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3.10.1899 Zweites Blatt
 
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Keßener Anzeiger

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Fernsprecher Nr. 51.

* Der Kabinettswechsel in Oesterreich.

Gießen, den 2. Oktober 1899.

Der Kaiser Franz Josef hat in einer Audienz per­sönlich erklärt, es solle einBeamt en Ministerium" ge­bildet werden, das die Sprachenverordnungen auf« hebe. Der AusdruckBeamtenministerium" deutet auf ein politisches Jnterimisticum hin; das Kabinett hat die Auf­gabe, den Weg frei zu legen für eine neue Aera. SolcheBeamtenministerien" sind in Oesterreich schon öfter dagewesen, das letzte war das des Herrn v. Gautsch. Nach einigen Monaten verschwand es wieder, und auch das neu zu bildende Kabinett dürfte ein kurzes Leben haben.

Mit der Bildung des neuen Kabinetts ist, wie wir meldeten, der steierische Statthalter Graf Clary- Aldringen betraut. Steiermark ist ein liberal gesinntes Kronland, deshalb kommen dort meist liberalere Statthalter hin als z. B. nach Böhmen und Tirol. Auch Graf Clary steht im Rufe eines gemäßigten Liberalismus. Er entstammt einem alten Geschlechte, dessen Chef ein Fürst ist. Sein Ahn, Bernhard von Clary, war florentinischer Abkunft und erhielt von Kaiser Karl IV. das österreichische Jndigenat. Ein späterer Nachfolger, Hieronymus mit Namen, heiratete die Schwester des Reichsgrafen von Aldringen, der bei Wallensteins Tod eine Rolle spielte; seitdem nannte sich die Familie Clary-Albringen." Der Stammherr, Fürst Clary- Aldringen, hat kolossale Besitzungen in Böhmen, darunter die 88 Quadratkilometer große Fideikomißherrschaft Teplitz mit 12 000 Einwohnern.

Das neueBeamtenministeri'um" wird einen deutsch liberalen Anflug tragen; darauf deutet nicht nur die Wahl des Ministerpräsidenten, sondern auch die beabsichtigte Ernennung v. Körbers; denn in Oesterreich giebt nach alter Gepflogenheit der Minister des Innern einem Ministerium das Gepräge. Vom deutschenStand- punkte aus können wir es also freudig begrüßen; ob es ihm aber möglich sein wird, den Staatswagen aus dem Sumpfe zu ziehen, ist sehr die Frage.

Hierzu erhalten wir noch folgende Nachrichten:

Wien, 30. September. Der deutsche Parteiführer Abg. Pergelt legte gestern dem Kaiser dar, daß die Auf­hebung der Sprachenverordnungen allein nicht genüge, sondern daß eine Bürgschaft für bie na­tionale Zukunft des deutschen Volk es durch aller­bündigste Zusicherung dahin gegeben werden müsse, daß in Sprachen- und Nationalitätsan­gelegenheiten nie wieder der Verordnungsweg betreten werden wird. Der Kaiser soll sich hierzu zustimmend geäußert haben. Auch gegen die Anwendung des § 14 drückte der deutsche Parteiführer ernste Bedenken aus.

Prag, 30. September. Die gesamte tschechische Presse kündigt der neuen Regierung denKampf an. DieLideve Novine" schreibt: Die Rechte betrachtet die Aufhebung der Sprachenverordnungen als einen gegen sie geführten Streich. Freilich würden die einzelnen Gruppen der Rechten die Opposition nicht in gleicher Stärke ausüben, sondern je nach ihrem Temperament. Die entschiedenste

Sir Redvers Buller

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ist zum Oberstkommandierenden der englischen Truppen gegen Transvaal ausersehen. Er verläßt in diesen Tagen England und begiebt sich nach Südafrika. Wir führen unseren Lesern das Bild des englischen Heerführers nach einer Photographie von Ellist and Sen in London vor.

Opposition sei von feiten der Tschechen und der Südslaven zu erwarten. Auch sei die Hoffnung vorhanden, daß sich die Rechte enger zusammenschließen werde. Der für Mon­tag einberufene Jung-Tschechen Klub wird die Parole zum Kampf ausgeben. DieNarodni Listy" melden, daß die tschechischen Gemeindevorsteher des Bezirks Welwarn be­schlossen haben, die Opposition in allen ihnen übertragenen Wirkungskreisen insgeheim einzuleiten.

Wien, 1. Oktober. Die Klubs der deutschen Fort­schrittspartei und der deutschen Volkspartei sind für Dienstag eingeladen, um zu beraten, auf welche Weise man der bisherigen Zersplitterung der deutschen Parteien entgegenarbeiten müsse, und ob eventuell eine große einheit­liche Partei gebildet werden könne.

Wien, 1. Oktober. Der zurücktretende Ministerpräsident, Graf Thun, soll das Großkreuz des Stephansordens er­halten, während den übrigen scheidenden Ministern der Orden der eisernen Krone 1. Klasse verliehen werden soll.

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Gießen, den 2. Oktober 1899.

** Von der Universität. Bei dem am 3. Oktober be­ginnenden 12. internationalen Orientaliste»-Kon­greß zu Rom wird auch unsere Hochschule vertreten sein, und zwar durch den ordentlichen Professor des Sanskrit

und der vergleichenden indogermanischen Sprachwissenschaft Dr. Bartholomä.

* Im höheren Schulwesen hat sich, veranlaßt durch die Fälle Dettweiler-Soldan, eine wichtige Aende- rung vollzogen. Während nach Aufhebung der Ober- Studiendireknon 1874 das Ministerium, Abteilung für Schulangelegenheiten, aus einem Referenten und zwei Räten bestand, ist nunmehr der Vorsitzende ein Schul­mann, zwei oder mehr Räte müssen die Befähigung für das höhere Lehramt, das Richteramt oder das Verwaltungsamt besitzen. Mit Einschluß des Vorsitzenden müssen zwei Mit­glieder die Befähigung für das höhere Lehramt besitzen.

* Preisausschreiben. Im vorigen Monat hatte bie Großh. Zentralstelle in Darmstabt ein Preisausschreiben veröffentlicht, nach welchem für bie Entwürfe einer Mobiliar -Einrichtung bes Arbeitszimmers eines höheren Staatsbeamten brei Preise ausgesetzt worben waren. Das Preisgericht einigte sich nach ein- gehenber Beurteilung ber eingelaufenen Entwürfe bahin, baß bei aller Anerkennung ber vorliegenden Leistungen ein erster Preis nicht erteilt werden könne, da keiner der Entwürfe dem Ausschreiben vollständig entsprach. Es wurden dem­gemäß zwei zweite Preise den EntwürfenEule" und Ernst Ludwig" und dem EntwurfGothisch" ber britte Preis zuerkannt. Nach Oeffnung ber Briefumschläge sinb bie Namen ber Verfasser folgenbe:Eule": Franz Behrens, Zeichner für Kunstgewerbe in Mainz;Ernst Lubwig": Heinrich Kimmel, Fachlehrer in Erbach i. O.; Gothisch": Johann Busch in GroßSteinheim.

** Dem Rechenschaftsbericht des Fischerei Vereins für das Großherzogtum Hessen über das abgelaufene Rechnungsjahr entnehmen wir, daß in dieser Zeit in den Rhein, den Main, den Neckar zirka 50,000 Zander-Eier, 60,000 Karpfenbrut und zirka 10,000 einsömmerige Regen­bogenforellen, Bachforellen, Zander, Leder- und Spiegel­karpfen eingesetzt worden sind. Das Einsetzen von Zandern in den Rhein hat sich ganz vortrefflich bewährt, und sind Zander von 810 Pfund gar keine Seltenheit. Es wird nunmehr mit dem Einsetzen von Regenbogenforellen und Aeschen in den Rhein begonnen, und versprechen sich bie Fachleute bavon einen so glänzenben Erfolg, wie bei ben Zanbern. Hier soll aber ber Versuch mit einer größeren Anzahl Laichsischen gemacht werben. Die nächstjährige Generalversammlung bes hessischen Fischerei-Vereins soll in Mainz abgehalten werben.

** Die Neuregelung der Arbeitsbedingungen bei den staatsseitig zu vergebenden Lieferungsaufträgen durch den fran­zösischen Handelsminister, Genossen Millerand, hat bereits dazu geführt, daß die Bewerber um Staatslieferungen ein­fach wegbleiben. Am 18. September sollte eine größere Lieferung von Ledermaterial für die Armeebedürfnisse zur Vergebung gelangen. Sie konnte aber nicht effektuiert werden, ebensowenig wie eine andere, zum 25. ds. Mts. ausgeschriebene, weil die bisherigen Unternehmer, die bereits gegen das Vorgehen des Ministers Millerand protestiert hatten, der Kriegsverwaltung mitteilten, sie seien angesichts der von Herrn Millerand erlassenen sozialistischen Arbeits­

Feuilleton.

Aas Ende des Ittanenritts.

v. 8. Hannover, 30. September.

Heute, Samstag Mittag, ist das 13. Ulanen-Regiment von seiner fast sechswöchentlichen Rheinfahrt glücklich, aber doch nicht so ganz wohlbehalten, in seine Garnison Hannover zurückgekehrt. Für den Laien bot das Regiment, wie es mit seinen fünf Schwadronen, das Trompeterkorps voraus, bei prächtigem Herbstsonnenschein durch die Stadt ritt, einen recht stattlichen Anblick; wer aber genauer prüfend die ein­zelnen Eskadrons musterte, der sah doch, wie jener zerstreute Professor, recht viele, die nicht da waren.

Am Tage vor dem Einzuge des Regiments, draußen auf den Dörfern vor Hannover, hatte Herr Major v. Heyden- Linden die Reservisten, etwa 30 Mann in jeder Schwadron, im ganzen also gegen 150 Mann, entlaffen, und mithin ebensoviele Pferde freibekommen, die naturgemäß den Hannoverschen Einzugsmarsch nicht mitmachten. Es gab schließlich doch recht viele gedrückte Pferde im Regiment, die inn Ernstfälle, wenn sie jetzt vor dem Feinde ständen, ja »ohl mehr oder weniger versagen würden. Der Sattel-

druck ist eben ein Uebel, das sich auf langen Friedens­märschen immer unangenehm fühlbar macht. Um das wert­volle Material, Königliches Dienstpferd genannt, nach Mög­lichkeit zu schonen, werden stets, und so auch hier, die Marschziele für einen Tag so nahe gesteckt, daß sie selbst für nicht Berittene keine allzugroße Anstrengung bedeuten würden. Die kurzen Wegstrecken aber, und das halten wir entschieden für einen Fehler, werden in meist viel zu langsamem Tempo geritten. Namentlich das Schrittreiten ist auf Märschen aller Laster Anfang, es wirkt langweilend und ermüdend auf die Mannschaften, schwerer, zum Teil wohl auch nachlässiger, sitzen sie im Sattel, und so wird das tote Gewicht dem Rücken verhängnisvoll, und was an Husen und Sehnen geschont wird, wird auf einer anderen Stelle wieder verdorben.

Aber Erfahrungen sind ja bekanntlich dazu da, daß sie gemacht werden, und man darf in die rühmlichst bekannte reiterliche Tüchtigkeit des Kommandeurs der 13. Ulanen das Vertrauen setzen, daß kein Fingerzeig, den der fast sechswöchentliche Ritt bietet, unbeachtet bleiben wird. Durch­weg ausgezeichnet, mit nur wenigen Ausnahmen, war der Gesundheitszustand der Mannschaften. Zwei Pferde hat das Regiment verloren, eins verunglückte während der Manöver und eins auf der Bahnfahrt von Süddeutsch-

land nach Butzbach während der Fahrt durch einen Tunnel.

Nicht nur au Erfahrungen und Erlebnissen reich, sondern auch reich bedacht wieder mit Ehren und Auszeich­nungen von Seiten des Kaisers, kehrten heute die 13. Ulanen in ihre Ganison zurück. Auf der Parade in Straßburg, auf der großen Massenattacke leider stand eine solche wieder auf dem Manöverprogramm trug der Kaiser die Uniform seiner Königsulanen. Wieder­holt ist auf dem historischen Boden Straßburgs das Re­giment zu repräsentativen Zwecken herangezogen worden, und schließlich verlieh ihm der oberste Kriegsherr, als dauernde Erinnerung an die Kaiserparade in den Reichs­landen gelb-weiße Fahnenbänder in den historischen Farben Althannovers, die heute beim Einzug in die Stadt lustig im Winde flatterten. Alles in allem aber sind das doch eine Menge Aeußerlichkeiten, und wir können schließlich doch nicht ganz den Gedanken unterdrücken, daß ber große Aus- toanb an Zeit, Gelb unb ber nnvermeibliche Verlust am Materialwert nicht ganz im richtigen Verhältnis zu bem praktischen Gewinn steht, ben ber große Ritt bem Re- gimente unb burch seine Erfahrungen ber Allgemeinheit ge­bracht hat.