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insbesondere solange sie den Stempel der Neuheit an sich tragen, füllen sich aber die Räumlichkeiten und Sälchen oft so dick mit Zuschauern, daß ein Aus- und Eingehen, bezw. ein rasches geordnetes Verlassen der Lokale schier unmöglich ist. Was sollte es aber erst geben, wenn - eine anwesende Person Ohnmachtsanfälle bekäme oder wenn ein Unglücksfall durch Um- oder Herabfallen oder Explodieren einer Lampe entstände, oder wenn um dieselbe Zeit draußen ein Feueralarm erschallte? Es müßte gräßliche ©eenen, ähnlich denen beim Brande des Wohlthätigkeitsbazars in Paris, entstehen? Wie sind diese Gefahren zu verhindern? Die Beleuchtung der betreffenden Lokale darf nur mit Lampen, bei denen eine Explosionsgefahr, ein Um- und Herabfallen ausgeschlossen ist, geschehen. Eine Ueberfüllung der Lokale muß polizeilich verhindert werden. Jedes Lokal besitzt einen Notausgang, um bei ernster Gefahr ein Verlassen zu ermöglichen.
W. Londorf, 3. Januar. Auf Sonntag den 1. d. M., nachmittags 2 Uhr, hatte der hiesige Gewerbeverein „Rabenau" im Saale des Gastwirt Ziegler eine Versammlung anberaumt, in welcher Herr Reallehrer Kahl aus Wimpfen einen Vortrag über „das neue Handwerkergesetz und seine Wirkung auf die gewerbliche Thätigkeit" hielt. Da der hiesige Gewerbeverein erst im Laufe des verflossenen Jahres geründet wurde, ist es zu begrüßen, daß obiges Thema an erste Stelle der Vorträge trat, denn es mag doch noch manches Mitglied gegeben haben, das über den eigentlichen Zweck des Vereins im unklaren war, das sich aber nach Anhören des ausführlichen und verständlichen Vortrags sagte, ich freue mich, diesem Verein schon anzugehören. Diejenigen Handwerker aber, welche bis jetzt dem Gewerbeverein noch fernstehen, und derer giebt es immer noch viele, möchten besonders den Hinweis des Herrn Redners beachten, daß die Handwerkerkammer das Interesse aller Handwerker vertritt, daß deshalb auch allen Handwerkern gleiche Pflichten auferlegt werden, daß aber nur dem Handwerker das Wahlrecht zur Handwerkerkammer zusteht, der Mitglied eines Gewerbevereins oder einer Innung ist; die Handwerkerkammer vermag aber um so nachhaltiger zu wirken, je größer die Zahl derer ist, die hinter ihr stehen. Drum möchten bald alle dem Rufe folgen: Immer strebe zum Ganzen! und kannst du selber kein Ganzes Werden, als dienendes Glied schließ an ein Ganzes dich an.
A Aus dem Ohmthal, 4. Januar. Der vorgestrige Schneesturm, der gegen 5 Uhr nachmittags über unsere Gegend erbrauste, hatte eine orkanartige Gewalt. Bei den die Straßen einfassenden Pappeln lagen die dürren Aeste gesäet. Mancher starke Baumstamm wurde entwurzelt; auch in den Wäldern finden sich umgestürzte Tannen und Fichten. In vielen Dörfern erlitten die Bewohner empfindlichen Verlust durch das Abheben von Ziegeln. Ganze Firsten prasselten hernieder oder gar ganze Dächer wurden abgedeckt. Auf der Eisensteinwäsche zu Nieder-Ohmen wurden die großen Blecheimer, welche das Wasser zu den Schlammbecken führen, sämmtlich herabgerissen. Leute, welche sich in dem orkanartigen Sturm befanden, wurden auf der Straße geradezu fortgetrieben. Der Schnee übrigens, welcher bei dem Sturm fiel, ist wieder verschwunden; das obere Vogelsgebirg von der Ulrichsteiner Höhe ab zeigt dagegen eine geschlossene Schneedecke. Zum ersten Male seit Frühjahr ist die Ohm in ihrem Laufe und in ihren Mühlgräben über die Ufer getreten, und zum ersten Male führen seit dieser Zeit die Feldgräben und Feldkanäle wieder Wasser. Dadurch ist die seitherige Wassernot, die in hochgelegenen, quellarmen Orten zur wirklichen Kalamität geworden, wohl behoben. Die Wassermühlen und Wasserholzschneidereien haben wieder Vollkraft, und nicht mehr braucht der kleine Müller, dessen Mühlgraben ausgetrocknet war, von den größeren Müllereien seinen Bedarf sich mahlen zu lassen, wie es in der Thal vor Weihnachten in unseren Seitenthälern vorgekommen. Auch den Wiesen kann jetzt erst die erste Wässerung zu Theil werden, und der Maulwurf, der seine unzählbaren Hügel im Thal aufgeworfen, muß aus dem Wiesengelände flüchten. So sehr jedermann das ewige Sudelwetter verhaßt und so sehr allseitig trockener, frostharter Boden erwünscht ist, so sehr waren doch die Niederschläge in manchen Gegenden erwünscht, da endlich die leidige Wassernot hier verschwinden konnte.
Hungen, 3. Januar. Das Gasthaus zum „Taunus" wurde an Herrn Carl Sulzbach dahier um den Betrag von 15 500 Mark verkauft. — Heute Morgen t/28 Uhr entzündete sich auf der hiesigen Station der Gaswagen, während die Behälter der Waggons gefüllt werden sollten. Ueber eine Stunde zischte die Feuergarbe, bis ein sachverständiger Bahnarbeiter ein Druckventil zudrehte, somit die Flamme löschte und die Nachbarschaft des Bahnhofes aus einer unangenehmen Aufregung befreite. Einzelne Teile des Wagens dürften beschädigt sein, wie auch der Holzboden desselben teilweise verbrannte.
Vermischtes.
* Rudolf Falbr Wetterprognosen für Januar 1899. Allgemeine Charakteristik des Monats. Dieser Monat teilt sich ziemlich scharf in drei Abteilungen. Die erste derselben charakterisiert sich durch ausgebreitete und reiche Schneefälle . nicht zu tiefer Temperatur, die dritte durch Schneefälle mit etwas geringerer Ausdehnung und Intensität bei sehr
J£Cm^eratur’. in der Mitte zwischen beiden be- finduche kurze Periode verläuft ohne Niederschlag bei verhältnismäßig höherer Temperatur. Tagesprognose: 1. bis D. Januar: ziemlich ergiebige Schneefälle treten allgemein jnf. Die Temperatur hält sich meist etwas unter dem JJiittcI. 7. bis 14. Januar: die Schneefälle dauern in gleicher Ausdehnung und Stärke fort. Die Temperatur imkt bedeutend unter das Mittel. Der 12. Januar ist ein Eurch eine Sonnenfinsterniß verstärkter kritischer Termin
• Ordnung. 15. bis 21. Januar: die Schneefälle ver- Wwmden nahezu gänzlich. Es wird auffallend trocken und
wärmer. 22. bis 25. Januar: es treten neuerdings Schneefälle ein, doch nicht in der Ausbreitung und Stärke wie zu Anfang des Monats. Die Temperatur ist wieder im Sinken begriffen 26. bis 31. Januar: Es wird sehr kalt. Die Temperatur finkt bedeutend unter das Mittel. Die Schneefälle dauern fort wie in der vorigen Gruppe. Der 26. ist ein kritischer Tag dritter Ordnung.
• Die Luzerner Kapellenbrücke. Aus Architektenkreisen wird mitgeteilt, daß die bekannte alte Holzbrücke in Luzern, die sogenannte „Kapellenbrücke", durch eine neue, moderne ersetzt werden soll. Die alte überdeckte Brücke ist im Jahre 1333 erbaut, ein Denkmal der besten Schweizer Holz- architektur, im Innern mit Malereien aus der Schweizer Geschichte in eigenartiger Weise ausgeschmückt. Es wäre außerordentlich zu bedauern, wenn dieses Bauwerk zerstört würde, umsomehr als es wohl kaum im Interesse der Stadt Luzern liegen kann, solche charakteristischen Anziehungspunkte derselben zu vernichten, anstatt sie in geeigneter Weise zu erhalten.
* Eine frische Weintraube, vom Stock abgeschnitten am 24. Dezember, ist der Redaktion der Prager „Bohemia" durch Herrn E. S. Eckstein, Lohgerberei und Lederhandlung in Ossegg bei Teplitz, zugesandt worden. Die vollkommen ausgereifte Traube ist, wie Herr Eckstein mitteilt, bereits die zweite Frucht ein und desselben Zweiges, von welchem die erste Frucht bereits am 28. Juli d. Js. geschnitten wurde.
* Photographien vom Magen. In der Münchener medizinischen Wochenschrift berichten die Doktoren Lange und M e l tz i n g, daß ihnen das Photographieren des Magen- Jnnern gelungen ist. Die beiden Herren sind selbständig und unabhängig fast gleichzeitig auf die Idee gekommen, ein Bild des Magen-Jnnern durch Photographie zu gewinnen, und sie haben sich dann zur Erreichung des Zieles vereint, die ihnen nach mehrjähriger Arbeit geglückt ist. Die Magen-Photographie kann man bei jedem Menschen ausführen, bei dem sich der Magenschlauch einführen läßt. An das vordere Ende eines solchen Magenschlauches wird der photographische Apparat angeschlossen. Dieser Apparat ist 66 Millimeter lang und hat einen Durchmesser von 11 Millimetern. Durch den Magenschlauch geht eine feine Drahtleitung, mittelst deren die elektrische Lampe in Funktion gesetzt wird. Um die Aufnahme des Magen-Jnnern zu bewerkstelligen, muß dieses eine gespannte Oberfläche haben. Deshalb wird der Magen, nachdem er entleert und gereinigt ist, mit Luft gefüllt. Es lassen sich nun in 10 bis 15 Minuten bis zu 50 Aufnahmen schnell hintereinander machen. Durch Drehung des Apparates um seine Axe können alle Teile der Magen-Oberfläche zur Darstellung gebracht werden. Die gewonnenen Photographien haben die Größe etwa eines Kirschkernes, sie lassen sich natürlich beliebig vergrößern, so daß die dargestellten Eigenschaften der Magenschleimhaut deutlich zu erkennen sind. Was die Photographie des Magen-Jnnern für die medizinische Diagnostik alles leisten wird, ist zur Zeit noch nicht abzusehen, sie stellt wichtige Errungenschaften in Aussicht, die der leidenden Menschheit zu gute kommen werden.
* Ein Jubiläumsgeschenk. Das Wiener Vaterland berichtet: „Ein sinniges Jubiläumsgeschenk widmeten die Schülerinnen der Mädchen-Bürger- und Fortbildungsschule der englischen Fräulein in Prag. Entsprechend den edlen Intentionen Sr. Majestät des Kaisers, das Jubeljahr durch Wohlthätigkeitsakte zu feiern, spendeten die Schülerinnen 68,000 Briefmarken zum Zwecke des Loskaufes eines Negersklaven, der auf den allerhöchsten Namen Franz Josef getauft werden soll."
* Die wachsende Teilnahme für die weibliche Jugendpflege wird durch die Thatsache bestätigt, daß das vor Jahresfrist begründete Blatt „Komm' mit", welches dem besonderen Zweck der Schriftenmission an der weiblichen Jugend dient, bereits im ersten Jahre seines Bestehens über 25000 feste Abonnenten gewonnen hat. Die Verteilung und Verbreitung desselben geschieht zum großen Teil durch Jungfrauenvereinsmitglieder. Auf diese Weise werden die jungen Mädchen zu thätiger Mitarbeit angeregt und die dringend nötige Mission an der jungen Frauenwelt gefördert. Außer in den Kreis der selbstgeworbenen Abonnentinnen, an welche eine große Anzahl Jungfrauenvereinsmitglieder allwöchentlich das Blättchen verteilen, ist es auch in weitere Kreise gedrungen, namentlich durch die Massenverteilung bei der Bahnhofsmission als ein Gruß der Liebe an die heimatfremde, z. T. auch heimatlose Mädchenwelt und ferner durch Verteilung in den Frauensälen der Krankenhäuser, den Arbeitsstuben der großen Geschäftshäuser und den Fabriksälen, wo „Komm' mit" überall ein gern gesehener Gast geworden ist. Die Einkünfte des Blattes werden im Dienst der Innern Mission an der weiblichen Jugend verwendet. Wer es dazu gebrauchen will, kann es von 50 Expl, an ä 1 Psg. portofrei von der Geschäftsstelle des Deutschen Verbandes der Jungfrauenvereine, Berlin N., Borsigstr. 5, zugeschickt bekommen.
• Eine neue Erfindung. Im Technischen kommen wir vorwärts, schreibt das „Wiener Fremdenblatt". Ein erfindungsreicher Kopf in Fechenheim bei Frankfurt a. M. hat einen Kleiderhalter mit elektrischer Signalvorrichtung erfunden. Wie ein Görlitzer Patentbureau mit- theilt, wird das „unbefugte Abnehmen" von Kleidungsstücken von diesem Halter dadurch verhindert, daß durch Einstellen einer Skaiascheibe auf ein beliebig zu wählendes Zeichen ein Schalter festgestellt wird, der mit der Skala- scheibe direkt oder indirekt kuppelbar ist. Hierdurch wird ein elektrischer Strom erregt, der bei Abnahme eines Kleidungsstückes von einem Haken des Halters durch einen Unbefugten infolge vorher nicht eingestellter Skala unterbrochen wird und somit ein Alarmzeichen ertönen läßt. Fehlt also nur noch, daß durch den elektrischen Strom automatisch ein Schreckschuß gegen den Winterrockmarder abgefeuert wird.
Meratur, Wissenschaft und Kunst.
— Die fotbtn erschienene Lieferung 20 des kulturgeschtchilichm Werkes: »Das neunzehnte Jahrhundert in Bildnissen," bei- aüSgegeben von Kart Werkmeister, enthält an erster Sülle das Btldntß des Religions-Philosophen Ludwig Feuerbach, den Friedrich Jodl, der bekannte Verfasser der Geschichte der Ethik, in einem meisterhaften Essai liebevoll behandelt. Ihm schlicht sich an Ernest Renan, welcher über die Kreise setn'r Nationalität und seiner Fach- genosien hinaus eine Weltberühmtheit geworden ist, vertreten durch eine Aufnahme nach dem Leben und biographische Charakteristik von Otto Pfletderer. Weiterhin enthält die Lieferung daS Bild Laut« Pasteurs, gemalt von LSon Bonnat, mit einem lttterartschen Lebens- btlde von Theodor Hufemann (Göttingen), und das Selbftoildntß Paul Delarches, das seine frappante Aehnlichkeit mit dem Nepoleon- typus zeigt. An weiterem Bttdermateriat finden wir ein tresflicheS Porträt Friedrich Rückerts nach dem Leben gemalt von Bertha Frortep, und von Ludwig Uhland das von ihm selbst in den Tagebüchern öfter erwähnte Bildnis von Morst (aus Stuttgarter P ivat- besitz), welches den Dichter 30jährig zur Zeit seiner schriftstellerischen Wtiksamkett zeigt, während eine Aufnahme nach dem Leden den Politiker und Teilnehmer an der deutschen Nationalversammlung in Frankfurt vertritt. Beide Eigenschaften behandelt Franz Mur cker, München, in einer biographischen Charakteristik, die uns diesen an Leib und Seele kerngesunden deutschen Mann treu vor Augen führt. Schließlich erwähnen wir noch ein bisher nicht veröffentlichtes JugendbtldntS Franz Liszts von Aiy Scheffer aus der Hofgärlnerei in Weimar, dem jetzigen Liszt-Museum, das von einem wundervollen älteren Porträt von LenbachS Hand ergänzt wird.
— Täglich mehr häufen sich die Anzeigen und Anpreisungen von soeben erschienenen Büchern, welche das neue bürgerliche Gesetzbuch b,handeln und es ist wirklich schwer, hier das richtige Werk herauSzufinden, welches dem Nichtjurtsten, also dem Kaufmann, Handwerker, Landmann rc. das ist, was es sein soll, nämlich ein treuer Ratgeber bet allen im täglichen Berufsleben vorkommendm Fällen. Wir freuen uns, heute unfere Leser aus ein Buch aufmersam machen zu können, das wirklich verdient, ein Volksbuch Im wahrem Sinne des Wortes genannt zu werden. Es ist dieS der Recht»- und Geschäftsverkehr nach dem neuen bürgerlichen Gesetzbuch. E n unentbehrlicher Ratgeber für j<dm tn Siabl und Land, bietet es eine spielend leichte Einführung tn daS bürgerliche Ges'tz- buch. Das Bach enthält di; genaue Textausgabe des Gesetzes mit vielen Erläuterungen und Formularien als da find Vollmachten, Schuldscheine, alle Arten von Verträgen, Forderungen und Austragungen rc. rc. alles Schriftstücke, die ja im bürgerlichen wie im Gefchäftsleden täglich vorkommen. Bereit« drei Monate nach seiner Kompletterung war die erste Auflage vollständig vergriffen, wohl der beste Beweis, daß das Werk wirklich sein Ziel durch klare, gemeinverständliche Komentirung erreicht hat, sind doch die beigegebenen Fomulare genau nach dem Sinne des Gesetzes abgefaßt und bilden so praktische Nutzanwendungen fürS ganze gewerbliche Berufsleben. Die foeben im Verlage von Hugo Richter in Weinheim In Baden erschienene zweite Auflage ist vom Herrn Rechtsanwalt Dr. jur. Rhetn- betmer in Kaiserslautern bedeutend verbessert und durch das neue Handelsgesetzbuch, sowie die Grundbuch- und Hypothekenordnung vermehrt. Dabet beträgt der P eiS des Buches in elegantem dauer« basten Leinwandband mit Rotschnttt geb. nur Mk. 10 —. Alle Bestellungen aus dasselbe werden von der Verlagsbuchhandlung von Hugo Richter in Weinheim in Baden auf das schnellste und prompteste erledigt.
UniversitSts Nachrichten.
— Würzburg. Der Prioatdozent für Psychologie vr. Wolff hat einen Ruf an die Universität Basel erhalten und angenommen.
— Marburg. Die hiesige philosophische Fakultät hat den amerikanischen Geologen und Paläontologen John M. Clark, den Mitarbeiter des kürzlich verstorbenen berühmten Paläontologen JameS Hall, zum Dr. phil. honoris causa promoviert.
Verkehr, Land und Volkswirtschaft.
— Zu Check ober Scheck r schreibt die „Köln. Ztg.": AuS Anlaß dec beoolNehenden Einführung des Check- und Abrechnungsverkehrs durch die Reichspostoerwaltung ist angeregt worden, da» Wort Check möge fortan im amtlichen Verkehr „Scheck" geschrieben und dadurch vollends verdeutscht werden. Denn die Absicht der von allen Seiten mit lebhafter Anerkennung begrüßten Verbess rung unseres Zahlungsverkehrs sei doch die, b-.S in den klrtnen Mittelstand einzudrtngen, und es sei wünschenswert, grade diesen Kreisen kein Rätsel über die Rechtschreibung des grundlegenden fremdläod- rschen Wortes aufzugeben. Im Mittelstände gebe es zahllose Leute, die nicht wüßten, wie sie das Wort richtig zu schreiben hätten. Nur ein kleiner T'.tl spreche eS dem englischen Ursprung gemäß wie Tsch ck aus, der größere Teil wie Scheck, und es sei zweckmäßig, dieser verbreiteten Aussprache Rechnung Aufträgen. Wir halten diese Anregung für sehr dankenswert und würden es mit Genuglhuung begrüßen, wenn sie bei Einführung der neuen Einrichtung durch die amtliche Schreibweise „Scheck" verwirklicht würde. Die Bestrebungen, das Wort Check durch ein deutsches Wort zu ersetzen, sind leider ge- 'dh'itert, weil keiner der gemachten Vorschläge die notwendige Klarheit des Begriffes bot. Für das Wort Clearinghouse ist die oeuische Uebersetzung „Abrechnungsstelle" gut gelunge.., sie bat sich rasch eingebürgert und ist ganz unzweideutig. An dem Fremdwort Check muß aber nach wie vor festgehallen werden. An sich stammt die Einrichtung mitsamt dem Namen aus dem Englischen; demgemätz würde auch die richtige Aussprache Tscheck lautin müssen, und so hat sie sich auch in manchen Kreisen erhalten; in anderen, weiteren Kreisen zieht man die dem deutschen Munde bequemer gelegene französische Aussprache (chöqae) vor unh sagt Scheck, ebenso wie man in Deutschland daö dem Italienischen entlehnte Giro meist nicht, wie eS richtig wäre, Dschiro, sondern Schiro (entweder mit französischem j od.r deutschem sch) ausspricht. Einem wirklichen Sprachgebraucy darf aber wohl die thatsächltche Herrichaft eingeräumt und einer üblichen Aussprache auch in der Rechtschreibung Ausdruck gegeben werden. Wenn in diesem Sinne und in bestimmten praktischen Einzelfällen dienstlich eine neue Schreibweise ein und durchgeführt wird, so ist da« ein Fortschritt; allmählich richtet sich das große Publikum nach solcher amtlichen Anordnung, sofern sie mtt den üblichen Sp'achregeln in Einklang stehl und nicht etwa, wie die ungeheuerliche Schreibweise (Köln (daS nach allgemein gültiger orthographischer Vorschrift Zöln ausgesprochen werden müßte) dm begründeten Widerspruch herausfordert. Auch sind wir übe zeugt davon, daß sich gegen die Schreibweise Scheck die Meistbeteiligten, der an praktische Rückstchten gewohnte Handelrstand, nicht adlehnmd verbalten würden, sondern höchstens einige unpraktische Gelehrte und Besserwisser, die sich nicht gerne in Neues, roecn auch Empfehlens« wertes einleben. In dem Worte Scheck wäre aber die Endung ck beizubehalten, nicht die auch empfohlene Neuerung Schek einzuführen. Denn alle deutschen Wörter, die auf kurzes e ober k auslauten, werden mit ck geschrieben (Eck, Reck, keck), während die Schreibung Schek die Aussprache eines langen e, wie in Bibliothek, nahelegen würde. Eine Verwechslung mtt Schecke (scheckiges Pferd) ist nicht zu befürchten. Im Gegenteil könnte man zur Rechtfertigung der verdeutschten Schreibung Scheck gerate auf Schecke Hinweisen; denn sehr wahrscheinlich ist diese« Wort aif Schach (italienisch scacco, französisch 6chec) zurückzuführen, dem auch das englische check entstammt. Anschaulich ist die Zusammenstellung der beiten gleichbedeutenden Eigenschaftswörter im Deutschen und Englischen: scheckig u d checky. Die amtliche Einführung der Schreibweise Scheck, Sch-ckamt, Scheckbuch, Scheckzahlung würde sich also durchaus rechtsertigm lasten.


