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4.10.1899 Erstes Blatt
 
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Mittwoch den 4 October

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Nr. 233 Erstes Blatt.

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Amtlicher Hell.

Bekanntmachung.

Betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Steinbach.

In der Zeit vom 4. Oktober d. Js. bis einschließlich 10. Oktober d. Js. liegen auf dem Amtszimmer der Groß­herzoglichen Bürgermeisterei Steinbach folgende Akten, nämlich:

1. die Rechnung über Einnahmen und Ausgaben rubr. Feldbereinigung nebst Urkunden hierzu,

2. der Nachtrag zu dieser Rechnung nebst Urkunden, 8. der Ausschlag der ungedeckten Bereinigungskosten, 4. der Beschluß der Vollzugskommission vom 26. Oktober

1898 und des Gemeinderats vom 23. September 1899 über die Erhebung dieses Ausschlags, zur Einsicht der Beteiligten offen.

Einwendungen hiergegen sind bei Meldung des Aus­schlusses innerhalb obenangegebener Frist bei Großherzogl. Bürgermeisterei Steinbach schriftlich einzureichen.

Bemerkt wird noch, daß die Erhebung des Ausschlags durch die Gemeinde Einnehmerei Steinbach erfolgt.

Friedberg, den 28. September 1899.

Der Großherzogliche Vereinigungskommiffär: Süffert, Kreisamtmann.

* Vor dem Kriege.

Gießen, 3. Oktober 1899.

Das zur Neige gehende Jahrhundert soll nun doch, wie es begonnen, mit einem blutigen Drama schließen. Das Jahr der Friedenskonferenzkomödie im Haag wird seinem Nachfolger mit Pulver und Blei, mit Thränen und Blut das Scepter in die Hand drücken. Und doch sind sie kaum «useinandergegangen imHuis ten Bosch" die hochwohl­weisen gelahrten Herren; im Schoße der Regierungen wurde erwogen", die jugendliche Königin der Niederlande, deren Gäste die Friedensapostel waren, tauscht nun o Ironie der Weltgeschichte! das erste Telegramm über den bevor­stehenden Krieg mit der alten Königin des Jnselreiches aus. Noch immer war in der 'Geschichte, mochten die Kriege heißen, wie sie wollten, der nervus rerum die Triebfeder aller blutigen Konflikte: Das Geld und in seiner unmittel­baren Gefolgschaft die Macht, die Herrschaft über Völker «nd Länder, realer, nackter Egoismus wird auch für alle Zeiten, so lange es Menschen mit all' ihren Leidenschaften «nd Schwächen giebt, der letzte Grund zu allen Schlachten bleiben. So war es mit dem frivol vom Zaune gebrochenen Kriege des demokratischen Großstaates der neuen Welt gegen das alte, moralisch und finanziell zerrüttete Reich Karls des V. und so ist es wieder in der Gegenwart mit dem meere- -eherrschenden Krämervolke und dem kleinen aber selbst­bewußten, um seine Selbständigkeit und Freiheit kämpfenden Burenstaat. An dem Ausbruch des Krieges ist in der That nicht mehr zu zweifeln, all die Verhandlungen dienen nur dazu, die Entscheidung hinauszuziehen, bis Eng­land die nötige Truppenmacht an den Grenzen des Burenlandes angesammelt hat. Nur die un­erwartete Entschlossenheit der Bürger des Oranjefreistaates, die mit Recht erkennen, daß sie das nächste Opfer der eng­lischen Raubgier sein würden, könnte ebenso, wie die im Eaplande herrschenden thatkräftigen Sympathien für das Burentum in London noch Bedenken erregen. Aber kein Bedenken wird stark genug sein, um das Drängen der großen Spekulanten zu befiegen, die in den Unternehmungen des Herrn Rhodes und in den Goldminen des Transvaal ihre Werte angelegt haben und die Welt wird des Anblicks eines Agiokrieges, wie er ja auch im Interesse der Zuckerspekulanten um Cuba geführt wurde, beraubt werden. Man hat sich in London vergebens bemüht, dem frechen Unternehmen ein günstiges Mäntelchen nmzuhängen, die nackte Habgier zu verschleiern hinter dem Borgeben, für die natürlichen Ansprüche englischer Bürger zu kämpfen. Die ganze Welt ist dem Schauspiel der Ver­handlungen gefolgt und die ganze Welt weiß es, daß Krüger und die Seinen bis an die äußersten Grenzen der Nachgiebigkeit gegangen und daß sie erst dann zurückgewichen sind, als ihre Ehre ihnen jede weitere Konzesfiou verbot. Die Regierung der frommen Königin Viktoria ist die blutigste aller Zeiten gewesen; sie findet ihre Krönung in dem frivol heraufbeschworenen Kampfe gegen Transvaal!

Die zur Stunde vorliegenden Nachrichten über den Stand der Dinge laffen wir nun hier folgen:

London, 2. Oktober. Die Regierung enthielt sen­sationelle Enthüllungen über hochverräterische Umtriebe der England feindlichen holländischen Be­wohner Natals und hat daher eine Proklamation erlassen, wonach alle sich des Hochverrats schuldig machen­den Personen mit Tod, Gefangenschaft und Konfiskation, des Eigentums bestraft werden. In der Kapkolonie herrscht große Entrüstung, daß die Negierung es duldet, daß im großem Umfange Rekruten für die Burenregierung angeworben werden. Man ist überzeugt, daß eine weit­verbreitete holländische Verschwörung alle englischen Kolonien Südafrikas umspannt. Jeden Augenblick ist der Ein­bruch der Buren in die Gegend von Majuba zu erwarten, welche Position sie ohne Widerstand einnehmen dürften. Die Redaktion des englischen Ultimatums ist im letzten Augenblick verschoben worden.

Loudon, 2. Oktober. DemReuterschen Bureau" wird aus Südafrika gemeldet: Das Berkshire-Regiment ist von Grahamstown nach Naauw Poort, dem Eisenbahn­kreuzungspunkte nördlich von Middelburg, abgegangen. Die Buren haben 8 Meilen von Vryheid ein Lager auf­geschlagen und schicken sich an, sich am Buffalo-Fluß an zwei Stellen, nur einen Marsch von Dundee entfernt, in großer Stärke zu sammeln. Das Kontinent von Prätoria ging gestern unter enthusiastischen Kundgebungen der Be­völkerung nach der Grenze ab. Einige Mitglieder des Volksraads die bei der Abfahrt zugegen waren, riefen:Das ist unser Ultimatum!" Laut einer in Prätoria veröffentlichten Bekanntmachung sind alle Cioilgerichtshöfe geschlossen und die Tagungen der Bezirksgerichtshöfe in verschiedenen Städten bis auf weiteres verschoben. In Tuli, nahe oer Grenze von Rhodesia und Transvaal, ist die Nachricht ver­breitet, daß eine bedeutende Streitmacht der Boeren fünfzig englische Meilen von Petersburg zusammengezogen sei. Die Vorposten seien an allen Drifts am Limpopo ausgestellt. Die Natalartillerie ist in der vergangenen Nacht von Durban nach Ladysmuth abgerückt. Das deutsche Korps von Johannesburg, welches 200 Mann ist und unter dem Kommando des Grafen Zeppelin steht, erhielt Befehl, morgen nach der Grenze abzurücken.

Durban (Natal), 30. September. Viertausend Buren sind jetzt in Volksruft und in Sandspruit versammelt. In Boshof, in der Nähe von Kimberley und ebenso an der Nordwestgrenze von Natal sind große Schaaren von Buren zusammengezogen. Das irische Korps geht in den ersten Tagen der nächsten Woche von Johannesburg an die Grenze, um die Buren zu unterstützen.

Prätoria, 1. Oktober. Gestern morgen war kein einziger Arbeiter in den Goldgruben erschienen. Die Mehrzahl derselben reist ab.

Johannesburg, 30. September. Regierungsbeamte be­stimmten gestern von den Straßen und aus den Ställen weg 700 Pferde für militärische Zwecke; auch Sattelzeug und sonstige Ausrüstungsgegenstände für die Burghers wurden von den Beamten requiriert. Das Westrand-Kommando, an Zahl 600 Mann, und das Johannesburger Korps in Stärke von 750 Mann gingen heute nach der Front ab. Die Burghers sind in gehobener Stimmung. Heute nach­mittag sind 500 Personen ins Ausland abgereist.

Rom, 1. Oktober. Hier wird in Garibaldianischen Kreisen die Bildung eines Hilfskorps für Transvaal angeregt und sollen sich die Leiter mit dem holländischen Komitee bereits in Verbindung gesetzt haben.

London, 2. Oktober. Wie aus Prätoria gemeldet wird, nahm der erste Volksraad eine Resolution an, nach welcher alle Engländer und sonstige Ausländer, die zu den Buren halten und sich zum Kriegs­dienste melden, volles Bürgerrecht erhalten.

London, 2. Oktober. Eine Antwort der Buren- Regierung auf die letzten britischen Vorschläge ist nicht eingegangen. Das Kabinett wird morgen die Absendung einer Depesche mit neuen Forderungen beschließen. Der Ausbruch des Krieges kann jetzt jede Stunde erfolgen. Es sind etwa 10,000 Buren an der Grenze von Natal. Auch der Oranje-Freistaat ist sehr eifrig mit Rüstungen beschäftigt. In ganz Prätoria herrscht große Thätigkeit. Die englischen Zeitungen stellten rhr Erscheinen ein. Die Redakteure flüchteten nach Natal, um einer Verhaftung zu entgehen.

Amsterdam, 2. Oktober. Der Transvaal-Gesandte Dr. Leyds notifizierte den Mächten, daß Transvaal ohne eine

Kriegserklärung abzuwarten, noch in dieser Woche die ftcintr seligkeilen eröffnen werde. (Siehe auch Neueste Meldungen.)

Deutsches Keich.

Berlin, 2. Oktober. Das Kaiserpaar unternahm in Rominten am Sonntag vormittag mit seinem Gefolge welches aus der Hofdame Gräfin Stolberg Wernigerode, dem Kammerherrn Grafen Keller, dem Hofmarschall Frei­herrn von Egloffstein, dem Flügeladjutanten Oberst von Mackensen und Oberstleutnant von Pritzelwitz, dem General­arzt Dr. von Leuthold, dem Vize-Oberjägermeister Grafen zu Dohna und dem Maler Friese besteht, an dem Gottes­dienst in der St. Hubertus-Kapelle Teil, bei welchem der Pastor Wangerin aus Dubeninken die Predigt hielt. Das kleine Gotteshaus war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt; der Eintritt konnte nur Personen gestattet werden, welche im Besitz von vorher verausgabten Erlaubniskarten waren. Nach dem Gottesdienst waren die Kinder des Dorfes Ro­minten an der Kapelle versammelt und wurden dort dem Kaiserpaar vorgestellt. Die Kinder waren zum Teil in den ihnen vom Kaiser seinerzeit geschenkten roten Mäntelchen erschienen. Zur Frühstückstafel waren außer dem Gefolge noch geladen: der kommandierende General Graf Finck von Finckenstein, Graf Dönhoff Friedrichstein, der Gutsbesitzer Seidel, Forstmeister von Saint-Paul, die Oberförster Wrobel und Ehlers, die Forstassessoren Freiherr v. Stern­burg und Witte und Ptediger Wangerin. Nachmittags wurden wieder, wie in den Vorjahren, die Kinder des Dorfes im Beisein des Kaiserpaares mit Kuchen und Choko- lade gespeist. Bei einer Spazierfahrt, die des Nachmittags unternommen wurde, nahm die Kaiserin neben dem komman­dierenden General Graf Finckenstein, der Kaiser neben Graf Dönhoff Platz. Montag früh begab sich der Kaiser zur Pürsche und brachte einen kapitalen Vierzehnender zur Strecke. Admiral Hollmann ist als Gast des Kaisers in Rominten eingetroffen. Die Abreise nach Cadienen erfolgt am 5. d. Mts.

Berlin, 2. Oktober. Der Kaiser hat, wie der Korre­spondent derKönigsb. Hart. Ztg." wissen will, über den Fall Zedlitz einen eingehenden Bericht verlangt. Am Freitagabend habe Herr v. Lucanus den Finanzminister v. Miquel besucht und über eine Stunde bei ihm verweilt.

Der Kaiser beglückwünschte den Bischof von Er ml and, Dr. Thiel in Frauenberg, zu dessen fünfzig­jährigem Priesterjubiläum bereits am Samstag von Rominten aus. Oberpräsident Graf Bismarck, der komman­dierende General Graf Finck von Finckenstein, Bischof Rosentreter-Pelplin und zahlreiche Deputationen von Ver­einen sind zur Beglückwünschung in Frauenberg eingetroffen. Um 10 Uhr fand im Dom Hochamt statt, darauf Empfang der zur Gratulation eingetroffenen Abordnungen. Um 2 Uhr fand ein Diner statt, zu welchem 110 Einladungen ergangen waren.

Der greise Großherzog Adolf vonLuxem- burg geht seiner Auflösung entgegen. Sein Leiden ist hochgradige Altersschwäche; er ist der letzte lebende der­jenigen Fürsten, die 1866 den Thron verloren, und der einzige von ihnen, der einen neuen Thron erhielt. Der Großherzog ist geboren am 24. Juli 1817, er bestieg den Luxemburger Thron, nachdem vorher eine Aussöhnung mit Preußen stattgefunden hatte, am 23. November 1890 nach dem Tode König Wilhelms III. der Niederlande, des letzten männlichen Oraniers. Thronfolger in Luxemburg ist der Erbprinz Wilhelm, geboren den 22. April 1852, der mit der Prinzessin Maria Anna von Braganza vermählt ist.

Zum Besuch der Königin von England wird Kaiser Wilhelm am 15. November in Windsor eintreffen. Der Aufenthalt des Monarchen daselbst soll bis zum 20. November währen. Der Kaiser hat die Absicht bekundet, auch zwei Tage bei seinem Oheim, dem Prinzen von Wales, zu verweilen.

Der nationalliberale Landtags-Abgeordnete, Schiffs- Rheder und Senator zu Apenrade, Michael Jebsen ist am Samstag in Berlin im Krankenhause gestorben, welches er hatte aufsuchen müssen, weil er, von Karlsbad kommend, auf der Durchreise schwer erkrankt war.

DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt: Der Ministe- rial-Direktor im Ministerium des Innern, Dr. v. Sitter ist an Stelle des in den Ruhestand getretenen Oberpräsi­denten Freiherrn v. Millamowitz-Möllendorff zum Obcr- präsidenten der Provinz Posen, der Regierungs- Präsident in Bromberg, v. Bethmann-Hollweg zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg ernannt worden.