Ausgabe 
3.12.1899 Drittes Blatt
 
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von Oxydationsprodukten suleurierter Azofarbstoffe des K-Naphtylamins und seiner Derivate, K. Oehler, Offen­bach a. M., vom 13. 10. 98 ab. Ueberhitzer für Waffer- röhrenkeffel, Zus. z. Pat. 96,679, H. Görig, Darmstadt, Pallaswiesenstr. 122, vom 8. 8. 98 ab. Verfahren zur Darstellung von Azofarbstoffen aus ai-at-AlkylarnidonaPhtol- sti «z-disulfosäure, Farbwerk Mühlheim vorm. A. Leonhardt u. Eo., Mühlheim a. M., vom 21. 2. 97 ab. Einrichtung für Heißluft-, Dampf- und Wafferbäder, Zus. z. Pat. 99308, Dr. Th. Büdingen, Mainz, vom 10. 1. 99 ab. Verfahren zur Darstellung von Methylmorphin (Codein) und Aethyl- morphin, Zus. z. Pat. 102634, E. Merck, Darmstadt, vom 11. 6 98 ab. Lehr- und Kontroll- Apparat für Ziel- und Schießübungen, E. Stark, Offenbach a. M., vom 19. 4. 98 ab. Gebrauchsmuster-Eintragungen. Auswechsel­bare nach der jeweilig gewünschten Brenndauer entsprechend gefüllte Ersatzkarbidbehälter für Acetylen-Fahrrad-Lampen, Rudolf Trebes, Nidda, 13. 9. 99. Frottier-Apparat, welcher aus einer Gummiplatte oder dergl. besteht, die auf eiuer oder beiden Oberflächen mit Borsten versehen ist, Adolf Klöß, Vilbel, 21. 9. 99. Lesepult mit an der Buchstütze angeordneter federnder Klappe zum Festlegen der Blätter, Weintraud u. Co., Offenbach a. M., 10. 8. 99. Kasten­möbel, deren Schließ-Falz und Thüren gegeneinander durch eingeleimte Gummistreifeu zwecks Abhaltung von Staub rc. vom Innern abgedichtet sind, K. W. Ottstadt, Kostheim, 15. 9. 99. Sowohl das Verschieben der Bohrspindel von Hand, als auch das Ein- und Ausrücken des Selbstganges ermöglichender Handgriff bei Bohrmaschinen, Werkzeug- und Maschinenfabrik Emil Müllenbach, Darmstadt, 9. 9. 99. Aus Lochscheiben und in diese eingreifenden Daumenrädern gebildete Antriebsvorrichtung für Fahrräder, Hugo Hey- mann und Alfred Isaac, Frankfurt a. M., und Philipp Losekrug, Neu-Isenburg, 22. 3. 99. Für Wagen dienendes Rohrgestell, deffen Teile durch Winkelstücke verbunden sind, Wilhelm Romeiser, Friedberg, 18. 9. 99. Wagen, dessen Obergestell durch entsprechend geführte Spiral- oder Gummi­federn auf dem mit Wagerblattfedern versehenen Untergestell gestützt wird, Wilhelm Romeiser, Friedberg, 18. 9. 99. Einstellbarer Bierdruckregler mit Luft-Gegenkolben, Filter- und Brautechnische Maschinenfabrik Akt.-Ges. vorm. L. A. Enzinger, Worms, 27. 6. 99. Verbindungsrohr mit Wasser­rücklauf zwischen gußeisernem Gliederkeffel und Dampfsammler, EisenwerkeHirzenhain uLollar, Lollar, 9.9.99. Hebelausschalter mit aus Blech II-sörmig gebogenem Kontaktstück, das mit dem Hebel durch eine im Innern angebrachte Feder verbunden ist, Schroeder u. Co., Offenbach a. M., 25. 8. 99. Glühlichtlampe mit zwei oder mehreren Glühstrümpfen in einem Zylinder, H. Raupp, Mainz. 28. 8. 99. Geldtasche mit einseitigem, zu einem geräumigen Kasten ausgebildetem Soufflo, Wilhelm Ewald, Offenbach a. M., 14. 9. 99. Streugefäß für pulverförmige Substanzen mit durchlöchertem Boden und einer auf diesem mittelst Hebel und Feder drehbaren aus­geschnittenen Scheibe, Weintraud u. Comp., Offenbach a. M., 25. 8. 99. Mit zwei Schieberventilen verbundenes Nieder­schraubventil, Philipp Stratemeyer, Mainz, 15. 9. 99. Wagen mit Gestell von Rohren aus Stahl oder dergl., Wilh. Romeiser, Friedberg, 29. 1. 98. Aus weitzinkigem, dem Laufmantel entsprechend gekrümmtem Kamm bestehender Nagelfänger für Fahrräder, August Kretzschmar, Gießen, 16. 8. 99.

Kirche und Schule.

Hausen. (Dekanats-Synode. Schluß.) In einigen Gemeinden bestehen von Sendlingen der Pilgermission Chrischona bediente religiöse Gemeinschaften, und es wurde gerade auf der heurigen Dekanatssynode auf Grund eines sehr eingehenden, lehrreichen Referates von Pfarrer Schulte in Beuern und von demselben aufgestellten gedruckten Leit­sätze über die Gemeinschaftsbewegung im Dekanate Gießen unter lebhafter Beteiligung der Abgeordneten verhandelt. Zur Klärung der Anschauungen mag diese Verhandlung wesentlich beigetragen haben.

In der Matthäusgemeinde traten zur evangelischen

Kirche aus der römisch-katholischen über ein Mann und eine Frau, aus der griechisch-katholischen Kirche ein Mann, in der Markusgemeinde trat ein Katholik zur evangelischen Kirche über, in der Johannesgemeinde 2, und in Großen-, Alten-Buseck und Beuern je 1. Erfreulich ist es in hohem Grade, daß das kirchliche Bauwesen im Aufschwung be­griffen ist. Ein anerkennenswerter Wetteifer, in üblem Zu­stande befindliche Kirchen zu restaurieren und sie mit neuen Orgeln zu versehen, ist in den Gemeinden wahrzunehmen. Renoviert wurden vor kurzem die Stadtkirche in Gießen, die Kirchen in Reiskirchen, Albach, Heuchelheim, Hausen. Renovierung der Kirche ist in Aussicht genommen in Rödgen, Leihgestern, Garbenteich. Neue Orgeln aus der Orgelfabrik von Förster wurden aufgestellt in Hausen, Reiskirchen, Alten-Buseck. In Wieseck wird eine solche demnächst auf­gestellt, in Bälde auch in Garbenteich.

Zu den seitherigen Kleinkinder-Bewahranstalten ist eine neue, die in Alten-Buseck erbaute, hinzugekommen. Am 4. Juni d. I. wurde sie eingeweiht und dem Gebrauch übergeben. Solche segensreiche Anstalten bestehen jetzt in Gießen, Burkhardsfelden, Leihgestern, Lang-Göns, Großen- und Klein-Linden, Allendorf a. d. Lumda und Alten-Buseck. In der Nähe großer Städte sind sie ganz besonders nötig, da hier auch die Mütter Arbeit außer dem Hause suchen. In Beuern, Rödgen, Heuchelheim und Wieseck wird das Baukapital gesammelt.

In einigen Gemeinden bestehen Kirchengesangvereine, so in Gießen, Klein-Linden, Burkhardsfelden, Beuern und Allendorf a. d. Lumda. Dankenswert ist es, wenn Männer­gesangvereine zur Verschönerung der Gottesdienste an Fest­tagen beitragen durch Vortrag von mehrstimmigen Chorälen, die, gut gesungen, einen mächtigen Eindruck auf das christ­liche Gemüt machen. Gott erhalte und wahre die Liebe zu ihm und seinem Wort, die Liebe zu Kaiser und Reich, zum Landesherrn und engem Vaterland, alles Streben nach Fortentwickelung auf dem Grunde des christlichen Glaubens, der christlichen Liebe und der christlichen Hoffnung in unseren Dekanatsgemeinden und allerwärts in unserem lieben deutschen Vaterlande!

Weratur.

O Kürschners Jahrbuch, dieses fast für jede Familie unent­behrlich gewordene Nachschlagewerk, ist in einem neuen reizenden Ge­wände als 3. Jahrgang erschienen. Dem Verfasser galt es bei diesem dritten Jahrgang des so rasch zu außergewöhnlicher Beliebtheit ge­langten Buches, nicht nur die stehenden Rubriken noch handlicher und nach dem neuesten Stande zu gestalten, ich bestrebte mich vielmehr zu­gleich, eine Menge neuen Materials aufzunehmen und Gebiete zu be­treten, die von den Vorgängern noch nicht betreten waren. Mancherlei Anlaß zu rückschauenden und ausblickenden Artikeln bot das bevorstehende neue Jahrhundert. (Wann beginnt es? Wie berechnet man Daten und Tage in ihm? Wer regierte vor 100 Jahren? Wie war die Einwohnerzahl großer Städte vor einem Jahrhundert im Vergleich zu heute? Mode vor 100 Jahren rc. rc.) Wohlfahrts-, Frauen- und soziale Fragen, kommunale, wirtschaftliche und Verkehrsangelegenheiten fanden fachgemäße Behandlungen, in einer stoffreichen Chronologie wurden die Erfindungen und Entdeckungen seit Beginn der Geschichte vorgeführt, Krankheiten, Hygiene, Bäder rc. zusammenhängend behandelt, ein Wörterbuch der deutschen Sprache geboten, die anorganische Chemie abgehandelt, die Berühmtheiten des Jahres lexikalisch aufgezählt, in einem Abriß der Philosophie und Logik die ost gebrauchten, selten ver­standenen Begriffe verständlich gemacht u. v. a. Neu ist auch ein in­struktiver Wegweiser für Reisende: Wanderziele und Raststätten in den Alpen mit einer Fülle von Aussichten, ebenso . . . doch warM das an­führen? Wir empfehlen unfern Lesern: Sehen Sie das Buch selbst an, prüfen Sie es auf seine Eigenheiten das gegen früher klarere Satz­bild wird es Ihnen erleichtern! und Sie werden selbst am besten erkennen, was Ihnen bemerkenswert erscheint. Was hier auf 950 Seiten Text dem Publikum für 1 Mk. geboten wird, ist kaum zu sagen. Nich­tiger wäre es fast, hier zu fragen, was Einer in dem spottbilligen Buche eigentlich noch vermißt hat? Von allem Möglichen und Unmöglichen ist da die Rede, worüber ein wißbegieriges Menschenherz rasch Aufschluß haben möchte . . .*

Auszug aus den Standesamtsregistrrn der Stadt Gieße«.

Aufgebote.

November: 24. Wilhelm Klink, Bürstenfabrikant zu Gießen, mit Jeanette Löwenherz zu Neuwied. 27. Karl Heinrich Sieglinger, Bäcker

zu Gießen, mit Anna Elise Rahn von Ulrichstein. 27. Karl Gerlach Schlaffer zu Gießen, mit Elisabeths Theiß zu Nieder-Ohmen. 28. Georg Konrad Karl Euler, Hilfsheizer zu Bockenheim-Frankfurt a. M, mit Anna Johanna Dorothea Kratzenberger Hierselbst. 28. Heinrich Weber, Korbmacher zu Gießen, mit Anna Johanna Margarethe Launspach Hier­selbst. 29. Friedrich Ernst Hoppe, Weichensteller zu Gießen, mit Theres« Wehrle Hierselbst. 29 Johannes Dippel, Sattler zu Wetzlar, mit Su­sanne Katharina Nickel Hierselbst. 30. Heinrich Huhn, Metzger aus Frankenberg (Hessen-Nassau) mit Lina Wilhelmina Franziska Hammel Hierselbst.

Geborene.

Movember: 22. Dem Handelsmann Wiegand Wagner ein Sohn. 23. Dem Spengler Friedrich Döll ein Sohn. 25. Dem Rechtsanwalt Ernst Ludwig Rosenberg ein Sohn. 25. Dem Schmied August Hainz eine Tochter, Marie Karoline Katharina Anna. 26. Dem Portier Heinrich Dörr ein Sohn. 28. Dem Former Wilhelm Pletsch eine Tochter, Elsa Elisabeth. 29. Dem Kutscher Philipp Blum ein Sohn.

Gestorbene.

November: 24. Elisabeths Dienst, geb. Keller, 56 Jahre alt, Ehe­frau von Taglöhner Philipp Dienst zu Freienfels. 26. Marie Luiher, geb. (unbekannt), 41 Jahre alt, Ehefrau von Bauer Reinhard Marti« Luther zu Bingenheim. 30. Margarethe Elisabeths Karoline Euler, 17 Jahre alt, ohne Geschäft dahier. 30. Heinrich Bosch, 3 Jahre alt, Sohn von Fuhrmann Wilhelm Bosch dahier. Dezember: 1. Jean Wenzel, 64 Jahre alt, Wagenmeister dahier.

Gingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artist^ übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 2. Dezember 1899.

Angesichts des gänzlich unerwarteten kolossalerr Preisaufschlags der Latrinenentleerung entsteht für alle Hausbesitzer die dringende Frage, wie sie sich zu dieser Preissteigerung, die wahrscheinlich noch fortgesetzt wird, stellen sollen. Der einfachste Weg scheint eine Massenpetition an die Stadtverordnetenver­sammlung, die Latrineuentleeruug in städtische Regie zu nehmen. Der Vorfall enthält aber auch für alle Haus­besitzer die ernste Mahnung, daß es die höchste Zeit zur Gründung einesVereins der Hausbesitzer" ist.

Ein Hausbesitzer.

Nachdem die Unternehmer der Latrinen-Abfuhr erst vor einem Jahre den Preis pro Faß von 1.20 Mk. auf 1 70 Mk. erhöht haben, wollen dieselben nunmehr 3Mk. dafür berechnen und dies ohne jede Motivierung. Wäre es da nicht Sache deS HauSbefitzer- V er eins, dagegen oorzugehen? N. N.

Schisssnachnchten

Norddeutfchrr Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Carl Loo« und I. M. Schulhof.

Bremen, 30. Noobr. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Darmstadt, Kapitän B Wtlhelmt vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 4 Uhr nachmittags wohlbehalten in New- Aork angekommen.

TOHIL

Fleisch-Extract

übertrifft trotz billigeren Preises an Nährkraft und Wohlgeschmack die Liebigsohen Extracte und ist in allen besseren Drogen-, Delicatessen- nnd Colonialwaaren-Handluneen zu haben.

Sie bringt Gewinn

die einzig in ihrer Art dastehende Ansichtspostkarte, welche gleich­zeitig ein Los der Weimar-Lotterie bildet. Mit den schönsten Ansichten aus aller Herren Ländern sind die in Postkartenform herausgegebenen Lose versehen, und 8000 Gewinne im Werte von 150 000 Mark kommen darauf zur Verlosung, dabei ein Hauptgewinn im Werte von 50 000 Mark. Eine billige und große Weihnachtsfreude kann man auf diese Weise jetzt schon machen, indem man die so beliebte An­sichtspostkarte Freunden und Bekannten übersendet, und denselben damit die Anwartschaft auf einen großen Treffer übermittelt. Der billige Preis von 1 Mark für das Ansichtspostkartenlos macht die Erwerbung recht leicht. Die Gewinziehung der Weimar-Lotterie findet schon in aller Kürze, vom 7.13. Dezember d. I. statt, und empfiehlt es sich, schnell noch ein Ansichtspostkartenlos zu erwerben.

richtig gestellt wird. Am 20. November 1889 ist nun die letzte Nummer desWiener Volksboten" erschienen und in dieser teilt der Herr Redakteur (der nebenbei Ortsschulrat ist!) mit, daß er von William Shakespeare folgendes Schreiben erhalten:Geehrter Herr Redakteur! Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie die Freundlichkeit hätten, in Ihrer nächsten Nummer richtigzustellen, daßDer Kauf­mann von Venedig" nicht, wie Sie in Ihrer letzten Nummer angaben, von Grillparzer, sondern von mir ist. Ein Stück mit so stramm antisemitischer Tendenz hätte dieser wasch­lappige Liberale doch nie übers Herz gebracht. Mit er­gebenstem Dank im Voraus Ihr ergebener William Shake­speare." Der Herr Ortsschulrat fügte loyal hinzu,er sehe ein, daß die Berichtigung der Wahrheit entspräche."

* Eine drollige Mitteilung über Künstleraberglauben bringen Straßburger Blätter. Am Straßburger Stadttheater gab in den letzten Tagen der italienische Sänger Leone Fumagalli Gastvorstellungen. Fumagalli war kurz vor Beginn einer Vorstellung im Begriff, sich umzukleiden, da vermißt er plötzlich ein Miniaturbildnis, das er stets auf der Brust bei sich zu tragen pflegt. Mit dem Rufe:Ich habe meinen Talisman verloren, ohne den ich nicht auf­treten, nicht singen kann," stürzt er zum Direktor. Dieser und mit ihm das ganze Personal geraten in nicht geringe Bestürzung, da man die Vorstellung im letzten Augenblick nicht mehr absagen konnte. Trotz gütlichen Zuredens blieb der Künstler dabei, daß ihm das Fehlen des Kleinods Unglück bringe, daß er daher unter keinen Umständen singen, lieber eine hohe Konventionalstrafe zahlen werde. Die Not war groß, fliegende Boten wurden nach allen Seiten, überallhin ausgesandt, wo Herr Fumagalli während des

Tages sich kurze oder längere Zeit aufgehalten, in ver­schiedene Gasthöfe, Cafss und sogar ins Rosenbad. Umsonst, der Talisman schien verschwunden. Da, im letzten Augen­blick hatte jemand den guten Einfall, noch einmal die ab­gelegte Garderobe des Sängers gründlich zu durchsuchen, und siehe da, in einer Falte des Unterfutters der Weste fand sich das vermißte Kleinod, und die Vorstellung war gerettet.

** Der 1900. Geburtstag Jesu. Eines der bedeutungs­vollsten Daten unseres Jahrhunderts ist ohne Zweifel der 25. Dezember dieses Jahres; denn es ist der 1900. Ge­burtstag des Stifters der christlichen Lehre. Die Be­deutung dieses Zeitpunktes für das Christentum als solches ist bis jetzt nur in einer bescheidenen künstlerischen Kundgebung gefeiert worden, die aber vielleicht g rabe des­halb einem desto lebendigeren Interesse allgemein begegnet ist. An diesem denkwürdigen Weihnachstage wird nämlich, wie bereits berichtet, in die Christenheit aller Länder der Erde dieHeilands-Karte" aus dem stillen Bethlehem hinausgesendet und Hunderttausenden an diesem Tage ein ebenso schönes als sinniges Andenken zuteil werden. Die Anfragen und Bewerbungen um diese Karte bei der Inter­nationalen Ansichtskarten-Gesellschaft in Berlin (Friedrich straße 239) ist jedoch so groß, daß sich die Gesellschaft gänzlich außer Stand sieht, die an sie gelangenden An­fragen einzeln zu erledigen. Das Verlags-Institut bittet bekannt zu geben, daß als Schlußtermin der Anmeldungen der 10. Dezember festgesetzt ist. Alle größeren Buchhand­lungen des Reiches nehmen bis dahin Bestellungen auf, wo die Karte jedoch nicht vorrätig, übernimmt die Gesell­schaft die Versendung der Karte samt Porto aus Bethlehem

an beliebige Adressen gegen direkte Einsendung von 50 Psg. in bar oder Briefmarken. Um genaue Adressen Angabe wird gebeten.

Humoristisches.

* Ein harmloses Burengeschichtche« wird aus Holland mitgeteilt. In Amsterdam freut man sich jetzt im Zirkus über die allabendlich vorgeführten Maulesel. Die Tiere sind angezogen wie Menschen und spazieren auch wie solche gravitätisch einher. Aus den Farbenzusammenstellungen der Kleidungsstücke erkennt man unschwer die Landesfarben verschiedener europäischer Nationen. Nachdem die Maul­esel ihre Aufgabe abgearbeitet haben, werden sie der Reihe nach gefragt, ob sie nun in ihren Stall wollen. Auf zustimmendes Kopfnicken erhalte« sie hierzu die Erlaubnis und trollen sich einer nach dem anderen davon. Nur der bis zuletzt gebliebene Meister Langohr mit dem vielverheißenden NamenDum-Dum" in seinem die englischen Farben tragenden Kostüm will von der Erlaubnis keinen Gebrauch machen. Selbst Drohungen mit der sonst Respekt einflöß enden Peitsche verblüffen ihn heute nicht. Das Publikum wird ungeduldig. Da ruft der anscheinend in Verlegen­heit geratene Bändiger, wie einer plötzlichen Eingebung folgend:D u m - Dum, die Buren kommen!" Wie von einer Tarantel ge­stochen, jagt der Esel davon, und grenzenloser Jubel lohnt den Artisten für seinen neuen Einfall.

* Botiftafel nach spartanischem Muster für die eng­lischen Kriegsreporterr Wanderer, kommst Du nach London, s» sage dorten, Du habest Uns hier lügen gesehen, Stift und Papier in der Hand.

' Neues von Serenissimus. Serenissimus war auch neulich in Rom und hat das Kapitol besucht. Als er der römischen Wölfin ansichtig wird und Kindermann den Mund aufthun will, ihm die Figur zu erklären, winkt Serenissimus schnell ab:Aeh, weiß schon, was Sie sagen wollen, lieber Kindermann, weiß schon, äh, Romeo und Julia, Stammeltern Roms äh kenne die Geschichte."

* Nach der Gardinenpredigt. Sie:Wo ist denn die Jugend"?" Er (mit satanischem Lächeln):Sie liegt hinter Dir."

(Münchner Jugend.")