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Freitag den 4 August
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Nr. 181 Erstes Blatt.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
8»ne$wt Lnzeigen zu der oiuhmittagr für de» ^»ißeud« L»ß erscheinend« Nummer bi» vor«. 10 Uhr.
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Fernsprecher Nr. 51.
AmtlicherWl.
Bekanntmachung.
Der Kriegerverein zu Rödgen hält am 6. August ein Scheibenschießen auf dem Gelände vor dem Ziegenberg etwa 400 Meter oberhalb des Ortes ab.
Wir bringen dies hierdurch zur öffentlichen Kenntnis und warnen vor dem Betreten des betreffenden Geländes.
Gießen, den 2. August 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen. ___________________v. Bechtold.___________________
Gießen, den 1. August 1899.
Betr.: Die Errichtung und Einrichtung der Fortbildungsschulen.
Die
Großh. Kreis-Schulcommission Gießen
an die Schulvorstände des Kreises.
Wir erinnern Sie daran, daß die Schülerlisten in rubr. Betreff bis Ende des Monats an uns einzusenden sind.
Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß nach § 6 pos. 2 a. b. c. d. des Ministerialausschreibens vom 13. Juli 1875 in die Listen alle schulpflichtigen Schüler einzutragen sind und bei von auswärts Eintretenden die betr. Gemeinde anzugeben ist.
Die aus Ihren Gemeinden in andere Gemeinden übertretenden Schüler sind getrennt von den anderen aufzuführen und dahinter ist zu bescheinigen., daß die nötige Mitteilung an den Schulvorstand der betr. Gemeinden erfolgt ist. pos. 2 c.
Die Verzeichnisse sind nicht, wie vereinzelt geschehen, durch die Lehrer, sondern durch die Vorsitzenden der Schulvorstände mit Begleitbericht an uns einzusenden.
Zugleich fordern wir Sie auf, etwa einlaufende Gesuche um Dispensation vom Besuche der Fortbildungsschule, auch spätestens bis zum 1. September d. I. an uns gelangen zu laffen, da wir später einlaufende Gesuche nicht berück- flchtigen können.
____________________v. Bechtold.____________________
Bekanntmachung.
Betr.: Maul- und Klauenseuche zu Heuchelheim.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche in mehreren Gehöften zu Heuchelheim ausgebrochen ist, wird hiermit die ganze Gemarkung Heuchelheim unter Sperre gestellt.
Gießen, den 3. August 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche ist in Griedelbach, Kreis Wetzlar, die Gemarkungssperre angeordnet, gleichzeitig sind die Gehöfte des Peter Müller und des Philipp Heeb daselbst gesperrt worden.
Aus gleichem Grunde sind in Kröffelbach, Kreis Wetzlar, die Gehöfte des Handelsmannes Kallmann Abraham und Äes Friedrich Claudi gesperrt.
Gießen, den 1. August 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold.
Betr.: Das Befahren der Hollergasse.
Wir haben Veranlassung, nachstehende Bekanntmachung in Erinnerung zu bringen.
Gießen, den 31. Juli 1899.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Muhl.
Bekanntmachung,
Das Befahren der Hollergaffe wird bis auf weiteres nur den Eigentümern der an sie grenzenden Grundstücke, soweit sie der Hollergasse als Zufuhrweg benötigen, gestattet; für alles übrige Fuhrwerk ist das Befahren der Hollergaffe verboten. W
Zuwiderhandlungen werden nach § 366 Pos. 10 des Reichsstrafgesetzbuchs mit Geldstrafe bis zu 60 Mk. oder nit Haft bis zu 14 Tagen geahndet.
Gießen, den 22. Dezember 1898.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Muhl.
Bekanntmachung.
Die Gestellung von Vorspann zur Fortschaffung der Verpflegungs- und Biwaksbedürfnisse während der diesjährigen Herbstübungen der 21. Division in den Kreisen Marburg, Wetzlar, Dill, Biedenkopf und Friedberg soll an mindestfordernde Unternehmer verdungen werden.
Zu diesem Zweck ist Termin auf den 11. August, vormittags 9 Uhr, in dem Geschäftszimmer der unterzeichneten Intendantur, Hochstraße Nr. 18, anberaumt.
Kautionsfähige Unternehmer, welche genügenden Ausweis der Ortsbehörde über ihre Leistungsfähigkeit vorlegen können, werden ersucht, ihre Angebote, versiegelt, mit der Aufschrift:
„Angebote aus Vorspanngestellung während der Hebungen der 21. Division"
versehen, bis zu dem gedachten Termin bei der Intendantur, woselbst auch die Bedingungen zur Einsicht ausliegen, einzureichen.
Frankfurt a. M., den 31. Juli 1899.
Königliche Intendantur 21. Division.
Deutsches Reich.
Berlin, 2. August. In der heutigen zweiten Verhandlung des 40. Genossenschaftstages wurden die Angelegenheiten der Kreditgenoffenschaften und der Konsumvereine erledigt, und zwar in getrennten Sitzungen. In dem großen Saale der Philharmonie tagten die Vertreter der Kreditgenossenschaften unter dem Vorsitze des Verbands- dircktvrs Klinkert-Breslau. Bei Punkt 1 der Tagesordnung referierte der Verbandsrevisor Dr. Schneider-Potsdam über die Befugnisse der für die Krediteinschätzung der Aufsichtsratsmitglieder eingesetzten Einschätzungskommission, welche vielfach auf Widerspruch stieß, von anderer Seite jedoch so lebhafte Fürsprache fand, daß der Antrag betr. die Einschätzungskommission schließlich mit großer Mehrheit angenommen wurde. Verbandsrevisor Kuckuck-Meiningen und Bankdirektor Peter-Karlsruhe empfehlen, bei den Genossenschaften Einrichtungen zu treffen, welche eine Vergleichung der Sparkassenkonten auf ihre Uebereinstimmung mit den Sparkaffenbüchern durch den Aufsichtsrat ermöglichen. Direktor August Schall-Waldenburg referierte über die Einrichtung der Prolongationen. Im kleinen Saale der Philharmonie tagten die Vertreter der Konsumvereine. Die Geschäftsführer der Großeinkaufsgefellschaft deutscher Konsumvereine E. Scherling-Hannover und Verbandssekretär H. Haentschke-Charlottenburg berichteten über die Entwickelung des gemeinschaftlichen Wareneinkaufes, der sich nur sehr langsam entwickelt habe, und zu dessen erfolgreichem Ausbau es noch weiterer Agitation bedürfe. Die Wareneinkaufsvereinigungen müßten, so führten beide Redner aus, denSchluß- ftein der genossenschaftlichen Organisation bilden. Es wurde eine Erklärung angenommen, worin zur Bildung von Wareneinkaufsverbänden nachBezirken aufgefordert wird, mit derMaß- gäbe, daß die leitenden Konsumvereine die Bestellungen sammeln und die Waren verteilen. Dr. Wernicke-Charlottenburg regte eine Versicherung gegen Arbeitslosigkeit an, gegen die sich Anwalt Dr. Krüger wendet. Nachdem sich die Herren Dietrich-Rudersdorf und Geißler-Breslau sehr scharf gegen die Beschäftigung mit politischen Fragen ausgesprochen hatten, wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der den Konsumvereinen empfohlen wird, an dem altbewährten Grundsatz der Barzahlung festzuhalten und zur Beseitigung des schädlichen Borgsystems beizutragen. Darauf wurde der zweite Verhandlungstag geschlossen.
— Nationalsozialer Parteitag. Professor L. Brentano hat sich bereit erklärt, auf dem Parteitag der Nationalsozialen in Göttingen am 2. Oktober das Hauptreferat über den „Schutz des gewerblichen Arbeitsverhältnisses" zu übernehmen. Damit ist das Programm des Parteitages in der Hauptsache festgestellt. Es fehlt nur noch die Auswahl des gewerkschaftlichen Korreferenten neben Professor Brentano. Das Programm enthält folgende Punkte: Geschäftsbericht: Sekretär Wenck; Politischer Jahresbericht: Pfarrer Naumann; Die Entwickelung des Staatsgedankens in Deutschland: Professor Sohm; Der Schutz des gewerblichen Arbeitsverhältnisses: Professor Brentano; Das nationalsoziale Kommunalprogramm: Fabrikant und Stadtverordneter Koppelmann und Redakteur Damaschke. Der Parteitag beginnt Sonntag, 1. Oktober, abends und endigt voraussichtlich Mittwoch, den 4. Oktober, mittags.
— Einschränkung der Lustbarkeiten. Wie in der letzten Sitzung des Vereins der Industriellen des Re
gierungsbezirks Köln mitgeteilt wurde, ist man auch im preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe von der Notwendigkeit zweckentsprechender Maßnahmen zur Einschränkung der öffentlichen Lustbarkeiten, wie sie namentlich in Rheinland und Westfalen auftreten, Überzeugt.
Frankfurt a. M., 2. August. Die „Franks. Ztg." meldet aus NewAork: Präsident Figuereo in St. Domingo hat sein Kabinett gebildet. Sobald die konsularische Benachrichtigung eintrifft, erfolgt Anerkennung Figuereos durch die Washingtoner Regierung.
Frankfurt a. M , 2. August. Die „Frkf. Ztg." meldet aus dem Haag: Die gestern stattgehabten Verhandlungen der Rheder mit den Führern der streikenden Maschinisten und Heizer führten noch zu keinem Ergebnis, da in der Frage der Sonntagsruhe keine Hebereinstimmung zu erzielen war. Die Bundesabteilungen der Ausständigen werden heute über die Annahme eines neuen Vermittelungsvorschlages zu befinden haben. Die Lage ist für die Streikenden günstig; die Zahl der mit Frachten auf dem Strom liegenden Rheinschiffe hat gestern wieder stark zu- genommen.
— Kulturerfolge in Kamerun. Der kaiserliche Gouverneur von Kamerun berichtet im „D. Kol.-Bl." über die Zustände bei den Bakwiris am Kamerunberg, deren Unterwerfung mit großen Schwierigkeiten verknüpft gewesen war: Die Bakwiristämme sind gründlich unterworfen, sie haben keine Waffen; Speer, Bogen und Pfeile sind ihnen fremd geworden, die ehedem berühmte Buöa-Armbrust existiert nicht mehr. Diese an recht freie Bewegung gewöhnten Leute sind so sehr auf ganz veränderte Lebensbedingungen eingegangen, daß sie gern auf den neuen Plantagen arbeiten und dadurch überreichlich ihren Lebensunterhalt verdienen, während Weiber und Kinder, wie früher, die eigenen Farmen bearbeiten oder als Lastträger zwischen Viktoria und den Stationen auf dem Gebirge gehen. Intelligentere Häuptlinge, wie Efesua von Boujongo, ein Baptistenchrist, legen in ihren neuen Dorfgebieten Kautschuk- und Kakaopflanzungen an, und während die Leute früher irgendwo im Urwalde, häufig weit ab von ihren Gehöften, ein winziges Stückchen Land mit Mais, Bohnen und dergleichen bepflanzten, bauen sie jetzt ihre Nährpflanzen in der unmittelbaren Nähe ihrer Hütten und führen eine ordentliche Wirtschaft. So hat sich das sehr große, früher über einen unendlichen Flächenraum verstreut liegende Dorf Soppo willig in ein großes Dorf mit regelrechter Dorsstraße Zusammenlegen laffen; die Hütten stehen in Reihen zu beiden Seiten der Straße, numeriert und von Gärten umgeben, in denen die erwähnten Nahrungsmittel gezogen werden. Die Soppo- leute sind sehr stolz auf das neue Aussehen ihres Dorfes, und jetzt kommen von allen Seiten Gesuche an die Station Buea, andere Dörfer auch so schön zu machen.
— Ostafrika. Nach Berichten aus Ostafrika ist es erforderlich gewesen, gegen den im Hinterlande von Mikin- dani sitzenden Häuptling Machemba wegen wiederholter Un- botmäßigkeit eine Expedition der Schutztruppe auszurüsten. Da Machemba ziemlich großen Anhang besitzt, wurde es für wünschenswert gehalten, die Kompagnie in Lindi, die ihrem Standorte nach in erster Linie für die Durchführung der Aufgabe in Betracht kam, durch die in Dar-es-Salaam stehende Kompagnie zu verstärken. Nach einem jetzt vorliegenden Telegramm des Gouverneurs Siebert ist Machemba nach leichtem Kampfe vertrieben und die Ruhe wieder hergestellt worden. Die 5. Kompagnie ist nach Dar-es-Salaam zurückgekehrt.
Ausland.
Wien, 2. August. Der Kultusminister wies das Gesuch des Vereins Ko men ski ab, um die Erlaubnis des öffentlichen Hnterrichts für die von diesem Verein in Wien errichtete tschechische Volksschule.
Brüssel, 2. August. Am Montagabend hielt der niederländische allgemeine Verband in Brüssel eine Versammlung ab, um gegen die Haltung Englands gegenüber Transvaal zu protestieren. Im Ausschuß befanden sich Vertreter aller Schattierungen; es wurde eine Tagesordnung angenommen, in welcher die Anwesenden den Buren ihre wärmste Sympathie ausdrücken.
— Einer weiteren Drahtmeldung aus Brüffel zufolge wird das neue Kabinett am Mittwoch noch nicht gebildet werden. Die Verzögerung rührt daher, daß man sich bemüht, als Kriegsminister für das neue Kabinett eine Persönlichkeit zu gewinnen, welche dem Heere selbst angehört, und deren Programm die allgemeine Wehrpflicht umfaßt.


