Drittes
Vermischtes.
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$ Winke beim Ankauf eines Fahrrades. Wir glauben unfern Lesern einen Gefallen zu erweisen, wenn mir denjenigen, die geneigt oder genötigt sind, sich ein Fahrrad, dieses durchaus moderne, überaus praktische und bequeme Verkehrsmittel, sei es zum Sport, sei es zum Dienst, mizu- schassen, einige Ratschläge erteilen über die sehr wichtige Frage: Was für eine Maschine soll ich kaufen. In den
luta^tne von Anzeigen zu der nachmittag- für den h!zk, den Tag erscheinenden Nummer biS vorm. 10 Uhr.
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meisten Fällen lautet die Antwort, die man sich gibt: ein billiges Rad, und doch ist diese Antwort falsch; sie müßte nämlich heißen: ein gutes Rad. Denn em. gutes Rad ist immer ein billiges und das beste Rad ist stets das billigste. — Der Preis allein darf also nicht ausschlaggebend sein. Die zweite Frage: was für eine Marke ott ich kaufen? ist ebenso leicht zu beantworten. Unser Rat geht dahin: nur deutsches Fabrikat, niemals aber ein solches aus überseeischen Ländern. Es ist zwar bekannt, daß die amerikanischen Fahrräder sehr billig sind, aber ebenso bekannt ist auch die Thatsache, daß sie meistens em äußerst minderwertiges Fabrikat darstellen. Der Besitzer einer solchen Maschine riskiert bei jeder Tourenfahrt Leib und Leben. Das ist ein hartes Wort, aber es ist, nicht zuviel gesagt. Man vergegenwärtige sich stets, daß für ein Spottgeld niemals prima Ware geliefert werden kann, auch nicht von den Amerikanern. Das trifft Nicht allein in der Fahrrad-Industrie zu, sondern in allen Zweigen des Geschäftslebens. Aber auch in der Wahl des deutschen
। Fabrikates sei man vorsichtig. Ein Fahrrad ist eme Pra- zisionsmaschine. Niemals wird daher ein noch so tüchtiger Schlosser in der Lage sein, eine solche aus allerhand Bestandteilen — auch gar manchmal von sehr zweifelhafter Güte — fo mathematisch genau zusammenzusetzen, wie das der Fall ist in einer angesehenen Fahrradfabrik, der alle vollendeten technischen Hilfsmittel zu Gebote stehen. Denn gerade diese sind alleinige Gewähr für em tadellos genaues
I Fabrikat. Ferner bedenke man, daß ein fo billiges Rad I sehr bald recht teuer wird durch die häusig notwendig wer- I denden kostspieligen Reparaturen, und am Ende hat der I Besitzer eine dennoch teure, aber eine geflickte Maschine.— I Wie ganz anders und um vieles besser stellt man sich doch I beim Ankauf eines erstklassigen deutschen Rades! Schon das Ansehen der Fabrik, bezw. die Person des Händlers
I bürgt für eine prima Ware. Ueberdies leistet eine reelle I Fabrik schriftliche Garantie, die jede wünschenswerte Sicher- I heit auf ein volles Jahr hinaus bietet. Endlich bedenke I man, daß der deutsche Fabrikant schon deswegen em hohes 1 Interesse an der Lieferung nur besten Fabrikates hat, weil er bestrebt ist, einen festen und stetig sich vermehrenden
I Kundenkreis sich zu erhalten. Diese Erwägung fallt für I den Amerikaner ganz fort. Für ihn gilt nur, die Schund- I wäre um jeden Halbwegs annehmbaren Preis los zu werden. I Mittel und Wege, andere Dumme in neuen Gegenden zu sinden, gibt es ja genug. Wir hosten, daß unter unseren
I geschätzten Lesern nicht solche sind, die leider nicht alle I werden. Schließlich beachte man auch mit ein wenig nationalem Ehrgefühl das geflügelte Wort: Dem deutschen
I Fahrer ein deutsches Rad.
I * Allen Vogelliebhaberu machen wir die erfreuliche Mtt- I teilung, daß die Geschäftsstelle der ältesten und bewährtesten Fachzeitschrift für Vogelfreunde, der „Gefiederten Welt", Wochenschrift für Vogelliebhaber, -Züchter und -Händler, I herausgegeben von Dr. Karl Ruß, sich entschlossen hat, dieser Zeitschrift von nun an jährlich vier Extrabeilagen beizugeben. Für das Jahr 1899 sind zwei farbige und I zwei Schwarzdrucktafeln vorgesehen, und zwar stellen die I farbigen die Meistersänger des europäischen Festlandes nach I Original-Aquarellen des bekannten Tiermalers Emil Schmidt-
Leipzig dar. Probenummern stellt die Creutz'sche Verlagsbuchhandlung in Magdeburg allen Vogelliebhabern gern kostenlos und postfrei zur Verfügung.
* Mark Twain über den Weltfrieden. Das „N. W. : Tagbl." berichtet: Nach fast zweijährigem Aufenthalte m - I Wien ist der amerikanische Humorist, dessen Werke em i I heiteres Gemeingut aller Nationen geworden sind, Freitag t nachmittags nach London abgereist. Dorthin hat er die ■ I schnurrige Lüge vorausgeschickt, daß er in Wien ein Buch über Persönlichkeiten der Gegenwart geschrieben habe, das erst 100 Jahre nach seinem Tode veröffentlicht werden dürfe. Sein Scheiden von Wien selbst geschah gleichfalls mit einem Scherz auf den Lippen, zu dem ihn offenbar der eben im Haag tagende Friedenskongreß angeregt hat. Mark Twain legte nämlich einem an unseren Kollegen Ed. Pötzl gerichteten Abschiedsbriefe nachstehende drollige Mitteilung bei: „Die New-Aorker Zeitungen fragen bei mir wegen der Audienz (beim Kaiser) an, und ich habe folgendes telegraphiert, das ich für ganz nett halte, weil es würdevoll ist, und keine Information giebt: Es war nur eine angenehme und ungezwungene private Konversation über Dinge, welche auf die Weltpolitik keinen Bezug haben. Ich wünschte sehr, meinen nun in den Händen des Staatssekretärs von Washington befindlichen Plan zur Sicherung des allgemeinen Friedens zu entwickeln, aber ich fürchtete, Se. Majesta
AuÄmd. '
Afrika. Die mit Spannung erwartete Zusammenkunft I । lr» Präsidenten Krüger mit dem britischen Kap-Gouver- >rur Milner, deren Ergebnis für die politische Wetter- I pMcklung Südafrikas von größtem Einflnste sein durste, hat am Mittwoch ihren Anfang genommen. Bloemsontem, die Hauptstadt des Oranje-Freistaats, hatte dafür große I ßstlilche Vorbereitungen getroffen, und Krüger, der zuerst I tnlangle, ward auf dem Bahnhofe sehr feierlich empfangen. I ßine große Menschenmenge drängte sich in den Straßen Der Präsident Steijn, die Mitglieder der Regierung und I die Stadträte waren zum Empfange des Präsidenten der I bild'afrikanischen Republik erschienen. Dieser erwiderte auf eine Adresse des Stadtrats, er und seine Berater seren nach klvnmfontein gekommen, um für die Wohlfahrt von ganz I Südafrika zu wirken. Er werde alle — der Präsident I {utt: dreimal „alle" — Fragen, welche nicht dre Unab- hänmgkeit Transvaals berührten, erörtern. Spater ward Muer ebenso feierlich begrüßt, wobei die Menge Hochrufe I aus ibie Königin Viktoria ausbrachte. Ueber dre Wichtigkeit I bet Ibevorstehenden Konferenz ist man sich in Bloemsontem I Hat, Jeder wünscht, sie möge Erfolg haben, aber kerner I ist »llzu hoffnungsreich. Die Zusammenkunft ist lediglich bet .Initiative des Präsidenten Steijn vom Oranje-Frerstaat I ni verdanken. Dieser machte dem Präsidenten Krüger bet I einem Besuch in Pretoria vor vier Monaten freundschaftliche | Lorsstellungen. Erst willigte Präsident Krüger, dann Srr I «lst ed Milner ein, die Zusammenkunft abzuhalten. In alle» Fällen wird die Regierung des Oranje-Freistaates ihre besten Dienste bereit halten, um das gute Einvernehmen I jwisrhen Großbritannien und dem Transvaal zu fördern. I ft heißt, daß Präsident Krüger vor seiner Abreise aus Pretoria dem Raad erklärte, daß er allen Vorschlägen Srr «lfred Milners ohne Vorurteil Gehör schenken, aber brs auf? äußerste die Unabhängigkeit der Republrk verteidigen mürbe In Johannesburg werden in den Kirchen tägltch Gekete für den Erfolg der Besprechung abgehalten. Auch jn London steht man dem Ergebms natürlrch mtt großer : Zpunnung entgegen; die meisten erwarten davon eme end- oiltüae Entscheidung in der einen oder anderen Rtchtung.
8 Amerika. In der letzten Zeit hat das wüste Hetzen her nordamerikanischen Jingo-Presse gegen Deutschland doch m bedeutend nachgelassen. Dazu hat ohne Zweifel das energische Auftreten der Deutschen tm Westen, der Vereinigten Staaten sehr viel beigetragen. Nicht als ob bie Jingos plötzlich zur Deutschenliebe bekehrt worden waren, mdern^es ist ihnen vielmehr die in den westlichen Staaten Lutte noch ausschlaggebende politische Stimmenmacht der Deutschen recht eindringlich zu Gemute geführt worden. Die ernstere republikanische Presse würdigt den von den Mrern der deutschen Bewegung betonten Standpunkt, daß z sich keineswegs darum handle, die Vereinigten Staaten ,ii inem Bündnis mit Deutschland zu veranlassen, sondern L dem Lande die Gefahr eines Bündnisses mtt europäischen Mächten überhaupt, Deutschland nicht ausgenommen klar -cmacht werden solle. Zeitungen, welche die Politik der caenwärtigen Regierung vertreten, fangen an, die Not- vendiakeit einer Versöhnung nut den deutschen Burgern im Westen zu predigen, und singen das bei Herannahen einet Präsidentenwahl stets ertönende Loblied auf die großen Lorzüge der Bürger deutscher Abkunft. Es gibt aber auch Otter, die nicht auf diesem niedrigen parteipolitischen Ge- ILäftsstandpunkt stehen, sondern die vielmehr die Ansichten der gebildeten Amerikaner vertreten, denen die Deutschen m ihrer selbst willen lieb und wert sind.
zeigt einen geräumigen, auf Kufen gesetzten halbgedeckten I Reisewagen. Damit ist das Dresdener Staymuseum um eine seiner berühmtesten Reliquien ärmer. \\
* Der Bart der Kellner. Ein Komitee, das sich aus I Vertretern der bedeutenderen Gastwirtsgehilfen-Vereinigungen I zusammensetzt, beabsichtigt, ein Rundschreiben an alle größeren Gasthöfe und Wirtschaften, besonders in vielbesuchten Badeorten, zu erlassen, in welchem gegen den Rasierzwang I der Kellner u. s. w. Stellung genommen werden soll. Man will darauf Hinweisen, daß schon'das Trmkgeldsystem das I Ehrgefühl der Kellner verletze, sie gewissermaßen degradiere I und daß ihnen deshalb wenigstens überflüssige Demütigung I in der Bartfrage erspart bleiben solle. Mehrere Gastwirts- I Vereinigungen sollen einer Lösung der Frage im Sinne der I Kellner nicht abgeneigt sein. c _ I
* Vergrabenes Papiergeld. In dem Dorfe Seegefeld bei Spandau stieß in dem Garten einer kürzlich verstorbenen, I sehr wohlhabenden Witwe der jetzige Eigentümer beim Aus- qraben eines Fliederstrauches auf einen Blumentopf, der I mit einem stark vermoderten Holzdeckel zugedeckt war. Bei I näherer Besichtigung ergab es sich, daß der Blumentopf als I | Aufbewahrungsort für eine größere Menge Papiergeld ge- I dient hatte. Der ganze Inhalt war aber verfault und bis zur Unkenntlichkeit verdorben. Man nimmt an, daß die I frühere Besitzerin des Grundstücks bereits vor Jahren, wohl I aus Furcht vor Dieben, Kassenscheine in den Topf vergrub, I und später dies eigenartige Versteck selbst vergaß. I
* Der Verband reisender Kaufleute Deutschlands, der I seinen Sitz in Leipzig hat, hielt in diesen Tagen in Hannover seine 14. General- (Wander.) Versammlung ab, welche wieder von dem energischen Leben und Streben des- I selben ein schönes Zeugnis ablegte. An den Beratungen I und Festlichkeiten nahmen die Behörden der Stadt Hannover I regen Anteil, und der Vorsitzende der Handelskammer I Hannover, Herr Kommerzienrat v. Cölln, trat dem Verbände | auch als außerordentliches Mitglied bei. Aus den Ver- | I Handlungen über den Geschäftsbericht pro 1898 heben wir
Folgendes hervor: Das Vermögen belief sich auf, I 1358331 Mk. 68 Pfg., und hatte gegen das Vorjahr einen
Mehrbetrag von 194200 Mk. 58 Pfg. aufzuweisen. Das I Vermögen dient nur wohlthätigen Kassen. Der allgemeine I Unterstützungsfonds (Kranken-, Begräbnis- und Notstandsunterstützung) weist 262490 Mk. 56 Pfg. auf. Aus ihm wurden seit Bestehen des Verbandes an Unterstutznngen 156779 Mk. 75 Pfg. gezahlt. Der Altersversorgungsfonds stieg auf 194143 Mk. 88 Pfg., der Witwen- und Waisen- onds auf 802025 Mk. 61 Pfg. Unterstützt wurden am Ende des Berichtsjahrs 181 Witwen und 5 Vollwaisen.
I Auch der Kriegsreservefonds hatte eine Vermehrung aufzuweisen. Der Grundstücksfonds wurde laut Beschluß der I Generalversammlung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung zur Erbauung eines Verbandshauses tn Leipzig überwiesen. Die Mitgliederzahl stieg am Ende des Jahres I 1898 auf 8337. Der Verband ist in 69 Sektionen über qanz Deutschland verbreitet. Derselbe gewährt seinen Mit- I gliedern freie Stellenvermittlung, kostenlosen Rechtsrat, Vorteile bei Abschluß von Lebens- und Unfallversicherungen und giebt ein eigenes Organ, die „Post reisender Kaufleute Deutschlands" heraus. nz3 k
* Mascagnis Vater. Aus Livorno, 26. Mai, wird der „Frankfurter Zeitung" berichtet: Gestern starb hier der I Bäckermeister Domenico Mascagni, der Vater des Kompo- nisten Pietro Mascagni. Signor Domenico Mascagni lebte , ftüher in sehr kümmerlichen Verhältnissen und nur mit i äußerster Anstrengung vermochte er die Mittel zur musikalischen Ausbildung seines Sohnes zu beschaffen. Nach dem . I Erfolge der „Cavalleria Rusticana“ begann auch für ihn 1 die Zeit des Wohlstandes, denn sein Sohn Pietro thctt für seine Eltern und seine beiden bis dahin als Handwerksgesellen thätigen Brüder, was nur irgend in seinen Kräften stand. Alle Mitglieder der Familie Mascagni wurden Grundbesitzer und „Signori“, während der Komponist der Cavalleria Rusticana“ als Konservatoriums-Direktor nach Pesaro ging und die Zurückgewinnung des verschenkten Geldes von einer neuen erfolgreichen Oper erhoffte. Diese Hoffnung ist freilich bis heute noch nicht in Erfüllung ge-
* Aus Dresden, 30. Mai, wird der „Darmst. Ztg." «schri-ben: RatSarchivar Dr. Richter hat in der letzten ?I»mmer der „Dresdener Gcrichtsblätter" den Nachweis «führt daß der im Dresdener Stadtmufeum aufbewahrte ablitten Napoleons, in dem der Korf- auf der Flucht uä Rußland am 14. Dezember 1812 hier angekommen Irin soll, keine historische Echtheit beanspruchen kann. Dieser Mi tten ist ein offenes, leichtes Gefährt. Abgesehen davon, der Kaiser mitten im strengsten Winter schwerlich tn rin"m solchen von Rußland bis Dresden gereist s-m wird, to6tet ein Begleiter Napoleons aus der Flucht, der pol- «sche Ordonnanzoffizier Graf Dunin Wonfow.cz, daß in- Mtt bis Dresden in einer auf Schlittenkufen gesetzten »nannten Berline, d. h. einem viersitzigen geschlossene» «»s-wagen erfolgt fei. Auch eine gleichzeitige Lithographie
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