Ausgabe 
7.5.1899 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

kappe unn Fausthandschuh unnernemme misse. Obgleich fer dies Jahr Widder en große Maikäferflug vorausgesagt is, so hawe sich doch dieKläwern" wäi merr se bei uns haaßt, noch net blicke lasse unn nirgends is ahm das Liedche entgegegeteent:

Kläwerche, Kläwerche, flie,

Dein Vadder is im Krieg, Dei Mudder is im Bommcrland Unn Bommerland is abgebrannt.

Die Kläwern kenne stolz druff sei, von de Kinner im Lied verherrlicht zu wem; verdiene dhun se's awer wahr- hafdig net, um namendlich dann net, wann se in so ferch- derliche Masse aageschwirrt komme unn alles vermieste. Trotzdem schenkt die Jugend dene liewe Dhierercher ehr ganz Uffmerksamkeit unn mir in Giesse kenne uns net rihme, daß merr se allaa so schee besinge, dann in annere Gegende hott merr ähnliche Maikäferlieder.

Am Ueberrhein singe die Kinner:

Türkenmännchen, flieg hinweg, Die Weiber mit den Stangen Wollen dich empfangen;

Türkenweibchen, flieg hinweg, Die Männer mit den Spießen Wollen dich erschießen.

Flieg in den Himmel,

Bring' mir 'n Sack voll Kümmel, Tunk ich meinen Weck hinein Bei dem roten kühlen Wein.

E anner Liedche laut:

Maikäferchen, Maikäferchen, fliege weg, Dein Häuschen brennt, Dein Mütterchen flennt,

Dein Vater sitzt auf der Schwelle, Flieg in Himmel aus der Hölle.

Die Frankforder, bei dene 's bekanntlich kaaKäfer"" sonuernKäwer" gibt, hawe folgendes draus gemacht:

Maikäwerche, flieh eweck!

Dei Häusi brennt,

Dei Mudderche flennt,

Dei Vadderche sitzt uff Schawelle, Flieh hoch in alle Hölle.

unn da bei de Frankforder die Schawell (Schemel) e greeßer Roll spielt wäi die Schwell, so hawe se des Vadderche uff die Schawell gesetzt unn lasse des Maikäwerche hoch in alle Hölle fliee.

Schee sinn die Liedercher, ahnerla ob von Käferchen oder von Käwerche drinn die Redd is, de packenste Ausdruck fer Maikäfer awer hawe unstreitig mir Giesser, dann in dem WördcheKläwer", da liegt Kraft unn Saft unn Medall drinn!

Wammer zwar sonst -grab net so arg uff die Aakunft von de Kläwern versesse is, so möcht' merr doch fer dies­mal wünsche, sie keeme recht bahl unn brächde uff ehre braune Flitch de holde Mai mit, nach dem merr uns all so sehr sehne!

Es hott sich die Nadur geerrt;

De Mai will net zum Vorschei komme;

So lang ka ahnzig Kläwer schwerrt

Hott merr vorn Mai noch nix vernomme.

Doch wann im Sonneschei unn Duft

Der Bliedhc froh die Biene summe Unn in de linde Awendluft, Die Klawernschar dhut lustig brumme.

Unn wann die Fresch im stille Deich

Melodisch quake unverdrosse

Dann hott de Mai im ganze Reich Sich alle Herze uffgeschloffe!

l

Siebenen;

liebte

ritaJ uuifen.

Siebenen: aber.

011»

6*

evoller und ehren! Beerdigung unfr

Arth

iM'tW

I

rewoh* abt per*^- .1. 3788 W<

- Hintttbliebenni: Dr. Garth.

1899. M

tünch/ M to 8t» stM Mn

Wl

W?ern vührai ihlreichm Mm

5aalbaT

1899:

inzer

Dgr Krauss6- n 11 7 ß-boli a (nee T.

r

»r. 107

Zweites Blatt

Sonntag den 7. Mai

1899

Meßmer Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

Aez»g-,reiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn.

louahme von Anzeigen zu der nachmittag- für den schenden tag erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr.

FtMetat ttßNch mit Ausnahme des Montag-

Alle Anzrigen.VermittlungSstellen de- In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.

Die Gießener -emtlienßtLtter »aden dem Anzeiger »schentlich viermal beigelrgt.

Zkints- und Zlnzcigeblntt füt? den Tiveis Gieren.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schutfirahe Ar. 7.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen.

Fernsprecher Nr. 51.

Die Krifis in Italien.

Ministerkrisen sind im Lande jenseits der Alpen nichts »gewöhnliches, und haben auch im allgemeinen nicht viel M sich, da für jede Kammermehrheit Männer vorhanden sind, welche die Leitung der Regierung zu übernehmen bereit sind. Crispi, Giolitti, Rudini, Sonnino stehen immer auf lim Sprunge, wenn die jeweilige Regierung zu wackeln itginut. Diesmal scheint aber das Heft in denselben Händen Bleiben zu sollen, da man annimmt, daß Pelloux wiederum mit her Kabinettsbildung betraut werden wird.

Italien hat bekanntlich versucht, auch ein Stück China 511 erlangen, ist jedoch von dem Tsung-li-Aamen mit einem ckgeloechten Korbe bedacht worden, worüber nun die Patrioten in L«nde schier aus dem Häuschen sind, und von Schmach md Schande reden, die die Regierung über Italien gebracht jjabc. Da das ganze Kabinett für den in dieser Hinsicht oirMwortlichen Minister des Aeußern Canevaro eintrat, so ait nichts natürlicher, als daß es bei der unzufriedenen Slmimung der Kammer seine Entlassung gab, die voraus- üihllich auch von König Humbert angenommen werden dürfte. Sie «ber schon oben angebeutet würbe, nimmt man an, baß

Wnig Pelloux toieber mit ber Kabinettsbilbung betraut, anb d ieser nur eine Rekonstruktion ber Regierung vornimmt, 'vtlche bie Mehrheit ber Volksvertretung zu beliebigen ge- eignet ist. Nicht unwahrscheinlich ist es aber auch, baß die Negierung in ungefähr der jetzigen Zusammensetzung am ' Huber bleibt, und die Auflösung der Kammer beliebt wird.

Die italienische Verfassung schreibt vor, daß bie Kammer , ns fünf Jahre gewählt werbe, ermächtigt jeboch bie Krone, i i e j,eb errett aufzulösen. Von biesem Vorrecht pflegt ber ^vnig Gebrauch zu machen, enttoeber im Falle eines zwischen liMnicht auflösbaren Senat unb ber Kammer ausgebrochenen StonfliffteS ober im Falle einer Reibung zwischen Kammer i »d Regierung. Die gegenwärtige Volksvertretung ist unter

Robinet Rubini gewählt worden, und hat eigentlich noch einige Jahre zu leben. Es ist aber nur zu wahrscheinlich, fclaßidas Land wieder einmal Über die Politik der Regie­rung entscheiden soll." Dann dürfte es sich aber empfehlen, öpj d»ie Regierung eine entschiedene, zielbewußte Politik eiuischlLgt, denn die Italiener beten, noch mehr als andere 9Hiomen, den Erfolg an. Es heißt denn auch schon, daß Jjvlien auf die Erwerbung der Sanmunbai nicht verzichten, fibjbtm Deren Ueberlassung von China erzwingen wolle. 7)Ämsalls ist die Lösung der Krisis diesmal nicht so leicht, u iind sie bedarf der sorgfältigsten Erwägung der maßgebenden Kimise. (xx)

Politische Wochenschau.

In unserer inneren Politik wird gegenwärtig stark hinter den Conlissen gearbeitet. Vieles harrt der Klärung und einer unzweideutigen Stellungnahme der Regierung. Wir denken dabei insbesondere an die preußische Kanal­vorlage, von der man nach dec ersten Lesung nicht weiß, ob sie von den in Betracht kommenden Ministern wirklich thatkräftig unterstützt wird, ober ob bie letzteren ihnen voran Herr v. Miquel gar nicht ungerne sähen, wenn bas Privatkapital sich bes Kanalprojektes annähme. Die Kommission bes Abgeorbnetenhauses hat zusammen eine Informationsreise in ber Kanalangelegenheit angetreten; hoffentlich kommt bei bieser Fahrt etwas gutes heraus. Man spricht bereits von einem Kuhhandel, den Konservative unb kanalfeinbliche Centrumsleute abschließen wollen. Da­nach soll ber Dortrnunb Rheinkanal bewilligt, ber eigentliche Mittellanbkanal aber abgelehnt werben. Die Zeil wirb lehren, was richtig ist an bieser Melbung.

Im übrigen wirb noch fortgesetzt unsere innere Politik burch ben Verlauf der Parlamentsverhanblungen gekenn­zeichnet. Sonst trübt keine Wolke den politischen Horizont, und nirgends ist eine Spur einer noch so kleinen Krisis zu entdecken.

In dieser Beziehung sind wir besser daran, als unsere Alliierten. Von der Kabinettskrisis in Italien haben wir bereits ausführlich gesprochen, und all das dort gesagte, gilt einstweilen noch, da eine Entscheidung nach der einen oder ber anberen Richtung hin bisher nicht gefallen ist. Rach wie vor hält man baran fest, daß Pelloux die Leitung der Geschäfte neuerdings übernimmt, sich aber von den meisten seiner Ministerkollegen trennt.

Von unserem zweiten Verbündeten Oesterreich brauchen wir nicht weiter zu reden. Dort ist alles beim alten, und das sagt genug.

Nicht ohne Interesse ist der Empfang des deutschen Kontreadmirals v. Bodenhausen durch den Präsidenten der französischen Republick. Auch hieraus ersieht man wieder, wie freundlich sich die Beziehungen zwischen den beiden Erbfeinden" gestaltet haben.

In der Südsee herrscht wieder Ruhe. Schon vor einigen Tagen lag die Nachricht vor, daß die englische Regierung Befehl erteilt habe, bis zur Ankunft der inter­nationalen Kommission, die Feindseligkeiten auf Samoa ein­zustellen. Jetzt haben nun die dortigen englischen und amerikanischen Kommandanten dem Häuptling M a t a a f a

einen Waffenstillstand angeboten, der auch angenommen worden ist. Run wird also die Samoafrage vom grünen Tisch aus erledigt werden. Die letzten Ereignisse haben hoffentlich die beteiligten Mächte belehrt, daß mit halber Arbeit nichts gethan ist.

Die Vereinigten Staaten von Nordamerika beginnen bereits, die Jahrestage ihrer vorjährigen Siege zu feiern. Ob sie dazu berechtigten Grund haben, ist um so mehr zu bezweifeln, als es bekanntlich mit der Macht der Amerikaner auf den Philippinen noch sehr windig aussieht, (xx)

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Mai. In ber W ahlprüfun gs-Kom- mission des Reichstages sind die Wahlen der Ab­geordneten v. Staudy (kons.), Harrichausen (Bund d. L.), Hilbeck (natl.) und Pauly (Reichsp.) beanstandet worden.

Berlin, 5. Mai. Die Kommission des Ab­geordnetenhauses für die Kanalbau-Vorlage ist nach Besichtigung der Anlagen der Dortmunder Union heute vormittag 10 Uhr von Dortmund über Essen nach Hochfeld abgereist.

Berlin, 5. Mai. DieKreuzzeitung" vernimmt, daß im Reichspostamt der Entwurf einer Check-Ordnung aus­gearbeitet werde und dem Bundesrat in den nächsten Tagen zugehen dürfte.

Berlin, 5. Mai. Infolge der Neugliederung des Reichs-Marineamts wird beabsichtigt, die Stelle eines dritten Direktors bei dieser Reichsbehörde zu schaffen.

Berlin, 5. Mai. Der Reichstag wird vom 10. Mai bis zum 6. Juni die Pfingstferien eintreten lassen.

Berlin, 5. Mai. Wie dieNordd. Allgem. Ztg." hört, wird Freiherr v. Soden, welcher von Anfang Juni bis September mit den Geschäften des Kabinettschefs in Stuttgart betraut ist, im September nach Kamerun gehen, wo er bekanntlich an mehreren Plantagen beteiligt ist.

Berlin, 5 Mai. Wie dasBerliner Tageblatt" erfährt, bestätigt es sich, daß Bayern die militärischen Beisitzer beim Senat am obersten Gerichtshof möglichst aus dem Personal seiner Berliner Gesandtschaft wählen wird, um neue Abkommandierungen zu vermeiden. Auf eine besonders umfangreiche Thätigkeit des Senats scheint die bayrische Militär-Verwaltung sich also nicht einzurichten.

Berlin, 5. Mai. In der Wohnung des verstorbenen früheren Neichstags Präsidenten v. Simson sind Beileids-

Feuilleton.

Mai.

Von Carl Geißler.

Da is err jetz glicklich aagekomme, der wannerscheene Munal Mai, de Wonnemonat, uff den merr sich e ganz IM lang gefreut hott unn von dem merr net annerschter wH, als daß err die scheenst Zeit im Jahr sei soll. In frsthie Zeide hatte die Dichder rächt, die den Mai als en HM unn liebliche Knawe, der bliedhestreuend iwer die Erd zisch, ehr Lob gezollt unn em ehr scheenste Lieder gewidmet hciim, awer jetz is en scheene Mai schont mehr zu de Nadur- fe lDd)eibe ze rechne. Das Hammer schont efdersch unn nc'Miidlich schon beim vorge Mai konstadierd unn de heurige fd'jaint nach dem, waß merr bis jetzt von em ze seh tritt hc'M, sein vorjährige Bruder au Unfreundlichkeit dorchaus nün er raus gerne ze wolle. Unn so lang net die drei beese .M, die Pankratius, Servaz- unn Bonifaziusse glicklich ooMinwr sinn, so lang sinn merr berechdigt, dem wunner- scksme Monat Mai mit heechstem Mißtraue ze begegne.

Dorch die ungebihrlich Uffsihrung von unferm Frihling hcni:l murr deshalb im aögemaane bis jetz noch wenig Freud an:i de Nadur erlebt: de Wahld is noch gar ze öd unn buijlir unn not bie Birke schimmere grie aus'm braune Saab eurt't Unn ba bie Nabur sich so ere große Zerickhalbung beijliißiigt, so hawe bie Mensche aach wenig Veraalassung, ehk üoffi Frihlingssehnsucht an be Buse ze sinke, weil merr sich« da bebei leicht bie Nasespitz üerfriern ober sich sonst e bett s L erkältung zuziehe kann. Unglicklicherweis fällt bann aoliH dükS Jahr be Himmelfahrtbag grab uff Mamertus, ber inu filme schlechte Rennemee steht, wäi bie brei nachfolgenbe FH.licht, unn ba kann's leicht bassiern, baß bie Giesser ehr aUchsskrmmliche Walbausflüg am Himmelfahrtbag in Belz-