordert sind 70 deutsche Städte. Eine große Anzahl i hat sich bereit erklärt, das Unternehmen zu s^dern, andere, so Bremen, haben sich ihre Entscheidung noch Vorbehalten. Auch deutsche Gewerbetreibende, welche neue und muster- gütige Gegenstände für den Bedarf größerer Gemeinden Herstellen, sowie einzelne außerdeutsche Städte können sich

täglich p i . Arahme de-

Ricitag8.

Qt Hießenrr AaiMienVtätter wrrd?« icm Anzeiger viermal kigilegt.

Nähr 01

Ziuli' iraacD , Sie«» V. liehen* Pälesc*

iS'

C Berlin, 5. Juni. Es gilt in politischen Kreisen I I als» ,us«eschlosfen, daß der Reichstag vor seiner Vertagung 1 der-Gesetzentwurf zum Schutz des gewerblichen I Äi-Kibsverhältnisses weiter als in erster Lesung 1 bevffiden werde. Diese dürfte damit enden, daß Vorlage I am eilte Kommission verwiesen wird. Die Preßdiskussion ßl.t-i de» Gesetzentwurf wird während des Sommers weiter- I qcl*», .es ist aber schon jetzt mit ziemlicher Sscherheü t 9.iMsz°isagen, daß wie in der Zentrums- namentlich auch in i der nationalliberalen Partei die Gegensätze scharf auf- I ei«Mher stoßen werden. Während der Abg. Freiherr Heyl oo» Hernsheim sich bei Beratung der Anträge wegen der M Wammern mit großer Entschiedenheit gegen einen der- I ar tiiüen Schritt der Gesetzgebung erklärt hat, stellte der «Uwü. Nasserinann die ernstliche Prüfung einer Vorlage, wie I siei jetzt dem Reichstage zugegangen ist, in Aussicht. Die no'Mu!kschen Mitglieder der nationalliberalen Partei, wie I bic.Vbaa. Möller, Hilbeck und andere werden den Gesetz- nMills voraussichtlich im großen Ganzen gutheißen. I da.«! richt als ausgeschlossen betrachtet werden, daß die iicittionaOliberale Partei in mehrere Gruppen zerfallen und m>viglich!°rweise einen ihrer jetzigen Bestandteile an eine andere Murtei ubgeben wird.

- Die Denkschrift zur weiteren Begründung des WeßtutourfS zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhült- ni -ftsi-dem Reichstage zugegangen. Es ist em ziemlich i'.mfcmg- | ic ^ Aktenstück von über 100 Seiten, und bringt nähere Mit­te ^tatarn über den Umfang und die Art der Ausschreitungen hdiben Arbeitskämpfen der letzten Jahre auf Grund der

Etlichen Bundesstaaten vorgenommenen Erhebungen. Ä Denkschrift zerfällt in drei Abschnitte Im ersten w.vdcn vornehmlich allgemeine Berichte über die Häusigkett u wd Schwere der vorgekommenen Ausschreitungen mltgeteüt, wm fie von den Oberstaatsanwälten und Polizeibehörden er­st Ml sind, wobei die Schwierigkeiten der Ermittlung und MMi^führung dargelegt sind, und im Einzelnen gezeigt «W, iworin vorzugsweise die Ausschreitungen gegen Arbeit' qiM mnd gegen Dritte bestehen. Angefugt sind die Aeuße- ? einiger Handelskammern über kommerzielle Folgen d iienÄmrschreüungen in ihren Bezirken. Der zweite Abschnitt hikuükltt insbesondere von den Ausschreitung^ der Arbett- n gegen Arbeitgeber: Zwang zum Anschluß an Koali- ti im« wie zur Arbeitseinstellung, Überwachung der Arbeits- »Mavn, der Arbeitsstätten und der Verkehrsanlagen durch C sinileÄposten; Zusammenrottungen ; planmäßige Drgant-- I s. Mn des Ueberwachungsdienstes, Ueberwachung des Ver- I V-te .auf den Bahnhöfen und Landstraßen; Maßregeln der AMriden, der Arbeitgeber und Arbeiter gegen den Terro- I r titfnis; Verfolgung Arbeitswilliger nach VeendMng von I CZUes wegen Nichtbeteiligung. Der dritte Abschnitt legt I d^ellnzulänglichkeit der bestehenden^Straf estrmmungen dar, i rÄesiondere die Unzulänglichkeit des § 153 der Gewerbe- wnhoig, der unanwendbar ist, wenn nicht die Erlangung aMgerer Lohn- und Arbeitsbedingungen bezweckt wurde, t its itmanroenbbar ist, wenn nicht zum Anschluß an einet Utoübrebung ober zur Befolgung einer solchen genötigt 17«eidem sollte, bet ferner nicht anwenbbat ist bei Ausschteit- I u,n, di- -rst nach Beendigung eines Strikes begangen rmd.n sind, und auch wenn eine Verabredung überhaupt niiöt oorlag. Des weiteren wirb bie Unzulänglichkeit bet i Wmmungen bes Strafgesetzbuchs auseinanbergesetzt. Die <, BaiO'iqung von Strikesausschreitungen scheitern häufig am «Qjinqel bes etforbetlichen Strafantrags, ferner sei bas . °ckiube Strafrecht unzulänglich gegenüber Einschüchterungen ' W-iiiswilliger butch größere Menschenansammlungen.

Ausstellung beutscher (Stabte. Auf einer »DncSben stattgehabten Konferenz zur Vorbereitung einer tir j 908 bort geplanten Ausstellung von Einrichtungen unb Hiitailten deutscher Städte über 25000 Einwohner, waren tadi ihre Oberbürgermeister oder sonstige Abgeordnete die Bite Dresden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau, Plauen, Mau, Görlitz, Posen, Chatlottenburg, Halle Gera, Greiz, Bhiburq, Magdeburg, Gotha, Weimar, Frankfurt a. Main, Ämilheim, Stuttgart, München, Metz, Köln, Düsseldorf, fijmnten, Aachen und Kiel vertreten. Die Versammlung Mtte einen großen Ausschuß, dem außer den genannten Molen noch Königsberg, Danzig, Hannover, Dortmund, HMiurg, «Ilona, Kassel, Mainz, Straßburg und Nurn-

beteiligen^ $ ^-r Kolonialrat wird in seiner I

jetzigen Tagung nur ein geringes D.aterial vorsinden; nur wenig Beratungsmalerial ist oorhanden. Die Hauptsrage I darunter bilden Landkonzessionen. Wenn auch h.-rb-i wohl -in grundsätzlich-r B-schluß in Frag- kommt, ,° hand°tt -s sich zunächst um zwei bestimmte Gesuche auf Landgerechtsame. I Da/eine ist von Herrn Deuß in Hambuv^, das andere I von Herrn Schöller eingebracht. Das Deuß sche Gesuch I betrifft ausgedehnte Landkonzesswnen den Bau einer Elfem I bahn vom Nyassa nach dem Tanganjika und umfangreiche Verkehrsunternehmungen auf dem Nyassa, Schwe und Sam- I besi bis nach Chinde an dessen Mündung. Auf dieser langen Wasserstraße ist ein Zusammenarbeiten nut ber britisch- 1 afrikanischen Seen-Gesellschaft vorgesehen; auch ist der Zu-

I sammenschluß mit der belgischen Katanga-Gesellschaft be- I abfichtigt. Das Gesuch der deutschen Gruppe geht aus auf Ueberlassung eines gewaltigen Landgebietes, das sich von der Südarenze Deutschostafrikas am Nyaffa bis fast zur Mitte I bes Tanganjika am 7. Grab nörbl. Breite erstreckt. Dieses Land würde etwa die Größe des Königreichs Bayern ei> 1 reichen. Deuß u. Co. wollen das Gebiet wirtschafttich erschließen und dazu ein Kapital von 200000 Mk.

I aufbrinqen. Dagegen will die Gesellschaft von Transit- I rollen befreit sein unb verlangt bas Recht zur Erhebung von Ein- unb Ausfuhr-Zöllen. Erwähnt soll hier werben, baß schon in ben Beratungen der Budgetkommission des

I Reichstags die Regierungsvertreter starke Bedenken gegen | | die volle Gewährung dieser Gerechtsame aussprechen. Auch I hat der Ausschuß der Deutschen Kolonialgesellschaft schon im März gegen dieses Gesuch bestimmte Stellung genommen.

I Namentlich wurde dabei betont, daß durch die bezüglichen I Berechtigungen in Verbindung mit der Rhodes'schen trans­kontinentalen Bahn der Verkehr vom Innern nach der deut ch- ostafrikanischen Küste völlig aufgehoben würde. Hierzu soll

I nur ein Gesichtspunkt hervorgehoben werden. In den Kolomal- I staaten, welche ältere Erfahrungen haben als wir, ist man längst davon abgekommen, solche ungeheure Länder an eine einzige Gesellschaft wirtschaftlich zu überlasfen. Diese großen

I Gesellschaften bilden später ein Hemmnis für alle anderen staatlichen und wirtschaftlichen Unternehmungen. Gegen das Schöller'sche Gesuch liegen die gleichen Bedenken nicht

I vor, da eine rein deutsche Gesellschaft ausschließlich auf deutschem Gebiet arbeiten will.

_Znr Erwerbung der Karolinen. Auf einen telegraphischen Glückwunsch, den die Hamburg-Amerika-Linie aus Anlaß der Erwerbung der Karolinen-, Palaos- und Marianen-Jnseln für das Deutsche Reich an Se. Majestät ; den Kaiser gerichtet hat, erhielt Direktor Ballm folgende Antwort: ..Der warme Glückwunsch zu der Erwerbung der I Karolinen-, Palaos- und Marianen-Jnseln, der Mir von

Ihrer Seite zugegangen ist, zeigt Mir, daß die Bedeutung dieses Erwerbes für deutschen Handel und Verkehr und Mein unablässiges Streben zur Hebung derselben richtig gewürdigt worben ist. Ich danke deshalb bestens^ für das Telegramm mit dem Wunsche, daß die deutsche auch auf den Fahrten zu dem neuen deutschen Jnsellande von Gottes Segen begleitet fein möge. Wilhelm.

sich aus dem 4. Stockwerk des Hotels Hungaria auf die (Strafte und blieb sofort tot.

Gmnnd-n, 5. Juni. Aus d-m Traun-S-e kippte ein Segelboot um, wobei zwei Mädchen ertranken.

Paris, 5. Juni. Der Ministerrat hat wichtige Entscheidungen getroffen: 1. Einleitung der gerubtüdjen Untersuchung gegen den General Pellieux wegeu( seiner Haltung im Esterbazv Prozeß, den er leitete; 2. Versetzung des Generals Roget, welcher bekanntlich in auffallender Nachsicht Deroulede bei dem Putsch-Versuch behandelt hat; 3. die Entlassung bes General-Staatsanwalts Lombarb wegen seiner Haltung im Döroulöbe-Prozeß, besonders wegen der Verdächtigungen, welche er sich gegen den Präsidenten der Republik in seiner Rede schuldig gemacht hat; 4 der Vor­sitzende Tardive, welcher die Verhandlung un Dervuläde- Prozeß leitete, wird vor den obersten Gerichtsrat gestellt werben, weil er bie Angriffe gegen Loubet nicht unterbruckte.

Paris, 5. Juni. In der heutigen Kammersitzung hat der Justizminister beantragt, die Kammer möge erwägen ob es nicht angezeigt wäre, ein gerichtliches Strafverfahren gegen den früheren Kriegsminister General Merger emzu- leiten, wegen in Ausführung seines Amtes sich schuldig ge- mach Louerng^Iuni. Nach Privatmeldungen aus Johannis-

I bura ist zwischen dem Präsidenten Krüger unb Milner I ein?vollstänbige Einigung in allen Fragen erzielt worden.

I Morninq-Post" zufolge hat bie beutsche Regierung den Vereinigten Staaten eine Kabel-Station auf den Karolinen-Jnfeln gegen Abtretung einer Kabel-Station an Deutschland auf ben Philippinen angeboten.

Petersburg, 5. Juni. Der ursprüngliche Anlaß der I Unruhen in Riga, die man in ihrer Bedeutung vielfach I unterschützt hat, waren Lohnstreitigkeiten, sowie die Erbitterung qeqen die Masse polnischer Fabrikarbeiter, die nach Riga strömten und in scharfen Wettbewerb zu den lettischen und zum Teil deutschen Arbeitern traten, indem sie mehrfach

I auf den Lohn drückten. Riga zeigt in den Atzten Jahren I auf qroßgewerblichem Gebiete einen fast amerikanischen Auf- I schwunq. Eine ungewöhnlich große Zahl von Aroeltern ist insbesondere aus ben polnischen Jnbustriebezirken in ^das

I Rigaer Gebiet geströmt und hat in die recht ungebildete I Arbeiterbevölkerung einen Geist der Unzufriedenheit gebracht, I der sich mehr aus Lust am Radau, als aus richtiger Er- , kenntnis der wirtschaftlich bedrängten Lage zu unüberlegten

I Handlungen verleiten läßt. Die Arbeitgeber, zum weitaus ' größten Teil Deutsche und Engländer, behandeln un all­gemeinen ihre Arbeiter europäisch. Der Fabrikinspektor in Riga, insbesondere der Oberinspektor Herr Ruma, ein früherer französischer Lehrer, stellt sich Nun recht offenkund^ auf die Seite der Arbeiter, sodaß diese zur Ansicht gelangten, die Regierung würde in jedem Fall auf ihrer (Seite stehen. Ein Arbeiterhaufe zog zum Gouverneur G. L. Ssurowzew, um ihm die Beschwerden der Arbeiter vorzutragen. Der Gouverneur empfing sie aber nicht und nun zog die Schar weiter, wobei es zu jenen ernsten, blutigen Zusammenstößen mit der bewaffneten Macht kam. Die Studenten- unruhen im Reich, die mit Abschiebung der unruhigen Elemente ihr scheinbares Ende gefunden hatten, zeigten auch in Riga ihre Folgeerscheinungen. Die Arbeitermassen fanden in den Studenten Organisatoren und Führer. Die ganze Sache ist seitens der Führer der Bewegung sehr geschickt ins Werk gesetzt. Das schlimmste an der Sache ist, daß diese Arbeiterunruhen in Riga keine vereinzelte Erscheinung sind, sondern nur ein Symptom für eine tief, unb weit­gehende Erregung und dumpfe Unzufriebenheit tm ganzen ' Reich. Die Stimmung hier in Petersburg ist angesichts biefer Erscheinungen eine sehr ernste auch in den höchsten

am laut du

Kreisen.

Äüs^ dem Jahresbericht des Grofih. Hessischen Gewerbe-Inspektors der Gewerbe-Inspektion Gießen sür 1898

(die Provinz Oberhessen umfassend) (Fortsetzung).

Wirkung der Buchdruckerei-Verordnung.

Mit dem 1. August 1898 war bas Jahr abgelaufen, innerhalb besten bie bestehenben Buchbruckercien der Ver­ordnung entsprechend eingerichtet werden sollten, beziehungs­weise sich die Unternehmer durch die Großherzoglichen Kreis­ämter auf Antrag Erlaubnis zu Abweichungen von den Vorschriften erteilen lassen konnten.

Hratisbeilageln Gießener^Famiilendiätter, Der hessische Kandwirt, Diätter für hessische Volkskunde. ____