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5.11.1899 Zweites Blatt
 
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Nr. 26L Zweites Blatt

Sonntag den 5. November

1899

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Lage sich gestalten wird, wenn die Verstärkungen in Kapstadt eingetroffen sein werden. Vorläufig werden die Engländer sich noch auf weitere Niederlagen gefaßt machen müssen.

Erfolge erzielt. So dürfen wir uns also auf einen genuß­reichen Theaterabend gefaßt machen, an welchem unseren Lachmuskeln nicht wenig zugemutet werden wird.

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rauschenden Erfolg errang, da nahm das Stück seinen Weg über alle Bühnen, an den meisten so auch in Frankfurt in diesem Frühjahr die ersten Male mit Büller als Wehrhahn.

Unvergeßlich werden allen, die ihn vergangenen Winter in Gießen in der letzteren Rolle, sowie als Cäsar Wichtig imRegistrator auf Reisen" sahen, diese beiden Abende sein. Sie alle werden mit Spannung das bevorstehende Gastspiel Büllers erwarten.

Der Künstler, welcher jetzt im 46. Jahre steht, hat seit einiger Zeit auf feste Engagements ganz verzichtet, da er den vielen, an ihn herantretenden Engagementsanträgen nicht gerecht zu werden vermochte.

Sein erstes öffentliches Auftreten erfolgte 1874 am Leipziger Stadttheater. In Leipzig, wo er als junger In­genieur thätig war, erregte er als Mitwirkender bei einer Vorstellung der PrivattheatergesellschaftThalia" die Auf­merksamkeit von Friedrich Haase, der ihn zu einem Debüt im Stadttheater aufforderte. Nach Engagements in Düssel­dorf, Halle, Zürich und Kassel kam er als reifer Künstler an das Leipziger Theater zurück. Nach weiteren Engage­ments in Berlin und Wien ist er nunmehr in die Reihe der gastierenden Künstler eingetreten. In Leipzig hat er seinen ständigen Wohnsitz, von dem aus er seine Gastreisen unternimmt; in Leipzig hat er auch am 7. März d. I. die Feier seines 25jährigen Bühnenjubiläums im alten Theater begangen; großartige Ovationen wurden ihm da von seinen Leipziger und seinen auswärtigen Verehrern bereitet.

Büller ist fortwährend mit der Bereicherung seines ausgedehnten Repertoirs beschäftigt. Als vor iy2 Jahren Dreyer's köstlicheGroßmama" auf der Bühne erschien, da studierte Büller alsbald die Rolle des weiberhassenden Junggesellen Joachim, in der er nunmehr die großartigsten

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Adresse für Depeschen: Anzeiger frUfcti Fernsprecher Nr. 51.

* Der Roman des Admirals Dewey. Der Sieger von Manila, der Heros des amerikanischen Volkes und möglicher­weise der zukünftige Präsident der Vereinigten Staaten, hat seine Verlobung mit Mrs. Hazen offiziell bekannt gegeben und damit den Liebesroman seines ganzen Lebens zum Ab­schluß gebracht. Die Dame, eine Tochter der Mrs. Washington Lean in Washington, war seine Jugendgespielin und ist von ihm von frühester Kindheit an geliebt und verehrt worden. Aber ehe Dewey, damals noch im Beginn seiner militärischen Laufbahn, Gelegenheit bekam, die Flamme seines Herzens für sich zu beanspruchen und heimzuführen, vermählte sich das zu einer hervorragenden Schönheit heran­gereifte Mädchen mit dem General Hazen, dem Chef des Signaldienstes. Doch verlor sie ihren Mann schon im Jahre 1885 durch den Tod. Seitdem ist die noch verhältnis­mäßig jugendliche Witwe zu einer der Königinnen der Washingtoner Gesellschaft geworden, in der sie alles durch ihren Liebreiz und ihre brillanten Geistesgaben bezaubert. Dewey hatte über den Fehlschlag seiner Jugendwünsche sich durch Vermählung mit einer hervorragenden Dame, der Tochter des Gouverneurs des Staates Vermono, Jchabod Goodwin, zu trösten gesucht. Seine Frau starb aber schon im Jahre 1872. Ein einziger Sohn, Georg, der dieser Ehe ensproß, lebt gegenwärtig in New-Jork. Nun haben sich die Beiden, Dewey und die einstige Miß Mac Lean, nachdem sie längere Jahre hindurch im Witwenstande gelebt, wieder zu einander gefunden. Die Hochzeit, die überaus glänzend zu werden verspricht, ist für den Dezember an­gesetzt.

Lokales und Movinflelles.

* Gießen, den 4. November.

** GeschichtSkalender. (Nachdruck verboten.) Vor 405 Jahren, am 5. November 1494, wurde zu Nürnberg der treffliche Meister­sänger und Dramenschreiber Hans Sachs geboren. Außer einer sebr großen Anzahl geistlicher und weltlicher Lieber und über 4000 Meistergesängen schrieb er 208 Komödien und Tragödien, sowie 1700 Fastnachlsp'ele, Schwänke, Sprüche und Fabeln, welche sich durch gesunden Sinn, echt deutsches Gemüt unc> schlagenden Witz auszeichnen. Er starb am 25. J-musr 1576 in Nürnberg.

Vor 128 Jahren, am 6. November 1771, wurde zu Prag Alois Senefelder, der Erfinder der Lithographie, geboren. Durch dieses Verfahren stellt man brkanntltch mittels besonderer Tinte, fettiger Kreide ober Gravieren auf Stein Zeichnungen dar, die durch Druck vervielfältigt werden können. Die fettige Druck­farbe haftet dann nur auf der Zeichnung, nicht auf dem übrigen Stein.

** Zum Reformationsfest. Das Reformationsfest ist kein allgemeines christliches Fest, man könnte es als ein kirchliches Parteifest bezeichnen; denn die alte Kirche sieht nur mit Mißbehagen auf dasselbe. Hat doch einst ein hoher Kirchenfürst behauptet, durch die Reformation, die die von Bonifacius begründete Glaubenseinheit in Deutschland zerrissen, sei dem deutschen Volk das Gewissen abhanden gekommen. Die ultra-freisinnig Gerichteten legen der Refor­mation keine hohe Bedeutung bei; denn die Männer der Reformation sind ihnen nicht weit genug gegangen. Die wahrhaft Evangelischen aber schätzen das Reformationsfest hoch, als das Erinnerungsfest an eine Gottesthat. Hat doch unser Volk durch die Reformation sein Gewissen nicht verloren, sondern erst wieder gefunden;denn", sagte Luther zu Worms,es ist nicht geraten, etwas wider das Gewissen zu thun." Ist doch durch sie die wahre Freiheit erst wieder dem Volke geschenkt worden, d. h. die Freiheit von Menschenwort, nicht aber die Freiheit von dem in Ge­wissen und heiliger Schrift sich offenbarenden Gotteswort. Ist doch die kostbarste Errungenschaft, die die Reformation gebracht hat, die Freiheit des Denkens und Bekennens ohne daß man fürchten muß, weltliche oder kirchliche Gewalt tritt hindernd entgegen. Angenommen, die Unterdrückung des freien Gedankens und des freien Worts sei bis heute in der Weise früherer Jahrhunderte durch Feuer und Schwert, durch Folter und Scheiterhaufen weiter fortgesetzt worden auf welcher Stufe stünde heute unser Volk? Kein Fortschritt wäre zu verzeichnen in irgend einer Hin­

lathilde Franke, -Instrumente der Königlichen nusikern Herren Oley (Oboe', m), Fedisch (Fagott).

M.

. W. L Mozart.

. . A. Kiek

. . F. Chopin.

, . Fr. Liszt.

. E. Paar.

. . G. Mann.

. L. t. Beethoren.

, 2.50 (Sperrsitz Mir. 3.50) sind io n Ernst Challler (Rudolphs Nacb- nde nur im Vorverkauf auch bv igten Preisen zn haben. IW 0. Dezember statt.

i (Gesang), Herr HW *W elloj.

zertverein.

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899, abends 5 Uhr, Wschaftsvereins:

k-Abend

Karl William Müller.

(Gast des Theatervereins am Mittwoch, dem 8. November.)

Von alters her hat die Bühne einen Teil ihrer Auf­gabe darin gesehen, den Menschen zu erheitern, ihm, nach des Tages Last und Mühe, einige vergnügte Stunden zu bereiten, und stets haben diejenigen Künstler, denen die Natur eine unwiderstehliche vis comica mitgab, zu den ganz besonderen Lieblingen des Publikums gezählt. Zu diesen gehört in erster Linie C. W. Büller. Seine Komik zu analysieren ist nicht gerade leicht: Ton, Gebcrde, Mienen­spiel vereinigen sich bei ihm zu einem absolut zwerchfell- reizenden Ganzen. Wenn Büller die Empfindung der Ver­legenheit, der Verblüffung oder der Ueberraschung zur Darstellung bringt, so lacht auch der ärgste Griesgram. Seinen Rollen hastet zudem niemals etwas Gemachtes an, er beherrscht sie alle so vollkommen, daß seine Komik stets natürlich und frisch ist. Sein Rollenkreis ist dabei ein ichier unbegrenzter, er verteilt sich über die ganze Skala i>e5 komischen Fachs. Fast unbegreiflich scheint es, daß der Künstler zwei so vollkommen verschiedene Rollen, wie es der ©triefe imRaub der Sabinerinnen" und der Wehrhahn imBiberpelz" sind, mit gleicher Virtuosität Welt, und zwar mit so vollkommener, daß seine Darstellungen dceser beiden Rollen typisch geworden sind. Den Striese hat Büller auf seinen zahlreichen Gastreisen, die sich über ganz Mittel- und Osteuropa erstrecken, über tausendmal ge­geben, dem HauptmannschenBiberpelz" hat er durch seine Wiedergabe des Wehrhahn überhaupt erst zur Anerkennung verholfen. In Berlin fiel s. Z. derBiberpelz" durch; al'S aber Büller in Wien mit seinem Wehrhahn einen so

Politische Wochenschau.

Die innerpolitische Situation wird gegenwärtig be­herrscht durch die in Aussicht stehende neue Marinevorlage. Die letztere kommt also sicher; denn der Staatssekretär Tirpitz hat nun auch dem Bundesrat Mitteilung gemacht von dem Plane der Reichsregierung, nur über den Zeit-, punkt der Einbringung im Reichstage herrschen umsomehr Zweifel, als die Vorlage noch gar nicht ausgearbeitet worden, vielmehr erst im Entstehen begriffen ist. Vorläufig ist der Kampf um die Marineverstärkung in der Presse noch ein verhältnis­mäßig ruhiger; man ist noch zu sehr gespannt auf die Mo­tive, welche die Regierung für ihre Forderung vorbringen wird. Natürlich bietet die Vorlage wieder ein günstiges Feld für alle möglichenKuhhändel", und es ist gar nicht lo unwahrscheinlich, daß Herr Dr. Lieber schon jetzt im Geiste kalkuliert, welche Vorteile das Zentrum dabei heraus- schlagen könne. Allzu billig wird ers diesmal nicht thun. Gar teuer wird der preußischen Regierung aber auch der Mittellandkanal zu stehen kommen, wenn es sich bestätigen sollte, was im Laufe der Woche gemeldet wurde, daß nämlich der gleiche Betrag, wie er für den Mittellandkanal aus­gesetzt ist, für Kompensationswafferbauten im Norden und Osten der Monarchie ausgeworfen werden soll. Dabei ist die Regierung nicht einmal sicher, ob diese Zugeständnisse auch genügen, um eine Annahme der Kanalvorlage zu sichern.

Wird der Kaiser nach England reifen oder nicht? Das ist heute die Frage, welche nicht nur in Deutschland, sondern auch im Auslande lebhaft behandelt wird. Etwas Be­stimmtes scheint immer noch nicht festzustehen, trotzdem man in England bereits sicher mit dem Besuche rechnet. Da­gegen dürfte die Ankunft des Zarenpaares in Potsdam zu Anfang der beginnenden Woche gewiß zu sein. Wenn wir auch weit davon entfernt sind, der Begegnung diejenige hochpolitische Bedeutung zuzugestehen, die ihr von gewisser Seite beigemessen wird, so erhärtet der Besuch doch neuer­dings die zwischen Petersburg und Berlin bestehenden guten Beziehungen.

Hoffentlich bewähren sich die letzteren auf internatio­nalem Gebiete, wo cs anfängt, bunt bewegt zu werden. Der Krieg in Südafrika scheint weittragendere Folgen zu haben, als die Urheber desselben annahmen. Einen der­artigen Mißerfolg der Engländer hat niemand vorausgesehen; es bestätigt sich eben wieder einmal das Wort:Hochmut kommt vor dem Fall". Die Ereignisse auf dem Kriegs­schauplatz sind ja bekannt, sodaß wir sie hier nicht auf­zuzählen brauchen. Man darf gespannt sein, wie die

sicht; denn wo man den Geist zu ertöten sucht, da wird auch das Leben ertötet werden, darum muß auch gerade das Reformationsfest uns mahnen, fest und unentwegt auf dieser Freiheit des Denkens und Bekennens zu bestehen. Nur einem ist man dabei Verantwortung schuldig Gott und seinem in Gott gegründeten Gewissen. Die Reformation hat Leben gebracht, neues Leben auf allen Gebieten, beson­ders in Wissenschaft und Kunst. Und hat man versucht, moralische Verfehlungen, moralische Schäden am Volksleben der Reformation zuzuschreiben, hat man sich sogar dahin verstiegen, Reformation mit Revolution zu identifizieren so kann das bei uns nur ein mitleidiges Lächeln Hervorrufen. Welches sind die Länder der Revolution? Die Geschichte gibt die Antwort: Spanien, Italien, Frankreich, Südamerika u. s. w. Und gehen wir noch ins praktische Leben. Wo ist Wohlstand zu finden? Dort wo der Geist ist, wo der Mensch sich nicht ängstlich an das verknöcherte Altherge­brachte klammert, sondern dem Geist das Vorrecht zugesteht, neue Formen zu suchen, wo der Mensch die Errungenschaften der Neuzeit prüft und das Gute davon behält. Die Re­formation gehört nicht der Vergangenheit allein an, auch Gegenwart und Zukunft müssen fort und fort unter ihrer Einwirkung stehen.

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'* Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 10. Oktober dem Bürgermeister Jakob Zimmer in Offenthal das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen zu verleihen.

* Ernennung. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog haben Allergnädigst geruht, den Ludwig Klöß zu Worms zum Kreisamtsgehilfen bei dem Kreisamte Worms zu ernennen.

** Dienstnachrichleu. Seine Königl. Hoheit der Groß­herzog haben Allergnädigst geruht, am 14. Oktober dem seither widerruflich angestellten Stationsverwalter in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft, Christian Dörr, sowie dem seither widerruflich angestellten Lokomotivführer in der Hessisch Preußischen Eisenbahngemeinschaft, Heinrich Schmidt XXVI., dem seither widerruflich angestellten Packmeister in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft, Kaspar Göbel L, nunmehr die unkündbare Anstellung in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft zu verleihen.

** Ordensverleihung. Seine Majestät der Kaiser haben Allergnädigst geruht, dem Großh. Oberstleutnant Cullmann, Gendarmerie-Distrikts Kommandeur in Mainz, den Kronenorden 3 Klasse zu verleihen.

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