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Diplome, Spezialist usw. Die Geldgeschäfte erledigt ein Sektretär. Die Medizinen werden selbst angefertigt, „damit sie in jedem einzelnen Falle genau den Bedürfnissen der Kranken entsprechen." Besitzt die Gesellschaft eine Apotheke mit öffentlichem Ladengeschäft, so ist auch noch ein Apothekergehilfe vorhanden. Die Geschäftsweise dieser amerikanischen Kurpfuscher ist natürlich der erbärmlichste und blödeste Schwindel. Durch Zeitungsanzeigen der schamlosesten Art werden die Dummen herangezogen und dann ausgeplündert. Bevor einer dieser Spezialisten den Mund aufthut, muß der Kranke 25 bis 50 Lstr. (500 bis 1000 Mk.) bar bezahlen. In einem Fall bezahlte ein Bur für sich, seine Frau und Tochter 150 Lstr. (3000 Mk.) Die Frau bekam dafür eine Flasche Medizin für die Leber, die Tochter Pillen für die Blutarmut, der Mann Medizin für die Nerven. Es wird den Kranken für obige Summe völlige Genesung in Aussicht gestellt, und eine Monate lange „unentgeltliche" Behandlung versprochen. Alles wird kuriert, Natürlich auch brieflich. Bei der Neigung der Burenbevölkerung, selbst der sogen, gebildeten, für Kurpfuscher blühen diese Gesellschaften vorzüglich, und 10 bis 12,000 Lstrl. Reingewinn das Jahr gehören nicht zu den Seltenheiten!
* lieber die neue Edison'sche Glühlampe dringen jetzt die ersten genaueren Nachrichten an die Oeffentlichkeit. Unter dem Datum des 6. Juni erhielt Edison ein Patent für einen „verbesserten Glühfaden von hohem Widerstande zur Benutzung von hochgespannten Strömen." Der Glühfaden besteht aus einer besonderen Mischung von Oxyden seltener Erdmetalle, sie ist nicht leitend, porös und außerordentlich widerstandsfähig. Ihr sind vereinzelte Kohlenpartikelchen einverleibt, zwischen denen sich die elektrischen Funken bilden, die durch den hochgespannten Strom erzeugt werden. Der Strom geht von Kohlenteilchen zu Kohlenteilchen und bringt die Faser rasch zum Glühen. Das Uebrige besorgt die Einwirkung des luftleeren Raumes in der Kugel der Glühlampe, die den Durchgang des Stromes durch die Kohlenteilchen unterstützt. Als Material für die eigentlichen Bestandteile des Glühfadens dienen, wie gesagt, die Sauerstoffverbindungen von seltenen Erden, z. B. das Thorium. Damit die äußerliche Oberfläche der Faser ein festes, intensives Licht liefert, wird sie einen Augenblick in ein Salz getaucht, z. B. in die essigsaure Verbindung des benutzten Oxyds; dieser Ueberzug vermittelt die Entstehung eines Hellen, weißen Lichtes. Die Glühfaser wird in der Weise hergestellt, daß zunächst eine Lösung von Zucker, Asphalt oder der weinsauren Verbindung des Erdmetalles mit dem Oxyd desselben gemischt wird; der entstandene Teig wird einem starken Druck unterworfen, und durch eine kleine Oeffnung hindurch gepreßt, worauf der Glühfaden in der gewünschten Stärke auf der anderen Seite austritt. Er braucht dann nur noch getrocknet, und mit Kohle imprägniert zu werden. In Anbetracht des starken Widerstandes, den die Glühfaser dem Durchgänge des elektrischen Stromes darbietet, bedarf es einer Spannung von mehreren hundert Volt, um die Lampe in die richtige Glut zu bringen. Uebrigens kann öer Glühfaden auch in der Weise hergestellt werden, daß man einen Baumwollfaden mit dem Oxd einer seltenen Erde tränkt, und ihn dann verkohlen läßt, dann wieder eintaucht, und von neuem erhitzt, bis sich die gewünschte Menge Oxyd niedergeschlagen hat. Alsdann wird die Faser in eine kohlenstoffhaltige Substanz getaucht, und nach dem Trocknen noch in eine Salzlösung, die den erwähnten, einen gleichmäßig weißes Licht erzeugenden Ueberzug gewährt.
* Ein Baumeister in Berlin hatte mehrere Häuser erbaut, die einen Hellen Anstrich hatten. Einige Personen erhoben gegen diesen Anstrich Beschwerde bei der Polizeibehörde und machten geltend, sie würden durch den fraglichen Anstrich belästigt und in ihren Arbeiten gestört. Dem Baumeister wurde darauf voll der Polizeibehörde auf Grund einet Regierungspolizeiverordnung aufgegeben, seinen Häusern einen Anstrich zu geben, der nicht blendend sei. Der Baumeister erachtete die polizeiliche Verfügung nicht für gerechtfertigt und erhob Klage beim Bezirksausschuß; die Polizeibehörde überschreite ihre Befugnisse, auch sei nicht anzunehmen, daß der angefochtene Anstrich Personen belästigen könne. Die Häuser seien mit Mörtel abgeputzt und mit vermengtem Gips überzogen. Der Bezirksausschuß wies jedoch die Klage als nicht begründet ab und führte aus, die angezogene Bestimmung der Regierungspolizeiverordnung erscheine rechtsgiltig und die polizeiliche Verfügung zutreffend. Auf die Berufung des Baumeisters wurde die Vorentscheidung vom Oberverwaltungsgericht als zutreffend bestätigt.
* Vorbeugende Armenpflege. Ein sächsischer Ortsarmenverband hatte bei einer Streitigkeit geltend gemacht, daß jemand, der im Besitze eines Sparkassenguthabens sei (im gegebenen Falle betrug es 200 Mark), nicht hilfsbedürftig im armenrechtlichen Sinne sei. Dem gegenüber hat das sächsische Ministerium des Innern in einer Verordnung erklärt, die Ansicht, ein Eingreifen der Armenbehörde sei erst dann notwendig, wenn der um Unterstützung Nachsuchende von allen Mitteln völlig entblößt sei, flehe mit den Grundsätzen einer sachgemäßen Armenpflege nicht im Einklang. Diese habe vielmehr zu erstreben, daß der vollständigen Verarmung nach Möglichkeit vorgebeugt werde. — Es wäre zu wünschen, daß sich diese Auffassung auch andere Verwaltungsbehörden zu eigen machten.
* Das Alter des Niagarafalls. Herr Dr. W. Kobelt- Schwanheim schreibt im „Globus": „Eine neue Methode, «n das Alter des Niagarafalls zu berechnen, wendet der amerikanische Geologe Frederick Wright in einem in Appletons Science Monthly, Vol. 58, Nr. 2 enthaltenen Artikel an. Alle Versuche, den Zeitraum, welcher zur Bildung der Niagaraschlucht nötig war, durch Beobachtung d«er jährlichen Verlängerung derselben, resp. des Rück- sahreitens der Fälle zu bestimmen, mußten schon aus dem Grunde erfolglos bleiben, weil, wie Wright selbst früher u-achgewiesen, zwischen dem Ende der Eiszeit und heute der
Niagara nicht immer dieselbe Wafferrnenge geführt hat. Für eine geraume Zeit strömte das Wasser der großen Seen dem Ottawa zu und häufte in diesem, an der Einmündung des Mattawathales, ein ungeheures Delta auf. So lange wir den Zeitraum nicht kennen, welchen dieser Vorgang erforderte, bleiben alle Messungen am Falle nutzlos. Wright versucht nun, den Zeitraum zu bestimmen, welchen die Verwitterung gebraucht hat, um die Ausgangsstelle der Niagaraschlucht bei Lewistou am Ontario auf ihre heutige Weite zu bringen. Diese Schlucht ist im Anfang natürlich nicht wesentlich breiter gewesen als der Fluß, also etwa 770 Fuß. Seit der Zeit haben an der Verbreiterung nur die atmosphärischen Einflüsse gearbeitet, also ein im ganzen sich gleichbleibender, von der Wassermenge unabhängiger Faktor. Heute sind nur die obersten aus Niagarakalk bestehenden Schichten von einer am Ufer des Flusses errichteten Senkrechten um 388 Fuß zurückgewichen. Einen approximativen Maßstab für die Schnelligkeit, mit welcher die Verwitterung arbeitet, giebt die 1854 den Abhang entlang geführte Bahnlinie. Durch genaue Messungen und Berechnungen kommt Wright zu dem Ergebnis, daß jährlich mindestens eine Schicht von einem viertel Zoll Dicke von dem Abhang weggefressen wird resp. herabstürzt. Es ist das ein Minimum, wahrscheinlich ist der durchschnittliche Absturz viel stärker. Aber auch bei dieser niederen Schätzung würden weniger als zehntausend Jahre genügt haben, um die Schlucht auf ihre heutige Weite zu bringen. Für die Schätzung der Zeit, welche seit dem Ende der Eiszeit verflossen ist, giebt diese Ziffer einen sehr bedeutsamen Anhalt."
* Der „Verein für Handlungs-Kommis von 1858 (Kaufmännischer Verein) in Hamburg" veröffentlicht soeben den Bericht über das erste Halbjahr 1899 und ist in der erfreulichen Lage, wiederum einen guten Fortschritt während dieses Zeitraums aufweisen zu können. Es traten dem Vereine vom 1. Januar bis 30. Juni d. I. 5300 neue Mitglieder und Lehrlinge bei, gegen 5219 in der gleichen Zeit des Vorjahres ; nach Abzug aller erforderlichen Streichungen stellte sich die Zahl der Vereinsangehörigen auf über 58000 Mitglieder und Lehrlinge. Durch die kostenfreie Stellenvermittelung des Vereins wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 3113 kaufmännische Posten besetzt, gegen 2965 im ersten Halbjahr 1898. Die Pensions-Kasse (Invaliden-, Witwen-, Alters- und Waisenversorgung) hatte eine Vermehrung ihrer Angehörigen von 7355 auf 7525 zu verzeichnen, während sich das Kaffenvermögen auf etwa Mk. 5200000 erhöhte. Ende Juni erhielten 104 Kassenangehörige Pensionen im Gesamtbeträge von jährlich Mk. 58228.08, wofür an Beiträgen insgesamt nur Mk. 19317.50 entrichtet worden sind. In die Kranken- und Begräbnis-Kasse, c. H., traten in den ersten 6 Monaten 481 Mitglieder ein, so daß sich deren Gesamtzahl am Schluffe des Halbjahres auf 7137 belief. Die Gesamtzahl der Bezirksgeschäftsstellen stellte sich am 30. Juni auf 307, von denen sich 25 im europäischen Auslande und 38 über See befinden; auch hat der Verein 79 Vereinbarungen mit anderen deutschen kaufmännischen Vereinen zum Vorteile der beiderseitigen Mitglieder abgeschlossen. Nicht nur die Fürsorge für die Handlungsgehilfen ließ sich der Verein von jeher angelegen fein, sondern er richtete sie auch auf den kaufmännischen Nachwuchs. Schon 1874 gründete er eine „Abteilung für Lehrlinge". Diese zählt jetzt etwa 2500 Angehörige und bietet den ihr Beitretenden für den einmaligen Beitrag von Mk. 6 während der ganzen Dauer der Lehrzeit vielerlei Vorteile. Seit Bestehen der Abteilung besetzte der Verein bis Ende Juni d. I. 4093 Lehrlingsstellen.
* Ein Bergwerk unter dem Meere. Eins der wichtigsten Eisenbergwerke ganz Englands liegt bei der Hafenstadt Borrow-in-Furneß in der Grafschaft Lancashire auf der nördlichen Seite der Morecambebay an der irischen See. Die Lager wurden im Jahre 1840 entdeckt und haben zu einer außerordentlichen Entwickelung der Industrie Veranlassung gegeben. Die „Borrow Haematit Eisen- und Stahlgesellschaft" ist eines der größten derartigen Etablissements des Vereinigten Königreichs. Sie liefert jährlich über 600 000 Tonnen Eisen, Stahl und Bessemer Stahl. Aber auch dort sind die Bodenschätze nicht unerschöpflich, mindestens mußte man allmählich auf ihre möglichst gründliche Ausnutzung bedacht sein. Demzufolge wird voraussichtlich an ihrer Stelle ein großartiges technisches Werk entstehen, das auf nichts geringeres anzielt, als den Eisenbergbau unter dem Meeresgrund hinaus fortzusetzen. Es ist bereits beschlossen, daß ein Meeresdamm in Barrow errichtet werden soll, und diese Gelegenheit wird dazu benutzt werden, den Bergwerksbetrieb in der beschriebenen Weise auszudehnen. Die Eisenerzlager, die von erster Qualität sind, setzen unter dem Meeresboden fort, und schon vor etwa 10 Jahren wurde Damm aufgeworfen, um die See von den Minen fernzuhalten. Jetzt soll ein weiterer Damm in einer Länge von 6750 Ellen errichtet werden, um eine Fläche von 170 Acres vom Meere abzuschließen, damit auch hier der Bergbau aufgenommen werden kann. Die Kosten des Werkes sind auf rund 10 Millionen Mark veranschlagt, aber die reiche Bergbaugesellschaft wird auch vor dieser Summe nicht zurückschrecken, wenn es sich um ihre weitere Entwickelung oder gar um ihre Existenz handelt.__________________________
Universitäts-Nachrichten.
— Marburg. Dr. phil. Johannes Meisenheimer habilitierte sich an der hiesigen Universität als Prioatdozent mit einer Antrittsvorlesung über die Entwicklung der Ketmblätterlehre.
— Göttingen. Zum Prorektor der Universität ist der Pro- fesior in der juristischen Fakultät Dr. Johannes Merkel gewählt worden. — Die hiesige philosophische Fakultät hat folgende Prets- aufgabe gestellt: „@in Geschichte der Bücherpreise in Deutschland seit Erfindung der Buchdruckerkunst, besonders seit dem Anfang dev 18. Jahrhunderts." BewerbungSschristen sind bis 31. August 1901 einzusenden; der erste Preis beträgt 1700 Mk., der zweite Preis 680 Mark.
— Bonn. Am 28. Juli wurde auf dem an der Humboldt- straße gelegenen Bauplatze der Grundstein zum neuen evangelisch
theologischen Stifte feierlich gelegt. Außer den Mitgliedern der Fakultät waren u. a. erschienen UntversttätSkurator Dr. v. Rotten- durg und Untoersitätsrektor Dr. Köster. In der Einweihungsrede hob der Dekan der evangelisch-theologischen Fakultät Konsistorialrat Professor D. Sachsse die Bedeutung des Stifte« als einer Stätte der Wissenschaft hervor. In dem Hause solle immer eine Theologie gepflegt werden, die, aufgebaut auf dem weltüberwtndenden Glauben und der weltbeherrschenden Wissenschaft, sich kräftig erweise, tüchtige Diener der Kirche heranzubilden. Des weiteren dankte er allen denen, die dem neuen Werk ihre Förderung angedeihen lassen, dem Rektor und dem Senate, dem Herrn Minister und seinem Vertreter u. s. w. Die darauf verlesene Urkunde der Grundsteinlegung enthielt einige Angaben über das an der Universität bestehende evangelisch-theologische Stift. Danach wurde das erste, am Alten Zoll gelegene, 1854 eröffnet, jedoch 1876 in das jetzige Haus, Weberstraße 46, verlegt. Da sich aber auch hier die Räumlichkeiten als ungenügend erwiesen, mußte der Bau eines neuen HauseS vorgesehen werden, ein Plan, der baut auch jetzt zur Ausführung gekommen ist. Nachdem nun noch der Leiter des Stifts, Professor A. Meyer, betont hatte, daß dieser Tag ein Tag der Freude sür die Hochschule, die evangelischtheologische Fakultät, und für die ganze rheinisch-westfälische Kirche sei, und er ferner als die Ziele deS Stiftes Pflege von Gottesfurcht, Arbeit und Geselligkeit hervorgehoben hatte, fanden nach Versenkung der Urkunde in den Stein die üblichen drei Hammerschläge statt, womit die in ihrem Verlaufe schlichte und doch ergreifende Feier schloß.
— BreSlau. Der Privatdozent an der hiesigen Universität, Dr. BronislauS Kader, wurde zum ordentlichen Professor der Chirurgie an der Universität Krakau ernannt.
— Leipzig. Die chirurgische Klinik der hiesigen Universität wird im Oktober ihr lOOjäbrigeS Bestehen seiern. AuS diesem Anlaß soll die Büste deS Professor Thiersch, deS einstigen hochverdienten Leiter« der Klinik, im Garten des städtischen Krankenhauses aufgestellt werden.
— London. Nach der eben veröffentlichten Prüfungsliste der hiesigen Universität befinden sich unter 18 Personen, die die Würde eines M. A. (Magister Artium) erhielten, nicht weniger als acht Angehörige des weiblichen Geschlechts. Im Englischen, Französisch« und in den klassischen Sprachen erzielten die Damen ausgezeichnete Erfolge.
Kandwirtschastliches.
0. Aus Oberhesseu, 2. August. Vor einem Monate wurde in Gießen eine Konferenz abgehalten, in welcher über die Hebung der Nutzgeflügelzucht beraten wurde. Der „Gießener Anzeiger" wirkt fett zehn Jahren für diese wichtige Sache, wie aus jedem Jahrgang nachgewtesen werden kann. Doch nur langsam pflegen solche Neuerungen bet den kleinen Landwirten, die es am allernotwenigsten hätten, Eingang zu finden, weil die Bequemlichkeit und Trägheit zu groß ist und der Unverstand auch noch den Hemmschuh einzusetzen pflegt. Dies muß immer und immer wieder gesagt werden, wenn eS auch manchem nicht ichmeckt. Zu Anfang der 90er Jahre führte ich eine bessere Sorte Gänse ein. Die Tiere werden, wenn sie richtig gepflegt und gefüttert werden, 18 bis 20 Pfund, also nahezu doppelt so schwer, al« die gewöhnliche Landrasse und haben doch kein besseres und teureres Futter nötig, als die Landgänse. Der Gewinn liegt also förmlich auf der Hand, aber--! Doch davon ein
andermal, heute möchte ich von der Entenzucht reden, die noch viel mehr im Argen liegt, als die übrige Geflügelzucht, die aber ganz besondere Förderung verdient. Die Ente frißt, wie daS Schwein, so zu sagen alles, was vor sie kommt und wird auch häufig da« Schwein unter den Vögeln genannt. Vielfach ist man der Ansicht, weil die Ente ein Wasservogel ist, man könne nur da Entenzucht treiben, wo reichlich Wasser vorhanden sei. Ich habe selbst nur ganz unbedeutendes Wasser, in trocknen Sommern gar kein- und trotzdem war die Zucht erfolgreich. Diele Züchter werden mir bestätigen, daß Entenzucht auch ohne große Wasserflächen durchführbar ist, schon ein kleiner Tümpel reicht vollständig aus. — Ein anderes Vorurteil bei den Leuten ist: man glaubt, die Ent« wären schwer aufzuziehen. WaS man nicht versteht, ist schwer. Wer die Gänse«, Hühner-, Schweine-, Rindvieh- und Pferdezucht nicht versteht, der lasse die Finger davon, sonst kann er sich klemmen. Em Schneider kann keine Uhr und ein Schuhmacher kann keine Perrücke machen, wohl aber das, was er gelernt hat. Die Entenzucht ist sonach nicht schwerer, wie jede andere Zucht, man muß sie nur gründlich lernen und sorgfältig treiben- Ich habe nicht die Absicht, große Verhaltungimaß- regeln über Entenzucht zu erteilen, das würde zuviel Raum beanspruchen, nur Vorurteile möchte ich zurückweisen und auf Vorteile aufmerksam machen. Die Enteneier sind in den Städten sehr gesucht, während vielfach die Ansicht besteht, diese Eier wären schwer zu verwerten. Allerdings bekommen die Eier leicht einen Beigeschmack nach Thran, wenn die Enten in Sümpfen ober auf fischreichen Gewässern leben unb sich bort vorzugsweise ernähren. Ein solcher Fall dürfte in der ganzen Provinz Oberhessen kaum Vorkommen unb wenn doch, so lassen sich die Enten leicht von derartigen Stellen wegbringen. Eierkenner behaupten, die Enteneier wären saftiger, feiner unb ausgiebiger als bte Hühnereier, eö wirb deshalb niemals an Abnehmern fehlen unb man zahlt sehr oft noch einmal soviel, als für ein Hühnerei. Hiermit ist der Beweis geliefert, daß eine gute Legente, die ihre 100 Eier bringt, einträglicher ist, als daS beste Huhn, denn der Entenbraten wird bester bezahlt, als der Hühnerbraten. Hiermit sind die Vorteile indesten noch lange nicht erfchöpft, wie nachfolgende Punkte beweisen. Die Federn der Enten sind bei den weißen Rasten fast ebenso gut, wie die Gänsefedern, ja eS kommt häufig vor, daß mit Entenfedern gemogelt wird, was selbstverständlich strafbar ist. Man muß entweder sagen, daß man Enten- und nicht Gänsefedern verkauft, oder man verwendet sie in der eigenen Haushaltung. Im Sommer kann man die Enten all: 8 biS 10 Wochen einmal rupfen. Mit dem Mästen dieses trefflichen Vogels hat man gar keine Mühe, denn die Ente mästet sich durch ihre unbesiegbare Freßlust selber, man braucht ihr nur 10 bis 14 Tage lang bester Futter zuzusetze» unb bann macht sich alles von selbst. Küchenabfälle in gekochtem Zustande, Kartoffeln, Kleien, Maisschrot, Hafer sind Leckerbisten für die Schnatterin, frisches Master darf nicht fehlen. AlS Ungeziefer- vertilgerin leistet sie große« im Garten unb oerbkbt mit ihren breiten Tatschen bie Beete nicht, sie gewöhnt sich aber halb an Salat unb Gemüse unb kann dadurch schädlich werden. — Soviel für heute, unb nur noch einige Bemerkungen aus der Praxis. Mein Nachbar zieht, mästet unb verkauft alljährlich etwa 150 Enten, bie ausnahmslos nach Frankfurt geh«. Er ist zufrieben mit seinem Geschäfte unb wirb e8 immer mehr, weil er bessere Sorten einführt. Ich kann, da ich selbst oft gezüchtet habe und die Ergebniste meines Nachbars kenne, nur sagen: Mißachtet bei Hebung des Nutz- geslügels die Entenzucht nicht.
Wöchentliche Ueberfichl der Todesfälle in Gießen.
30. Woche. Vom
23. Juli bis 29. Juli 1899.
(Einwohnerzahl: angenommen zu 24 500 (incl. 1600 Mann Militär). SterblichkeitSziffer: 14,86, nach Abzug der Ortsfremden 6,36<>/w.
Kinder
ES starben an: Zusammen: Erwachs««: hn vom
1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr:
Lungmschwtndsucht 1 (1) 1 (1) — —
Lungenentzündung 11 — —
Schlagfluß 11 — —
Herzleiden 1 (1) 1 (1) —
Blinddarmentzündung 1 (1) 1 (1) — 1
Nierenentzündung 1 (1) 1 (1) — —
Unbekannte Krcmkh. 1 — 1 —
Summa: 7 (4)
6 (4) l
Anm. Die in Klammern gesetzt« Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.


