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4.5.1899 Drittes Blatt
 
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Drittes Blatt.

Donnerstag den 4. Mai

1899

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Aints» unJ Anzeigeblatt für den Tkreis Gietzen.

Alle Auzeigen-DermlUlullgssteNen de» F» und Auricmtze» Nthmer» Lu-eigm für bea Gießen« Anzeiger entgegen.

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Die Gießener ».«ikienStLiler W'ffl dem Anzeiger WilhaNlich viermal beigelegt.

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Deutsches Keich.

Das deutsche Weltreichs-Porto. Im Hahre 1840 war in England durch die Anregung Rvw- lliild Hills das billige Penny-Porto für Briefe in Kraft ge- ttrcten, und man konnte für 1 d., Briefe im Gewicht von V, Ullze (14 Gramm) auf jede beliebige Entfernung ver- Wdkn. In Deutschland trat das Einheitsporto (10 Pfg.) bekanntlich seit dem 1. Januar 1868 in Kraft, und dieser Latz besteht noch heute. In England hat man später das 'Wache Briefgewicht auf eine Unze (28,3 Gramm) erhöht, Mb im Jubiläumsjahr der Königin, zu Weihnachten 1897, liefen Satz sogar bis auf 4 Unzen (113 Gramm) gesteigert. Außerdem aber trat vom Jahre 1898 ab eine neue bedeut- binie Reform in Kraft: auch für den Verkehr zwischen dem Mutterlande und den zahlreichen welteutlegeneu britischen 'Sjclonien, sowie dieser unter einander wurde das Penny- P»rts (8i/2 Pfg.) eingesührt. Nicht ganz neidlos und nicht «»uz frei von Eifersucht hat man dieser kühnen britischen tiferloieform zugeschaut und auch für das junge deutsche Kolonialreich im Stillen eine ähnliche Maßregel erhofft. Miese Hoffnung ist, wie wir mit besonderer Genugthuung hk-norheben wollen, nunmehr zur Wirklichkeit geworden. Wie d<r Feichsanzeiger" bekannt giebt, treten vom 1. Mai 1899 ao im Briefverkehr zwischen Deutschland und den deutschen Schutzgebieten (Kamerun, Togogebiet. Deutsch-Südwestafrika, Neutsch Ostafrika, Deutsch-Neu-Guinea, Marschall-Inseln k ird-i-autschon), sowie im Briefverkehr zwischen den deut- sch»Schutzgebieten untereinander die Taxen in Kraft, welche inWerha.lb Deutschlands für Briefe, Postkarten, Drucksachen unß Warenproben gelte». Dieselben Taxen gelten auch vom 1. Mar ab nach und von den deutschen Kriegsschiffen im A Alande, sowie dem deutschen Marine-Lazarett in Yokohama bch bei Beförderung durch das Marinepostbureau in Berlin. Fjür Briefe im Gewicht von mehr als 15 bis einschließlich 6«i) Gramm, welche an die nicht Offiziersrang besitzenden Pkrsoneu der Schiffsbesatzungen und die im Dienste der Marine stehenden Militärpersonen vom Feldwebel abwärts (eeinschließlich der Besatzungstruppen im Schutzgebiet Kiau- tsc'hov) gerichtet sind, oder von diesen Personen herrühren, blätibt der ermäßigte Portosatz von 10 Pfg. bestehen. Ge- scWstsp apiere,Warenproben und eingeschriebene Briefsendungen »mittel durch das Marine-Postbureau nicht befördert. Dliise Reform erweist sich auch insofern als wohlerwogen, w..Ä gegenwärtig der Verkehr des Deutschen Reiches mit de«deutschen Kolonien noch sehr gering ist. Wenn man di.ch Neuerungen um zehn Jahre hätte hinausschieben »«*, so würde der Verkehr vielleicht bereits viele Millionen vom Sendungen betragen und dann dem Reiche, speziell der PMkrwaltung, erhebliche Einnahme-Ausfälle verursachen, wcGend diese jetzt so minimal sind, daß sie überhaupt nicht n betracht kommen. Außerdem wird voraussichtlich die du ais die Verbilligung entstehende Verkehrssteigerung jede Mindereinnahme beseitigen und vermutlich werden sogar no-ch Mehreinnahmen an Porto zu verzeichnen sein. Der BeWthr des Reichspostgebietes mit den deutschen Schütz­te! '«len umfaßte nach der Statistik von 1897 rund 137000

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in ' Emcheu Dingen keine glückliche Hand gehabt. Um'so toll, ^6pL ZAi'S-r- müssen die in der allerjüngsten Zeit errungenen "Ai t «TW anerkannt werden. Das transatlantische Sabel und ireileo I*1' ^e ;®nb eziehung der Kolonien in den deutschen Portotarif 9fStl H^rrn v. Podbielski ebenso zum Ruhm wie die Ofld fre Mßl wtMigr sozialpolitische Maßregel, wonach die Arbeitszeit !?^M'ienft je nach ihrer Schwierigkeit und nach dem r * aH SW der Angestellten zwischen 42 und 60 wöchent- Vienststunden festgesetzt und für eine Erweiterung der

Äor'Mg,sruhe Sorge getragen ist. Die Anerkennung, die

Brnejt. Vorausgesetzt, daß die Mehrzahl einfaches Gewicht hatt, |d ergeben sich etwa 13000 Mk. Mindereinnahmen, so- ern der Verkehr derselbe bleibt, was aber nicht anzunehmen ist.i Bei Postkarten und Drucksachen nebst Warenproben ist Ibis Risiko noch viel geringer, und im Ganzen handelt e« ira vielleicht nur um 20;25 000 Mk., die in den ^o.i Einnahmen der Reichspostverwaltung natürlich nicht bicxjtrrngfte Rolle spielen. Recht wünschenswert wäre es frciBlid), daß in Zukunft auch für Postanweisungen und für PaEli- der interne Tarif im Verkehr mit den Kolonien ein- gef^'si! würde. Ein 5-Kilogramm-Packet nach den deutschen SchsAgebieten stellt sich gegenwärtig nämlich noch auf w 31 SR. 20 Pfg., und nach Südwestafrika, sofern es den mit ft* b<r England nimmt, sogar auf 4Mk. 95 Pfg. Wir * spricht» die Hoffnung aus, daß sich Staatssekretär v. Pod- biel^ki m nicht zu ferner Zeit auch dieser Postsendungs- arte:« ^nehmen wird. Der deutsche Generalpostmeister hat

sich Herr v. Podbielski damit errungen hat, wird im Verein mit der abfälligen Beurteilung seiner bureaukratisch-fiskalischen Projekte hoffentlich dazu beitragen, den richtigen Weg leichter finden zu laffen, auf dem Verkehrsreformen in Angriff zu nehmen und auszuführen sind. M. N. N.

Vermischtes.

* Danzig, 30. April. Ein Steinkistengrab ist vor einigen Tagen auf der Feldmark des Rittergutsbesitzers Meyer - Rottmannsdorf freigelegt worden. Dasselbe ist regelmäßig ans Steinen zusammengefügt. Beim Pflügen wnrde die Decke abgehoben und der Inhalt freigelegt, welcher aus mehreren Urnen mit Beigaben von Bronzeschmuckgegen­ständen, die in der Asche lagen, bestand. Das Grab nebst Inhalt stammt etwa aus dem Jahre 400 vor Christus. Herr Rittergutsbesitzer Meyer hat den Fund in dankens­werter Weise dem Weftpreußischen Provinzialmuseum zur Verfügung gestellt.

* Zu Meißen hatte ein Getreidehändler seit 1893 sein Haus mit Getreide vollgepfropft und nichts mehr verkauft, da er immer auf eine Teuerung wartete. Das Haus mit dem größten Teil der zusammeugehamsterten Schätze ist dieser Tage niedergebrannt.

* Em viederaufgefundeuer Vermeer. Dr. A. Bredius, der kürzlich das große Rembrandtsche GemäldeDavid vor König Saul die Harfe spielend" von der Firma Ruel in Paris käuflich erworben und dem Mauritshaus im Haag zum Nießbrauch überlassen hat, hat in den letzten Wochen eine nicht minder glückliche Erwerbung gemacht, indem er für eine verhältnismäßig niedrige Summe einen Delftschen Vermeer zu kaufen Gelegenheit hatte. Das Bild, eine merkwürdige Mischung von Phantasie und Realismus, stellt ein symbolisch-religiöses Drama vor, das sich in dem viel­bewunderten Atelier Vermeers abspielte. In diesem Atelier mit der mit weißen und schwarzen Marmorfliesen belegten Flur fitzt auf einer kleinen Erhöhung, über die ein Teppich von olivengelber Bronzefarbe geworfen ist, eine Frau, wie eine büßende Magdalena, in Ekstase; ihr Antlitz ist gen Himmel gerichtet; die rechte Hand liegt auf der Brust, die linke auf einem Tisch, auf dem eine beim Neuen Testament aufgeschlagene Bibel und ein getriebener goldener Abend­mahlskelch steht. Der rechte Fuß ruht auf einer Erdkugel, als Symbol, daß das Evangelium die Welt überwinden wird; im Vordergrund ist die Schlange, deren Kopf durch einen Stein zerschmettert ist, und aus deren Rachen ein Blutstrom kommt; etwas entfernt davon liegt der Apfel, das Symbol des Sündenfalls. Rechts sieht man eine gold- lederne spanische Wand, links einen, von einem Stuhl auf­genommenen prachtvollen Gobelin, ein koloristisches Meister­stück; das Atelier Vermeers wurde dadurch in zwei Teile geschieden, und da hinter diesem Vorhang ein Fenster war, so haben auch die Vermeer'schen Bilder, soweit sie an dieser Stelle gemalt wurden, wie z. B. dieBriefleserin" in Dresden, einen ganz eigentümlichen Lichteffekt. Trotz der Handzeichnung C. Netschers, die das Bild trägt, hat Dr. Bredius, dem die frühem Verkaufskataloge dabei zu Hilfe kamen, alsbald in ihm einen echten Vermeer erkannt. Auch dieses Gemälde hat der Käufer dem Mauritshaus überlaffen.

* Was die Parlamente kosten. Von allen Staaten, die ein Parlament haben, läßt Spanien sich dieses am wenigsten kosten, wie das allerdings auch seinen Mitteln entspricht; es giebt seinen Abgeordneten nämlich gar keine Vergütung. Dasselbe thut Großbritannien, trotzdem es hinsichtlich seiner Finanzen gerade der Antipode von Spanien ist. Die Mit­glieder des deutschen Reichstags erhalten bekanntlich auch nichts, haben aber wenigstens freie Eisenbahnfahrt. Am einträglichsten ist die Politik in den Vereinigten Staaten; die Mitglieder beider Häuser erhalten dort jährlich 20 850Mk. und außer der Reisevergütung noch 520 Mk. für Zeitungen, Schreibmaterial und sonstige Unkosten. Frankreich zahlt den Mitgliedern des Senats und der Deputiertenkammer jährlich 7000 Mk.; außerdem genießen sie freie Bahnfahrt erster Klaffe. In Dänemark beziehen die Abgeordneten pro Tag 6 Mk. 75 Pfg. und Reisevergütung, in Rumänien täglich 20 Mark und Erstattung der Reisekosten, in Bul­garien 16 Mark 10 Pfennig täglich und Reisevergütung; Preußen bewilligt den Mitgliedern des Herrenhauses nur freie Reise, denen des Abgeordnetenhauses außer der Reise­vergütung täglich 15 Mk., Oesterreich außer der freien Fahrt 15 Mk. 20 Pfg. pro Tag, die Schweiz 10 Pfg. weniger, und Serbien 8 Mk. täglich; diejenigen Mitglieder, die ein Staatsamt bekleiden, oder Pension beziehen, erhalten edoch nur 4 Mark, außerdem find hier zum Bezug der

Diäten nur die beim NamenSruf Anwesenden berechtigt. In Belgien beziehen die Mitglieder der Deputiertenkammer monatlich 336 Mk., in Ungarn die des Abgeordnetenhauses die des Magnatenhauses erhalten nichts 3900 Mark pro Jahr und 1300 Mark Wohnuugsznschuß, in Griechen­land 1492 Mk. pro Tagung, und in Schweden die Mit­glieder der zweiten Kammer 1350 Mk. für den Zeitraum einer Tagung. Die Niederlande zahlen den Abgeordneten der zweiten Kammer jährlich 3360 Mk., Denen der ersten Kammer täglich 16 Mk. 80 Pfg., diejenigen ausgeschlossen, die in Haag selbst wohnen. Norwegen endlich bewilligt seinen Volksvertretern täglich 50 Pfennige.

* Zwanzig Soldaten zogen im Jahre 1870 aus dem Dorfe Waltersweiler (Kreis Offenburg) in den Krieg, alle zwanzig kehrten wohlbehalten zurück und lebten noch dreißig Jahre vollzählig zusammen. Am Montag ist der erste gestorben. Der Fall dürfte wohl einzig dastehen.

* Schlimme Ueberraschungen. George E. Sterry, Sekretär einer New-Yorker Drogensirma, empfing dieser Tage durch die Post eine kleine Kiste. Als er sie öffnete, sprang eine kleine Schlange, eine giftige Natter von der Art, mit der Cleopatra sich getötet haben soll, heraus. Ihr Biß ist tötlich. Mr. Sterry sagt, er könne nicht verstehen, warum jemand ihn zu toten wünschte; er habe keine Feinde. Die Geheimpolizei hat den Vorfall zum Gegenstand einer Unter­suchung gemacht. Ein ähnlicher Fall hat sich in Rochester, im Staate New-York zugetragen. May Cook, eine Schau­spielerin des dortigen Theaters, empfing eine Schachtel, die, wie sie glaubte, Blumen enthielt. Als sie diese in ihrem Ankleidezimmer ans der Bühne öffnete, sprang eine kupfer- köpfige Klapperschlange empor, die die Dame beinahe in das Gesicht gebissen hätte. Auf ihr Hilfegeschrei eilten Kuliffeu- schieber herbei »nd töteten die Schlange. Ein abgewiesener Verehrer der Künstlerin soll sich dieses teuflischen Rache­mittels bedient haben.

* Die TürkiSgrnben in Persien. Mesched in der persischen Provinz Chorasan ist der Hauptmarkt für Türkise. Diese werden 50 Kilometer nordwestlich von Nischapur im Gebirge in einem trachytischen Gesteine gewonnen. Einem Berichte des dortigen britischen Vizekonsuls entnimmt der Prometheus^ die folgende Beschreibung der Türkisgruben. Die Dörfer, in welchen die Türkisgräber wohnen, liege» etwas mehr als 1500 Meter über deiy Meere und die Türkisgruben selbst oberhalb davon am Südabhange eines etwa 300 Meter hohen Berges in einer Ausdehnung von 1 bis 2 Kilometer. Jetzt nach dem Zusammenbruche der wertvollsten Grube Abdur-Rezaigri liefert die Grube Reifh die Mehrzahl der in den Handel kommenden Steine. Sie liegt 1830 Meter hoch. Ihren Eingang bildet eine künst­liche, 11 Meter weite Höhle, von deren Boden der rund 4Vz Meter weite Schacht hinabgeht. Das Fördergut wird aus dem 27 Meter tiefen Schachte primitiv emporgehaspelt. An der Schachtmündung lehnen zwei Arbeiter mit dem Rücke« gegen die Höhlenwand und drehen mit den nackten Füße« ein altes Holzrad. Dadurch wird an einem Seile ein schaf- lederner Sack mit etwa einer Metze Fördergut nach oben gezogen. Oben an der Schachtmündung wird der Sack von einem dritten Arbeiter abgehängt, ausgeschüttet und wieder angehakt. Die beiden ersten Arbeiter heben darauf die Füße vorn Rade, und der Sack sinkt infolge der eigene« Schwere am Seile in einem Zuge 13 Meter nieder. Dort, in der Mitte des Schachtes, befinden sich drei andere Arbeiter, die den Sack mit einem zweiten Rade auf die gleiche Weise bis zur Schachtsohle befördern und ihn gefüllt wieder zu ihrem Stande emporziehen, um ihn an das obere Seil über­zuhängen. In der Höhle kauern sechs bis sieben Arbeiter an den Wänden und zerschlagen die heraufkommenden Gesteins­stücke mit Hämmern. Die gefundenen Türkise werden in rohem Zustande zusammengepackt und nach Mesched gebracht. Die Steine der Gruben besitzen zwar gute Form, doch be­halten sie ihre Farbe nicht immer. Manche anfangs sehr schöne Steine verblassen bald, werden grünlich, und es zeigen sich weiße Flecke, die, zuerst mikroskopisch klein, rasch größer werden und sich zuletzt über de» ganzen Stein ausdehne«. Verblaßte Türkise können vorübergehend aufgefrischt werde«. Um sich deshalb gegen Betrug zu schützen, kauft man in Mesched die Türkise erst auf Probe.

* Kongreß zur Bekämpfung der Tuberkulose- Das Ber­liner Ortskomitee hielt im Kultusministerium unter Vorsitz des Geh. Ober-Regierungsrats Dr. Naumann eine Sitzung ab. Die Beschaffung von Wohnungen wird unter Mitwirkung des ReisebureauS von Karl Stangen, erleichtert werden. Zur Bequemlichkeit der fremden Teilnehmer wirtz unter Seüung des Stadtrats Marggraf ein übersichtlicher