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* Allgemeine Deutsche Sport-Ausstellung München 1899. Wie bekannt, veranstaltet der Allgemeine Gewerbeverein München, verbunden mit einer Reihe anderer Vereine, zur Belebung des Wettbewerbes unter den Freunden jeder Art von Sport und zur Förderung der volkswirtschaftlich beteiligten Kreise vom 15. Juni bis zum 16. Oktober 1899 in München eine Allgemeine Deutsche Sportausstellung, deren Protektorat Seine Königliche Hoheit Prinzregent Luitpold von Bayern übernommen hat. — Die Ausstellung wird folgende Abteilungen umfassen: Jagd- und Hundesport, Schießsport, Fischerei, Reit- und Fahrsport, Brieftaubensport, Körperliche Hebung, Bergsport, Wassersport, Radfahr- und Automobilsport, Luftschifffahrt, Spielsport, Sammelsport. Beabsichtigt ist eine reiche Vereinigung von Sportgegenständen und zugleich die lebendige Darstellung des Sportes selbst durch Vorführungen aus seinen verschiedenen Gebieten. Eingeladen zur Beteiligung sind daher aus dem ganzen Deutschen Reiche Sport-Industrie und -Handlungen, Sportvereine, Sportkünstler und -Liebhaber, Sammler und Sammlungen, auch Literatur und Kunst, soweit sie sich mit dem Sport beschäftigen. Für Ausstellung hervorragender Gegenstände werden Medaillen mit Ehrendiplomen erteilt, für besondere Leistungen bei den Wettspielen rc. werden Ehrenpreise sowie Ehrendiplome gegeben. — Die Aussteller wollen ihre Anmeldungen spätestens bis zum 1. März 1899 dem Ausstellungsbureau (Färbergraben 11/2) zukommen lassen, welches auf Wunsch jedem Interessenten das Programm, dann den Grundplan der Ausstellung und die Bestimmungen für die Aussteller nebst Anmeldebogen gerne übersendet. Jeder, der mitzuwirken bereit ist, darf der Gastfreundschaft des Unternehmens versichert fein.
♦ Im Laufe des Sommers 1899 wird auf Anregung der Redaktion der „Deutschen Krankenpflege-Zeitung" zum ersten Male ein Kongreß der deutschen Privatkrankenpfleger und Privatkrankenpflegerinnen stattfinden, welcher die Arbeiten zur Organisation und Förderung der gesamten deutschen Privatkrankenpflege in sachgemäßer und zweckentsprechender Weise weiterführen und beraten wird. Insbesondere wird auch die Anknüpfung und Erweiterung von Beziehungen der einzelnen bereits bestehenden Fachvereine in den verschiedenen größeren deutschen Städten untereinander, welche schon bei der Begründung der „Deutschen Krankenpflege-Zeitung" als ein erstrebenswertes Ziel ins Auge gefaßt wurde, von berufener Seite eingehend behandelt werden. Desgleichen wird die zeitgemäße Ausgestaltung der erst in geringem Umfange vorhandenen Wohlfahrtseinrichtungen der deutschen Privatkrankenpfleger, Masseure, Heilgehilfen und anderer Spezialkrankenpfleger einen wichtigen Gegenstand der Verhandlungen des Kongresses bilden. Auch auf die zu treffenden Vorkehrungen zum Schutze der deutschen Privatkrankenpfleger gegen unlauteren Wettbewerb wird sich die Beratung erstrecken. Der genauere Zeitpunkt des Kongresses wird in der „Deutschen Krankenpflege-Zeitung" noch bekannt gemacht werden. Als Versammlungsort für den Kongreß ist die Stadt Weimar in Aussicht genommen worden, welche durch ihre Lage im Mittelpunkte Deutschlands hinsichtlich einer möglichst umfangreichen Teilnahme an dem Kongresse seitens geeigneter Vertreter aus allen Gegenden Deutschlands besonders empfehlenswert erscheint. Die Einladungen zur Teilnahme an diesem Kongresse, der einen bedeutsamen Fortschritt in der Entwickelung der deutschen Privatkrankenpflege darstetten wird, werden ausschließlich durch die Redaktion der „Deutschen Krankenpflege-Zeitung" erfolgen, die für eine würdige und erfolgverheißende Gestaltung des Unternehmens Sorge tragen wird. Mit den Vorarbeiten zu dem Kongresse wurde bereits begonnen und eine Reihe erfahrener Fachmänner und Vereine in allen Teilen Deutschlands haben ihre thatkräftige Mitwirkung bei dem Unternehmen in Aussicht gestellt.
* Der Apfelwein als Bakterienfeind. Die Pariser Revue Scientifique beschäftigt sich in dem letzten Hefte mit einer bemerkenswerten Mitteilung, die Bodin an die französische National-Gesellschaft für Landwirtschaft richtete. Bodin hat feftstellen sollen, ob der Typhusbazillus im Apfelwein seine ansteckende Kraft behält. Den Anlaß dazu bot die Thatsache, daß der Apfelwein oft mit Wasser vermischt genossen wird und demgemäß, wenn das hinzugefügte Wasser von gesundheitswidriger Beschaffenheit ist, zu Krankheiten und besonders zu Typhus führen könnte. Aber das Ergebnis der Forschung ist beruhigend. Bodin setzte eine große Zahl von Typhusbazillen in Apfelwein ein und fand, daß nach 12 bis höchstens 18 Stunden sämtliche Bazillen abgestorben waren. Den Grund dieser bakterientötenden Kraft des Apfelweins suchte der Forscher in seinem Säuregehalte, der Saft enthält nämlich wenigstens zwei Prozent Apfelsäure. Der berühmte Chemiker Berthelot freilich ist $11 einer andern Begründung gelangt; er glaubt nämlich nicht, daß die Säure auf die Bakterien tötlich wirke, da diese sonst auch durch die an den Eingeweiden enthaltenen Säuren vernichtet werden müßten. Dagegen enthält der Apfelwein auch eine gewisse Menge von Aldohyd, einer chemischen Verbindung, die grade in den letzten Jahren eine hervorragende Bedeutung als Antiseptikum erlangt hat; biefer Stoff gewährt nach Berthelot dem Apfelwein jene schätzenswerte Eigenschaft. Von anderer Seite ist dann wiederum die Ansicht Bodins bestätigt worden. Wie dem auch sei, jedenfalls bleibt die wertvolle Thatsache bestehen, daß der Apfelwein in Zeiten der Ansteckungsgefahr em besonders wertvolles Getränk darstellt, vor dessen Genuß nur die Vorsicht zu gebrauchen ist, ihn einen Tag lang stehen zu lassen, nachdem man ihn etwa mit Wasser vermischt hat.
Meratur, Wissenschaft und Kunst.
. 7" Johan« Meyer. Man schreibt der „Frkf. Ztg.": Der nuverdeuliche Dichter Johann M yer feierte am 5. Januar in Kiel, «r eit 1862 Direktor einer Jdiotenanstait ist, feinen 70. Ge- UltStag. Johann Meyer, der am 5. Januar 1829 in dem hol
steinischen Stäbchen Wilster geboren wurde, war bis zu seinem 21. Lebensjahre Zimmermann und Müller, besuchte dann aber als Tertianer daS Gymnafium zu Meldorf, machte 1854 das MaturitätS- 'xamrn und bezog die Universität Kiel, um Theologie zu studieren. Bald jedoch widmete er sich der Lttteratur, Aesthetik, Philosophie und Geschichte, und nahm 1857 an einem Knadeninstttut in Altona eine Stelle an. Dann war er einige Jahre lang Chefredakteur der Jtze- hoer Nachrichten, bis er im Jahre 1862 die noch jetzt von ihm geleitete Jdiotenarstalt in Kiel begiündete. Als Dichter hat er sich insbesondere durch plattdeutsche Gedichte ausgezeichnet, auf deren Schönheiten bereits Strodtmann, Hebbel und Frttz Reuter vor Jahren dtnwiesm, dann auch durch Lustspiele und Volke stücke, die in Norddeutschland aufgeführt wurden. Ein Verdienst hat Meyer auch als Uebersetzer der alemannischen Gedichte Hebels ins Plattdeutsche.
— Stadt und Land in ihrem Einfluß auf die Volksentwicklung macht Dr. Tschierschky zum Gegenstand einer Untersuchung, die wir in der soeben erschienenen Nummer 2 der Frankfurter Wochenschrift »Die Umfd)au* finden. Der sehr intereffante Aufsatz kommt zu Dem Schlug, daß die steigende Bedeutung der Städte keine Besorgnisse für eine Degeneration des Volkes bietet. In derselben Nummer verbreitet sich Paul Schultze-Naumburg über da« moderne Haus. Dieser Aufsatz ist reich illustriert. Karl Lory berichtet über die neuesten Fortschritte auf dem Gebiet« der Kulturgeschichte. Von naturwtsienschastlichen Beiträgen nennen wir einen sehr lesenswerten Aufsatz über die allgemeinen Charakterzüge der lebendigen Substanz, einen Beitrag über wasierlpendende Lianen, auf dem Gebiete der Geographie und Völkerkunde finden wir einen Bericht über den weiteren Verlauf der deutschen Ttefsee-Expeditton und die Wiedergabe von Piktographien eines bäuerlichen Wirtschaftskalender von 1786. Bücherbesprechungen und eine Zeitschriftenschau beschließen die sehr reichhaltige und vielseitige Nummer.
— Für litterartsch befähigte Naturfreunde veröffent'.icht »Der Tourist*, das amtliche Organ des Verbandes deutscher Tourtsten- und Gebtrgsvereine, ein interessantes Preisausschreiben. Es werden Preise von Mk. 60, Mk. 60 und je Mk. 25 für Abhandlungen sowie belletristische Gaben tourt ischen Inhalts ausgesetzt, insbe- sonders werden folgende Thematen zur Auswahl vorgeschlagen, deren Behandlung erwünscht scheint: a) Die Touristik als allgemeines BtldungSmiUel. b) Die nationale Bedeutung der Touristik, c) Wie kann der Tourist der Wissenschaft dienen? d) Welche Schritte sind zur raschen und wirksamen Einführung eines neuen Fremdenplatzes die geeignetsten? e) Welche Eigenschaften muß der- Leiter einer touristischen Vereinigung haben? f) Die Touristik in der deutschen Lttteratur. g) Beschreibung eines Wandertags (nur bei hervorragend gewandter Darstellung!) h) Novellistische Darstellungen aus dem Wanderleben (mit Ausschluß der Hochgebirgstouristik). Die Einsendung der Arbeiten — auf einseitig beschriebenen Blättern — muß biS zum 1. März 1899, mittags 12 Uhr zu Händen der Geschäftsstelle des „Tourist" in Frankfurt a. M. Zeil 63 erfolgt sein. Als Preisrichter fungieren die Herren: Amtsgerichtsrat Müller, Vorsitzender deS BerbandeS deutscher Touristen- und GebirgSvereine zu Arnsberg i. W., Dr. F. Ramhorst, Chefredakteur des „Tourist* zu Berlin, sowie der Verleger des „Tourist". Alle Einzelheiten wolle man aus der Nr. 1 des laufenden Jahrgangs ersehen, die auch im übrigen sich durch reichen Inhalt (Die deutsche Touristik und die Lehrerwelt. DaS Ahrthal und die vulkanische Eisel. Eine Tour In den Frankenwald. Aus den Vereinen. Eine Schneeschuhpartie im Thüringer Wald, Winterliche Touristik, Kleine Mitteilungen, Verkehrswesen, Zeitschrtstenschau, Feuilleton, Büchertisch, Briefkasten) und gute Illustrationen auszeichnet.
UniversMs Nachrichten.
— Greifswald. Wie verlautet, hat der Geh. Medizinalrat Prof. Helfertch hier einen Ruf nach Kiel alS "Nachfolger Esmarchs erhalten.___
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
Sonntag den 8. Januar. 1. nach Epiphanias.
LaudesmiffionSfest.
Kollekte für die Heidenmission.
Gottesdienst.
Ju der Gtadttirche.
Vormittags 9*/rUhr: Pfarrer Schlosser.
Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Dr. Grein.
Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Grein.
Ju der JohauueSkirche.
Vormittags 9'/, Ubr: Geh. Kirchenrath Professor D. Köstlin.
Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes- gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann.
Abends 5 Uhr: Pfarrer Euler.
Montag den 9. Januar Abends 8 Uhr: Bibelstuude im Confirmandensaal der Johanneskirche. Apostelgeschichte 4, 5 ff. Pfarrer Euler.
Nächsten Sonntag, den 15. Januar, findet Beichte und heil. Abendmahl für die Lucas- und Johannesgemeinde im Abendgottesdienst statt. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.
Im Couftrmaudeusaal, Reustadt 61:
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Schlosser.
Donnerstag den 12. Januar, Abends 8 Uhr: Bibelstuude.
1. Cor. 15. Don der Auferstehung. Pfarrer Schlosser.
Katholische Gemeinde.
SamStag den 7. Januar.
Nachmittags um 4 Uhr und Abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte.
Sonntag den 8. Januar.
Erscheinung des Herrn.
Vormittags von 6Vs Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte.
„ um 7 Uhr: Die erste heil. Meffe;
vor und in derselben Ausheilung der heil. Communion;
, um 8 Uhr: die zweite heil Messe:
„ um 9*/r Uhr: Hochamt mit Predigt;
Nachmittags um 5Vi Uhr: Christenlehre; darauf Andacht mit Segen.
Hottttdirufl in der Synagoge.
Samstag den 7. Januar 1899.
Vorabend 4« Uhr, Morgens 9 Uhr Predigt, Nachmittags 3 Uhr, Sabbathausgang 5° Uhr.
Neueste Meldungen.
Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 6. Januar. Der frühere Reichstagsabgeordnete Schultz-Lupitz ist, wie das „Berliner Tageblatt" aus Clötze meldet, gestern gestorben.
Berlin, 6. Januar. Es ist nunmehr durch polizeiliche Vernehmung des Eisenbahn-Zugpersonals des Nord-Süd
Expreßzuges festgestellt, daß Professor Dr. Otto Harnack am 30. Dezember abends mit dem um 11 Uhr 45 Min. abgehenden Zuge nach München gefahren ist und daß er am 31. morgens den Zug in München verlassen hat. Wohin Professor Harnack sich von München aus gewendet hat, darüber fehlt noch jede Nachricht.
Berlin, 6. Januar. Wie dem „Lokal-Anzeiger" aus Hamburg telegraphiert wird, findet die Beisetzung deS Fürsten Bismarck definitiv am 1. April statt. Das Mausoleum wird bis dahin vollständig fertig sein.
Berlin, 6. Januar. Dem „Kleinen Journal" wird aus Paris telegraphiert: Die Interpellationen in der Dreyfus-Affaire werden sämtlich in der Kammer sofort durchberaten werden, damit dann die Budget-Debatte ununterbrochen durchgeführt werden könne. Der Zwischenfall Bard- Baurepaire ist erledigt. Die Anschuldigungen der Nationalisten sind durchweg grundlos. Der heutige Ministerrat erhält Mitteilung von dem Ergebnis der Enquete.
Karlsruhe, 6. Januar, lieber die von dem Schriftsteller Gerhard von Amyntor veröffentlichten angeblichen Aeußeruugeu des Großherzogs von Baden über die Bekämpfung der Sozialdemokratie erfährt die „Süddeutsche Reichskorrespondenz" von zuständiger Seite, daß diese Veröffentlichung einem Gespräch entnommen ist, dessen Zusammenhang ein anderer war, als der mitgeteilte und dessen Sinn nicht richtig wiedergegeben wurde. Die Publikation kann deshalb nicht als authentisch betrachtet werden. — Dieselbe Korrespondenz bespricht die Stellung der badischen Regierung zur Zulassung der Frauen zum ärztlichen Beruf. Darnach hält die badische Regierung eine grundsätzliche Regelung dieser Frage für geboten in dem Sinne, daß die Frauen mit gleicher Schul- und fachwissen- schaftlicher Ausbildung, wie sie die Männer erhalten, zu den ärztlichen Prüfungen zuzulassen sind. Bezüglich der Immatrikulation wäre eventuell eine besondere Form zu schaffen, welche dieser als gleichkommend zu betrachten sei.
Wien, 6. Januar. Das Gerücht von dem bevorstehenden Rücktritt des Ministers Jendrzejowiecz wird von offiziöser Seite dementiert.
Innsbruck, 6. Januar. Seit gestern herrscht fast ununterbrochen Schneewetter.
Budapest, 6. Januar. Ministerpräsident Banffy ist gestern nach Wien gereist. Man bringt diese Reise mit den Kompromis-Versuchen in Zusammenhang. Banffy bleibt zwei Tage in Wien.
Budapest, 6. Januar. Banffy wird in Wien dem Kaiser Bericht erstatten. Diese Reise wird als Grundlage für die weitere Entwickelung der Lage angesehen.
Budapest, 6. Januar. Nachdem der Beschluß der Studentenschaft, während der Dauer des außergesetzlichen Zustandes die Militärpflicht zu verweigern, als vom Universitäts-Klub ausgehend bekannt geworden ist, erklärte der Unterrichtsminister einer Studenten-Deputation, er werde den Klub sofort schließen, falls sich derselbe zu politischen Demonstrationen hergebe.
Krakau, 6. Januar. Nachdem sämtliche Gerichtsverhandlungen wegen der antisemitischen Bauern- Unruhen beendet sind, wird in den nächsten Tagen der Ausnahmezustand in alle Bezirken Galiziens aufgehoben werden.
Rom, 6. Januar. Den letzten Nachrichten aus Maffauah zufolge sollen die Truppen des Ras Mangascha mit denen des Ras Maconnen zusammen gestoßen sein. Alle diesbezüglichen pessimistischen Meldungen stammen aus englischer Quelle.
Rom, 6. Januar. Gestern Abend kam Kardinal Perraud hier an. Der Papst wird ihn empfangen, um die Rede festzustellen, die Perraud bei der Einweihung des Denkmals des Kardinals Lavigerie in Algier halten soll. Es heißt, daß der Papst verhüten will, daß die Rede eine zu deutschfeindliche Form erhalte.
Paris, 6. Januar. Die Meldung des „Gaulois", die Regierung sei durch Vermittlung des Kriegsministers beim Präsidenten des Cassationshofes vorstellig geworden und habe um eine Beschleunigung des Dreyfus'schen Revisionsverfahrens gebeten, wird als vollständig unwahr bezeichnet. Die Regierung beabsichtigt nicht im Geringsten, den Cassationshof in irgend einer Weise zu beeinflussen.
Paris, 6. Januar. In Havre soll eine Influenza- Epidemie mit typhösen Begleiterscheinungen ausgebrochen fein. Angeblich ist sie durch einen Passagier eines amerikanischen Dampfers eingeschleppt worden.
Paris, 6. Januar. Der „Temps" bestätigt, daß Barthou als Minister Dupaty de Clam, Esterhazy, und Madame Pays durch besondere Detektives beobachten ließ. Das Resultat war, daß alle drei fortwährend geheime Zusammenkünfte abhielten.
Paris, 6. Januar. „Siöcle" verkündigt die baldige Veröffentlichung einer neuen Broschüre, in welcher neue Enthüllungen über die Dreyfus-Angelegenheit gemacht werden sollen.
Paris, 6. Januar. Der Advokat Sauve stellte sich dem Präsidenten des Kassationshofes als Rechtsanwalt des zur Zeit in London weilenden Esterhazy, der zum 17. Januar als Zeuge geladen ist, vor.
Paris, 6. Januar. Die „Agence National" meldet, daß der Kassationshof aufgefordert worden sei, einen Mun izipal-Gardist en zu verhören, welcher wichtige Geständnisse von Dreyfus empfangen haben soll, die diejenige von Lebrun-Renault bestätigen sollen. Unter anderen soll der Munizipal-Gardist die Worte gehört haben: „Nun, wenn ich schuldig bin, dann giebt cs aber auch andere Schuldige."
Loudon, 6.Januar. „Standard" meldet aus Peking, die Kaiserin-Mutter läßt nunmehr die meisten Reformen, welche von dem jungen Kaiser angeordnet worden sind, ausführen.


