Ausgabe 
4.3.1899 Erstes Blatt
 
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Samstag den 4. März

1899

PK. 54 Erstes Blatt.

Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren

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der Militär-

abend: lieber ein Kompromiß in

Alle Anzttgen.BermittlungSstkllen des In- und Ausland«! nehmen Anzeigen für den Gleßener Anzeiger entgegn».

Fachschule.) I [1 1899.

bis 20 Jahren. Vor-1 Prüfung.

ewerbetreibende in

finden answärtige rbeitszeit und Frei- /erstellt.

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morgen.

Berlin, 2. März.

Redaktion, Lxpedinon und Druckerei:

Kihukflrahe Ar. 7.

Gießen, den 1. März 1899. etr.: Die Beitreibung der Gemeindeeinkünfte.

Adresse für Depeschen: Anzeiger ch letzt».

Fernsprecher Nr. 51.

Gratisbeilagen: Gießener FamilienblSNer, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde.__________________

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen fltt die Grosth. Bürgermeistereien der Land- gemeiudeu des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 1. Februar I. Js. (G. A. Nr. 31) noch nicht entsprochen haben, werden an deren Erledigung mit Frist von 5 Tagen erinnert.

v. Bechtold.

Annahme »au Anzeigen zu der nachmittags für den La, erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.

worden seien. Unter diesen Umständen habe die Begnadig­ung stattgefunden. Der vom Vorredner zitierte Fall vor dem Marienburger Landgericht sei richtig. Der betreffende Reserveunteroffizier, der als Zeuge vernommen wurde, habe vor seiner Vernehmung erklärt, daß er im Zivil Sozial­demokrat sei. Er sei deshalb mit 14 Tagen Arrest bestraft worden. Nach Anficht des Ministers auch mit Recht. (Bewegung, Zwischenrufe.)

Morgen 1 Uhr Fortsetzung der Beratung.

(Schluß 6'/, Uhr.)

DieGermania" schreibt heute

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Nezugspreia vierteljährlich 2 Mark 20 Psg. monatlich 75 Psg. mit Bringerlohn.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Psg. vierteljährlich.

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Die Gießener IlamitleuVtLlter »erbe« dem Anzeiger »Gchevtlich viermal beigelegt.

Notanlagen.

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Deutsches Reich.

Darmstadt, 2. März. Seine Königliche Hoheit der Großherzog begeben Sich morgen mittag 12 Uhr für die nächste Woche nach Gotha, in Begleitung des Großh. Kabinettsrats Römheld.

Berlin, 2. März. Die Kaiserin ist von Plön, wohin sie wegen einer Erkrankung des Prinzen Joachim gereift war, die sich indes als ganz unbedeutend herausgestellt hat, bereits heute früh wieder nach Berlin zurückgekehrt.

Berlin, 2. März. Das Abgeordnetenhaus erledigte heute die Generaldebatte des Eisenbahn-Etats und trat alsdann in die Spezialberatung über den Titel der Einnahmen ein. Hierzu lag ein Antrag Wedekamp vor auf Beibehaltung der Ausgaben von Arbeiter-Rückfahrkarten und Arbeiter-Wochenkarten mindestens in dem bisherigen Umfange. Nachdem die Abgeordneten Wedekamp und Krah­winkel das Wort ergriffen, vertagte sich das Haus auf

Bekanntmachung.

v e t r.: Vorträge über Obstbau.

Der Obstbautechniker des Oberhessischen Obstbau-Ber­kin--, Herr Metz aus Friedberg, beabsichtigt, die nachstehend verzeichneten Orte zu den angegebenen Zeiten zu besuchen, um Borträge über Obstbau zu halten und praktische Unter- roeifungen an Obstbäumen vorzunehmen.

Montag 6. März in Annerod, Dienstag 7. März in Hausen, Mittwoch 8. März in Steinbach, Donnerstag 9. März in Albach, Freitag 10. März in Burkhardsfelden, Samstag 11. März in Hattenrod, Sonntag 12. März in Harbach, Montag 13. März in Saasen, Sonntag 19. März in Ober-Hörgern, Montag 20. März in Eberstadt, Dienstag 21. März in Muschenheim, Mittwoch 22. März in Birklar, Donnerstag 23. März in Bettenhausen, Freitag 24. März in Klein-Linden, Samstag 25. März Großen-Linden, Sonntag 2.6. März Leihgestern.

An Sonntagen finden die Vorträge nachmittags 3 Uhr, an Wochentagen abends 8 Uhr statt. Die praktischen Unter» vtisungen am nächsten Tag vormittags 9 Uhr mit Aus- va.hme der Sonntage; in Hattenrod und Großen-Linden nachmittags 3 Uhr. Den Herren Bürgermeistern gehen noch besondere Mitteilungen zu. Zahlreiche Beteiligung ist erwünscht.

Gießen, den 3. März 1899.

Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen. Frhr. Schenck.

Meßmer Anzeiger

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Deutscher Reichstag.

46. Sitzung vom 2. März. 1 Uhr.

Die Beratung desEtats desReichsamts des )«»ern wird fortgesetzt bei dem von der Kommission ein­stimmig aenehmigten Titel 30 000 Mk. Zuschuß zur Unter­stützung der Herausgabe von Veröffentlichungen auf dem Gebiete des Erziehungs- und Schulwesens.

Abg. Frhr. v. Hertling (Centr.) empfiehlt Geneh­migung des Titels. Das Werk sei aus deutschem Idealis­mus hervorgegangen und mit deutscher Gründlichkeit betrieben, doch bedürfe es zur Fortsetzung des Werks größerer Mittel. lÖeifaü.)

Auch Abg Hieber (nl.) tritt warm dafür ein.

Abg. Lieber (Centr.) verwahrt sich dagegen, daß etwa mjjolge des Reichszuschusses irgend eine bureaukratische Be­einflussung im Sinne einer Einschränkung der Publikationen bei Gesellschaft statthabe.

Der Titel wird bewilligt; ebenso die Beihilfe zu den «osten der Wiederherstellung des ehemaligen kurfürstlichen Schlosses in Mainz.

Zu demselben Etat ist noch die Resolution Prinz Carolath gestellt betr. einen Nachtragsetat von 50000Mk. |ic Beihilfe zu den Kosten eines Göthedenkmals in Straß­burg.

Die Kommission empfiehlt Annahme der Resolution.

Abg. Graf Roon (kons.) erklärt namens seiner Partei, Mb dieselbe aus finanzpolitischen Gründen der Resolution ">cht zustimmen könne. Die Kosten des Denkmals könnten M leicht aus Privatmitteln gedeckt werden.

Abg. Graf Limburg-Stirum (kons.) fügt noch hmzu, alle Sonderbewilligungen für Elsaß-Lothringen, alles Vochlwoven, hätten doch noch nicht den Erfolg gehabt, uns sie: Elsaß-Lothringer zu gewinnen.

Abg. Prinz Carolath (nl.) tritt warm für den Antrag ein, der eine Huldigung an den größten deutschen Genius bedeute. Große nationale Gesichtspunkte seien es, welche für den Antrag sprächen. (Lachen des Abg. Kro- patscheck.)

Abg. Fritzen (Centr.) erkennt die hohe, sogar inter­nationale Bedeutung Göthes an, das aber allein könne nicht in Betracht kommen. Straßburg bezw. Elsaß-Lothringen könnten das Denkmal sehr wohl aus eigenen Mitteln auf­bringen.

Abg. v. Tiedemann (Rp.) ist für den Antrag.

Abg. Kropatscheck (kons.) spricht sich gegen den­selben aus.

Die Debatte wird geschlossen.

Die Abstimmung bleibt zunächst zweifelhaft. Für den Antrag stimmte die gesamte Linke mit Ausnahme des nationalliberalen Abg. Schulze-Steinen; ferner der größte Teil der Reichspartei, die Antisemiten nnd vom Centrum der Abg. Frhr. v. Hertling.

Die Auszählung ergibt für den Antrag 91, gegen den­selben 84 Stimmen; das Haus ist also beschlußunfähig.

Die Sitzung wird geschlossen und die nächste auf 3*/2 Uhr festgesetzt. Tages-Ordnung: Militär et al.

Die zweite Sitzung beginnt um 3*/2 Uhr.

Referent Graf Roon erstattet ausführlichen Bericht über die Verhandlungen und Beschlüsse der Budgetkommission zum. Militäretat.

Zur Beratung steht zunächst der Ausgabetitel Gehalt des Kriegsministers.

Abg. Schmidt- Elberfeld (frs. Vp.) bringt Beschwerden zur Sprache über die vielen Absperrungen gelegentlich der Schießübungen

Kriegsminister v. Goßler entgegnet, hier handele es sich um eine schwere Frage. Wo irgend möglich, würden ja auch Vereinbarungen getroffen. Die Regierung werde jedenfalls bestrebt sein, auch der Umgegend von Mainz (von der der Vorredner hauptsächlich gesprochen hatte) Ab­hilfe angedeihen zu lassen.

Abg. Lingens ((Str.) beklagt die Zunahme der Vor­bestrafungen bei den Rekruten. Um so nötiger sei die Pflege der Religiosität. Auch die Sonntagsheiligung lasse noch zu wünschen übrig.

Minister v. Goßler erklärt, er teile das Bestreben des Vorredners, auf kirchlichem Gebiete Besserung zu schaffen. Mit den Vorbestrafungen habe Vorredner Recht, aber die Erziehung in der Armee sei eine so gute, daß die Zahl der Bestrafungen in der Armee zurückgegangen sei.

Abg. Bassermann (nl.) wünscht erleichterte Zu­lassung junger Handwerker zum Einjährig-Freiwilligen- Examen.

Kriegsminister v. Goßler erklärt, es fet ja em Gesetz Vorbehalten, welches die Zulassung zumEinjährig-Freiwilligen- Dienst regele, das Gesetz sei aber noch nicht zu stände gekommen, weil der Unterrichtsgang auf den verschiedenen einzelstaatlichen Anstalten zu verschieden sei.

Abg. Bebel (Soz.) kritisiert das Einjährig-Freiwilligen- Jnstitut als Privileg der besitzenden Klassen und rügt dann namentlich die Abkommandierung von Soldaten für gewerb­liche Zwecke. Die Erscheinung der wachsenden Vorbestraf­ungen habe mit der Religion gar nichts zu thun, sie er­kläre sich hinreichend durch die ganzen sozialen Verhältnisse, durch das gestörte Familienleben, die wachsende gewerbliche Beschäftigung verheirateter Frauen. Herr Lingens habe vorhin gemeint, die Sozialdemokraten glaubten selbst nicht an ihre Ziele. Wie dürfe Herr Lingens eine solche Ver­dächtigung aussprechen. (Vizepräsident v. Frege erklärt es für unzulässig, einem Mitgliede des Hauses Verdächtigung nachzusagen, er rufe den Redner deshalb zur Ordnung. Unruhe links). In seinen weiteren Ausführungen streift Redner Spieleraffairen, an denen Offiziere beteiligt seien, ben Klub der Harmlosen. Zu verwundern fei, daß die Polizei dieser Sache nicht schon viel eher auf die Spur gekommen fei, ebenso das Kriegsministerium. Auch den Fall Brüsewitz und den Fall des Rittmeisters Graf Stol­berg, der in Saarburg einen Sergeanten erstochen, bespricht Abg Bebel; desgleichen werden von ihm noch mehrere Fälle aus dem Soldatenstande zitiert. Er schließt, daß unbedingt verlangt werden müsse, die Politik aus der Armee zu entfernen.

Minister v. Goßler bezeichnet verschiedene Ausführ­ungen des Abg. Bebel als unrichtig. Betreffs des Falles Brüsewitz bemerkt der Minister, daß die Angehörigen des von Brüsewitz Getöteten reichlich von ersterem entschädigt

Vorlage bringt die freisinnige Zeitung heute verschiedene Mitteilungen, die nach unseren authentischen Informationen völlig unzutreffend sind.

Berlin, 2. März. Heute beginnen die Verhandlungen der Plenar-Versammlung des deutschenHandelstages. Graf Posadowsky als Vertreter der Regierung sprach ein­gehend über die Industrie- und Handelsverhältnisse im Deutschen Reiche. Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildet das Gesetz über die Privat-Versicherungs-Unternehm- ungen.

Berlin, 2. März. Von der Regierungsstation Buea im Kamerun-Gebiete ist eine vom 1. Februar datierte Mitteilung über eine beabsichtigte Meuterei der zur deutschen Besatzung gehörenden Eingeborenen nach Köln gelangt. Dieser Meldung derKölnischen Volkszeitung" zufolge versuchten die Meuterer, in der Stärke von 15 Mann, die Weißen zu berauben und wollten sich dann über die Grenze auf englisches Gebiet retten. Der Stationschef Leuschner, welcher von einem Soldaten von dem Vorhaben in Kenntnis gesetzt worden war, habe sich durch List der Waffen der Eingeborenen bemächtigt. Bei der Flucht der Meuterer seien mehrere derselben, darunter vier zu Tode verwundet worden, durch das Feuer der Weißen. Auch au hiesiger amtlicher Stelle ist ein Bericht über den Vorfall eingegangen, wonach derselbe einen rein lokalen Charakter trägt und weitere Folgen nicht gehabt habe.

M.P.C. Berlin, 2. März. Eine gedeihliche Entwicklung der umfangreichen und umfassenden Arbeiten der Gesell­schaft für deutsche Erziehungs- und Schulge­schichte, deren Hauptvorstand in Berlin seinen Sitz hat, ist nur unter der Voraussetzung denkbar, daß hinsichtlich der Leitung der Forschungen eine Dezentralisation geschaffen wird, denn es ist ganz unmöglich, von Berlin aus eine bis auf die kleinsten in den deutschen Bundesstaaten, Oesterreich und der Schweiz vorhandenen Archive und Bibliotheken sich erstreckenden Durchforschung wirksam zu leiten. Um die möglichst vollständige Sammlung, kritische Sichtung, wissen­schaftliche Bearbeitung und Veröffentlichung des in Archiven, Bibliotheken, Pfarr-, Schul- und Gemeinderegistraturen, sowie in Privatsammlungen zerstreuten historischen und pädagogischen Materials zu erreichen, wurde daher zur Bildung von territorialen Gruppen geschritten. Es gelang bis dahin, solche Zweigvereine in Anhalt, Baden, Bayer«, Braunschweig, Westpreußen, Hessen, Hessen-Nassau, Waldeck, Oldenburg, Pommern, Rheinland, Thüringen, Westfalen, Württemberg, der Schweiz und Oesterreich zu organisieren. Ueberall haben sich Männer von hervorragender Stellung und wissenschaftlichem Rufe bereit gefunden, in den Dienst der hoch bedeutsamen Sache zu treten und sich der ihr zu- gedachten Aufgabe anzunehmen.

Oberlehrer vr. Schröder. Nach den von der Kreuzztg." an zuständiger Stelle eingezogenen Erkundig-

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