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7.4.1899 Erstes Blatt
 
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Kkitaq den 7. April

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Erstes Blatt.

M. 81

Gießener Anzeiger

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Heneral-Anzeiger

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1 Di« Gießener Ar>°ilien»tätter lurftn dem Anzeiger n»r't'rt!lch viermal beigelegt.

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Eiliil Gesuch deskatholischen Lehrervereins" betrifft -die' tzeh^altsverhältnisse der Volksschullehrer und Volksschul-

Adreste für Depeschen: Anzeiger Hieße».

Fernsprecher Nr. 51.

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Gratisbeilagen: Gießener Famitienblattcr, Der hestische Landwirt, Mütter für hestischc DallrsKunde.

Parlamentarisches aus Hessen.

Di>c Zweite Kammer tritt am Dienstag, 18. April, vor- m liltage 10 Uhr, wieder zusammen. Auf der Tagesorgnung st,' :hi u. a.: Vorlage Großh. Staatsministeriums, den Ge- se gintinurf, die Ruhegehalte und die Fürsorge für die HDtlNiebenen der Staatsbeamten betr. Antrag der Ab- gcioMen Wasserburg und Genossen, die Einführung direkter WS.chcn zum Landtage betr. und Antrag der Abgeordneten DH und Genossen, den Erlaß einer Vorlage über

WLchl'crrschriften betr. Gesuch der Großh. Bürgermeister, ÄalS Tiensteinkommen und die Pensionierung derselben betr. V dechllumg des Militär-Kriegs- und Friedens-Jnvaliden- BdrM Verbandes, die Pensionierung von Militär-Invaliden

Eine Petition der hessischen Militär-Anwärter betrifft Anrechnung ihrer Militärdienstzeit im Zivildienstverhältnis.

Der Registratur- und Kanzleibeamte Gustav Klotz- Darmstadt richtet an die Zweite Kammer die Bitte, dieselbe wolle beschließen, daß er hinsichtlich seiner dienstlichen Be­züge den Registratoren bei den Kollegialgerichten gleich­gestellt werde. ,,D. T. A."

M.P.C. Berlin, 5. April. Wenn jetzt bereits Mitteil- ungen durch die Presse gehen, denen zufolge die vom Reichs­tage diesmal an der Militärv o rlage abgestrichenen 7000 Mann bereits in der nächsten Session wieder ge­fordert werden würde, so heißt das der Zukunft vorgreifen. Beschlüffe darüber können nicht früher gefaßt werden, ehe die praktischen Konsequenzen aus den diesmaligen Bewilli­gungen gezogen worden sind.

M.P.C. Es ist neuerdings die Rede davon, daß noch in diesem Jahre die internationalen Verhandlungen zur Abschaffung der Zuckerprämien wieder aus­genommen werden würden. Auch wird mehrfach ange­nommen, daß die Reise des Schatzsekretärs des Deutschen Reiches, Frhr. v. Thiel mann, die u. a. auch nach Frank­reich unternommen wurde, mit diesbezüglichen Plänen Zusammenhänge. Wir glauben, daß es sich empfehlen wird, auf diesem Gebiete so wenig optimistisch zu sein, wie möglich. In den anderen Ländern giebt man sich gar zu leicht der Vorstellung hin, Deutschland werde uneigennützig genug sein, um seinerseits wieder mit der Herabminderung und womöglich Abschaffung der Zuckerprümien voranzugehen. Dann wäre natürlich die deutsche Zuckerindustrie bald matt, und der deutsche Zuckerexport dem französischen und öster­reichischen nicht mehr gefährlich.

Der Direktor der Süd-Kamerun-Gesellschaft auf afrikanischem Boden, Langheld, wird seinen Wohnsitz zu Kinschassa am Stanley-Pool nehmen, also unmittelbar am Ende der Kongobahn und im Mittelpunkte des Kongostaates. Zwei Dampfer werden von dort aus die deutsche Flagge im Kongobecken vertreten.

Gedenktage in Eckernförde. Zur 50. Wieder­kehr des Tages, an dem bei Eckernförde ein Sieg über die dänische Flotte erfochten wurde, waren aus allen Teilen Schleswig-Holsteins Veteranen eingetroffen; vormittag 9 Uhr fand auf dem Kirchhof eine Feier an der Grabstätte Theodor v. Preußers statt. Von der auf der Rhede liegenden Oldenburg" waren das gesamte Offizierkorps, sowie eine Deputation von Matrosen anwesend. Der Kapitän der Oldenburg", Korvettenkapitän Wahrendorff, legte auf das Grab Preußers, sowie auf das dänische Massengrab Kranz­spenden nieder. Oberpräsident Staatsminister v. Köller nahm gleichfalls an der Feier teil. Nachdem diese beendigt war, begann der Festgottesdienst in der Kirche. Die Stadt hat reichen Flaggenschmuck angelegt.

M.P.C. Man schreibt uns von diplomatischer Seite aus Wien: Die neuesten Wirren in Samoa haben vielleicht das Gute im Gefolge, daß Deutschland sich gegen England besser vorsehen wird. Denn es scheint außer Frage zu stehen, daß letzteres die Rolle des agent provocateur gespielt hat. Es liegt auf der Hand, daß es die englischen Interessen fördert, wenn Amerika soviel Inseln an sich zu bringen sucht, als nur irgend möglich. Um so mehr An­strengungen muß es machen, seinen neuen Besitz zu halten, um so mehr wird es seine Kräfte zersplittern, um so größer werden seine inneren Schwierigkeiten werden. Auf der anderen Seite ist England nichts daran gelegen, daß Deutsch­lands Ueberseepolitik Fortschritte macht. Das deutsch­englische Abkommen bezieht sich nur auf afrikanische Fragen und obendrein nicht auf aktuelle, sondern auf solche, die möglicherweise einmal aktuell werden. Nachdem die Ver- einigte-Staaten-Regierung sich bereit zu zeigen scheint, dem deutschen Standpunkt in der Samoa-Frage thunlichst Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, wird es für England einige Schwierigkeiten haben, aus den Samoa-Wirren Seide für sich zu spinnen. Salisbury resp. Chamberlain befinden sich in der Lage jemandes, von dem es heißt: er sei erkannt worden. Unter diesen Umständen dürfte es die deutsche Diplomatie vielleicht mit Recht an der Zeit halten, den Spieß umzukehren und der englischen Regierung zu Gemüte zu führen, daß es jetzt an ihr sei, Konzessionen zu machen und Garantien zu geben dafür, daß man in Derning-Street die Vorträge respektiert, auch wenn sie sich auf die Uebersee­politik beziehen.

Deutschland und China. DieDaily Mail" erhält aus Schanghai einen Bericht über die Vorfälle in Schantung, der das schon Gemeldete bestätigt und hinzu­fügt : Die Rebellen in der Provinz Schantung sind äußerst rührig. Jüngst ermordeten sie eine Anzahl zum Christentum bekehrte Eingeborene. Drei derselben, darunter ein Kind, wurden lebendig geröstet. DieTimes" meldet aus Pecking: Freundliche Beziehungen werden zwischen der deutschen Gesandtschaft und dem Tsungli-Iamen aufrechtgehalten, trotz der Thatsache, daß eine deutsche militärische Expedition durch chinesisches Gebiet marschiert, um Jtschaufu zu be-

Deutsches Reich.

Berlin, 5. April. Als Nachklang zur Palästina­reise des Kaiser Paares lesen wir in derN. Pr. Ztg.": Wie bekannt, haben der Kaiser und die Kaiserin bei ihrer Anwesenheit in Jerusalem die dortigen Zweiganstallen des Diakonissenhauses zu Kaiserswerth, das Mädchen-Erziehungs- und WaisenhausTalitha kumi" und das Diakonissen-Hospital mit ihrem Besuche beehrt. Am diesjährigen Geburtstage des Kaisers ging dem Vorstande des Krankenhauses die Mitteilung zu, daß das Kaiserpaar die Einrichtung für den Operationssaal gestiftet und die Kosten für die Einführung der Wasserleitung in diesen Saal bewilligt hat. Nun ist auch das Waisenhaus mit einer reichen kaiserlichen Gabe bedacht worden. Am ersten Ostertage lief in Kaiserswerth die Nachricht ein, daß das Kaiserpaar die Mittel zum Bau eines Saales für die 130 Kinder vonTalitha kumi" ge­währt hat.

Berlin, 5. April. Die Haltung Englands in der Samoafrage findet bei uns wohl in allen nationalen Kreisen jetzt dieselbe Beurteilung, der wir erst noch gestern Ausdruck gegeben haben. Auch unser Londoner Bericht­erstatter schreibt uns:Je näher man sich die samoanischen Verwicklungen ansieht, je mehr kommt man zu der lieber« zeugung, daß Lord Salisbury Deutschland gegenüber eine sehr häßliche Rolle in dieser Angelegenheit spielt. Das tritt auch wieder bei der Behandlung des deutschen Vorschlags bezüglich der Einsetzung einer besonderen Samoa-Kommission hervor. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat sich sofort rückhaltlos für die Annahme desselben erklärt. Die britische Regierung hat den Vorschlag bis auf diesen Augen­blick nur bedingungsweise, d. h. mit Vorbehalten angenommen, die der deuschen Regierung nicht zulässig erscheinen, weil durch dieselben das anglo-amerikanische Uebergewicht von vornherein gesichert wäre. Lord Salisbury verfährt bei diesem Handel mit einer Konsequenz, deren deutschfeindliche Tendenz ganz augenscheinlich ist. Daß das einseitige be­waffnete anglo-amerikanische Einschreiten im wesentlichen sein Werk ist, darüber ist wenig Zweifel. Er hat dabei zwei Ziele besonders im Auge, nämlich 1) die Vereinigten Staaten durch die Bande der angelsächsischen Waffenbrüder­schaft enger an England zu knüpfen und aus der gemein­samen angelsächsischen Feuertaufe die gewünschte angel­sächsische Verbindung erstehen zu sehen, die den Bedürfnissen und den Zwecken der britischen Weltpolitik dienstbar gemacht werden soll; und 2) durch die Verdienste um dieWieder­herstellung der Ordnung" ein höheres Anrecht auf Samoa zu erwerben, als England den überwiegenden deutschen Interessen gegenüber bis jetzt besitzt. Diese letztere Absicht steht in offenbarem Zusammenhänge mit dem Widerstande, den Lord Salisbury dem deutschen Teilungsvorschlage ent­gegensetzt. Deutschland schlägt bekanntlich vor, daß England Tutuila und Amerika Savaii erhält, während es für sich selbst Upolu (mit der Hauptstadt Apia) beansprucht, wo die deutschen Interessen am größten sind. Damit ist aber Lord Salisbury nicht einverstanden. Er wünscht für England Upolu und will den Deutschen und Amerikanern nach Be­lieben Savaii und Tutuila überlassen. Man begreift also, daß das bewaffnete Einschreiten vor allem auch den Zweck hat, die Deutschen auf der Hauptinsel in eine nachteilige Stellung zu versetzen und ihr moralisches Anrecht auf die­selbe zu vermindern. Diese Politik ist über alle Maßen illoyal und kurzsichtig, und sie findet sowohl innerhalb wie außerhalb des Kabinetts entschiedene Gegner, namentlich in Kolonialminister Chamberlain und Mr. Rhodes, die darauf hinzuwirken gesucht haben, Deutschland in der Samoa-Frage zu versöhnen, um ein deutsch-englisches Zusammengehen in anderen Fragen zu ermöglichen. Namentlich hat Mr. Rhodes seinen ganzen Einfluß aufgeboten, um das Aus- wärtige Amt mit Bezug auf die Samoa-Angelegenheit zu einer vollen Anerkennung der deutschen Anrechte zu bewegen, aber das auswärtige Amt hat bis dahin an seiner kurz­sichtigen Politik nicht rütteln laffen. Macht Deutschland für den Augenblick vielleicht gute Miene zum bösen Spiel oder nicht, Lord Salisbury wird schließlich sein illoyales Verhalten jedenfalls zu bereuen haben." Tägl. Rundsch.

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KürzesteH'tonri zu erwartende Entlastung für Grundbesitz und Ge- wEndLtricb herabdrücken, die Mehrbelastung der Kapital-

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AmtlillMEeil.

Bekanntmachung.

G^oßherzogliches Ministerium des Innern hat dem 'Wbijtai b der Ständigen Ausstellung für Kunst- und Kunst- gtMkrbi (juristische Person) in Weimar die Erlaubnis erteilt, biiii 2d je einer im Juli und Dezember l. Js. in Weimar y r. otrcnftaltenben Verlosung von Gegenständen der Kunst uM det! Kunstgewerbes innerhalb des Großherzogtums zu ücr:rtrtit»:n.

Jr bem wir dies zur öffentlichen Kenntnis bringen, be- miitftn :wir, daß nach dem von der zuständigen Behörde giixnihMWten Verlosungsplan 439,560 Lose ä 1 Mk. aus- gtigtben werden dürfen, und 200,000 Mk. zum Ankauf von G-Lmrfsten verwendet werden müssen.

Meßen, den 30. März 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtolds

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Retoltion, Expedition und Druckerei:

Schurfiraße Ar. 7.

«v wtHrllnch erhöht. Auch aus einer Umgestaltung der Erb­en und schHui-fieuer sei ein wirklich nennenswerter Mehrbetrag aus i-fj diäiffl Steuerqueöe nicht zu erhoffen. Eine Erhöhung der fc|» S'HHt qür den Verwaltungsstempel über die Beträge hinaus,

bi'tcT Aussicht genommen und aus denen bereits ein Mehr- , -eritmnis von 250 000 Mk. in den Steuerreformplan ein: j geWl sind, erachtet die Regierung für ebenso unmöglich, ,i#(D B " Wirts nn e weitere Ausgestaltung des von ihr der Berechnung > * lurfi zem-tt Mehrertrügnisses zu Grunde gelegten Tarifs. Diese . I* OH Dittar puinfte werden in der schriftlichen Erklärung der Re- jICM eingehend motiviert.

Eime Anfrage der Abgeordneten v. Brentano und Ge- naifjjci ftetrifft die Preiserhöhung der Monats-Abonnements- Kc-Mn bei der Eisenbahngemeinschast.

(Hitie dringende Anfrage der Abgeordneten Häusel und Bst'M betrifft denselben Gegenstand.

g60 Line Anfrage des Abg. Dr. Schmitt betrifft die Er- 'weauttimg der Stadt Kastel.

Atz-j......*........."

E LelLynnmnen.

beittr. u. s. w.

Eime schriftliche Erklärung der Regierung, betr. die SÄtim'Gesetzentwürfe, lief bei dem Ersten Ausschuß der 3w»itcr Kammer ein, nachdem die Berichte dieses Aus- Id '* "der die Vorlage, betr. den Steuerreformplan, Mlö'WW f CTcitiggefftedt und zum Druck befördert waren. In dieser i Unroetütil** jfllnijtlityen Erklärung legt die Regierung klar, warum sie ni -H auf die von der Majorität des Ausschusses gemachten 'Mige behufs Ersatzes der Weinsteuer durch andere EiLmahimen eingehen könne. Danach erscheint der Regierung jciin witere Erhöhung der Progression in der Einkommen- fttfrin «so lange als den schwersten Bedenken unterliegend, alnicht die Nachbarstaaten mit der Verschärfung der Pro- grneffwn. vorangehen. Selbst bei der stärksten Erhöhung miiil 5 Prozent Steuer des Einkommens würde nur ein MZchci trag von 41 314 Mk. erzielt werden. Auch eine Er- hiWng des Einheitssatzes der Vermögenssteuer glaubt die R-SMiimg ablehnen zu sollen. Der hessische Vermögens- sts'M'altz dürfe keineswegs noch mehr erhöht werden, wenn deA'Armndsatz der Steuerreform, die erwerbsthätige Arbeit ittiJiqitn nicht härter mit staatlichen Abgaben^ zu belasten, aHbieS in den Nachbarstaaten der Fall ist, nicht verlassen .wtealm soll. Jede Erhöhung des Einheitssatzes um auch mm5 Pfg. würde die steuerliche Belastung des Vermögens uusnibcü 0,10 Prozent verschärfen und die von der Steuer-