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3.12.1899 Erstes Blatt
 
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Sonntag den 3. December

Nr. 285

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts, uitb Anzeigrblatt für den Areis Gieren.

vki Postbezuß 2 Mark 50 Pf^ virrtkljährlich.

»cjegeyteU viertkljährlü-

2 Mark 20 Pitz- monatlich 75 Pfg mit Bringerloh«.

LLr Lnie,tzen.Brrmittiun§rKe8eu M In- und ÄnllauW

tkruti Xnjeigtn für den Gießener «n-rtArr mtf^s

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nicht brauchbar ist.

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Rilehle-,ptUtien und Druckerei:

F4«kßr«te »r. 7.

«ratlskrUig«: Meße«« j<m«^bMler, Der tz-PW- Kn-dwltt.

Blätter für hessische Volkskunde.

Rlreffe für Depeschen: *«|dg« Fernsprecher Nr. 61.

Telegramme desGieheuer Anzeiger".

London, 2. Dezember. Ein Beamter des Kriegsamtes berichtet, daß zahlreiche Zuschriften von Offizieren aus Südafrika eingelaufen seien, worin dieselben heftige Klagen über schlechte Organisation führen, besonders in Bezug auf Ambulanz-Vorkehrungen. Die Verfasser der Briefe betonen, daß es in London nicht an Gesellschaften zur Benützung von Tieren aller Gattungen fehlt, während hier Mangel an allem herrsche, bald fehle es an Trinkwasser, bald an Wäsche, bald an Aerzten u. s. w.

Loudon, 2. Dezember. Nach einer Dalztel-Meldung aus Lorenzo Marquez wird aus dem Buren-Lager von Kimberley unterm 24. November berichtet, daß an diesem Tage eine starke englische Abteilung einen Ausfall machte und bei Blömhof ein Kommando von 300 Mann überraschte. Nach heftigem Kampfe traf eine BurewVer- stärkung ein und die Engländer zogen sich nach Kim­berley zurück. (Das heißt: sie wurden geschlagen!) Dle Buren verloren 12 Tote und 17 Verwundete. (Von den Verlusten der Engländer verlautet natürlich nichts.) Nach einer Meldung ausMafeking, wurde auch dort am 25. Nov. ein Ausfall gemacht. Chartered-Company-Polizei machte einen An­griff aus Eloffs-Fort. Der Kampf dauerte fort, als die Depesche abging. Nach einem Telegramm des Lord Methuen an die Königin steht es mit den Verwundeten gut. Die Exchange Telegraphen Company meldet aus Pietermaritz­burg vom 20. November. In der Umgegend von Colenso i fand ein leichtes Artillerie-Gefecht statt, das keine Verluste ! verursachte. Die Buren sind im Besitz der Brücken. Eine Burenmeldung besagt, daß Anfang der Woche verschiedene Ambulanzüge von Prätoria nach Kimberley abgegangen sind, wo schwere Kämpfe mit Lord Methuen er­wartet werden. Am letzten Sonntag griffen 2000 Engländer die Buren am Moois-Fluffe an, wurden aber zurückgeworfen. Unter den Gefangenen bei Graspan befindet sich auch der Buren-General Julius Jeppe. Es verlautet, daß während der Transport der ersten 10000 Mann englischer Verstärkungen sehr glatt ging, sich nun erhebliche Schwierigkeiten herauS- gestellt haben. Es sollen von den Transportgesellschaften ganz alte Dampfer gestellt worden sein. Auch soll die englische Negierung mit der Hamburger Packet- fahrt-Gesellschaft in Unterhandlungen über den Transport von Truppen ('.!) nach Südafrika stehen. Die Kontrahenten sollen nur über den Preis I noch nicht einig sein.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Spazier­stock, 2 Zwicker, 1 Metermaß, 1 Tischdecke und 1 Aufsteck- Kamm.

Gießen, den 2. Dezember 1899. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Muhl.

Vom Kriegsschauplatz.

Die Verluste bet Engländer.

Daß die Verluste der Engländer in der Schlacht am Modder-Fluß alle bisher im Kriege erlittenen Verluste überstiegen, läßt sich aus dem Schluß des Berichts Lord Methuens entnehmen, den folgende Londoner Drahtmeldung derVoss. Ztg." mitteilt:

Ich kann in Ausdrücken hohen Lobes von der Führung aller Beteiligten sprechen. Es war einer der härtesten und un ermüdendsten Kämpfe in dcn Annalen der britischen Armee. Wenn ich eine Waffengattung besonders erwähnen darf, so sind etz die zwei Batterie Artillerie"

Also ein Pyrrhussieg der Engländer! Das geht noch deutlicher aus folgender Meldung hervor, nach welcher es in dem Kampfe überhaupt zu keiner Entscheidung ge­kommen ist: m .. .

Lord Methuens KorpS ist vor dem Modderfluh nach zehnstündigem unentschiedenem Kamps gegen d'e unsicht­baren Buren furchtbar dezimiert worden Diele Regimenter verloren die meisten Offiziere. Vom Marinekorps befinden sich nur zwei Offiziere unter den Ueberlebenden. Die englischen Ver­luste übersteigen prozentual die Verluste in dm blutigsten Schlachten des Jahrhunbers.

Dem PariserTemps" wird aus London gemeldet, man schätze die Verluste Lord Methuens auf 1500 Mann an Toten und Verwundeten, während man die Verluste der Buren im Vergleich mit den englischen sehr gering, und zwar auf 400 Tote und Ver­wund ete berechne. Jedenfalls kann von einervoll!gen Besiegung" des Burenheeres keine Rede sein, vielmehr ist es wahrscheinlich, daß um den Flußübergang noch werter gekämpft werden wird. Ob Lord Methuen dann noch so viel Kraft haben wird, bis Kimberley zum Entsatz zu kommen?

Bekanntmachung.

Betr.: Maul- und Klauenseuche.

Da die Maul- und Klauenseuche im Kreise Gießen und in den angrenzenden Kreisen noch immer in großem Umfang herrscht, so sind wir genötigt, im Einvernehmen mit den Kreisveterinärbehörden das Verbot des Hausier­handels auf weitere vier Wochen, also bis 28 ds. Mts., zu verlängern.

Gießen, den 1. Dezember 1899.

Großh. Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Entwässerungsarbeiten wird die Mäusburg vom 4. ds. Mts. ab bis auf weiteres für den Verkehr der Fuhrwerke, Reiter und Radfahrer gesperrt.

Gießen, den 2. Dezember 1899.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Muhl.

»Mdveut.

Gießen, den 2. Dezember 1899.

WaS wird kommen? Diese Frage beschäftigt nach- I denkliche Leute, in einer Zeit, da das gesamte öffentliche und nicht-öffentliche Leben in einer Umgestaltung und Neu­gestaltung begriffen ist. Wo wir Hinsehen, überall fließende Formen, überall Ansätze zu Neuem, überall Merkmale des Uebergangs. Mit verschiedenen Empfindungen gehen die Menschen dem Kommenden entgegen. Die einen fühlen den Boden unter sich wanken, auf dem sie herangewachsen sind, in dem die Wurzeln ihrer Welt- und Lebensanschauung liegen. Mit abgewandtem Angesicht gehen sie der neuen Zeit entgegen, zitternd klammern sie sich fest an das, was einst gewesen. Sie leben in der Gegenwart nur der Ver­gangenheit. Andere suchen die Anknüpfungspunkte fest­zuhalten, die das Kommende in der Vergangenheit hat, sie suchen das Gute aus der alten Zeit in die neue Zett nut hinüber zu retten, damit den Neugestaltungen der sichere Boden nicht fehle; denn nur was geschichtlich verknüpft ist, hat Bestand. Sie hoffen, daß so die gute alte Zett m der kommenden Zeit eine Neu-Auflage erlebt, vielleicht ver­bessert und vermehrt. Und wieder andere gehen mit keuchendem Atem voll jugendlichen Trotzes, den Kopf mit überspannten Idealen voll gepfropft, dem Kommenden ent­gegen mit der Losung: das Alte muß stürzen, mit der Vergangenheit muß tabula rasa gemacht werden, wir die Lebenden allein schaffen die neue Zeit, kine Zett un­begrenzten Glückes, schrankenloser Freiheit, schmerzlosen

I Genießens. . .

Advent ist heute. Der Festtag erinnert an das, was immer wieder kommt im wechselvollen Lauf der Zeiten das alte, ewig neue Evangelium. In Widerspruch mit dem Evangelium kann das Kommende sich nicht setzen, ohne von vornherein den Keim des Todes in sich zu tragen. Das Evangelium kommt wieder in alter Kraft, die durch Jahr­tausende ungeschwächt geblieben ist. Ist nicht das Evan­gelium mit an der Arbeit, das Kommende so zu gestalten, daß die Menschen nach innen und außen gefördert werden? Die Kräfte des seligmachenden Evangeliums sitzen mit am I Webstuhl der Zeit und durchwirken das irdisch Menschliche mit ewig Göttlichem. Nur wo diese Kräfte zur Auswirkung kommen, da verschwindet das ängstliche Sichanklammern an I die Vergangenheit, wie der ins Nebelhafte steuernde, frucht- I lose Idealismus, da kommt vielmehr jener Idealismus zur I Geltung, der auf dem gottgeheiligten Boden der Geschichte I an der Hand des untrüglichen Wortes Gottes vorwärts I strebt nach immer höherer Vollendung und Vervollkommnung. I Darum machet Bahn dem Evangelium. Das Adventsfest I rufts uns zu.

Amtlicher Heil.

Bekanntmachung.

Der für den 7. Dezember ds. Js. zu Freienseen (Kreis Schotten) vorgesehene Viehmarkt ist wegen der in tzer dortigen Gegend herrschenden Maul- und Klauenseuche verboten worden.

Gießen, den 28. November 1899.

Großh. Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Deutsches Reich-

Berlin, 1. Dezember. Der Kais er erledigte gestern in den späteren Nachmittagsstunden und abends Regierungs­angelegenheiten. Zur Abendtafel waren Einladungen nicht ergangen. Heute vormittag unternahm der Kaiser einen längeren Ausritt und empfing um 1 Uhr die Komman­deure der Leibregimenter zur Entgegennahme des MonatS- rapports.

- Dem Reichstage ist heute der Ettat zuge- gangen. Kommission deS Reichstages hat heute das Telegraphengesetz in zweiter Lesung erledigt und den

London, 1. Dezember.Daily Telegr." meldet aus Eftcourt vom 27. November, daß am 26. und 27. vorigen Monats heftiges Feuern in der Richtung nach Ladysmith gehört worden sei; die Buren stünden in qroßer Anzahl bei Groblerskop und Colenso. Die englischen Truppen hätten eine ausgezeichnete Position auf den Plateaus nördlich von TrereS inne. Man sei besorgt, daß der Feind die Tugelabrücke zerstört habe. -Natal Adverlise^ be- richtet demDaily Telegraph" aus Estcourt, die Buren hätten alles mögliche für die englischen Verwundeten gethan, welche bei Beacons Hill auf dem Schlachtfelde zurückgelassen waren, ja, sie entschuldigten sich, nicht mehr haben thnn zu können, da ihre Vorkehrungen für die Pflege von Kranken und Verwundeten denen der Engländer nachständen. Heule lief noch keine weitere Meldung über die Division Methuens ein, was die Gemüter beunruhigt. Anscheinend hat er keine Munition und wartet, wenn seine Verluste so stark sind, wie man vermutet, Ersatz und Munition ab, da es um Spytfontein noch einen harten Kamps geben werde. Auch wird er Muße haben müssen, seme Armee über den Modderfluß zu setzen, da die Eisenbahn

Bekanntmachung.

Betr.: Die Maul- und Klauenseuche.

Die Seuche zu Groß-Felda (Kreis Alsfeld) ist er­loschen und die angeordneten Sperrmaßregeln sind auf­gehoben worden.

Nachdem der Ausbruch der Seuche in Seibelsdorf nnb Rülfenrod (Kreis Alsfeld) amtlich festgestellt ist, find über diese beiden Orte Gemarknngs- und Gehöftesperren ngeorbnet worden. . ,

Zu Ober-Wöllstadt (Kreis Friedberg) ist m einem Gehöfte die Seuche ausgebrochen und Gemarkungssperre ungeordnet worden.

Da die Seuche zu Büdesheim (KreiS Friedberg) nicht weiter gegriffen hat, ist die Gemarkungssperre auf­gehoben worden.

Unter dem Rindvieh und den Schweinen des Bürger­meisters und Mühlenbesitzers Bietz zu Dreihausen (Kreis Marburg) ist die Seuche ausgebrochen und Ortssperre an­geordnet worden.

Die Maul- und Klauenseuche zu Ebsdorf und Erbenhausen (Kreis Marburg) ist erloschen und sind die Sperrmaßregeln wieder aufgehoben worden.

In LaunSbach (Kreis Wetzlar) ist in einem Gehöft die Seuche ausgebrochen und Gemarkungssperre angeordnet worden.

In Atzbach (Kreis Metzlar) ist die Maul- und Klauen­seuche erloschen. '

In je einem Gehöft zu Hohensolms und Lützel­linden (Kreis Wetzlar) ist die Seuche ausgebrochen und Gehöftsperre angeordnet worden.

Gießen, den 29. November 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Die am 7. November l. I. angeordnete Sperre der Wilhelmstraße zwischen Ludwig- und Frankfurterstraße wird aufgehoben.

Gießen, den 2. Dezember 1899.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Muhl.