Ausgabe 
6.7.1899 Erstes Blatt
 
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Nr. 156 Erstes Blatt. Donnerstag den 6. Juli isoo

Gießener Anzeiger

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Amtlicher Teil.

Nr. 26 des Reichsgesetzblattes, ausgegeben den 1. d.Mts., -enthält:

(Nr. 2587.) Notenwechsel, betreffend die Handels­beziehungen zwischen dem Reiche und Spanien. Vom 12. Februar 1899.

Gießen, den 5. Juli 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Bekanntmachung,

betr.: Die Wahlen zum Kreistage des Kreises Gießen.

Gemäß Art. 28 der Kreis- und Provinzial-Ordnung !bringen wir zur öffentlichen Kenntnis, daß bei den statt­gehabten regelmäßigen Ergänzungs- bezw. Neuwahlen die nachstehend verzeichneten Herren zu Mitgliedern des Kreis­tages gewählt und als solche in der Kreistagssitzung vom 30. Juni 1899 bestätigt worden sind.

1. Wahlen durch die Bevollmächtigten der Gemeindevorstände. Ord.-Nr. Wahlbezirk

1. I. (Gießen-Stadt). Rechtsanwalt Dr. Gut­fleisch, Gießen.

2. Stadtverordneter Scheel,

Gießen.

3. II. (Gießen-Land). Bürgermeister Sommer- lad, Wieseck.

4. III.(Großen-Linden). Bürgermeister Leun, a<iC

5. VIII. (Grünberg).

6. IX. (Hattenrod).

7. X. (Lich.)

8. XII. (Hungen).

9. I. (Gießen-Stadt).

12. IV. (Watzenborn).

13. V. (Großen-Buseck).

14. VI. (Staufenberg.)

15. VII. (Londorf).

16. XI. (Eberstadt).

2. Wahlen durch die 50 Höchstbesteuerten.

1. Rechtsanwalt Justizrat Hirschhorn, Gießen.

2. Kommerzienrat Heyligenstädt, Gießen. auf

3. Brauereibesitzer Eduard Röhrle, Gießen. i6Jahre.

4. Gutsbesitzer Schlenke, Hardthof b. Gießen.

5. Fabrikant Louis Emmelius, Gießen. auf 3 Jahre. Gießen, den 3. Juli 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

___________________v. Bechtold.__________

Die Hauptversammlung

des Oberhessischen Obstbauvereins findet am Gamstag dem 15. Juli, nachmittags 3 Uhr, in Friedberg im HotelZu den drei Schwertern" mit folgender Tagesordnung statt:

1. Rechenschaftsbericht pro 1898/99.

2. Rechnungsablage pro 1898/99.

3. Kostenvoranschlag pro 1899/1900.

4. Das Institut der Vereinsbezirksbaumwarte. Referent: Direktor Dr. v. Peter.

5. Antrag über Abhaltung von Obstausstellungen im Vereinsgebiet und Beteiligung an auswärtigen. Re­ferent: Der Sekretär K. Reichelt.

6. Neuwahl des Vorstandes und Ausschusses.

7. Geschäftliches.

-8. Wünsche und Anträge.

6 Jahre.

Großen-Lmden.

Bürgermeister Zimmer, Grünberg.

Bürgermeister Horst, Nieder-Bessingen. BürgermeisterHeller,Lich. Bürgermeister Buttron, Hungen.

Oberbürgermeister Gnauth, Gießen. Commerzienrat Georgi, Gießen.

Landgerichtsrat Dr. Schäfer, Gießen. Gemeinde-Einnehmer Maid, Watzenborn. Gemeinderats * Mitglied Demper, Großen-Buseck. Bürgermeister Geißler, Lollar.

Apotheker Welcker, Allen- dorf a. d. Lumda.

Bürgermeister Roth, Muschenheim.

. auf

3 Jahre.

Die Mitglieder des Vereins werden hiermit zu der Ver­sammlung freundlichst eingeladen.

Der Präsident _. ~

des Oberhess. Obstbauvereins: Die Geschäftsstellen 0r.Brad°n,G-H.R-gi-rungsrat. Direktor Dr. v. Peter.

Deutsches Keich.

Berlin, 4. Juli. Im Herrenhause wurden heute zunächst einige Rechnungssachen erledigt und hierauf der Gesetzentwurf betreffend Bewilligung von Staatsmitteln zum Bau von Arbeiterwohnungen angenommen. Der Gesetz­entwurf betreffend Schutzmaßregeln im Gebiete der links­seitigen Oderzuflüsse wurde an das Abgeordnetenhaus zurück­verwiesen. Der Nachtragsetat wurde genehmigt und der Gesetzentwurf betreffend die Verteilung der öffentlichen Lasten bei Grundstücksteilungen und Neuansiedelungen en bloc an­genommen. Schließlich werden noch Petitionen erledigt. Auf der morgigen Tagesordnung steht die Karfreitags-Vorlage und der Antrag des Grafen Mirbach betreffend den Schutz des gewerblichen Arbeitsverhältniffes.

Berlin, 4. Juli. Im Abgeordnetenhause wurde heute das Gesetz über die freiwillige Gerichtsbarkeit in der Gesamtabstimmung angenommen, desgleichen die landesrecht­lichen Vorschriften über die Gebühren der Rechtsanwälte und Gerichtsvollzieher. Nachdem noch Petitionen erledigt waren, vertagte sich das Haus. Nächste Sitzung unbestimmt, jedoch nicht vor dem 14. August.

Ausland.

Graz, 4. Juli. Im gesamten Alpengebiet herrschen heftige Schneefälle.

AltAnffee, 4,Jun. Mnister-Präsident Graf Golu- chowsky und Reichskanzler Fürst Hohenlohe werden im Laufe dieses Monats hier eine Zusammenkunft haben.

Budapest, 4. Juli. Nachdem der Finanzminister energisch für die Beibehaltung der gemeinsamen Notenbank eingetreten ist, hat das Abgeordnetenhaus sämtliche Bank-Valuta- Vorlagen angenommen, womit die gesamten Ausgleichs- Vorlagen erledigt sind.

Brussel, 4. Juli. Die gesamte Rechte hat heute vor­mittag den Beschluß gefaßt, bei der Eröffnung der heutigen Kammersitzung zu fordern, daß eine ministerielle Erklärung verlesen werde, in welcher die Regierung sich bereit erklärt, alle Wahlvorlagen sämtlicher Parteien zu diskutieren, unter dem Vorbehalt, dieselben einer parlamentarischen Kom­mission von 21 Mitgliedern zu überweisen und die dies­bezüglichen Arbeiten innerhalb zwei Wochen zu beendigen. Die Mitglieder der Linken hatten heute vormittag wegen ihrer einzunehmenden Haltung gleichfalls einen wichtigen Beschluß gefaßt. Als der Beschluß der Rechten bekannt wurde, begannen die Beratungen der Linken aufs neue. Nach heftiger Debatte wurde beschlossen, einen Negierungs- Vorschlag anzunehmen, unter der Bedingung, daß der Termin von zwei Wochen nicht überschritten werde. Vor dem Parlamentsgebäude ist eine große Menschenmenge versammelt, welche singt: O Vandenpeereboom.

Brussel, 4. Juli. Die Kammer nahm den Vorschlag der Regierung, betreffend Zurückweisung der Wahlreform- Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern an, nachdem Van den Peereboom erklärt hatte, daß er nichts dagegen einzuwenden habe, wenn der Referendums-Vorschlag über die Wahlfrage in der Kommission beraten würde. Hiermit wurde die Debatte beendet und in die Beratung des Budgets eingetreten.

Belgien. Als Zeichen, daß neue Unruh en befürchtet werden, kann die Einberufung der gesamten Bürgerwehr in Brüssel auf heute gelten. Es heißt, daß die Bürgergar­disten, welche am Sonntag in Lüttich in die sozialistische Versammlung marschierten, disziplinarisch bestraft werden sollen. Die Bürgergardisten dagegen fordern ihr bürger­liches Recht, an Kundgebungen teilzunehmen. In Lüttich zogen vorgestern 15 000 Sozialisten und Liberale mit roten und blauen Fahnen durch die Straßen der Stadt. Ein nettes Stückchen wird derEtoile beige" aus Tournai be­richtet : Bei der großen Besichtigung der Bürgergarde in Tournai durch den kommandierenden General aller Bürger­garden der Provinzen Hennegau und Namur stellten sich die sämtlichen Abteilungen der Bürgergarde nach Beendigung der Uebungen im Hofe des Rathauses auf. General Tour­nay hielt eine Ansprache und schloß mit dem Rufe:Es lebe der König!" Die Bürgergarden blieben stumm; nur zwei Offiziere sielen in den Ruf ein. Der General verließ sofort den Hof.

Niederlande. DerManchester Guardian" bringt fol­gende Nachricht von der Friedenskonferenz: Deutsch­land sei nicht gegen das Wortdauernd" im Titel des Schiedsgerichts aufgetreten, sondern habe das Wort ohne Zögern angenommen. Deutschland habe aber darauf be­standen, daß das WortTribunal inCourt umgewandelt werde. Der Titel werde nun lauten:The permanent court of international arbitration. Der Antrag des amerikanischen Delegierten Holls zum Schiedsgericht laute, das Schiedsgericht solle berechtigt sein, innerhalb dreier Monate nach Veröffentlichung des Urteils in jedem Falle noch einmal zu verhandeln, wenn eine neue Thatsache oder ein wesentlicher neuer Rechtspunkt an den Tag kommt. Holls habe seinen Antrag mit einer Stimme Mehrheit durchgebracht, England habe mit Amerika gestimmt. Die Kommission habe dann die Frage beraten, ob es möglich sei, ein dauerndes Schiedsgericht zu schaffen, welches den streitenden Parteien seine Dienste anbietet, wenn ein Krieg wahrscheinlich ist. Am heutigen Dienstag werden die Dele­gierten nach dem Grabe von Hugo Grotius in Delft wall­fahrten. Die Amerikaner werden am Grabe des Begründers der Völkerrechtswissenschaft einen silbernen Kranz niederlegen. Daß die Konferenz den Pflichten der Höflichkeit nach­gekommen ist, ist eigentlich überflüssig zu sagen. Ganz be­sonders natürlich ist, daß sie den russischen Abrüstungs­vorschlag unter viel höflichen Worten begraben hat. Immerhin hat es Interesse, die dabei beobachteten Formen zu wissen. Es wird jetzt berichtet: Die Ablehnung des russischen Antrages, betreffend die Festsetzung des Effektiv­standes der Armeen für fünf Jahre, seitens der ersten Kom­mission der Haager Konferenz erfolgte unter dem Ausdruck lebhaften Bedauerns, woran sich eine Ovation für den Kaiser Nikolaus II. knüpfte. Der schwedische Bevollmäch­tigte fand allseits Zustimmung, als er erklärte, daß die Notwendigkeit, den russischen Antrag abzulehnen, von sämt­lichen Delegierten peinlich empfunden werde. Man brcmche so fügte Baron Bildt hinzu die Hoffnung nicht/auf­zugeben, daß dieser Antrag in einer späteren Konferenz von einem günstigeren Erfolge begleitet fein und die Ideen des hochherzigen, edlen Kaisers von Rußland schließlich durch­dringen werden. Diese Kundgebung wurde von den Mit­gliedern der ersten Kommission mit lebhaftem Beifall auf­genommen.

Paris, 4. Juli. Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist hier eingetroffen.

Paris, 4. Juli. Heute trifft das französische Schul­schiffJphigenia" mit 100Marine-Aspiranten an Bord im Hafen von Bergen in Norwegen ein. Der Kommandant des Schulschiffes, Danceron, wird sich nach der Ankunft der Kaiser-JachtHohenzollern" morgen oder übermorgen dem Kaiser vorstellen, worauf der Kaiser sich an Bord derJphigenia" begeben und die Schul-Kompagnie Revue passieren lassen wird.

Rennes, 4. Juli. Der Prozeß Dreyfus wird, da Karriere neueren Bestimmungen zufolge feine Untersuchungs- arbeiten kaum früher beenden kann, nicht vor dem 4. August stattfinden. Die Verhandlungen werden mindestens 12, vielleicht 20 Tage dauern.

Großbritannien. Das englische Unterhaus nahm auf Antrag des Schatzkanzlers Hicks Beach eine Resolution an, in der vorläufig u. a. erklärt wurde: Das gesamte west- afrikanische Gebiet der Nigergesellschaft wird in drei Ab­teilungen geteilt, erstens Lagos, zweitens Südnigeria und das Nigerküsten-Protektorat, drittens Nordnigeria. Das gesamte Gebiet wird der Verwaltung des Kolonialamtes unterstellt; alle inländischen Zölle werden aufgehoben und völlige Handelsfreiheit eingeführt, nur für Sprit werden die jetzigen Beschränkungen aufrechterhalten.

Madrid, 4. Juli. Der Senat hat den Friedens- vertrag mit den Vereinigten Staaten bestätigt.

Madrid, 4. Juli. In den Cortes hielt der Führer der Liberalen, Romero Robledo eine Rede, die einen tiefen Eindruck im Lande gemacht hat. Statt neuer Steuern sollte man Ersparnisse machen. Man solle, wie in England, ein kleines Heer und Volontär-Regimenter halten, die Marine und den Marineminister abschaffen, ebenso die Gesandt­schaften, da Konsulate genügten, desgleichen die Kirchenfürsten, und lieber .den kleinen Klerus besser bezahlen. Auf den Universitäten sollte man den Religionsunterricht einschränken und lieber die Wissenschaften mehren.

Petersburg, 4. Juli. Zum russischen Gesandten in Belgrad wird der derzeitige russische Gesandte in Brasilien, Speyer, ernannt werden. Der bisherige Gesandte Schadowsky findet andere Verwendung.