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6.5.1899 Zweites Blatt
 
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Feuilleton.

?as germanische Mationak-Wluseum zu Jürnöerg.

MS im Jahre 181V, einige Jahre nach de» Sturz der Mcholeonischen Weltherrschaft, die begeisterte Liebe zum rNiinlünd, zu deutscher Art und Sitte in Freiherrn v. Stein d«trn Gedanke» erweckte, einen Nationalen Mittelpunkt für uM rZcstrebunge» auf dem Gebiete der deutschen Geschichts- kiu6 Altertumsforschungen zu begründen, da fand dieser GtzÄmke keine» Widerhall in deutschen Herzen. Die Zeit Wiiui noch nicht reif; der nationale Gedanke mußte erst letagiaai, gleichsam auf unterirdischem Wege, erstarken, ehe dftch Plan eines germanischen Natio»al'Museums zur WÄlichkeit werde» konnte.

Tin fränkischer Edelmann, Freiherr Hans von und z» AdW, war es, der mit seine» bedeutenden Privatsarnm- l»D» den Grundstock dazu legte. I» unermüdlicher, rast- Ions« Arbeit, unbeirrt durch Anfeindungen und Hemmungen, vw>« Ludwig I. vo» Bayern i» seineu nationale» Bestreb- »riga durch fördernde Anteilnahme unterstützt, gelang es ih^auif der i» Jahre 1852 in DreSde» unter dem Dorsitz beii damaligen Prinzen Johan», de» spätere» Königs von Sil.chsm abgehaltenen Versammlung deutscher Geschichts- »nA N iertumsforscher und -Freunde seine Bestrebungen zu etiiitr allgemeine» nationalen Angelegenheit z» mache»; das IM 2852 ist das Gründungsjahr des germanischen MlsfiamlS. Die deutsche Bundesversammlung hat denn auch so'vMt die große Bedeutung der Sammlung anerkannt und aniU8.. $uli 1853 beschlossen, daS germanische Museum zu 9t*ünibe!üg als ein für die vaterländische Geschichte wichtiges AMnchmen der schützenden Tellnahme u»d wohlwollenden

Unterstützung den Regierungen der deutschen Bundesstaaten zu empfehlen.

Aus kleinen Anfängen ist es zu einem großartigen Institut herangewachseu, wie es nicht ähnlich in der ganzen Welt zu finden ist. In seiner jetzigen Größe und Aus­dehnung steht es durchaus ohne Konkurrenz da; es ist wahr­haftig ei» Abglanz der Größe und Herrlichkeit des deutschen Volkes. Weder das Kensington-Museum und Britische Museum in London, noch der Louvre könne» mit dem Germanischen Museum in seiner jetzigen Höhe der Ent­wickelung konkurrieren; es ist Deutschlands Stolz, hoch steht eS über allen ähnliche» Schöpfungen des Auslandes.

Der vor kurzem verstorbene Direktor des Museums, v. Effenwein, kann mit Fug und Recht als der Schöpfer der Anstalt in ihrer heutigen Gestalt angesehen werden. Das von ihm 1866 ausgestellte Programm führte er mit bewundernswerter Energie und Umsicht durch. Die Samm­lungen sollen dazu dienen, von der Entwickelung der deutschen Kultur in allen ihren Zweigen, in Wiffenschaft, Litteratur und Kunst, in Handel, Gewerbe, Verkehr, in Sitten und Gebräuchen, von den frühesten Anfängen des germanischen Volkstums an bis zu unserem Jahrhundert ein anschauliches »nd belehrendes Bild zu geben. Die früheren Jahrhunderte, die dahingegangeuen Geschlechter in ihrem Wirken und Schaffen werden vor uns lebendig, wenn wir durch den schlichten, hohen Thorbogen, auf dem die stolze Inschrift prangt:Eigentum des deutschen Volkes-, in das alte Karthäuserkloster eingetreten find, und wenn wir die mächtigen Hallen, die malerischen Kreuzgänge durchwandern, staunen wir über die Fülle der herrlichen Schätze an historischen Denkmäler», welche die über ganz Deutschland verstreuten Wohlthäter und Gönner der Anstalt gestiftet oder die durch die Wachsamkeit der Direktiou vor der Verschleppung ins Ausland bewahrt wurden »nd in geradez» musterhafter

Weise von Essenwein, dem gründlichsten Kenner, Erforscher und Wiederhersteller mittelalterlicher Kunstdenkmäler, de» Studium des Gelehrten und Künstlers wie der genießende« Betrachtung des ganzen Volkes zugänglich gemacht worden find.

Fast ein ganzes Stadtviertel ist um den ursprünglichen Bau nach und nach entstanden; dieser malerisch interessante Häuserkomplex ist schon a» fich sehenswert, namentlich da Essenwein, nach dessen Plänen und Anordnungen alle Einzel­heiten der Bauten aufgeführt wurden, alte hervorragende Bauten aus Nürnberg wieder aufgebaut hat. Mit nicht» hat fich der deutsche Volksgeist, soweit überhaupt Denkmäler vorhanden find, beschäftigt, von dem nicht hier Spuren oder ganze Bilder zu finden seien. Eine Merkwürdigkeit des Museums ist cs, daß es die einzelnen Berufsstände, die Innungen, den Adel usw. geschickt als Sammler und Stifter einzelner Räume und Bauteile heranzieht.

Die deutschen Kaufleute haben die Sammlung zur Geschichte des Handels und Verkehrs, dasDeutsche HandelS- museum- gestiftet. Neuerdings haben die deutschen Apotheker eine alte Apotheke vollständig bis ins kleinste eingerichtet. Das Museum hat bekanntlich eine der bedeutendsten Wassen- sammlungen, die namentlich auch durch die deutschen Standes- herren gefördert wurde. ES hat eine großartige Bibliothek, ein reiches Archiv. Allen einzelnen Abteilungen find wissen- schaftliche Fachbeamten vorgesetzt, die im strengsten wisseu- fchaftlichen Geiste die Sammlungen erforschen. Woher stammen die Mittel, so großes, eine so ganz einzig dastehende nationale Sammlung z» schasse»?

Die Umsicht und die nimmermüde Thatkraft der Ver­waltung hätte die Aufgabe nicht bewältigen können, ohue die Opferwilligkeit und werkthätige Unterstützung einer große» Anzahl patriotisch gesinnter Männer und Frauen aller Stände, aus allen deutschen Ga»en, voran Se. Majestät Kaiser

189«

str. 106 Zweites Blatt Samstag den 6. Mai

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- tmb Anzeigeblatt für den Nreis Gieren

leeafret« »hi Anzeige» ga bet nachmittag- fflt tat stlgmd« lag ******* *»** bi- vor». W Uhr.

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gStlugspref» vienrlsthrlich S Mark Pfg. »»NtUiich 75 Pfg. »t< Vrmgerlotzn.

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Znm Reichsbaukgefetz

schreibt dieJeuaische Zeit«»»-:

Am Freitag hat der Reich-tag ei» weiteres Stück seines mchlich bemessenen Arbeitspensums und zwar das einzige größere Stück außer de» Etat und der Militärvorlage z» Ende geführt. Die Novelle zum Bankgesetz ist i» dritter Lesung angenommen wordc», und zwar in einer Fassung, velche vo» der Regierungsvorlage »ur i» mehr ueben- Itorbmeten Punkte» abweicht, n»d die »ach langwierige» Debatten durch ei» Kompromiß der MehrheitSParteie» fest- *telt worde» ist. Die Erledigu»g dieser Vorlage war «ine dringliche Aufgabe, welche in dieser Session unbedingt clcbigt werden mußte, den» da» Reichsbaukgefetz legt der Negierung bekanntlich die Verpflicht»ng ans, am 1. Januar 2900 das Privilegium der Reichsbank zu» I.Jannar 1901 zi ki ndigen, wen» nicht der Reichstag vor dem 1. Januar 2900 die Genehmigung erteilt, die Kündigung zu uuter- Ichrn. Diese Genehmigung ist nunmehr mit der Annahme drr Novelle zu« Bankgesetz erteilt worden, und die Reichs- blnk wird mithin in der bisherigen bewährten Form, näm- Lich uls eine unter Aufsicht und Kontrolle des Reiches stehen de und unter dessen Einfluß geleitete Privatbank weiter- bestehieu bleibe».

Die Beratung der Bankvorlage ist mit einer außer­ordentlichen Gründlichkeit erfolgt, und die Gegner des Gesetz- «lmrfes, wie er jetzt beschlossen wordc» ist, können gegen We V eratungsform de» Vorwurf der Nebereilung jedenfalls nicht »erheben. In der Kommission ist die Vorlage entgegen üi« gewöhnlichen parlamentarischen Gebrauch einer drei- mligen äußerst gründlichen Beratung unterzöge» worden, m welcher Freunde wie Gegner der Vorlage in aus- ! i.edehntestem Maße zu Wort gekommen sind. Auf diese * Meise wurde es ermöglicht, die zweite und dritte Lesung im 1 ßlexumi glatt und ohne Schwierigkeiten in zwei Tagen zu unkbtgen. Nur nebenbei möchten wir bei dieser Gelegenheit i lnra«f Hinweisen, daß noch bei keiner Vorlage so sehr wie tleider Bankvorlage die seit einigen Jahren im Reichstage 1 srrvortretende Gewohnheit zur Erscheinung kam, das Schwer- xisvicht der Verhandlungen vom Plenum in die Kommissionen zpa verlegen, indem mehr und mehr im Plenum nur die gimndsiätzlichen Frage», in der Kommission aber die tech- nmsche» Einzelheiten erörtert und erledigt werden.

Die Bankvorlage, wie sie jetzt zustande gekommen ist, entspricht, wie schon erwähnt, in de» Hauptpunkten der ZÜHerungSvorlage, vo« der sie im wesentliche» i» fünf 1 faulte» abweicht. Die Beschlußfassung ist zumeist mit einer

Mehrheit erfolgt, die sich aus de» Rationalliberale», den Freisinnigen «nd dem Zentrum zusammensetzte »nd in manchen Punkte» bei der Rcichspartei und den Sozial­demokraten Unterstützung fand, während die konservative Partei zumeist in der Opposition blieb, da sie bis zum Schluß ihre Grundanschauung verfocht, wonach die Reichs- bank in ein reines StaatSinstitut verwandelt werden solle. Die fünf in Betracht kommenden Aenderungen, welche der Reichstag a» der Regierungsvorlage vorgenommen hat, be­stehen darin, daß daS Kapital der Reichsbank statt auf 150 auf 180 Millionen Mark, daS steuerfreie Notenkontingent statt auf 400 auf 450 Millionen Mark erhöht wird, daß die ueue» Bankanteilscheine nicht über 3000, sondern über 1000 Mark ausgegeben und unmittelbar in den Verkehr gebracht werde», daß der Gewinnanteil der Bankanteils­inhaber »och stärker gekürzt wird, als es die Regierung vorschlug, und daß das Verbot an die Privatnotenbanken, unter dem Diskontsatz der Reichsbank zu diskontieren, eine Einschränkung erlitten hat.

Wer sich mit der Vorlage der Regierung einverstanden erklärt hat, kaun dies auch gegenüber der Vorlage thun, wie sie vom Reichstage beschlossen worden ist, denn die vor- genommeuen Aenderungen berühren keinerlei grundsätzliche Frage». Diesen Standpunkt hat auch die Regierung ein­genommen, indem sie ihre Zustimmung zu den Sompromiß­beschlüssen deS Reichstages erklärt hat. Ernstliche Bedenken siud von Seiten der Regierung ursprünglich dagegen gemacht worden, daß die Privatnotenbanken an den Diskontsatz der Reichsbank nur dann gebunden sein sollen, wenn dieser 4 Prozent erreicht oder überschreitet, während sie im übrigen diesen Satz um 1 Prozent unterschreiten können. Wir sind überzeugt, daß die Leitung der Reichsbank auch mit Hilfe dieser Bestimmungen in der Lage sein wird, auf den Geld­markt in der Weise einzuwirken, daß ein übermäßiger und ungesunder Kreditbegehr durch rechtzeitige Erhöhung des Diskontsatzes eingedämmt wird. Mit einer entschiedenen Niederlage hat der von agrarischer Seite versuchte Ansturm geendet, welcher die Verstaatlichung der Reichsbank zum Ziele hatte. Schon im Laufe der Kommisfionsverhandlungen ist dieser Versuch, gegen welchen die überzeugendsten und schlagendsten Gründe ins Feld geführt werden konnten, als aussichtslos erkannt worden, und im Plenum erhoben sich für den Antrag Arendt, der von hinten herum eine teil­weise Verstaatlichung herbeiführen wollte, nur noch drei Stimmen! Die Niederlage derjenigen, welche für die Ver­staatlichung der Reichsbank sich begeistern, bedeutet aber gleichzeitig eine Niederlage der Bimetallisten, die in der

Reichsbank mit Recht eines der festesten Bollwerke unserer Goldwährung sahen, »nd schon aus diesem Grunde gegen dasselbe Sturm liefen. Der Ausgang des Kampfes um das Reichsbankgesetz dürfte die Bimetalliste» über die Aussichts­losigkeit ihrer Bestrebungen aufklären.

Deutsches Reich«

Berlin, 4. Mai. Unter dem Vorsitz des Herr» Professor Schmoller fand gestern abend im Architektenhause eine Vor­beratung zwecks Bildung einer deutschen Abteilung der ge­planten internationalen Vereinigung für Arbeiterschutz statt, an der hervorragende Mitglieder aller sozialpolitischen Richtungen teilnahmen. Nur die Sozialdemokraten hatten das Kommen aus formellen Gründen vorläufig abgelehnt. Die Versammlung stimmte nach dem Referat des Einberufers der Versammlung, Sr. Exzellenz des früheren Handels­ministers Frhrn. v. Berlepsch und nach sehr eingehender Debatte der Bildung einer internationalen Vereinigung für Arbeiterschutz sowie der Bildung einer deutschen Sektion zu und übertrug einem Ausschüsse von 20 Personen die Vor­arbeiten. In den Ausschuß wurden gewählt: Freiherr von Berlepsch, die Professoren Schmoller, Wagner, Delbrück und Sombart, die Reichstagsabgeordneten Bassermann, Schmidt- Elberfeld, Lieber, Hitze, Stöcker, Rösicke, ferner die Herren Naumann, Nobbe, WirminghauS, Sonnemann, Pfister, Max Hirsch, Schmalbein, Brentano, Brust.

Berlin, 4. Mai. Wie aus Paris gemeldet wird, em­pfing Präsident Loubet gestern den deutschen Koutre- Admiral Freiherrn v. Bodenhauseu, Inspekteur der 1. Marine-Inspektion, früher Kommandant der Kaiserlichen YachtHohenzollern-. Der Admiral traf mit dem Graft« Münster aus Monaco ein, wo er an der GrundsteinlegungS- feier teilgenommen hatte. Die Audienz bei Loubet hängt, demLokal-Anzeiger" zufolge, mit einer ihm von franzö­sischer Seite zu teil gewordenen Auszeichnung zusammen. Admiral Colttoun, der Vertreter Frankreichs bei der Feier in Monaco, soll eine Auszeichnung deutscherseits erhalten habe».

M.P.C. Vielfach besteht die Annahme, die Führung der Präsidialgeschäfte im Reichstag sei früher weit leichter gewesen wie heute der Fall ist. Damit steht eine Erinnerung im Widerspruch, die in den Kreisen älterer Parlamentarier fich in dem Augenblicke auffrischt, in de» der erste deutsche Reichstagspräsident von Sim so» die Augen geschlossen hat. Eigentlich hatte Simson schs» während der Herbstsaison deS Reichstages von 1871 als

Gießener Familienvlätter, Der hessische Landwirt, Klältrr für hessische Dolkskunde.

Xteeffe fftc Depeschen: Anzeiger Hieße». Fnmsprecher Är. 51.