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07/05/1899 Viertes Blatt
 
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sprochen, meist vonDemetrius", aus dem er Szenen rezitiert. DerDemetrius" ist also ein Wert, das er bei einer Verlängerung seiner Lebenszeit auch nur um einige Jahre dem deutschen Volke unbedingt hinterlassen hätte, denn wenn er auch nach der Berliner Reise den Demetrius zunächst wieder beiseite legte, um sich, wie eine Notiz seine- Kalenders vom 12. Juli 1804 zeigt, dem noch zu erwähnen­den Stoff:Die Prinzessin von Cleve" zuzuwenden, so war doch sicherlich die Vollendung nur eine Frage der Zeit. Was uns schon schon mit diesem Drama allein entgangen ist, beweist das hinterlaffene Fragment. Nach dem Urteil zahlreicher Literarhistoriker bewahrt es das schönste und reichste, was Schiller geschrieben. Die große Reichstags­szene ist, wie Rudolf von Gottschall in seiner Schiller­biographie treffend bemerkt,ebenso wie die Rütliszene im Tell und die Tafelszene in den Piccolomini ein Beweis für das glänzende Talent Schillers, große Massen dramatisch und mit theatralischer Wirkung zu bewegen, ein Talent, in welchem ihm Shakespeare durchaus nicht gleichkommt."

Ferner finden wir in seinem Nachlaß den Entwurf eines Dramas:Warbeck", von welchem außer einer aus­führlichen nach Akten und Szenen geordneten Jnhaltsskizze einige Fragmente aus den ersten Svenen des ersten Aktes vorliegen. Diesen Stoff hatte Schiller schon ins Auge gefaßt, während er noch an Maria Stuart arbeitete, nach 1803 gab er Jffland das Versprechen, das Stück zu liefern, nach reiflicher Erwägung entschied sich der Dichter aber damals für den Tell, und nach diesem für den ein ähnliches Thema wie Warbeck behandelnden Demetrius. Hier wie dort spielt ein politisches Abenteuer die Hauptrolle, nur daß Warbeck ein englischer Prätendent ist, während Demetrius als Kandidat für den russischen Thron auftritt.Die Maltheser" zeigen uns den Entwurf eines Trauerspiels mit Chören, ein Fragment der ersten Szene liegt vor, außerdem eine ungefähre Skizze des Gedankengangs der Handlung. Der vierte Entwurf:Die Kinder des Hauses" liefert einen Beleg für die ungeheure Vielseitigkeit Schillers. Schon in seinemGeisterseher" hinterließ er uns den Torso

nahm, geläutert und vertieft, den Faden seiner Jugend­dichtung wieder auf. Er selbst erkannte an der außer­ordentlichen Wirkung des Stückes, daß er den rechten Pfad wiedergefunden habe leider sollte es ihm nicht vergönnt sein, auf demselben noch weiter fortzuschreiten. Der Tod riß ihn mitten aus der Bahn.Der Verlust, den die deutsche Litteratur dadurch erlitt," schreibt Ludwig Salomon, war ein außerordentlicher. Wir dürfen mit Bestimmtheit annehmen, daß Schiller uns jetzt eine ganze Reihe volks­tümlicher Dramen geschaffen, und uns dadurch ein breites, festes Fundament für unsere Nationallitteratur gelegt haben würde. So mußten wir uns mit nur einem solchen Stücke begnügen, das denn freilich nicht imstande war, die neue Eckwickelungsperiode in Fluß zu erhalten."

Begeben wir uns mit dieser Aeußerung auch in das Gebiet der Voraussetzung, so läßt selbst solche uns den Verlust des Dichters doppelt empfinden. Aber wir sind nicht auf bloße Voraussetzungen angewiesen. Wir wissen auf Grund des uns vorliegenden Materials, daß Schiller eine ganze Reihe bedeutsamer Stoffe in sich trug wie hätte es bei einem so schöpferischen Geiste auch anders sein sollen? und noch mehr, wir kennen die Titel oder doch Helden dieser Stoffe, wir besitzen von Schillers Hand kurze Aufzeichnungen über den Inhalt einiger derselben. Mehrere dieser Entwürfe haben sogar in die Ausgaben seiner ge­sammelten Werke Aufnahme gefunden, und zwar diejenigen von ihnen, von welchen der Plan entweder mehr oder weniger fertig vorliegt, oder von denen gar schon einzelne Episoden eine vorläufige Ausarbeitung gefunden haben.

Am weitesten gediehen ist das Fragment desDemetrius" hatte sich doch der Dichter nach Vollendung des Tell für diesen Stoff endgültig entschieden, an dem er bis zu seinem Tode mit ungeschwächter Kraft thätig war. Der Monolog der Marfa imDemetrius" war vermutlich das letzte, was Schiller geschrieben, wenigstens fand ihn sein Schwager Wolzogen nach dem Ableben de- großen Mannes auf seinem Schreibtisch. Und sein treuer Diener, der die letzten Nächte bei ihm zubrachte, berichtet, daß er viel ge-

Feuilleton.

Was Schisser noch gedichtet yätte.

Zu deS Dichters Todestag, 9. Mai.

Ein Gedenkblatt von Dr. Ernst Maasburg.

(Nachdruck verboten.)

In der Blüte feiner Jahre wurde Schiller am 9. Mai

8Ct)5 dem deutschen Volke entriffen. Noch nicht 46 Jahre Hett ykavz all,! paub er auf der Höhe seines Ruhmes und seiner großarW^'^ Schkchnskraft. DerTell", sein reichstes und schönstes nfirill (SlR Wcickk, vor vollendet, derDemetrius" begonnen. Immer lUHW V i -tyenÄr erklangen die Saiten der Schiller'schen Muse, jedes neu'U LZerk derselben übertraf das vorhergegangene an SchÄchtt, Reife und Gestalt. In dem kränklichen Körper woh-M tin so gewaltiger Geist, daß er alle Anfechtungen Kosmi- de» !Adens niederzwang und dem großartigen Genius die Mundw^reMlflil des Wirkens sicherte. Mit Recht schrieb ihm Huaicksldt:Für Sie braucht man das Schicksal nur um DMrtd* ]u bitten. Die Kraft und die Jugend sind Ihnen von Wst gewiß." Und auch Goethe betont ja in seinem

WWj Ap0 vumü'klvollen Epilog:

.55ER »Es glühte seine Wange rot und röter

Bon jener Jugend, die uns nie entfliegt*

^uNDS?ndW' diese ewige Jugend ist in seine Stoffe, in seine olattöertfdbiergegangen. Er ist unser Schiller geworden, und

jS/feim uns fein früher Tod mit tiefem Schmerz erfüllt, so ir°^^o^^Kvirkst ju demselben nicht zum wenigsten der Gedanke mit, daß IN Ms so frühe, so in der Blüte genommen werden

Ns: sagen wir uns hätte dieser hohe Geist alles noch hervorgebracht! Hielt doch sein rastloses

9 StrÄ Reinem unermüdlichen Fleiß die Wage. Um wieviel

JmA Dramen und Gedichte hätte er unsere Litteratur

rffgjj** bereiitc^ Wandelte er doch mit seinemWilhelm Tell" V .j».Be Heue Bahn, die des volkstümlichen Dramas, oder oielalich, er kehrte zu der verlassenen zurück, ließ die und die antikisierende Richtung beiseite, und

Viertes BlM.

Sonntag den 7. Mai

1899

Gießener Anzeiger

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Heimat-Anzeiger

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Ausland

des Krieges erklärte, das gelieferte Fleisch sei ungenießbar. Der Präsident erwartete einen solchen Bericht. Die ameri­kanischen Parteimänner find darin gleich den Männern der römischen Hierarchie, daß sie jeden Angriff gegen einen der ihrigen, der eine maßgebende Stellung einnimmt, für un­berechtigt erklären. Alger muß um jeden Preis gehalten werden. Zwar werden, wenn im Dezember der Kongreß zusammentritt, von demokratischer Seite scharfe Reden wegen der offenkundigen Beschwindelung des amerikanisches Volkes gehalten werden, allein die Machthaber werden sich nicht daran kehren. Die öffentliche Meinung steht freilich auf feiten des Generals Miles, und wenn die Demokraten bei ihrem Kampf gegen die Trusts und sonstigen großen, aber wenig ehrlichen Unternehmungen den Skandal der Armee­lieferungen gehörig auszunutzen wissen, werden sie damit im nächsten Jahre bei dem Kampf um die Präsidentschaft größern Erfolg haben als mit der Freiprägung des Silbers.

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das 2. Armeekorps 35731 Mann. Division 6, die stärkste von allen, hat 16406, Division 7 15 887, die Korpstruppen 3594, also das 3. Armeekorps 35887 Mann. Division 4 hat 15236, Division 8 13401, die Korpstruppen 3688, das 5. Corps 32325 Mann. Die Feftungstruppen zählen 5833, die disponiblen 2916 Mann. Gesamtzahl wie oben 148435 Mann. Davon entfallen 111553 auf die Infanterie, 4368 auf die Kavallerie, 20 449 auf die Artillerie, 5743 auf Genie, 4747 auf die Sanität, 1436 auf die Ver­waltung und 148 Mann auf die Radfahrer. Die Kontroll- stärke der Landwehr I war in den vier Korps je etwa 9000 Mann. Dazu kommen fast 10000 Mann Festungs- und 14000 Mann disponible Truppen, zusammen 62134 Mann. Von der Landwehr II sind nur 3742 Mann Festungs- Infanterie, etwa 20 000 Mann bleiben zur Disposition. In die Kontrollen eingetragen sind 23542 Mann. Rechnet man mit der nötigen Beweglichkeit vor dem Feinde verwend- bar den Auszug, die Landwehr I und die 3742 Mann Festungs-Infanterie der Landwehr II, so zählt das Schweizer Heer 214311 Mann, ungerechnet Landwehr II und be­waffneter Landsturm.

Bereinigte Staaten. Die Untersuchung wegen der Lieferungen von verdorbenem Fleisch an die ameri­kanischen Truppen während des Feldzuges nach Westindien hat ein Ende genommen, das allenthalben, nur in Amerika nicht, eine peinliche Ueberraschung Hervorrufen wixd. Unsere Leser kennen die empörenden Einzelheiten, welche diese Unter­suchung zutage gefördert hat: ausgepreßtes Büchsenfleisch ohne Kraft und Saft, das die Truppen als unverdaulich und ungenießbar wegwarfen, geeiste Ganzstücke von frischem Fleisch, die mit ekelerregenden chemischen Lösungen bestrichen waren, damit sie sich drei Tage nach der Entnahmen aus den Kühl­räumen in den Tropen halten sollten, nichtsdestoweniger so­fort in Fäulnis übergingen, weil das Fleisch in den Chicagoer Schlächtereien schon verdorben so verarbeitet worden war. Der Kriegsminister Alger wurde von den meisten glaub­würdigen Zeugen in der schärfsten Weise blosgestellt. Trotz­dem hat die Untersuchungskommission alle Anschuldigungen, die der Oberkommandierende, General Miles, gegen die Heeresverwaltung erhoben hatte, in ihrem Bericht an den Prä­sidenten für unbegründet erklärt. Die Kommission geht noch weiter und tadelt den General dafür, daß er nicht schon während

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Hessischer Landtag.

Zweite Kammer der Stände.

nn. Darmstadt, 5. Mai 1899.

Die Sitzung wird um Vall Uhr durch Präsident Jn- sttzrninister Dittmar eröffnet. Arn Ministertisch: Mini­sterialrat Jückel sowie Oberlandesgerichtsrat Best und Hangen.

Zur Tagesordnung übergehend erfolgt die Beratung des Gesetzes, die Ausführung des Bürgerlichen Gesetzbuches betreffend. Die Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs für das Deutsche Reich macht eine ganze Reihe gesetzgeberischer Arbeiten für die deutschen Einzelstaaten notwendig. Durch Artikel 1 des Reichs-Ein- führungs-Gesetzes ist bestimmt, daß gleichzeitig mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch folgende weitere Gesetze in Kraft treten sollen: ein Gesetz betreffend des Gerichtsverfaffungs- gesetzes, der Zivilprozeßordnung und der Konkursordnung; ein Gesetz über die Zwangsversteigerung und Zwangsver­waltung, eine Grundbuchordnung und ferner ein Gesetz über die freiwillige Gerichtsbarkeit. Zu jedem dieser Regierungs- Gesetze sind Einführungsgesetze zu erlassen durch welche be- ftimmt wird, in welchem Umfange die Landesgesetze be­rechtigt sind, in diesen Rechtsgebieten selbständige Anord­nungen zu erlassen und Uebergangsvorschriften zu treffen,

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Mai. Der Gedanke, die Reichstags- (sS kssio n bis zum Herbst zu vertagen, ist derGermania" Mlsvlge bei der Regierung bis jetzt auf entschiedenen Wider­stand gestoßen. Selbst die Aussicht, das JnvaliditätSgesetz, beftn zweite Lesung am nächsten Mittwoch beginnen soll, von Pfingsten noch zu verabschieden, habe ihr ihn nicht

TüÄlenz, 5. Mai. Nachdem die Fabrikanten sich der LcHnbclwegung gegenüber ablehnend verhalten haben, sind säiimtlichc Textilarbeiter des gesummten Reichenberger Jridlistriebezirks in den Aus ft and getreten.

Aomr, 5. Mai. Die Ministerkrisis wird auf die axiühärlnge Politik Italiens keinen Einfluß ausüben. Die­sel wird in derselben Weise wie unter Canevaro weiter- gef^rt werden. Heute wird General Pelloux dem Könige divi Lifte der neuen Minister unterbreiten.

Da8 schweizerische Heer zählt gegenwärtig 814 Stabs- oU jine» ungerechnet diejenigen des Territorial- und Etappen- bierai|H Davon fallen auf den Generalstab 48, l.Armee- konP 162, 2. Armeekorps 163, 3. Armeekorps 158, 4 . Armeekorps 173, Festungstruppen 67, disponible TvÄPPem 43. Die Kontrollstärke des Auszuges betrug am 1. Januar 1899 148435 Mann. Die erste Division zählte 15Ö268, die zweite 16381, die Korpstruppen 3667 Mann, als o das 1. Korps 35316 Mann. Division 3 zählte 168015, Division 5 16028, die Korpstruppen 3628. also

Mehtoii, Expedition und Druckerei: Ar. 7.

7 ~ schmackhaft zu machen vermocht. Werde auch nur die zweite

Otttlim. Cito vor Pfingsten erledigt, so lasse sich doch ein Ende e "N* Session allmählich absehen.

111 Che dtirlin, 5. Mai. Zur AbrüstungsKonferenz im

Hgllug «erhält dieVossische Zeitung" eine Londoner Draht- Harwi 7« ülbuR), wonach dieDaily News" berichten, Graf MMawiew habe in Berlin freundliche Vorstellungen gegen di » Ernennung des Professors Stengel zum Vertreter Deutsch- 1 emf der Konferenz machen laffen.

$38en, 5. Mai. DerNeuen Freien Presse" zufolge Hanmtie io Ach-. berr Universitäts-Professor Lammasch als politischer B«ttiat der Vertreter Oesterreich-Ungarns auf der Friedens- Äcuftteriä fungieren.

Adresse für Depeschen: Anzeiger chießtL.

Fernsprecher Nr. 51.

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