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crgeben. Der geschäftsführende Ausschuß war auf Montag Abend zu einer Sitzung berufen, in welcher ein vorläufiger Rechnungsabschluß vorgelegt und über die Verteilung eines UeberschusseS Beschluß gefaßt werden sollte. — Wir beneiden den Wiesbadener geschäftsführenden Ausschuß im Hinblick auf unser Schützenfest aufrichtig.
* Aus dem Theaterbureau. Morgen Freitag wird „Der neueStiftsarzt" gegeben, eines der besten älteren Lustspiele, die sich noch ständig ihren Platz in den Repertoirs sämtlicher großen Bühnen behaupten. Zum ersten Male sind sämtliche Damen in größeren Rollen beschäftigt und besonders Fräulein Knöfel, welche bis jetzt noch keine Gelegenheit hatte, besonders hervorzutreten, wird sich unserem Theaterpublikum in einer ihrer reizendsten Rollen zeigen. Nächsten Sonntag findet die erste Gesangsposse statt und zwar „Der Stabstrom Peter", worin sich unsere Soubretten und Komiker auch im Koupletvortrag zeigen werden.
** Kirchengesangverein. Nachdem Herr Lehrer Görlach die Leitung des Evang. Kirchengesangvereins, die er neun Jahre lang mit großem Eifer und schönen Erfolgen geführt hatte, aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt hat, ist in der gestrigen Generalversammlung der Großh. Üniversitätsmusik- direktor, Herr Trautmann, zum Dirigenten gewählt worden und hat die Wahl angenommen. Der Verein, der seit nun 20 Jahren der Evang. Gemeinde zur Hebung und „Verschönerung" ihres gottesdienstlichen Lebens gedient hat, darf sich zur Gewinnung eines so hervorragenden Musikers beglückwünschen. Er bedarf jedoch, wenn er den an ihn gestellten Anforderungen genügen soll, des Beitritts weiterer stimmbegabter und musikalisch gebildeter Mitglieder, besonders in Sopran und Tenor, wozu hiermit Anregung gegeben wird.
** Noch einmal das „Klobelied". Wir erhalten aus unserem Leserkreise folgende Zuschrift: Geehrtester Herr Redakteur! Sie brachten gestern in Ihrem „G. Anzeiger" (Nr. 232) die Geschichte der bewährten 1848er Kloben- affaire. Ich erlaube mir nun ergebenst hiermit, Ihnen andurch den bez. ihrer entstandenen erhabenen Sang, der sich unter meinen 48 er Aktenstücken noch vorfindet, zu beliebiger Verwendung mitzuteilen. Bemerken will ich noch, daß dann bei der, kurz nach Entstehung des Sanges, zu Ehren des sog. „Vorparlamentes", stattgefundenen Prachtvollen Ausschmückung Frankfurt-Sachsenhausens, unter ungezählten volkstümlichen Sinnsprüchen, die mit paradierten, auch die so höchst merkwürdige Klobensage geeignete Verwendung fand. Ein kolossaler Klobe war in Sachsenhausen richtig eingeschlagen und daran ein kleines schwarz-rot- goldnes Fähnchen angchängt, mit der Unterschrift „Wann aber etzt der Klobe bricht, dann .... die ganz Geschicht!" — Das Ausgelassene ist etwas zu sachsenhäusnerisch volkstümlich! — Ganz ergebenst: Hammann, P. em.
1. Was Ist das für 'ne närrsche Zeit (närr'sche Zeit),
? Worin wir jetzo leben,
Vergönnt, daß ich, ihr lieben Leut!
Ein Bild euch davon gebe (ein Bild ich euch davon gebe), Die Welt steht wahrlich nicht mehr fest, Sie wackelt stark in Ost und West: —
Wann norz der Klobe hält;
Daß die Fahn net runner fällt!
2. Am schlimmsten sind von allen dran
Die Herren Diplomaten, Die schauen ganz verdutzt sich an Und wiss'n sich nicht zu raten, Sie können ntt vergnügt mehr sein, Denn immer falll's en wieder ein: Wann norz der Klobe hält; rc.
3. Zuerst hat's in der Schweiz gekracht, Der Sonderbund ging unter, Die Sache war bald abgethan, Denn es geschah kein Wunder.
Den Jesuiten ward eß bang, Sie stimmten an den Rundgesang: Wann norz der Klobe hält; rc.
4. Im Land Italien geht es bunt, Und grausig durcheinander, Die find, wie Katzen und wie' Hund, Recht hitzig aneinander, Ich möchte dort kein Oest'reicher sein, Man haut und sticht auf sie hinein. Wann norz der Klobe hält; rc.
6. Der Papst in Rom zeigt vielen Mut,
Er ist vorangeschritten,
Er machte manches Schlechte gut, Ließ sich vom Volk erbitten;
Doch manchmal wird's ihm selber bang, Und leise stimmt er an den Sang: Wann norz der Klobe hält; rc.
6. Sicilien trug den Ruhm davon, Kämpft tapfer und vermeßen, Es hat jetzt ein Constitution, Noch besser, als Kurhessen, Der König wurde schnell bekehrt, Das Volk hat mores ihn gelehrt: Wann norz der Klobe hält; rc.
7. Von Preußen kann ich, leider nicht
Viel Gutes euch berichten
Und will auf einen Staatsbericht
Für diesmal noch verzichten.
Wer weiß, was uns die Zukunft bringt Und ob man dort nicht auch bald singt: Wann norz der Klobe hält; rc.
8. Nach Frankreich richtet sich mein Blick, Ihr wißt, was da geschehen, Sie gründeten die Republtck, Wird sie auch fortbestehen?!
Vergeßt, ihr Herrn die Lehre nicht, Laßt Kordel nach, bevor es bricht. Wann norz der Klobe hält; rc.
9 Zuletzt ein Wort von unsrer Stadt, (Offenbach- Bekannt ist es ja allen, Was sich daselbst begeben hat (die Klobeuhtstoria) Und was als vorgefallcn' Man sperrte mehr're in Prison, DaS hat gemacht viel Sensation.
Wann norz der Klobe hält; rc.
*f Die Fabrikthätigkeit der Frauen. Im ganzen deutschen Reiche sind die Gewerbeaufsichtsbeamten nach Antragstellung im Reichstage einer Anregung des Herrn Reichskanzlers zufolge zu einer eingehenden Berichte. Altung über die Beschäftigung verheirateter Frauen in Fabriken aufgefordert wordeu. Insbesondere sollen Umfang, - ünde, Gefahren der Beschäftigung und Dauer der Aroeitszeit in Fabriken, sowie Lebenshaltung der Arbeiterfamilien im allgemeinen und in einzelnen Industriezweigen ermittelt werden. Zum Zweck dieser Berichterstattung hat die Großh. Gewerbeinspektion Gießen den Herrn Fabrikbesitzern des Bezirkes (Provinz Oberhessen), welche Frauen beschäftigen, bereits verschiedene Fragen vorgelegt, die bereitwilligst und teilweise ziemlich erschöpfend beantwortet wurden. In diesen Tagen werden nun auch an die einzelnen, in Fabriken beschäftigten Frauen Fragebogen verteilt, mit der Bitte, die Fragen genau und möglichst bald zu beantworten. Ein an die Großh. Gewerbeinspektion Gießen adressierter Briefumschlag wird jedem Fragebogen zur Rücksendung beigegeben. Die ganze Berichterstattung wird von dem Gewerbeinspektor nur allgemein gehalten werden. Sie befaßt sich nicht mit den Verhältnissen einzelner Frauen oder Familien. Es mögen die Beteiligten daher die Fragen ohne Scheu beantworten, um auf diese Weise dem Berichterstatter ein annähernd klares Gesamtbild der weiblichen Verhältnisse zu veranschaulichen. In hiesiger Gegend ist durchweg Arbeitermangel, sodaß die Arbeitskraft der Frauen für die Industrie sehr notwendig ist.
Niederselters, 3. Oktober. Hier kam es heute bei der Kirchweih nachfei er zwischen einigen Knechten zu Streitigkeiten, wobei einer derselben, Namens Urban erstochen wurde, während zwei andere schwer verletzt sind. Die Thäter wurden verhaftet.
Darmstadt, 4. Oktober. Eine Dienstmagd aus Gießen, welche in einem hiesigen Geschäfte auf den Namen einer hiesigen Herrschaft verschiedene Kleidungsstücke im Werte von über 100 Mark ausschwindelte, ist zur Anzeige gebracht worden. Dieselbe hat die ausgeschwindelten Sachen noch in ihrem Besitze und' teils auch getragen. — Die Stadt Darmstadt zählt für das Jahr 1899/1900 (bei einer Einwohnerzahl von 63 745 nach der Zählung von 1895) 15247 Einkommensteuerpflichtige zweiter Abteilung mit einem Einkommensteuerkapital von 1288 710Mk. und 3586 Einkommensteuerpflichtige erster Abteilung mit einem Einkommensteuerkapital von 4107 865 Mk. — Wie der „T. A." hört, wird im Landtagswahlkreis Bessungen Arheilgen rc. Herr Professor Friedrich nicht mehr kandidieren, und ist an seiner Stelle Herr Stadtverordneter Zimmermeister L. Ph. Wittmann in Bessungen als Kandidat aufgestellt.
A Groß-Umstadt, 4. Oktober. Zu Ehren des zum Direktor der Ober-Realschule zu Darmstadt beförderten Direktors unserer Real- und Landwirtschaftsschule, Herrn Dr. Dersch, wurde am letzten Donnerstag von der Bevölkerung ein größeres Abschiedsmahl bereitet. Heute vormittag nahm nun Herr Direktor Dr. Dersch im Turnsaale der Realschule von dem versammelten Lehrerkollegium und sämtlichen Schülern in ergreifender Weise Abschied. Während der herzlichen Abschiedsrede erstickten Thränen die Stimme des allbeliebten Anstaltsleiters, der 15 Jahre lang den Lehrern ein humaner Vorgesetzter und seinen dankbaren Zöglingen ein unermüdlicher Lehrer und allezeit hilfbereiter Berater war. Wegen der sichtlichen Ergriffenheit des allbeliebten Herrn Direktors mußten die ihm von den Schülern zugedachten Abschiedsfeierlichkeiten abgebrochen werden. Morgen resp. nächsten Montag übernimmt der Scheidende sein neues ehrenvolles Amt in Darmstadt, wohin ihn die heißesten Segenswünsche begleiten. Da ein Nachfolger für die hiesige Anstalt noch nicht ernannt ist, wurde Herr Reallehrer Professor Dr. Heil dahier mit der interimistischen Führung der Direktorialgeschäfte betraut.
Groß-Bieberau, 4. Oktober. Bezüglich des Artikels über das spurlose Verschwinden des Herrn Bürgermeisters und Sparkasserechners Merz von hier scheint der Artikelschreiber (vgl. gestr. Nr.) nicht genau informiert gewesen zu sein, da HerrM. schon zurückgekehrt ist und dessen Familie über seinen Aufenthalt bereits seit einigen Tagen Kenntnis hatte.
Wiesbaden, 4. Oktober. Gerüchtweise verlautet, der Kaiser werde am Montag hierherkommen.
Theater.
Gießen, 5. Oktober. (Stadttheater.) Die Direktion unseres Stadttheaters hat es sich nicht versagen können, auch hierorts nachträglich zur 150. Wiederkehr des Geburtstages unseres größten deutschen Dichterheroen eine Festvorstellung zu veranstalten. Zu diesem Zwecke hatte man in gutgemeinter Absicht eine Miniaturgoethebüste in einem Wald von Blattpflanzen versteckt, sodaß der „große Goethe" darin verschwand wie — sit venia verbo! — wie eine Ameise in einem Heuhaufen. Die Szene wirkte deshalb auch mehr komisch wie feierlich. Auch der sonst treffliche und von Frl. Hammer mit Wärme und Verständnis vorgetragene Prolog konnte die Situation nicht in das beabsichtigte Gegenteil verwandeln. Bei dieser Gelegenheit sei übrigens erwähnt, daß der auch in dem Bock'schen Prolog enthaltene Ausspruch Goethes, d. h. des sterbenden Goethe, „Mehr Licht!" niemals — wie jeder Weimaraner weiß — in dem von den Litterarhistorikern gedeuteten Sinne von Goethe gebraucht worden ist. Der Ausspruch ist lange vor seinem Tode und zwar bei einer ganz alltäglichen äußeren Gelegenheit gefallen. Ein Prologdichter, der den zu behandelnden Stoff beherrschen will, sollte das auch wissen. Die folgende Aufführung des „Egmont" ließ uns die etwas karrikaturenartige Einleitung vollständig vergessen. Es liegt auf der Hand, daß man bei Beurteilung von klassischen Stücken am Orte mit den gegebenen Verhält
nissen rechnen muß und, diese in Betracht gezogen, so dürfen wir, ohne in Schönfärberei zu verfallen, nach jeder Seite hin zufrieden sein. Naturgemäß gebührt dem Gaste Herrn Oskar Bohnoe vom Stadttheater zu Köln das Hauptverdienst, und wir wollen ihm diesen Ruhm ohne weiteres gönnen. Aber auch unsere einheimischen Kräfte, vor allem Frl. Haussig als Klärchen, Herr Henry als Brackcn- burg, Herr Wilhelms als Schneider und Herr Curland als Schreiber Dausen, thaten ihre volle Schuldigkeit. Die Regie unter Herrn Direktor Helm ließ gleichfalls nichts zu wünschen übrig. Die Dekorationen und Kostüme standen weit über dem sonst hier üblichen Niveau. Auch Herrn Musikdirektor Krause dürfen wir für seine vortreffliche Wiedergabe des Beethoven'schen Werkes unsere Anerkennung nicht versagen. Wenn die Hintere Gallerie nicht zu oft und unzeitgemäß sich in den Beifall des verständigen Theater- Publikums mischte, oder denselben eigenmächtig (?) inszenierte, dann dürften auch die Künstler über die spontane Anerkennung, die ihnen das Auditorium zollt, mehr Genug- thuung empfinden. -r
Gerichtssaal.
Die „Harmlosen" vor Gericht.
Berlin, 4. Oktober 1899.
(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)
Am Nachmittag wird als erster Zeuge Kriminalkommissar von Manteuffel vernommen, der zunächst sich über Wolff äußert. Es sei schon vor Jahren der Verdacht aufgetaucht, daß Wolff sich an junge Offiziere herandränge, um sie zu rupfen. Als die erste Nachricht im „Berl. Tagebl." erschienen sei, sei man auf der Polizei ganz überrascht gewesen. Man hatte von der Existenz des Klubs keine Ahnung. Man glaubte anfänglich, daß die Veröffentlichungen unlautern Motiven entsprangen. Erst die weiteren Artikel zeigten, daß es sich um Thatsäch- liches handele. Zeuge sprach mit dem Polizeipräsidenten, der veranlaßte, daß die Offiziere gewarnt wurden. Später setzte Zeuge sich mit Genehmigung des Polizeipräsidenten mit dem Redakteur des „Berl. Tagebl." in Verbindung und dann auch mit Dr. Kornblum. Ueber seine weiteren Recherchen kann Zeuge keine Auskunft geben. Ueber Dr. Kornblum befragt, sagt er, daß das Gerücht verbreitet war, Kornblum sei Falschspieler, daß sich jedoch nichts verdächtiges gegen ihn gezeigt habe. Zeuge berichtet dann über Gespräche, welche er mit Kornblum bezüglich Wolffs hatte. Kornblum teilte ihm mit, daß er den Angeklagten von Kayser vor Wolff gewarnt habe. Der Angeklagte von Kayser bestreitet dies. Der Zeuge sagt, es sei falsch, wenn von Kayser annehme, die Verfolgung gegen ihn sei auf Dr. Kornblum zurückzuführen. Kornblum habe ihm, Zeugen, gegenüber stets betont, daß er von Kayser nicht des Falschspiels für fähig halte. Der. Präsident fragt den Zeugen, welche Maßnahmen er getroffen hatte, um eine Flucht der Angeklagten zu ver- hindern. Zeuge erklärt, daß ihm vom Untersuchungsrichter freie Hand gelassen worden und ihm nahegelegt war, alle Rücksichten obwalten zu lassen, damit die Herren das Vorgehen gegen sie nicht als persönliche Ranküne auffassen. Sodann schildert der Zeuge die Verhaftung des Herrn v. Kayser. Da es zu spät war, denselben zur Untersuchungshaft einzuliefern, und Zeuge einem Reserveoffizier nicht den Schimpf anthun wollte, ihn zur Wache zu sistieren, da ihm die größte Schonung anempfohlen war, habe er erst die Verhaftung am nächsten Tage ausgeführt. Zeuge nahm dem Angeklagten v. Kayser das Wort ab, daß er bis dahin seine Wohnung nicht verlassen würde. Zeuge berichtet ferner, daß von Schachtmeyer alle auf den Klub bezüglichen Papiere vernichtet habe. Zeuge hatte mit dem General v. Kröcher zwei Unterredungen. Bei der zweiten sagte derselbe zu dem Zeugen: „Ich weiß, daß mein Sohn des gewerbsmäßigen Glücksspiels schuldig ist; welche Strafe steht darauf?" — Zeuge habe geantwortet: „Sprechen wir nicht davon, Herr General. Bedenken Sie, daß Sie vor Gericht unter ihrem Eide aussagen müssen." Rechtsanwalt Dr. Schwindt beantragt hierauf die kommissarische Vernehmung des Generalmajors ooji Kröcher. Der Oberstaatsanwalt teilt hierauf mit, daß er vom Generalmajor von Kröcher ein Telegramm erhalten habe, in welchem derselbe sagt, daß er von seinem Rechte der Zeugnisverweigerung Gebrauch machen und unter keinen Umständen vor Gericht erscheinen werde. Rechtsanwalt Schwindt hält es für möglich, daß der Generalmajor unter diesen Umständen bereit sein würde, sich kommissarisch vernehmen zu laffen. Der Präsident erklärt, daß er der Verteidigung anheim gebe, privatim zuerst nochmals bei dem Generalmajor anzufragen. Für das Gericht sei durch die telegraphische Erklärung die Sache zunächst erledigt. Nach einigen unwesentlichen Erörterungen wird dann die Verhandlung auf morgen vertagt.
Gingesandt.
Gießen, 4. Oktober 1899.
Hört denn kein Schutzmann das stundenlange Hundegebell in der Bahnhofstraße, nahe der Westanlage gegen drei Uhr nachts? X.
-ottrrdirust in der Zynagogr.
Samstag den 7. Oktober 1899.
Vorabend 5« Uhr, morgens 9 Uhr, nachmittags 3 Uhr Schrifterklärung, Sabbathausgang Uhr.
Neueste Meldungen.
Depeschen deS Bureau „Herold"
Wien, 5. Oktober. Der Ministerrat hat gestern formell beschlossen, die Sprachen-Verordnung aufzuheben und diesen Beschluß baldigst zu verlautbaren.
Wien, 5. Oktober. Die katholische Volks Partei läßt im Linzer Volksblatt erklären, sie werde den Tschechen in der Opposition nicht folgen. Die Aufhebung der Sprachen- Erlasse bilde keinen casus belli für die Klerikalen. Die jungtschechischen Abgeordneten wurden von ihren Wählern aufgefordert, ihre Mandate niederzulegen. Die Parteileitung wird hierüber in nächster Zeit entscheiden.
Paris, 5. Oktober. Die Arbeiterfrauen in Le Creuzot sind das treibende Element für den Plan, Ende dieser Woche zu Tausenden nach Paris zu ziehen. Die Pariser Arbeiter haben ihren ausständischen Kameraden Schlafstellen gesichert.
Paris, 5. Oktober. Der „Jntransigeant" meldet, daß infolge der Enthüllungen durch den Generalanwalt Melcot in der Komplottsaffaire der Senator und Vorsitzende Beranger gestern in einer Unterredung mit dem Sicherheitschef Lepine Haftbefehle gegen den Richter Grosjean, gegen Beaurepaire und gegen den General Roget gefordert habe. Ebenso beantragt er Haussuchungen in der Wohnung des früheren Kriegsministers Cavaignac und bei der Gräfin Märtel, welche unter dem Namen Gyp in der „Libre Parole" geschrieben und in freundschaftlichen Beziehungen zu dem früheren Präsidenten Faure gestanden hat.


