Petersburg hat zu den verschiedenartigsten Vermutungen Anlaß gegeben. Obgleich auf französischer Seite diese Reise nur als ein Gegenbesuch des Ministers bei dem russischen Minister des Auswärtigen Murawiew dargestellt oder auf den persönlichen Ehrgeiz Delcassös zurückgeführt wird, der Verlangen trage, dem Zaren vorgestellt zu werden, so bleibt es doch beachtenswert, daß der plötzliche Entschluß zur Reise Freunden und Gegnern gleich unerwartet kam, und daß zahlreiche Minister dem abreisenden Kollegen bis zum Bahnhofe das Geleit gaben. So wird denn so ziemlich allgemein angenommen, daß der Reise dennoch eine politische Bedeutung beigemessen sei und es sich hierbei vornehmlich um eine Erörterung der Stellung Deutschlands zu den Zweibundmächten handle. Es bleibt nun die Frage offen, ob bei dem starken Anlehnungsbedürfnis Frankreichs besonders in kolonialen Angelegenheiten und bei der freundschaftlichen Stellung Rußlands zum Deutschen Reiche ernstlich der Plan eines neuen gegen England und Amerika gerichteten Dreibundes zu kolonialen Zwecken erwogen werden kann, eines Bundes, der für den Einzelfall bereits nach dem japanisch-chinesischen Kriege geschloffen wurde und sich gegen Japan und unmittelbar gegen England richtete, oder ob der Petersburger Reise Delcassos die gegenteilige Absicht zu Grunde liegt, so daß man sie vielmehr als eine demütige Abbitte Frankreichs an das geliebte Rußland auffassen muß, dessen Eifersucht durch die französischen Tändeleien mit dem deutschen Michel in den letzten Wochen erregt worden ist. — Für die Annahme des ersteren Falles liegen allerdings schwerwiegende Gründe vor. Nach Erledigung des Dreyfus- prozesses wird das Interesse des unruhigen französischen Publikums für andere Fragen frei, und es ist sehr wahrscheinlich, daß die Regierung zur Befriedigung der Pariser Sensationslust die kolonialen Angelegenheiten in den Vordergrund stellen muß. Auf diesem Gebiete ist aber für ein energisches Fortschreiten wenig Aussicht vorhanden. Frankreichs ausländische Politik stößt überall auf englische und amerikanische Interessen. Auch für Faschoda ist immer noch kein Ersatz geschaffen worden. Das schon gemeldete dreiste Vorgehen Amerikas vor Domingo berührt Frankreich stärker als Deutschland. Dennoch wird man sich in Paris genötigt sehen, in dieser Richtung vorzugehen. Rußland hatte sich angeblich nicht stark genug bei dem Faschoda- zwischenfall für den Verbündeten ins Zeug gelegt. So träumt man denn in einigen Kreisen der Regierung ernstlich von einer Verständigung mit Deutschland. Anzeichen für eine Annäherung beider Staaten haben wir in letzter Zeit wiederholt melden können. Ob man dabei auf ein Nachlassen der Festigkeit des Dreibundes Bedacht nimmt, besonders seitdem Oesterreich durch seine inneren Wirren zu keinem kraftvollen Auftreten nach außen mehr fähig erscheint, und Italien in der auswärtigen Politik Schlappe auf Schlappe erleidet, bleibe vorerst dahin gestellt. Jedenfalls läßt sich nicht leugnen, daß in letzter Zeit spinnewebartige feine Fäden in der Diplomatie gezogen werden, welche zu einer andern Gruppierung der Mächte führen können, als man das in den letzten Jahren gewohnt war. Andrerseits wird man gut daran thun, wenn man derartigen weitausschauenden Plänen internationaler Politik nicht voreilig allzu große Bedeutung beimißt und die Reise Delcassss nach Petersburg vorläufig von dem zweiten obengenannten Gesichtspunkt aus betrachtet. Bei aller Freundschaft der Herrscher Deutschlands und Rußlands zu einander und mancher gleichartiger Beziehungen der äußeren Politik beider Länder bleibt doch die von den Pan- slavisten genährte Abneigung einflußreicher russischer Gesellschaftskreise gegen Deutschland eine beachtenswerte Größe in der russischen Politik, und es ist wohl denkbar, daß eine Annäherung Frankreichs an Deutschland und damit eine Stärkung Mitteleuropas zwischen England und Rußland in Petersburg sehr unlieb vermerkt würde. Dann allerdings wäre die französische Ministerreise nach Petersburg ein Kanossagang, eine neue Demütigung des einst so stolzen Frankreichs vor dem allgewaltigen Väterchen. — Nach neuesten Mitteilungen über die zu Ende gehende Dreyfussache schwirren noch immer Briefe und Zeitungsartikel, Veröffentlichungen und Verdunkelungen bunt durcheinander. Es wird noch immer fortgelogen und weitergefälscht in Paris. Infolge eines Ansuchens des Regierungskommiffars Carriöre hat der Chefredakteur des „Matin" dem Berichterstatter des Pariser Kriegsgerichtes drei Dokumente übermittelt: nämlich einen Brief Esterhazys vom 4. Juni 1899, in welchem derselbe erklärt, daß er das Bordereau im Jahre 1894 auf Befehl des Obersten Sandherr geschrieben habe; ferner das Facsimile des Bordereaus selbst, welches der Sachverständige Teysonnier dem „Matin" 1896 zur Veröffentlichung übergab, und endlich das Original-Manuskript des vom „Matin" veröffentlichten Artikels Esterhazys, in welchem dieser seine Beziehungen zu den Generalen Boisdeffre und Gonse erzählt. Der „Matin" hebt hervor, daß der Berichterstatter des Pariser Kriegsgerichtes von der absoluten Gleichheit der Schriftzüge dieser drei Dokumente betroffen gewesen sei. — Auch gerichtliche Nachspiele nebengeordneter Art wird der Revisionsprozeß zeitigen. Dem „Figaro" zufolge beabsichtigt der frühere Kriegsminister Lebon gegen diejenigen Blätter, welche ihn in der Dreyfussache angegriffen haben, gerichtlich vorzugehen, weil ein Beschluß des Verwaltungsrates des Credit foncier ihm eine gerichtliche Austragung der Angelegenhet zur Pflicht gemacht habe. T. R.
London, 5. August. Esterhazy erklärte einem Redakteur, daß der letzte im „Matin" über ihn veröffentlichte Artikel unrichtig sei.
Newyork, 4. August. Durch einen Orkan wurden in Florida fünf Städte völlig zerstört, vier andere überschwemmt und von der Außenwelt abgeschnitten. Ein Passagierdampfer ist mit Mann und Maus untergegangen. Bahnzüge wurden von den Geleisen geweht. Die Anzahl der Toten und Verletzten läßt sich noch nicht feststellen, ist aber voraussichtlich sehr beträchtlich.
Lokales und Provinzielles.
Gießen, den 5. August 1899.
* * Stadttheater. Die in Berlin erscheinende „Deutsche Bühnen-Genossenschafts Zeitung" schreibt am 4. ds. Mts.: „Die Herren Kruse u. Helm beginnen am 1. Oktober ds. Js. ihre vierte Saison im Stadttheater in Gießen. Auch für die kommende Spielzeit sind seitens der Stadtverwaltung und des Theatervereins wieder bedeutende Aufwendungen für Verbefferung des Bühnenapparates (Beschaffung von Dekorationen und Bühnenmöbeln von der Firma Hugo Baruch u. Co. in Berlin) gemacht worden. — Erwähnt sei noch, daß die Direktion Kruse u. Helm von diesem Jahre ab auch regelmäßig eine am 1. September beginnende Vorsaison in der Nachbarstadt Wetzlar veranstalten wird, und somit ihren Mitgliedern mit Einschluß der seit Jahren bestehenden Nachsaison in Bingen- Lüdenscheid ein über acht Monate dauerndes Engagement bietet."
* * Neue Reichskaffenscheine zu 50 Mark sind unterm 5. Januar d. Js. ausgefertigt und vor kurzem in Umlauf gesetzt worden. Sie sind 10 Zentimeter hoch, 15 Zentimeter breit, aus geriffeltem Hanfpapier in bläulich grünem Kupferstichdruck hergestellt. Eine von Lorbeerzweigen umgebene Kaiserkrone bildet das Wafferzeichen, während die Rückseite des Scheines einen mit bunten (gelb, blau, grün, rot) Pflanzenfasern durchsetzten Streifen enthält. Die Vorderseite enthält die Zahl 50, das Wort Reichskassenschein, außerdem eine weibliche Gestalt mit Hermelinmantel und Kaiserkrone. Die Gestalt sitzt auf einer mit Adler, Borte und dem Monogramm W verzierten steinernen Bank. Die Linke hält einen Palmenzweig, die Rechte greift nach einem hinter der Bank liegenden Schwerte. Zur Seite der Figur hängt an einer Eiche ein Schild mit dem Reichsadler. Zu Füßen der Gestalt befinden sich die Sinnbilder der Landwirtschaft, des Handels, der Kunst, Wissenschaft und Industrie. Auf der Rückseite der Scheine befinden sich in deutscher Schrift die Worte: Reichskassenschein, fünfzig Mark, darunter die bekannten Strafandrohungen.
• • Mainzer Cornel - Quartett. Das von genanntem Quartett gestern abend in Steins Garten gegebene Konzert war leider überaus spärlich besucht. Reicht die Virtuosität der vier Künstler auch nicht an die des Herrn Kümmel oder der Mitglieder des Kaiser-Cornet-Quartetts heran, so errangen sie doch den Beifall der Besucher durch ihre eifriges Studium verratenden Vorträge, darunter die Volkslieder besonders ansprachen.
* * Hundeausstellung. Nachstehend teilen wir das Verzeichnis der Hunde (unter Benennung ihrer Besitzer) aus Gießen und Umgebung mit, welche bei der Hundeausstellung zu Gießen am 15. und 16. Juli prämiiert wurden: Kurzhaarige St. Bernhardshunde. 1. Preis: Hektor (Dr. Behring, Warburg i. H.) 2.: Diana (Derselbe). — Langhaarige St. Bernhardshunde. Lobende Erw.: Patt (Erbprinzessin Solms-Lich). — Deutsche Doggen. 3. Preis: Juno (Rodrian, Post Büdingen). 3.: Senta-Vorwärts (Förster, Gießen). 2.: Harras (Noll, Gießen). 2.: Ingo (Opel, Gießen-Rüsselsheim). 3.: Tyras (M. Keßler, Gießen). L. E.: Cäsar (Weigert, Gießen). 1. u. Ehrenpreis: Hella-Vorwärts (Förster, Gießen). — Leonberger: 1. Preis: H. F. Nassauer, Gießen). — Schottische Schäferhunde (Collies). 3. Preis: Unna Goldhaar (Eißfeller, Steinbach b. Gießen). 1.: Atta- Troll (Derselbe). H. L. E.: Ormonde (Dort, Gießen). — Deutsche Schäferhunde. 1. Preis: Hektor (Lenz, Gießen). — Dalmatiner. H. L. E.: Lord (Jordan, Gießen). — Pudel. 3. Preis: Oskar (Hainbach, Lindenstruth. — Airedale-Terriers. 3. Preis: Schackel II.- Kottbus (Schiele, Gießen).— Rauhhaarige Pinscher. 1. Preis u. Ehrenpreis: Max-Kismet (C. Schwan, Gießen). 1.: Schnauzer (Weigert, Gießen). L. E.: Butz (vr. Klein, Gießen). 1.: Schneckchen (Schwan, Gießen). 2.: Bertha (Derselbe). 1.: Peter, Bertha, Schneckchen (Derselbe.) — Affenpinscher. 1. Preis: Jocko (Schmidt, Gießen). — Kurzhaarige deutsche Vorstehhunde. 1. Preis: Herr Nimrod vom Röderfeld (Dr. Schäfer, Freien-Steinau). 3. Tell-Walhall (Erdmann-Lollar). 2.: Bruno von der Lahn (Rübsamen, Gießen). H. L. E.: Wodan-Walhall (Schneider, Friedelhausen b. Gießen). 1.: Harras (Ziegler, Braunfels). 3.: Hacko (C. Bieler, Gießen). 1. u. Ehrenpreis: Kora-Heuchelheim (Rinn, Heuchelheim). 3.: Betty vom Röderfeld (Schäffer, Freien-Steinau). H. L. E.: Ohne Namen (Stein, Grünberg). 2.: Juno-Katzenfurt (Kuhl, Katzenfurt). 1. Tell-Münzenberg (Gorr, Münzenberg). 2.: Hacko (C. Bieler, Gießen). 3.: Rino (Reges, Hohensolms). 2.: Flora (Schneider, Krofdorf). H. L. E.: Freya (Jöckel, Grünberg). 1. u. Ehrenpreis: Nino von der Lahn (Rübsamen, Gießen) und Tell-Gießen (Himmelreich, Gießen). 3.: Treff (Kröll jr. Gießen). 1.: Juno (Schmidt-Gießen). 1 k-Preis: Kora-Heuchelheim (Kron, Waldgirmes). 1 a- Preis: Betty vom Röderfeld (Derselbe.) 2 b Preis: Tell- Walhall (Schiele, Dollar). 1. u. Ehrenpreis: Bruno (Kommerzienrat Gail, Gießen).— Langhaare deutsche Vorstehhunde. 2 1. Preise: Troll-Walhall (Brauer, Gießen). 1. Preis: Harras (Karl Müller, Gießen). 2.: Troll-Walhall (Dr. Steffens, Lollar). 2: Erra (Walhall (derselbe). 1.: Treff-Walhall (Kilbinger, Gießen). — Stichelhaarige deutsche Vorstehhunde. 2. Preis: Telka (Schmidt, Gießen). 3.: Hexe (Rübsamen, Gießen). — Pudelpointers. 1. Preis und Ehrenpreis: Harras- Biebrich (H. v. Mulert, Gießen). 2.: Rolf-Merlau (Ludlof, Merlau). 2.: Tell-Merlau (derselbe). — Langhaarige engl. Vorstehhunde (Setters). 1. u. 2. Preis: Tell (Lemke, Bad-Nauheim). — Dachshunde. 3. Preis: Waldmann (Koch, Gießen). 2 2. Preise: Mäuschen (Güngerich, Altenberg b. Wetzlar). H. L. E.: Feldmann (derselbe). — Glatthaarige Foxterriers. L. E.: Flock (Kriegk, Schotten). 1. Preis: Lord-Fallbachthal (Koch, Bruder-
diebacher Hof). 2.: Miß-Fallbachthal (derselbe). 2 1. Preise: Lieschen-Gründau (Rullmann, W., Gründau). — Nicht genannte Rassen. H. L. E.: Tell (Dr. Kipper, Gießen).
* * Die Sternschnuppen des August. In den Nächten vom 8. bis 12. August wird man eine größere Anzahl von Sternschnuppen wahrnehmen, die aus dem Sternbilde des Perseus auftauchen. Da der Mond an diesen Abenden schon zeitig untergeht, so wird die Erscheinung nicht leicht zu übersehen sein, doch darf man nicht auf einen großen Sternschnuppenfall (wie im November 1866) rechnen, sondern nur auf ein reichlicheres Auftreten der Meteore. Das Auftreten dieser Sternschnuppen ist uralt; schon vor mehr als 1000 Jahren wurde es von den Chinesen beobachtet und ausgezeichnet, doch erschienen die Meteore damals um den 20. bis 25. Juli, und erst nach und nach ist die Erscheinung bis zum ersten Drittel des August zurückgewichen. In Europa ist man erst seit Mitte des vorigen Jahrhunderts auf diese Meteore aufmerksam geworden, und in der Volksanschauung wurden sie damals als die feurigen Thränen des hl. Laurentius bezeichnet, dessen Festtag auf den 10. August fällt. Sehr glänzend trat die Erscheinung 1839 in den Nächten vom 9. bis 11. August ein; auf beiden Erdhälften wurden damals zahlreiche Meteore gesehen, die meisten in der Nacht des 10. Auch 1848 brachte diese Nacht einen sehr reichen Sternschnuppenfall. Im vergangenen Jahre wurden in den Nächten des 10. und 11. August viele Sternschnuppen besonders in England gesehen, und es gelang, für mehrere derselben die Höhe über der Erdoberfläche, in welcher sie sich befanden, durch Messung zu ermitteln. Im Durchschnitt ergab sich als Höhe dieser Meteore beim Aufleuchten 129 km, beim Verschwinden 90 km. Die beobachtete Bahnlänge war im Mittel 60km, und da die Meteore diese in höchstens 1—2 Sekunden durchliefen, so war ihre Geschwindigkeit größer als diejenige der Erde. Ueberhaupt ist unzweifelhaft, daß die Meteore aus dem Weltraum in die Atmosphäre der Erde treten, und wir wissen heute, daß sie eine langgestreckte elliptische Bahn um die Sonne beschreiben, welche die Erdbahn kreuzt. Auf dem Umfange jener Bahn bilden die Meteore eine langgestreckte Wolke, ja, sie sind fast ganz über diesen Bahnumfang verteilt, nur befinden sich an einer, vielleicht auch an mehrer» Stellen dichtere Haufen von Sternschnuppen. Gegen den 10. August kommt die Erde dem Kreuzungspunkte mit der Meteorbahn am nächsten, dann treten mehr oder weniger zahlreiche Meteore in unsere Atmosphäre und zeigen, aufglühend, sich als Sternschnuppen. Schiaparelli hat zuerst die kosmische Bahn dieses Sternschnuppenschwarms berechnet und gleichzeitig gefunden, daß in der nämlichen Bahn auch ein Komet um die Sonne läuft, der in etwas mehr als 120 Jahren einen Umlauf vollendet. Wahrscheinlich ist dieser der Rest eines ursprüglich viel größeren Kometen, aus dessen Auflösung die langgestreckte Meteorwolke entstanden ist. Der Komet wurde zuletzt im Jahre 1862 gesehen und wird also erst Ende des nächsten Jahrhunderts wiederkehren; gegenwärtig befindet er sich in dem entferntesten Teile seiner Bahn.
§§ Ober-Lais bei Nidda, 4. August. Heute fand hier Beigeordnetenwahl statt. Der seitherige Beigeordnete Louis Schauermann, Kaufmann und Gastwirt, hatte in der Person des Landwirts Karl Becht einen Gegen-Kandidaten. Von 115 Wahlberechtigten machten 108 Personen von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Die Wahl ergab Stimmengleichheit, es fielen nämlich auf jeden Kandi- baten 54 Stimmen. Mit Einverständnis der beiden Kandidaten wurde durch den Bürgermeister das Los gezogen, das zugunsten des seitherigen Beigeordneten Herrn Louis Schauermann fiel.
Darmstadt, 4. August. Seine Königliche Hoheit Prinz Christian von Schleswig-Holstein trifft heute mittag zum Besuche der Allerhöchsten Herrschaften auf Jagdschloß Wolfsgarten ein.
Darmstadt, 4. August. Ein Dauerritt der Kavallerie-Offiziere des 18. Armee-Korps, abends 10 Uhr beginnend, fand am 28. Juli um den vom Kaiser für das Armee-Korps gestifteten Ehrenpreis statt. Ausgangspunkt des Dauerritts war die Kavallerie-Kaserne des Dragoner- Regiments Nr. 23 Hierselbst, dann ging es in der Richtung nach Höchst a. M., bezw. Oberkristei mit Passieren der dortigen Fähren, Königstein im Taunus, Wehrheim und Butzbach. Bei letzterm Orte hatten Abteilungen des 1. Bataillons des Infanterie-Regiments Nr. 168 und des 1. Hess. Husaren-Regiments Nr. 13. Vorpostenstellungen bezogen, über die Meldung zu erstatten war. Der Endpunkt des Dauerritts war die Kaserne des Husarenregiments Nr. 13 in Bockenheim. Die zurückzulegende Strecke betrug etwa 150 Kilometer. An dem Ritte nahmen teil 23 Offiziere vom Manen-Regiment Nr. 6 (Hanau), Husaren- Regiment Nr. 13 (Bockenheim-Mainz) und Dragoner-Regiment Nr. 23 (Darmstadt). Die Offiziere des Dragoner-Regiments Nr. 24 mußten wegen der unter den Pferden dieses Truppenteils ausgebrochenen Krankheit von der Beiteiligung an dem Ritte Abstand nehmen.
Das Bad Salzschlirf bei Fulda, welches wegen der bewährten Heilkraft seiner Quellen alljährlich von tausenden von Gicht- und Stein- 2C. Leidenden mit Erfolg aufgesucht wird, besitzt noch keine evangelische Kapelle. Der Gottesdienst wird noch immer, wie schon seit langen Jahren, im Musikzimmer des Kurhauses abgehalten. Die unerwartet schnell steigende Frequenz des Bades läßt den Bau einer Kapelle als dringendes Erfordernis erscheinen, da bereits in diesem Jahre das Musikzimmer — bei oft 120 Anwesenden — speziell für den gottesdienstlichen Zweck nicht mehr ausreichte. Am Orte selbst befinden sich nur 14 evangelische Familien, welche allein die Mittel zum Bau einer Kapelle nicht aufzubringen vermögen. Da der geplante Bau nun fast ausschließlich dem Interesse der Kurgäste dient, welche aus allen Weltgegenden hierher zusammenkommen, wird auch


