Ausgabe 
7.4.1899 Zweites Blatt
 
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land zurück, wo es dann mit ihm unaufhaltsam bergab ging, bis endlich in Frankfurt a. M. fein reichbewegtes Leben u< Armut und Elend erlosch. Das Mohrmannsche Bandwurm- mittel bestand aus zwei Arzneien, von denen die eine Farn­wurzelextrakt, die andere ein Gemisch von Himbeersaft und Rizinusöl enthielt. Das Mittel kann sich jeder durch Opferung von 1,20 Mark zusammensetzen; die auf eine Person entfallende Dosis ist 20 Pfennig wert.

* H.-C. Heilstätten und medizinisches Ltudium. Die auf die Abwehr der Tuberkulose gerichteten Bestrebungen fördern immer mehr die Erkenntnis zu Tage, daß es wünschenswert fei, während des medizinischen Studiums die Heilstättenfrage mehr wie früher in den Vordergrund treten zu lassen, und dadurch nicht allein eine größere Zahl junger Aerzte dem Spezialstudium der Phtiseotherapie zuzufnhreu, sondern auch die Gesamtheit der Aerzte mit denjenigen Ge­sichtspunkten vertrauter zu machen, welche im Zusammen­hang mit der sozialpolitischen Gesetzgebung für die Be kärn'pfung und Verhütung der verheerendsten Bolkskrankheit in Betracht kommen. In der Heilstättensitzung der letzten Naturforscher-Versammlung wurde darüber Klage geführt, daß eine gewisse Unkenntnis mancher Aerzte mit den Grund­zügen der Kranken- und Invaliden Versicherung als Grund für die vielfach verspätete Unterbringung lungenkranker Ver­sicherter anzusehen sei. Mit um so größerer Genugtuung ist es daher zu begrüßen, daß einzelne Kliniken begonnen haben, ihre Zuhörer durch gemeinsamen Besuch von Heil­stätten an Ort und Stelle mit dem hygienisch-diätetischen Heilverfahren der Lungenschwindsucht und den für die plan­mäßige Abwehr derselben erforderlichen Vorbedingungen vertraut zu machen. Wünschenswert wäre es, wenn muftcr- giltigc Heilstätten u. a. im Anschluß ober wenigstens in der Nähe von Universitäten errichtet würden.

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hause zu Frankfurt a. M. in bitterster Not gestorben ist, hatte ein überaus bewegtes Leben hinter sich und hätte in diesem Jahre sein 25jähriges Jubiläum als Kur­pfuscher feiern können. Im Jahre 1874 kam Mohrmann, der das Uhrmacherhandwerk erlernte und sich später dem Photographenfache zuwandte, nach Frankenberg i. S. und ergriff dort seine Spezialität infolge eines zufälligen Ge spräches mit einem Arzte. Seine Hoffnung täuschte ihn nicht, die Dummen wurden nicht alle, und Mohrmann, der mit seiner Familie bisher in den dürftigsten Verhältnissen gelebt hatte, wurde infolge seiner zunehmenden Praxis bald ein steinreicher Mann. Als in Frankenberg die Polizei auf fein Treiben aufmerksam wurde, siedelte Mohrmann nach Nossen über, woselbst sein Geschäft derart florierte, daß er der Höchstbesteuerte dieser Stadt marb und einen wahrhaft fürstlichen Haushalt hielt. Durch das Geld dernie alle Werdenden" war es ihm vergönnt, ein ganzes Heer von reisenden Vertretern halten zu können, welches fein Band- rourmmittcl in ganz Europa vertrieb. Später ließ sich Mohrman in Berlin nieder und gab sich durch Herausgabe mehrerermedizinischen" Schriften einen wissenschaftlichen Anstrich. So widmete er u. a. auch der deutschen Nation ein Werk über die Allerweltskrankheit Influenza. Durch seinen Ehrgeiz veranlaßt, spendete M. des Oefteren hohe Summen für gemeinnützige Zwecke, was dann durch Re­klamen an die große Glocke gehängt wurde. Nahezu eine Million Mark verspielte Mohrmann an der Börse! Im ganzen unterhielt Mohrmann in Europa etwa 60 Filialen, wovon 37 auf Deutschland entfielen, die er durch eigens von ihm geschulteDirektoren" besetzte. Da Mohrmann seine Mittel bekanntlich ohne Rücksicht auf Alter und Kör­perzustand seinen Patienten abgab und zwar selten unter 10 Mark, so geriet er wiederholt mit dem Strafrichter in Kollision und mußte häufig Wochen, ja Monate lang wegen Kurpfuscherei, verbunden mit Körperverletzung und Betrug hinter schwedischen Gardinen sitzen. Dabei war Mohrmann ein Gemütsmensch, denn bei seinen zahlreichen schleunigen Abreisen nach Amerika zwecks Entziehung von Strafver­büßungen trieb ihn das Heimweh immer wieder nach Dcutsch-

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fi06xdritter. Nach dem Kriege übernahm General v. DoigtS- flRit die Division in Hannover und trat dann als General -Infanterie unter Verleihung des Großkreuzes mit der

des Hohenzollern'schen Hausordens in den Ruhestand. (sEcHtr ehrte ihn Kaiser Wilhelm II noch durch Verleihung diL Großkreuzes des Roten Adler-Ordens. General ti -oigts-Rhetz ist mit einer Dame aus alter schwedischer Ihnilie verheiratet, die trotz des hohen Alters sich, wie der S^bilar selbst, noch rüstiger Gesundheit erfreut. Der Wohn­st ch des Generals ist gewöhnlich Nizza, wo die hohe vor- 1 mjir< Gestalt deS alten Prussien wohlbekannt ist. Von Lixi Kindern gehören zwei als Stabsoffiziere der deutschen

an; ein anderer Sohn des Generals ist der Haupt- iniii a. D., früher im dritten Garde-Regiment, Dr. ü. LiijitS Rhetz, jetzt deutscher Gesandter in Guatemala, eine 1).- Deutschen der Balkauhalbinsel und Chiles aus frühem UfWmischeu Zeiten wohlbekannte und verehrte Persönlichkeit.

' Hamburg, 4. April. Der Senat gab heute abend ein HMmahl im Kaiserfaal des Rathauses, an dem die Ver- tiroter des Kaisers bei dem Empfang derBulgaria", Wumal Köster und Graf Wolff-Metternich, sowie Kapitän O£l)iniöt, die Offiziere und Maschinisten derBulgarin", -1 Kiner der hanseatische Gesandte in Berlin, Dr. Klügmann, Süiiiritteutuant Freiherr v. Schleinitz, bcr_ £)bcrbiirger« - Trtijteti" von Altona, Dr. Giese, bic Aufstchtsräte unb . Sireft oren der Paketfahrt-Gesellschaft, der Vorstand der l'aailmirgcr Bürgerschaft u. a. teilnahmen. Aufsichtsrat ' Ntgt nS trank auf das Wohl des Senats, als der Regier- die mit reger Thatkraft bic Jutereffen der Stadt und tret .Handels zu wahren wisse. Der Herzog-Regent Jo- 'gmn Albrecht von Mecklenburg hat dem Führer derBul- gqa", Kapitän Schmidt, der ein geborner Mecklenburger iiil, bt.5 Ritterkreuz deS Hausordens der wendischen Krone 3,!r|ieb«i und ihn in einem sehr anerkennenden Schreiben i tiefer Auszeichnung in Kenntnis gesetzt. Auf Wunsch Div Ö-rzog-Regeutcu wird Kapitän Schmidt die Auszeichnung , Dtriiirllid) von demselben in Empfang nehmen.

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