Ausgabe 
6.7.1899 Erstes Blatt
 
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Petersburg, 4. Juli. Der Redakteur desKurjer Warszawski", Olczewsky, wurde gegen 12000 Rubel Kaution auf freien Fuß gesetzt.

Odeffa, 4. Juli. Ein entsetzliches Unglück hat sich in dem Kohlenbergwerk Kriny-Rog ereignet. Bei der Sprengung einer Kohlenschicht ist durch die Unvorsichtigkeit eines Bergmannes die Dynamit-Patrone zu früh explodiert, wodurch 44 Bergleute getötet und 20 schwer verwundet wurden.

Bombay, 4. Juli. Eine Abteilung englischer Soldaten, welche sich nach dem Norden begab, wurde von den Wasarania angegriffen, wobei ein englischer Soldat getötet, mehrere verwundet wurden. ___________________

Lokales und Provinzielles.

Gießen, den 5. Juli 1899.

** Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 1. Juli dem Fußgendarmen Knell vom Großherzoglichen Gendarmeriekorps das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen geruht.

* Kirchliche Dieustuachrichten. Seine König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 23. Juni dem Pfarrer Emil Fritsch zu Grebenau die evangelische Pfarrstelle zu Frei-Laubersheim, Dekanat Wöllstein, am 1. Juli dem Pfarrer Karl Kleberger zu Groß-Umstadt eine evangelische Pfarrstelle an der Stadtgemeinde zu Darm­stadt, Dekanat Darmstadt, zu übertragen.

* * In den Ruhestand wurde versetzt am 28. Juni der Gefangenaufseher am Provinzialarresthaus zu Darmstadt, Anton Kronenberger auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. August 1899 an.

* * Wie Gießen Feste zu feiern versteht und alles auf­bietet, was irgend zu deren Verherrlichung beizutragen vermag, das zeigte neben dem glänzenden, durch die Ungunst der Witterung leider beeinträchtigten Festzug vom Sonntag, die unvergleichliche Darstellung der Lebenden Bilder in der Fe st halle am gestrigen Abend. Wind und Regen vermochtendieSchaulustigen nicht zurückzuhalten; schon Stunden vor Beginn der Aufführung machten sich viele auf den Weg zur Festhalle, um sich einen Platz zu sichern, und wer nach acht Uhr kam, konnte von Glück sagen, wenn es ihm gelang, einen Stehplatz mit einiger Bewegungsfreiheit zu erobern. An 5000 Personen mußten es nach unserer Schätzung sein, die in der Festhalle Unterkunft gesucht hatten und in freudiger Stimmung der Dinge harrten, die da kommen sollten. Mit brausendem Jubel wurden die Klänge des Schützenmarsches ausgenommen, mit dem Meister Krauße, den Schützen vor­greifend, einen Haupttreffer gemacht hat; als dann aber Herr Regisseur Otto Beck vom Kölner Stadttheater mit kräftiger, dabei äußerst sympathischer Stimme die die Lebenden Bilder aus der vaterländischen Geschichte" ein­leitenden Worte sprach, herrschte eine Stille, wie sie unter einer so zahlreichen Zuhörerschaft eben möglich ist. Es wurden unter wirkungsvoller, wechselnder bengalischer Be­leuchtung (grün und rot) im ganzen folgende sieben Bilder von den nachbenannten Vereinen gestellt:

1. Bild: Barbarossa im Kyffhäuser. Unter seinen Mannen der Sänger Heinrich von Ofterdingen. (Gestellt vom Radfahrerverein 1885).

2. Bild: Hermann des Cheruskers Heimkehr aus der Teuto­burger Schlacht i. I. 9 n. Ehr. (Gestellt von der Gießener Turnerschaft).

3. Bild: Herzog Heinrich von Sachsen erhält beim Vogel­fang durch Eberhard von Franken die Kunde von seiner Wahl zum deutschen König 918. (Gestellt vom VereinBavaria").

4. Bild: Plünderung eines deutschenOrtes durch dieSchweden im 30jährigen Krieg. (Gestellt vom VereinFrohsinn" und den Damen des Schützenvereins).

5. Bild: Theodor Körner unter den Lützowern, sein Schwert- Lied vorlesend. (Gestellt von der Gießener Ruder­gesellschaft).

6. Bild: König Wilhelm bei Sedan. (Gestellt vom Rad­fahrer-VereinWanderer").

7. Bild: Huldigung am Niederwald-Denkmal. (Gestellt von sämtlichen mitwirkenden Vereinen).

und zwar ohne Ausnahme in mustergiltiger Weise. Wir glauben das umsomehr betonen zu dürfen, als unsere An­sprüche in dieser Richtung zufolge langjährigen Lebens in unserer ersten Handelsstadt, die auch in gedachter Hinsicht obenan steht, nicht geringe sind, und wir freuen uns auf­richtig, daß Gießen seine Beanlagung zur Großstadt ge­legentlich des jüngsten Festes so augenfällig zur Geltung bringt. Daß der Dichter des die Bilder verbindenden Textes nicht halbe Arbeit liefern würde, haben wir nach Maßgabe seiner bisherigen Leistungen ohne weiteres vor­ausgesetzt, und doch hat er unsere Erwartungen übertroffen, indem er in knapper Form und gehaltvollen, Widerhall er­weckenden Worten Jahrhunderte zur Geltung brachte. Daß Orchester und Chor harmonisch zu wirken wissen, hatten wir aufs neue Gelegenheit zu erfahren. Das von Herrn Assessor Lony vorgetragene Tenorsolo fand stürmischen Beifall, so daß er sich der immerhin anstrengenden Aufgabe einer Wiederholung unter­ziehen mußte. Einzelheiten hervorzuheben, vermögen wir bei der Fülle und dem Glanz des Gebotenen nicht, erwähnen wollen wir nur, daß Herr Stauffer-Worms im Namen der aus­wärtigen Schützen Anerkennung und Dank für das von den verschiedenen Vereinigungen zu Ehren der Gäste geleistete in beredten Worten zum Ausdruck brachte. Es wäre schade, wenn soviel Aufwand an Zeit, Mitteln und Talent in wenigen Stunden aufgehen sollte, war die einstimmige Meinung aller Anwesenden, darum hoffen wir, daß sich nicht eine ein- sondern mehrmalige Vor­führung der lebenden Bilder ermöglichen läßt. Abgesehen von allem anderen dürfte diese Auffrischung hervorragender geschichtlicher Momente keinen vorübergehen­

den Wert haben. Wenn wir auch an dieser Stelle schließ­lich allen Mitwirkenden, leitenden, darstellenden und be­gleitenden Dank und Anerkennung für das Gebotene zollen, so dürfte das im Sinne aller derer geschehen, die gestern abend Augenweide und Herzensfreude gleicherweise fanden.

** 17. Verbands-Schießen des Badischen Landes Schätzen- Vereins und des Pfälzischen und Mittelrheinischen Schutzen- bnndes. Unter Anwesenheit der Vertreter der Schützen­vereine Wiesbaden, Frankfurt, Wendelsheim, Bingen, Hanau, Gießen, Sprendlingen, Mainz, Worms, Kreuznach, Bocken- heim, Butzbach und Offenbach fand gestern vormittag 9 Uhr unter Vorsitz des Herrn Binder- Worms der Schützentag des Mittelrheinischen Schützenbundes inSteins Garten" statt. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten und Mitteilungen, worunter diejenige von Interesse ist, daß der Bund sich im Jahre 1899 bereits um vier Vereine ver­mehrt, und ungefähr 2500 Mitglieder zählt, sich auch finan­ziell in befriedigender Verfassung befindet, wurde zunächst über einen von den Vereinen Bingen und Frankfurt gestellten Antrag verhandelt, gegen dessen Annahme im Interesse des Verbandes schon von vornherein sich Stimmen verlauten ließen. Der Antrag ging dahin, daß nach jedem Verbands­schießen in Baden oder in der Pfalz ein solches im Mittel­rheinkreise stattfinden sollte, weil dieser Kreis eine ebenso große Zahlfestsähiger" Städte besitze, wie Baden und die Pfalz zusammen. Der Antrag wurde von Seiten Frank­furts zurückgezogen, von Seiten Offenbachs wieder aus­genommen und schließlich mit erheblicher Stimmenmehrheit fallen gelassen, sodaß es bei der bisherigen Reihenfolge ver­bleibt. Betr. der Ehrengabe der Schießordnungs-Kommis- sion, welche bisher für die Meisterscheibe gestiftet wurde, wurde vom Frankfurter Vertreter der Wunsch geäußert, es möchte diese Ehrengabe der Festscheibe verliehen werden, wo­durch auch weniger guten Schützen Gelegenheit geboten sei, sich Preise zu erschießen. Zu Delegierten für den auf i/8ll Uhr anberaumten Verbandstag wurden die Herren Meister-Frankfurt, Heerdt-Mainz, Brück-Gießen, Seib-Offen- bach, Grüning-Wiesbaden gewählt. Herr Binder verab­schiedete sich hierauf in feiner Eigenschaft als Vorsitzender des Mittelrhein-Verbandes, und ging der Vorsitz auf Herrn Brück-Gießen über, welcher Herrn Binder für die bisherige Geschäftsführung dankte, und die Bitte um Unterstützung im neuen Amte aussprach, er werde sich bemühen, sich seines Vorgängers würdig zu zeigen. Herr Meister- Frank­furt widmete ebenfalls Herrn Binder Worte der Aner­kennung für dessen Geschäftsführung. In die Schieß- ordnungs-Kommission wurden die Herren Meister-Frank­furt und Brück-Gießen gewählt, und hieraus die Ver­sammlung geschlossen. Den darauf beginnenden Verbandsschützentag eröffnete Herr Göbel- Landau, der zunächst Bericht über das verflossene Jahr erstattete, dem Andenken des verstorbenen Vorsitzenden des Badischen Landesschützenvereins ehrende Worte widmete und den Vorsitz seinem Nachfolger Herrn Brück-Gießen über­trug. Herr Brück dankte Herrn Göbel für seine umsichtige und vortreffliche Geschäftsführung, und gab hierauf den Beschluß des Mittelrheinischen Schützenverbandtages, daß der Antrag auf Aenderung in der Reihenfosge der Ver- bandsschießen nicht zum Beschluß erhoben worden sei, kund. Die Versammlung nahm diese Mitteilung beifällig auf. Herr Gebhard- Ludwigshafen bemängelte es, daß die Konkurrenz­schießen immer mehr ihre Bedeutung dadurch verlieren, daß im Vergleich zu der Zahl der Becher zu wenig Personen schössen. Es wurde einerseits vorgeschlagen, die Zahl der Becher, andrerseits die Zeit zu beschränken, etwa auf 40 Minuten. Es soll dem nächsten Festort empfohlen werden, hierin Wandel zu schaffen. Auch der auf dem Verbandstag des Mittelrheinbundes bereits behandelte Vorschlag, den Preis der Schießordnungs-Kommission anstatt der Meister­scheibe der Festscheibe zuzuweisen, kam zur Verhandlung, doch wurde ein enbgiltiger Beschluß darüber nicht gefaßt. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung wurde behufs An­weisung zum Schießen die Ausgabe von Medaillen seitens der Feststadt empfohlen, ferner eine frühere Bekanntgabe der Tagesordnung des Verbandsschützentages angeregt. Zur Uebernahme des nächsten Verbandsschießens, das in Baden stattzufinden hat, hatten sich drei Städte gemeldet; die Wahl fiel einstimmig auf H e i b e I b e r g ; mit Rück­sicht auf bas beutsche Bundesschießen 1900 in Dresben finbet bas Verbandsschießen erst im Jahre 1901 statt. Nachstehend) teilen wir bas Ergebnis bes gestrigen Schießens mit: Felbscheibe Baben: Wiganb - Worms 35. Felbmeisterscheibe: Theobalb-Frankfurt. Stanb- fest s ch e i d e Sanbau: beste Teiler: Stackmann-Frank­furt 846. Stanbmeifterscheibe: Fuhr-Offenbach 54. Beste Resultate auf Festscheibe Mi11elrhein: Platt-Frankfurt 31, Schuster-Wenbelsheim 33, Baersch- Worms 32. Pistolen: Stern-Frankfurt, Knipper-St. Johann. Auf Felbscheibe erschossen Becher: Grüner- Lubwigshafen, Heerdt-Mainz, Kerz-Mainz, Seiberer-Karls- ruhe, Ewald-Ludwigshafen, Möhl-Gießen, Wigandt-Gießen. Auf Standscheibe: Fuchs-Kaiserslautern, Raquet- Kaiserslautern. Heute Mittwoch mittag 1 Uhr gelangten an folgenbe Schützen Becher zur Verteilung: Felbscheibe: W. Opel-Rüsselsheim, Komo-Offenbach, Eisinger-Ludwigs- hafen, H. Stackermann-Frankfurt. Stanbscheibe: Geisel- brecht-Nürnberg, Lusmann-Frankfurt, Keim-Franfurt, Chr. Müller Sprendlingen bei Frankfurt, Gg. Sievi-Neu-Jsen- burg, Gutenstein-Bockenheim, Bitzinger - Heibelberg, Fritz Opel-Rüsselsheim.

** Präsentation von Wechseln durch die Post. Vor einiger Zeit hieß es, der Staatssekretär bes Reichspoftamts habe angeorbnet, baß bei ber Präsentation von Wechseln burch bic Post in gleicher Weise verfahren werde, wie von anderen Behörden, und zwar in dem Sinne, daß die üblichen zwei Respekttage auch von der Reichspost zugestanden werde. Die Meldung erregte in kaufmännischen und gewerblichen Kreisen großes Interesse, da sehr viele

Wechsel durch die Post eingezogen werden. Man fand, dasi: die Anordnung ihre Vorteile, aber auch ihre Nachteile habe, und zwar ihre Nachteile insofern, als an den meisten kleinen Orten ein Gerichtsvollzieher sich nicht befindet, und wenn nun von der Post mit der Uebersendung an den Gerichts­vollzieher zwei Tage gewartet würde, wäre unzweifehaft die Frist zur Protesterhebung abgelaufen. Die Handels­und Gewerbekammer von Oberbayern glaubte aber auch, daß die Verfügung gesetzwidrig sei, da die Wechselordnung keine Respekttage kenne, und aus diesem Grunde sah sie sich veranlaßt, beim Handelstage anzufragen, was an der Sache sei. Die Antwort lautete nach derVoss. Ztg.": Nur ein Antrag, noch keine Entscheidung, betr. die Frist der Post für Wechselproteste."

* Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Kellner Max Braun aus Plauen wegen Unterschlagung vom Amtsanwalt in Gießen; Schreinergeselle Konrad Gast ei er aus Bad Nauheim wegen Betrugs vom Amts­anwalt in Friedberg, Bäcker Christian Heist aus Kaisers­lautern wegen Unterschlagung vom Amtsanwalt in Worms *r Viehschweizer Heinrich Heine von Grone wegen Betrugs von der Staatsanwaltschaft Gießen; Taglöhner Alfred Hof aus Mainz wegen Diebstahls von der Staatsanwaltschaft Mainz; Arbeiter August Hei er aus Marleben wegen Be­trugs vom Amtsanwalt Friedberg, Bäckergeselle Wilhelm Kurz aus Oberbrüden wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung vom Amtsanwalt in Friedberg, Installa­teur Mathias Hubert Lud. Münster mann aus Herzogen­rat wegen Betrugs von der Staatsanwaltschaft Mainz.- Photograph Richard Alfred Paul Raspe aus Mühlberg, wegen Diebstahls und Maurer Karl Stark aus Hatzfeld­wegen schweren Diebstahls, beide von der Staatsanwalt­schaft Mainz; Erdarbeiter Bartholo Sammbro aus Terrisso (Italien) wegen Betrugs vom Amtsanwalt in Als­feld; Dienstmagd Karoline Zerr er aus Marbuch wegen Diebstahls vom Polizeiamt Mainz; eine angebliche Frau Pod ogil aus Mannheim wegen Zechbetrugs vom Amts­anwalt Mainz, ferner wegen Strafverbüßung: Schuhmacher Hermann Bader aus Karlsruhe und Arbeiter Jakob Worster aus Alzey vom Amtsgericht Oppenheim; Porte­feuiller Friedrich Reibert aus Bieber vom Amtsgericht Offenbach; Taglöhner Anton Michael Schmitt aus Mainz^ Taglöhner Karl Gustav Freitag aus Strange, Schreiner Heinrich Berlau aus Eudorf und Agent Michael Berger aus Wörrstadt sämtlich vom Amtsgericht Mainz.

* Wetterbericht. Vom Westen des Erdteils ist das Barometer noch weiter gestiegen, und drängt hoher Druck in den Kontinent herein, lieber dem Nord- und Ostsee- Gebiet besteht auch heute noch tiefer Druck fort. Derselbe weist zwei Minima auf, von denen das eine an der unterem Elbe, das zweite über Ostpreußen liegt. Gegen Süden und Südwesten sind die Druckunterschiede ziemlich groß, sodaß in fast ganz Deutschland das Wetter sehr unruhig ist. Die Niederschläge haben allgemein etwas nachgelassen. Vorauss ichtliche Witterung: Vorerst noch wolkiges, zeitweise unruhiges Wetter, später langsame Besserung von Westen her.

-a- Steinbach bei Gießen, 4. Juli. Gestern bewegte sich ein großer Leichenzug vom hiesigen zweiten Schulhause nach unserem Friedhof, es galt dem aögeliebten, treuen Lehrer, Herrn Habermann, die letzte Ehre zu erweisen. 39 Jahre war derselbe in hiesiger Gemeinde thätig gewesen. Er hat in und außer der Schule unendlich viel für dieselbe gewirkt. Dies brachte auch am Grabe Herr Pfarrer Haacke zum Ausdruck, der auf Grund des Textes Offenbarung 14, 13 (Selig sind die Toten--) den Verstorbenen gewisser­

maßen als geistigen Vater der Gemeinde schilderte, ihn dar­stellend nicht nur als treuen, pflichteifrigen Lehrer, sondern auch als unermüdlichen Förderer und Erhalter alles Guten und Schönen, dem er seine ganzen Kräfte widmete. Da heiße es mit Recht:seine Werke folgen ihm nach". Darauf sprach Herr Dekan Wahl von Hausen und zollte dem Ent­schlafenen ehrende Anerkennung im Namen der Kreisschul­kommission, zugleich auch noch besonders des tiefen Herz- leides der Hinterbliebenen gedenkend und an den Gott alles Trostes mahnend. Dem Freund und Kollegen widmete Herr Lehrer Hardt von Langsdorf einen warmen Nachruf. Ferner legten noch Kränze am Grabe nieder Herr Bürger­meister Krämer im Namen des Kirchen- und Gemeinde­vorstandes, die Schulkinder und der Präsident des Gesang­vereinsEintracht", dessen Gründer und langjähriger Dirigent der Verstorbene gewesen war. Sein Andenken wird bei uns stets in Ehren bleiben. R. i. p.

+ Nidda, 4. Juli. Gestern morgen wurde ein etwa 40jähriger Mann in das hiesige Gefängnis verbracht, der, wegen Bettelns in einem Nachbarorte aufgegriffen, jede Aus­kunft über seine Person 2c. verweigerte, und ein Ausländer zu sein scheint, im übrigen aber den Eindruck eines geistig nicht normalen Menschen macht. Infolge der an­dauernden Regengüsse ist die Nidda heute abend so an­geschwollen, daß ein Uebersteigen befürchtet wird.

Schotten, 3. Juli. Der gestrige Hauptausflug des Vogelsberger Höhenklubs auf den Hoherodskopf hatte sehr unter den Unbilden der Witterung zu leiden. Zu Fuß wagten sich nur die allerkühnsten wetterfesten Hochtouristen nach dem sonst so stark besuchten Bergesgipfel, aber zu Wagen waren verhältnismäßig viele Festteilnehmer erschienen, sodaß die Räume des Klubhauses dieselben kaum fassen konnten. Herr Amtsrichter Dr. v. Ackermann begrüßte die Festgenossen namens des Centralausschusses und ließ seine kurze, aber kernige Ansprache in einem Hoch auf den Vogels­berg und den hohen Protektor des Klubs, Se. Kgl. Hoheit Großherzog Ernst Ludwig, ausklingen. Die in dem voll­gepfropften Klubhause herrschende Stimmung stand mit beim draußen tobenden Wetter im grellsten Widerspruch; je düsterer der Himmel dreinschaute und je dichter Regen und Nebek-