Ausgabe 
7.5.1899 Erstes Blatt
 
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str 107 Erstes Blatt.Sonntag dm 7. Mai

1899

Gießener Anzeiger

Keneral-AnMger

troe^me «o« Anzeige« z» der »achmitlagS für den (Mfebea Lag erscheinenden Nummer bis vor«. 10 Uhr.

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Die Sichnr« Se«ttte«»tütt<r erbte dem Anzeiger Mhmtlich viermal beigclegt.

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PK AuSnahmr des Montags.

Amts» und Anzeigedlatt für bei» Ureis Gietzen.

ÄAettio«, Expedition und Druckerei: Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Adresse für Depeschen: Anzeiger Htetze«.

Sch.kft..». Nr.Klätter für hessische Volkskunde. F.rn,p-.ch.r 6i.

Amtlicher Teil.

-k. 19 des Reichsgesetzblattes, ausgegeben den 2. d. Mts., schält:

<Nr. 2573.) Bekanntmachung, betreffend die An- «lkiiung ausländischer Prüfungszeichen für Handfeuer- mfferr im Deutschen Reiche.

Gießen, den 5. Mai 1899.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Bechtold.

Bekanntmachung,

stressend: Vertilgung der Eichhörnchen und rabenartigen Vögel.

va in letzter Zeit sich die Eichhörnchen und raben- «ttigem Vögel wieder sehr vermehrt haben, wodurch erheb- ncher Schaden verursacht wird, so werden die Pächter der 'Dvmnial- und Gemeindewaldjagden hiermit aufgefordert, 'tonne® 6 Wochen für den erforderlichen Abschuß dieser '.Eiere zu sorgen, widrigenfalls die Forst» und Feldschützen UM beauftragt werden. Für daS Schußgeld haben die rkchev der Oberförstereien, bezw. der Gemeinden auf» sMlonvnen.

Gießen, den 5. Mai 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Gießen, den 5. Mai 1899. 8clr.: Wie oben.

Ms Großherzogliche Kreisamt Gießen

«v He Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Unter Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung disoustragen wir Sie, die Pächter der Gemeindewaldjagden loi derselben besonders in Kenntnis zu setzen. Für jedes vbizelr e Tier ist aus der Gemeindekaffe ein Schußgeld von MPfjg. zu zahlen, doch kann dasselbe auch in besonderen FsÄen auf 20 Pfg. erhöht werden. Außerdem wollen Sie dtimch zuverlässige Männer die Nester der Eichhörnchen, 99ehen und rabenartigen Vögel ausheben laffen, wobei in Mrlduitgen die Forstwarte und im Felde die Feldschützen zy.Dkhen sind. Nach etwa 2 Monaten wollen Sie über dÜiiZahl der abgeschossenen Tiere berichten.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Samstag den 13. Mai, abends 8 Uhr, findet in Stetig 6 b o r f, in der Wirtschaft des Adam Roch I. ein Mvitmg des Großh. Landwirtschaftslehrers Audrae von BMingen überAufzucht des Simmenthaler Rindviehs und Asiul:ge von Tummelplätzen für dasselbe" statt, zu welchem al-Ii kinwohner Langsdorfs und der Umgebung eingeladen stM Die Großh. Bürgermeister von Langsdorf, Lich, Helgen und der Nachbarorte werden um Bekanntmachung imi Orte ersucht.

Gießen, am 3. Mai 1899.

Der Direktor des landw. Bezirksvereins, v. Bechtold.

Bekanntmachung,

betreffend: Ausbrauch der Maul- und Klauenseuche in Wallernhausen.

Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Wallern Hausen, Kreis Büdingen, ausgebrochen ist »»meine größere Verbreitung gefunden hat, ist über diesen O^l!>tts- und Gemarkungssperre verhängt worden. Zu» gl.M i'st der Seuchenort und deffen Gemarkung gegen das Düi chreiben von Wiederkäuern und Schweinen abgesperrt «nMesttimmt worden, daß die Ausführung von Tieren dieser LA» ams dem Seuchenort und deffen Gemarkung nur auf tetanb eines kreisveterinärärztlichen Zeugnisses und nur zum sofortiger Abschlachtung nach zuvor einzuholender poWjrlli her Erlaubnis erfolgen darf.

Aneßen, den 5. Mai 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gieße«, v. Bechtold.

Provinzial Jungdiehweide

im Tiergarten bei Hange«.

W bringe hiermit zur Kenntnis der Viehzüchter, daß evr Btiiibebetrieb auf der fraglichen Weide:

Donnerstag, den 1. Juni ds. Js. seinen Anfang nimmt. Zugclassen werden junge Rinder im Alter von 1/t bis 2 Jahren und Bullen von J/a bis 1 Jahr im Besitze von Zuchtvereinen, Gemeinden und Einzelland­wirten der Provinz, welche von in das Herdbuch einge­tragenen Eltern abstammen.

Die Weide wird vorläufig mit 35 Stück besetzt. Das Weidegeld beträgt für die Weidezeit vom 1. Juni bis An­fang Oktober pro Stück 55 Mk., wozu der Provinzial­verein einen Zuschuß von 20 Mk. leistet. Außerdem ver­sichert der Verein sämtliche aufgetriebene Tiere gegen Unfall uud Tod und trägt die Unkosten für tierärztliche Aufsicht.

Die Tiere müssen beim Auftrieb mit einem Gesund­heitsschein der Bürgermeisterei der betr. Gemeinde oder eines approbierten Tierarztes versehen sein. Die Einliefer­ung der Tiere findet den 1. Juni nachmittags von 1 bis 3 Uhr statt.

Anmeldungen sind schriftlich bis zum 20. Mai an die Geschäftsstelle des landw. Provinzialvereins in Alsfeld oder an Herrn Gutspachter von Oven in Hungen, dem die Leitung und Beaufsichtigung der Weide übertragen ist, ein­zureichen und sind von den genannten Stellen auch Anmelde- formularien zu beziehen.

Laubach, den 1. Mai 1899.

Der Präsident des landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberheffen.

_____Friedrich Graf zu Solms»Laubach._____

Eröffnung der Molkercischule

Lauterbach.

Ich bringe hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß mit dem 1. April d. I. die Molkereischule Lauterbach für Aus­bildung weiblichen Meiereipersonals eröffnet worden ist, und daß junge Mädchen, welche aus der Volksschule ent­lassen sind und sich dem Meiereiberuf widmen wollen, noch fortgesetzt ausgenommen werden.

Die Schule untersteht einem Kuratorium, bestehend aus den Herren:

1. Kreisrat Dr. Wallau-Lauterbach, Vorsitzender,

2. Landesökonomierat Müller-Darmstadt,

3. Oekonomierat Leithiger-Alsfeld,

4. Gutspachter Backhaus-Rudlos,

5. Molkereidirektor Backhaus-Lauterbach.

Dem letzteren Herrn ist die Leitung der Anstalt übertragen.

Die jungen Mädchen wohnen in der Molkerei und erhalten daselbst auch Verköstigung. Sie stehen unter der Aufsicht einer Obermeierin. Die Lehrzeit ist auf 2 Jahre festgesetzt. Der Unterricht erstreckt sich, außer auf die Er­lernung des praktischen Molkerei-Betriebes, auf theoretische Ausbildung im Molkereiwesen. Außerdem erhalten die jungen Mädchen Anweisung im Kochen und in der Wäscherei. Das Schulgeld beträgt 50 Mark pro Jahr und ist im voraus an die Molkerei Lauterbach zu entrichten. Hierfür erhalten die Schülerinnen auch Wohnung und Verkösttgung. Bei guter Führung steht denselben ein Taschengeld von 3 bis 5 Mark pro Monat von der Molkerei Lauterbach zu. Sie müffen sich der Haus- und Schulordnung unter­werfen.

Weitere Anfragen sind an den Direktor der Schule, Herrn R. Backhaus in Lauterbach zu richten, von welchem auch speziellere Pläne Über die Einrichtung des Jnstttuts, den Lehrgang u. s. w. bezogen werden können.

Laubach, am 2. Mai 1899.

Der Präsident den landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberheffen.

Friedrich Graf zu Solms-Laubach.

Gefunden: 2 Portemonnaies ohne Inhalt, 1 Muff, 2 Paar Handschuhe, 6 Stehkragen, 1 Packet Korsettenstäbe, Badezeug, 1 Klingel Garn, 1 Herrnhose, 2 Spazierstöcke, 1 Kinderspielwagen und 1 Lenkstangengriff von einem Fahrrad.

Gießen, den 6. Mai 1899.

Großherzogliches Polizeiamt Gieße«. Muhl.

Deutscher Reichstag.

77. Sitzung vom 5. Mai. 2 Uhr.

Tagesordnung: ErsteLesung deS Gesetzentwurfs betr.: den Gebührentarif beim Saifer-Wilhelms-

kanal. (Verlängerung des Provisoriums der Tariffest­setzung durch den Bundesrat bis Ende September 1904, also um weitere fünf Jahre).

Staatssekretär Graf Posadowsky führt aus, daß die Verkehrsverhältnisse auf dem Kanal jetzt noch einer fortgesetzten Veränderung unterliegen. Daraus folge, daß man den Tarif noch nicht gesetzlich festlegen dürfe. Der Bundesrat erbitte daher die Verlängerung seines Ver- ordnungsrechts vorläufig um 5 Jahre.

Abg. Broemel (frs. Vp.) bemerkt, die Benutzung des Kanals durch größere Schiffe habe sich erfreulicherweise mehr und mehr gehoben. Was die kleineren Schiffe an­lange so habe der Verkehr derselben auf dem Kanal bereits einen solchen Umfang, daß es scheine, es sei an Kleinverkehr für den Kanal schon gewonnen, was überhaupt für denselben gewonnen werden könne. Für richtiger halte er es, wenn man das bundesrätliche Verordnungsrecht nur auf drei Jahre verlängere. Er werde dies in zweiter Lesung be­antragen. Eine Verweisung der Vorlage an eine Kommission erscheine ihm unnötig.

Abg. Dr. Hahn (Bd. d. L.) äußert ebenfalls Genug- thuung darüber, daß die kleineren Schiffe den Kanal so ausgedehnt benutzen; keinesfalls dürfe aber für dieselben die Kanalabgabe etwa erhöht werden. Dringend warne er auch vor einer Erhöhung der Schlepplöhne.

Geh. - Rat Jonquiäres meint, wenn die Kanal­verwaltung angedeutet habe, daß sie in eine nähere Prüfung einer etwaigen Erhöhung der Schlepplöhne eintreten werde, dann sei sie dazu durch eine bestimmte Wahrnehmung be­wogen worden. Aus Interessentenkreisen selber sei ihr versichert worden, daß die niedrigen Schlepplöhne keines­wegs den kleineren Schiffern zu gute kämen, sondern lediglich den Verfrachtern. Eine Erhöhung der Schlepplöhne würden also die Verfrachter zu tragen haben.

Abg. Möller ist für die Vorlage.

Abg. v. Maltzan (kons.) stimmt namens seiner Freunde der Vorlage ebenfalls zu. Er betont noch, daß der Kanal Hamburg begünstige zum Nachteil der Ostsee. Schließlich erklärt er sich gegen eine allgemeine Herabsetzung des Tarifs, da dieser nur Hamburg zu gute kommen würde. Dagegen wünsche er eine Herabsetzung des Tarifs für englische Kohlen nach der Ostsee.

Damit ist die Debatte beendet. Verweisung an eine Kommission ist nicht beantragt; die zweite Lesung erfolgt demnächst im Plenum.

Der Gesetzentwurf betr. das Flaggenrecht für Kauf­fahrteischiffe wird in zweiter Lesung angenommen.

Es folgen Wahlprüfungen. Die Wahlen der Abgeord­neten Kro patsch eck und Jakobskötter werden für giltig erklärt, die der Abgeordneten Firzlaff, Börner und Ernst beanstandet.

Es werden alsdann noch Petitionen erledigt.

Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr. Tagesordnung: Initiativanträge.

Schluß 51/4 Uhr._________________

Deutsches Reich.

M.P.O. Der Kaiser erscheint, wenn er jetzt in Elsaß- Lothringen weilt, bis zu einem gewissen Grade als der Vollstrecker des Wollens und Wünschens seines höchst-seligen Vaters, des Kaisers Friedrich. Dieser gab wiederholt seine Meinung dahin zu erkennen, daß er, wenn er dazu berufen würde, Herrscher zu sein, einen Teil des Jahres in den Reichslanden, einen andern in Süddeutschland verbringe» werde.

M.P.O. Wie wir hören, wird ein größeres Werk über die Ergebnisse der Tief see-Expedition demnächst erscheinen.

M.P.C. Für die Zwecke der Lungenheilstätteu- bewegung werden fortgesetzt von wohlhabenden Personen große Summen gespendet. Wie wir hören, hat der Frhr. Heyl von Herrnsheim 3 Millionen Mark für das Unternehmen gezeichnet.

M.P.O. Wir haben schon unlängst mitgeteilt, daß man in Bundesratskreisen bezweifle, daß dem Reichstag in seiner laufenden Session noch eine Vorlage über den Schutz der Arbeitswilligen zugehen werde. Es ist daraufhin das Gegenteil in der Presse behauptet worden. Wir könne» inzwischen konstatieren, daß einstweilen unsere Aeußerung kein Dementi durch die Thatsachen erfahren hat.

M.P.O. Den Rekord in der Fahrgeschwindig­keit von Kreuzern soll der japanische Kreuzer Chitose, erbaut auf den Union-Jron-Works in San Francisco, erreicht haben.