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5.10.1899 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt.

Gießener Anzeiger

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Amtlicher Heil.

Bekanntmachunst,

betr.: Die Einführung einer staatlichen Klassenlotterie.

Durch Art. 4 des Gesetzes, die Einführung einer staat­lichen Klassenlotterie betr., vom 12. August l. I. (Reg.-Bl. Nr. 39) ist das Spielen in außerhessischen Geldlotterien, die nicht durch besondere staatliche Genehmigung im Groß­herzogtum zugelassen sind, verboten. Das Gesetz ist mit dem 1. September l. I. in Kraft getreten, die Anschaffung neuer Lose nicht zugelassener Lotterien ist daher unstatthaft und strafbar.

Gießen, den 3. Oktober 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Gießen, den 3. Oktober 1899. Betr.: Wie oben.

Das Groffherzogliche Kreisamt Gießen an die Grosth. Bürgermeistereien der Landge­meinden und die Grosth. Gendarmerie des Kreises.

Unter Hinweis auf vorstehende Bekanntmachung be­auftragen wir Sie, in Fällen des Erwerbs nicht zugelassener Lose Anzeige zu erheben.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Unter dem Rindvieh des Oekonomen David Vorwerk zu Wetzlar ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Die unter dem Rindvieh zu Lixfeld (Kreis Bieden­kopf) ausgebrochen gewesene Maul- und Klauenseuche ist er­loschen. Die Sperrmaßregeln sind aufgehoben worden.

Die Maul- und Klauenseuche unter den Rindvieh­beständen des I oh an n Georg Freitag und desJoseph S i m o n zu H e r m a n n st e i n (Kreis Biedenkopf) ist erloschen, die Sperrmaßregeln sind aufgehoben worden.

Nachdem unter den Rindviehbeständen des Heinrich Roth I. und Adam Sänger zu Simmersbach (Kreis Biedenkopf) die Maul- und Klauenseuche erloschen ist, ist die Gemarkungssperre aufgehoben worden.

Ueber die Gehöfte des Heinrich Reh IV. und Johs. Ciliox IV. daselbst bleibt die Sperre bestehen.

Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Ober- Mockstadt (Kreis Büdingen) ausgebrochen und eine größere Verbreitung erfahren hat, ist über diesen Ort Orts- und Gemarkungssperre verhängt worden.

Zugleich ist der Seuchenort und dessen Gemarkung gegen das Durchtreiben von Wiederkäuern und Schweinen nbgesperrt und bestimmt, daß die Ausführung von Tieren dieser Arten aus dem Seuchenort und dessen Gemarkung nur auf Grund eines kreisveterinärärztlichen Zeugnisses und nur zum Zwecke sofortiger Abschlachtung nach zuvor einzu­holender polizeilicher Erlaubnis erfolgen darf.

Gießen, den 2. Oktober 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

___________ v. Bechtold.___________________

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Maul- und Klauenseuche.

Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Nonnenroth in 4 Gehöften festgestellt worden ist, ordnen wir hiermit die Sperre dieser Gehöfte, sowie des Orts Nonnenroth uud dessen Feldgemarknng an. Danach unterliegt der Verkehr mit Rindvieh, Schweinen, Schafen und Ziegen folgenden Be­schränkungen: Das Durchtreiben derselben von außerhalb durch Ort und Gemarkung ist verboten. Die Einfuhr von solchem Vieh über die Gemarkungsgrenze in den gesperrten Ort ist nur zum Zwecke sofortiger Abschlachtung gestattet. Die Ausfuhr ist ebenfalls nur zum Zwecke sofortiger Ab­schlachtung mit schriftlicher Erlaubnis der Bürgermeisterei Nonnenroth auf Grund einer Aeußerung des Großh. Kreis­veterinärarztes zulässig. Wer ein Stück Vieh an einen auswärtigen Metzger oder ein Schlachthaus liefern will, muß also zunächst die Untersuchung durch den Großh. Kreis­veterinärarzt veranlassen und wenn danach der Ausfuhr kein Hindernis im Wege steht, einen Erlaubnisschein der Großh. Bürgermeisterei lösen. Bei dem Transport muß er diesen Schein, der eine dreitägige Gültigkeit hat, mit sich führen und die vorgeschriebenen Transportbedingungen genau beobachten, auch der Polizeibehörde (Bürgermeisterei) des Cmpfangsorts Nachricht geben.

Auf Antrag der Bürgermeisterei wird von uns im Bedürfnisfalle angeordnet, daß der Großh. Kreisveterinär­arzt sich wegen Ausstellung solcher Bescheinigungen an einem bestimmten Tag wöchentlich, der ortsüblich bekannt zu machen ist, dienstlich einfindet.

Die Sperrmaßregeln bezüglich verseuchter Gehöfte oder Weiden bleiben daneben bestehen. Im übrigen können Klauentiere aus nicht verseuchten Gehöften innerhalb der gesperrten Gemarkung zur Feldarbeit benutzt oder auf die Weide getrieben werden, nicht aber über die Gemarkungs­grenze hinaus.

Wer Grundstücke oder Anlagen in einer anderen Ge­markung besitzt, muß dieselben entweder durch Pferdegespanne oder aber durch Rindviehgespanne aus dieser anderen Ge­markung besorgen.

Jede Weggabe von Milch aus der gesperrten Gemarkung darf nur nach vorheriger Abkochung erfolgen; ausgenommen, wenn die Abgabe an eine Molkerei erfolgt, welcher das Verbot der Abgabe ungekochter Milch zpgegangen ist.

Ausfuhr von Dünger, Rauhfutter und Stroh aus dem Sperrgebiet ist verboten.

Gießen, den 4. Oktober 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtolds______

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur Kenntnis gebracht, daß für den 9. Bezirk (Provinz Oberhessen) der X. Sektion der Berufs­genossenschaft der Schornsteinfegermeister des Deutschen Reichs Herr Karl Brüchncr in Butzbach zum Ver­trauensmann für die Zeit vom 1. Oktober 1899 bis 1. Oktober 1901 gewählt worden ist.

Gießen, den 3. Oktober 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

____________________v. Bechtold._____

Bekanntmachung.

Am Sonntag, 8. ds. Mts., nachmittags 3^Uhr, wird in Rodheim b. Hungen im Reichhardt'schen Lokal Herr Landwirtschastslchrer Andrae aus Büdingen einen Bortrag über die Anwendung von Stall­mist uud künstlichem Dünger halten.

Ich lade hierzu alle Mitglieder des Vereins und jedermann, der sich dafür interessiert, freundlichst ein. Die Herren Bürgermeister von Rodheim und der umliegenden Orte wollen für Bekanntmachung im Orte sorgen und auf zahlreichen Besuch hinwirken.

Gießen, den 4. Oktober 1899.

Der Direktor des landw. Bezirksvereins, v. Bechtold.

Bor dem ersten Schutz.

Gießen, den 4. Oktober.

Wir treten mit Beten vor Gott den Gerechten" über die Hügel und Steppen des Burenlandes brausen jetzt die schlichten und doch so ergreifenden Klänge des alten niederländischen Liedes. In ihren Hütten und Farmen weit draußen im Lande nehmen die wetterharten, schweig­samen Männer die Büchse von der Wand, und mit Sohn und Enkel zieht der Greis zur Grenze, dem Feinde ent­gegen. Niemand bleibt daheim, die Sitzungen der Gerichte werden aufgehoben, weil die Richter zu Felde ziehen, der Gekränkte verzeiht seinem Beleidiger, der Bedrückte seinem Bedränger, denn heute schon oder morgen werden sie neben­einander stehen, ihre totbringenden Kugeln in die Reihen des Todfeindes zu senden. Der kleine Zwist des Tages, der Groll des Nachbars ist vergessen, die gemeinsame Not kittet die Fugen, und lebendig werden alle jene gewaltigen Empfindungen, die nur der Krieg, nur der Kampf um Freiheit, Ehre und Recht im Menschenherzen wachruft. Darin eben liegt die Hoheit des Krieges, daß der kleine Mensch ganz verschwindet vor dem großen Gedanken des Staates. Wir, die wir das Jahr 1870 erlebten, verstehen das Wort Niebuhrs, der damals, als der Freiheitskrieg aufloderte, ..die Seligkeit empfand, mit allen Mitbürgern, dem Gelehrten und dem Einfältigen ein Gefühl zu teilen" und der essein Tagelang nicht vergessen konnte, wie liebend, freundlich und stark ihm zu Mute war". Was Barthold Niebuhr, der Niederdeutsche, damals empfand, das erfüllt jetzt auch die Herzen der Niederdeutschen dort drunten, die jetzt sich zum letzten Verzweiflungskampfe gegen britische Habsucht und Ländergier anschicken. Es ist eme eherne Antwort, die der sentimentale Gedanke des ewigen

Friedens in der Wirklichkeit findet, dem weichlichen Traum folgt schnell ein hartes Erwachen.

In rascher Folge haben die Jahre, die eben vergingen, drei Kriege heraufgesührt, deren weithintragende Bedeutung das menschliche Auge noch kaum zu überschauen vermag. Es ist nicht mehr der Streit um den Weideplatz, der einst den Nachbarn gegen den Nachbarn geführt hat, an die Stelle des territorialen Krieges ist der Universalkrieg ge­treten. Auf riesigen Schiffen führt England sein Heer über Hunderte von Meileiz aus dem europäischen Norden dorthin, wo die Sonne Afrikas die Felder dörrt. Vor gewaltigen Unternehmungen, gewaltig durchgeführt, beugt sich be­wundernd die Menschheit, auch wenn sie nicht bestehen vor dem Spiegel der Gerechtigkeit. Der Gedanke, ein afrikanisches Weltreich zu gründen, dessen Linie geht von der Capstadt aus bis zu den steinernen Gräbern der Pharaonen, darf staunendes Bewundern erwecken. Aber solches Empfinden schwindet, wenn das Auge fällt auf die unendliche Kleinheit und Kleinlichkeit der gewählten Mittel. Gewiß, damit ein Neues erstehe, muß das Alte vergehen, und noch alle großen Umwälzungen in der Geschichte der Menschheit wurden mit Blut und Eisen vollzogen. Aber selbst die brutale Rücksichtslosigkeit des Eroberers ist sym­pathischer, als die Heimtücke des Krämers, der mit falschen Groschen und Pfennigen sich das Vermögen vergrößert. Uud ein England, das sich als Kulturträger rühmt, trägt den Zug diabolischer Ironie, wenn erst bie Dum-Dum- Geschosse zischen und die Leiber der Freiheitskämpfer des Transvaal mit barbarischen Wunden zerfetzen. Die unge­heure wirtschaftliche Ueberlegenheit, schreiben dieLeip. N.N." weiter, sichert nach menschlichem Ermeffen den Engländern zuletzt den Sieg, auch die größte Tapferkeit vermag nichts gegen das ökonomische Zwangsgesetz. Aber der Preis des Sieges wird teuer sein, teurer, als die Volksmassen es träumen mögen, die jetzt die Straßen von London durch­ziehen und in blinder Leidenschaftlichkeit nach dem Kriege schreien. Und gerade hierin, gerade in der Möglichkeit, daß der Kampf um Transvaal zuerst das riesenhafte Gebäude englischer Weltherrschaft erschüttert, liegt der universale Charakter des heraufziehenden Krieges. Welche Fülle von Ereignissen hat sich an den Kampf der Japaner gegen China geknüpft! Die Schlachten am Gelben Meere und um Weihaiwei haben jene folgenreiche Kombination geschaffen, die heute die Meeresgestade des Landes der Mitte dem Auge bieten, und es liegt ein ernster Sinn in dem scherzhaft klingenden Wort, daß in den Thälern des Yangsekiang und des Hoangho vielleicht einmal bie Geschicke Europas ent­schieden werden. Denn das wirtschaftliche Elend der Cubaner und der Haß der Tagalen gegen die Spanier hat in den Vereinigten Staaten dem internationalen Leben einen neuen Faktor geschaffen, dessen Kreise jeder Erfolg noch zehnfach erweitern wird. Das Schlagwort der imperialistischen Politik umfaßt zugleich die Gewißheit künftiger Konflikte mit den alten Kulturnationen.

Aber weder der Krieg im asiatischen Osten noch der Kampf der amerikanischen Technik gegen die spanische Ver­rottung trug den Charakter eines Volkskrieges, wie ihn Oer Burenkrieg tragen wird. Er wird mit niederdeutscher Zähigkeit geführt werden und mit jener nachhaltigen Kraft, die nur das Bewußtsein verleiht, für Haus und Hof und für bie nationale Existenz zu streiten. Die Glut ber Begeisterung wird die Scharen Krügers beseelen, aber nicht die Truppen der Königin, deren Phantasie vielleicht erhitzt werden mag durch bie Diamantenfelber unb bie Gvlbminen bes Transvaal, bereu Nerven aber nicht bas Vertrauen auf sittliche Zwecke stählt. Es ist ein wunberliches Bilb, bas sich für ben ergibt, ber rück­schauend nach dem Quell der Ereignisse sucht. Da spielte einst am Wege, der an dem Gehöfte des Vaters vvrüberführte, ein kleines Mädchen mit bunten Kieseln. Ein junger Engländer, den der Zufall vorüber führte, ließ sich die ©leine zeigen, erkannte sie als Diamanten und schnell durcheilte die Kunde von der Entdeckung die Welt, und Tausende zogen nach Süden, dem schillernden Glück der Kimberley-Minen ent­gegen. Welch schicksalsvoller Moment, jenes Spiel des Mädchens, das ahnungslos die Entscheidung über ungeheure Ereignisse in seinen kindlichen Händen trug! Vielleicht ist schon der erste Schuß aus der Flinte eines Buren gefallen, vielleicht fällt er erst heute ober morgen. Dieser Schutz wirb bie Welt burchhallen unb von Berg zu Berg ein rollenbes Echo finben. Wo erst bie Leidenschaften entflammt sind, dort verfügt nicht mehr ber Staatsmann über bic Zukunft, unb wenn er vielleicht noch von einem möglichen Zurückwetcheu träumt, fo drängt doch die Wucht der cheruen Thatsachen ihn nach vorn unb ihm entfallen bie Zugel.