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3.9.1899 Erstes Blatt
 
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Radfahrer" kenntlich gemacht sind, haben im Innern Hänge­vorrichtungen, sowie aufklappbare Sitzbänke. Auf diese Art ist den Wünschen der Radfahrer, ihr Eigentum selbst bewachen zu können, Rechnung getragen; es werden dadurch auch Beschädigungen und sonstige Verluste an den Rädern vermieden.

Darmstadt, 2. September. Die Ankaufskommission des landwirtschaftlichen Provinzialvereins für Starkenburg, bestehend aus den Herren Bürgermeister Höhn-Heppen­heim, Kraft-Bruchhof, Zuchlinspektor Dettweiler- Darmstadt und Herrn Kreistierarzt Dr. Güngerich-Bens- heim, hat auf den Hochalpen des Simmenthales 22 Bullen, 73 Kühe und Minder, sowie 61 Ziegen angekauft. Die Tiere sind in dreizehn Waggons mit Sonderzug Donnerstag früh Vs5 Uhr in Darmstadt eingetroffen und wurden heute früh im städtischen Holzhof versteigert. Es ist dies der größte Transport von Zuchtvieh, der jemals aus der Schweiz nach Deutschland gegangen ist. N. H. V.

Mainz, 1. September. Die schon seit langer Zeit zwischen der städtischen Verwaltung hier und dem Militär- siskus wegen Austausch militärfiskalischen Ge­ländes mit städtischem Terrain schwebenden Ver­handlungen, die wegen der hohen Ansprüche der Militär­verwaltung immer nicht vom Flecke kommen wollen, sind neuerdings wieder aufgegriffen worden und werden zurzeit sehr lebhaft betrieben. Wenngleich auch bei den neuen Ver­handlungen auch noch nichts Greifbares zustande gekommen ist, so macht sich doch das Bestreben bemerkbar, daß der Militärfiskus jetzt geneigter ist, die Sache zu einem Ende zu führen, was um so notwendiger erscheint, als die Stadt über Gelände, das sie in Kauf geben will, nur noch kurze Zeit disponieren kann. Die Stadt Mainz ist eingeladen worden, sich an den eben im Gange befindlichen Taxa­tionen des in Kastel freiwerdenden Festungs- geländes zu beteiligen. Die städtische Verwaltung hat dieses Ansinnen rundweg abgelehnt und zwar mit dem Be­merken, daß die Stadt Mainz unter den gegebenen Ver­hältnissen weder an den Taxationen, noch an der früher im Flusse gewesenen Eingemeindungsfrage irgend welches In­teresse habe. Die gestern hier stattgehabte Wander- versammlungderSüddeutschenPhotographen hat den einstimmigen Beschluß gefaßt, bei der nächsten all­gemeinen Versammlung zu beantragen, die nächstjährige, mit einer großen Ausstellung verknüpfte Versammlung hier in Mainz abzuhalten.

Aus -er Zett för die Zett.

Vor 153 Jahren, am 3. September 1746, wurde zu Gotha Friedrich Wilhelm Gotter, einer unserer fruchtbarsten Operettendichter des 18. Jahrhunderts geboren. Seine zahlreichen Stücke vertreten den französischen Geschmack; sie sind zierlich und amüsant, doch fehlt ihnen oft die thea­tralische Kraft der Gestalung. Erwähnt sei sein Drama Medea". Gotter starb am 18. März 1797 in seiner Vaterstadt.

Vor 29 Jahren, am 4. September 1870, wurde in Paris die dritte Republik unter dem wachsenden Zu­drange der städtischen Volksmassen ausgerufen und bis zum Zusammentritte einer neuen konstituierenden Versammlung eine provisorische Regierung zur nationalen Verteidigung eingesetzt. Die erste Handlung dieser neuen revolutionären Regierung war die Auflösung des gesetzgebenden Körpers.

Vermischtes.

* Londons heißester Tag. Der 25. August war, wie aus der britischen Metropole geschrieben wird, der heißeste Tag, den man dort seit Jahren erlebt hat. Die Temperatur stieg in der Sonn? auf 130 Grad Fahrenheit, nahezu 42 Grad Rsaumur, und im Schatten auf 94 Grad Fahren­heit. Am heißesten Tag im Juli dieses Jahres hatte man nur 126 bezw. 89 Grad zu verzeichnen gehabt. Die im meteorologischen Bureau eingezogenen Erkundigungen haben ergeben, daß dieser August mit seinem beständig wolken­losen Himmel eine seltene Ausnahme bildet. Sämtliche Londoner Pferdebahn und Omnibus - Gesellschaften er­ließen am 25. August gegen 10 Uhr vormittags an ihre Angestellten die Verordnung, daß man ganz unbekümmert um die Zeitversäumnis den Pferden jede Sorgfalt ange- deihen lassen sollte. Hunderte von Männern wurden speziell dazu angestellt, den Tieren an verschiedenen Haltepunkten Hafer und Wasser zu verabreichen. Die Mehrzahl der Pferde war mit Sonnenhüten ausgerüstet worden und die Vierfüßler schienen die Kopfbedeckung auch sehr angenehm zu finden. In den Hospitälern im Norden und Osten der Millionenstadt mußten mehr als ein Dutzend Personen ausgenommen werden, die vom Hitzschlag getroffen waren. Ein Patient ist, bald nachdem man ihn bewußtlos auffand, gestorben.

UnioerßMs Nachrichten.

* Berlin, 1. September. Professor Otto Pfletderer, der ausgezeichnete Theologe und Religtonsphilosoph, beging heute seinen sechzigsten Geburtstag. PfleidererS Heimat ist Stetten bei Kanstadt und in der schwäbischen Universität hat er unter Baur auch seine theologische AusbUdung erhalten. Nach weiteren Studien in England und Schottlanv wurde er Stistsrepetent in Tübingen unb begann hier 1865 seine akademische Lehrtätigkeit, die er indes auf ein Jahr mit einer pastoralen Wirksamkeit in Hellbronn unterbrach. Dann folgte er 1870 einem Rufe als Oberpfarrer in Jena, nahm aber alsbald nach seiner Ernennung zum ordentlichen Professor in d-r thüringtsch-n Musenstadt seine Lehrthättgkeit wieder aus, der er 8® von da ab ausschließlich gewidmet hat. Seit 1875 gehört Pfletderer als Nachfolger Twestens im Ordinariat für systematische Theologie der Berliner Universität an. 1894 wurde er nach Edln- burg berufen, um dort an der Universität die Gifford- Borlesungen zu halten. Im Studienjahre 1894/95 stand er als Rektor an der Spitze unserer Hochschule. Seine Werk« über

Glaubens- und Sittenlehre, ReligionSphilosophie, sowie über die Entwickelung ber Religion und der Theologie rc. erfreuen sich ge­bührender Anerkennung.

Auszug aus den Standesamtsregistern der Stadt Gießen.

Aufgebote.

August: 23. Joseph Theodor Schäfer, Glaser dahier, mit Elisa Vierheller Hierselbst. 24. Heinrich Johannes Kramer, Friseur dahier, mit Elisabetbe Dietrich hterselbst. 26. Karl Hermann Schenk, Friseur dahier, mit Marie Philippine Elisabethe Horn hterselbst. 28. Dr. Paul Römer, Assistenzarzt dahier, mit Charlotte Alwine Marte F-llgentreff zu Bernburg. 29. Karl Stammel, Schlosser dahter, mit Katharine Marie Henriette Kuhl hterselbst. 29. Wilhelm Haupt, Spengler dahter, mit Margarethe Marie Henriette Magdalene Schlaudroff hterselbst. 29. Paul Ernst Friedrich Noack, Spengler dahter, mit Charlotte Auguste Louise Hellweg hterselbst. September: 1. Johann Wilhelm Gustav Mund, Oberkellner dahier, mit Helme Wagner zu Darmstadt.

«heschlietzuugeu.

August: 26. Heinrich Marx, Uhrmacher dahier, mit Theodore Wilhelmine Amanda Emma Lotz hterselbst. 26. Franz Joseph Conrad, Friseur dahter, mit Marie Katharine Elisabeth Dotzenrodt hterselbst. 26. Wilhelm Jullmann, Kaufmann dahier, mit Anna Margarethe Luise Frtebrl Hierselbst. 26. Wilhelm Christian Schmidt, Fuhrmann dahter, mit Elisabeth Wagner Hierselbst. 26. Ludwig Daniel Rühl, Bäckermeister dahier, mit Helene Georgine Katharine Pirr hterselbst. 26. Josef Siegler, Schlosser dahier, mit Anna Maria Katharina Elisabeth Jung Hierselbst. 31. Johann Heinrich Wolf, Schutzmann dahier, mit Margarethe Becker hterfelbst.

Geborene.

August: 22. Dem Etsenbahn-Bau-Jnspektor Wilhelm Horst­mann ein Sohn. 24. Dem Fabrikarbeiter Ludwig Käs eine Tochter, Elisabethe Susanne. 25. Dem Hutmacher Rudolf Richter eine Tochter, Frida Louise Margarethe. 25. Dem Hilfsbahnwärter Heinrich Albach ein Sohn, Karl Philipp. 25. Dem Bahnwärter Heinrich Heß eine Tochter. 25. Dem Sattlermeister Friedrich Groß eine Tochter, Marie Elisabethe. 27. Dem Privatgelehrten Dr. Walther Stein ein Sohn. 27. Dem Dachdecker Adolf Dillmann eine Tochter, Anna Lina Katharina. 28. Dem Kaufmann Georg Mooh eine Tochter. 28. Dem Hilfsbremser Wilhelm Schneider VI. eine Tochter, Elisabeth. 28. Dem Hauptmann Grorg v. Stösiel ein Sohn, Georg SigiLmund Wolfgang. 30. Dem Schreiner Johannes Vogel II. ein Sohn. 30. Dem Kauf­mann Louis Schäfer ei» Sohn.

Gestorbene.

August: 25. Friedrich Enz, 1 Jahr alt, Sohn von Eisendreher Karl Enz hterselbst. 25. Emilie Henriette Gerhardt, 4 Monate alt, Tochter von Friseur Gustav Gerhardt dahier. 25. Margarethe Hofmann, geb. Hammel, 84 Jahre alt, dahier, Witwe von Landwirt Ludwig Hofmann. 26. Gerhard Meckelburg, 11 Monate alt, Sohn von Lokomotivh-izer August Meckelburg dahier. 27. Christine Fink, geb. Schmidt, 51 Jahre alt, Ehefrau von Untererheber Karl Fink zu Bad Salzhausen. 28. Anna Justine Karoline Jakobine Billasch, 34 Jahre alt, Schneiderin dahier. 30. Johannette Mannberger, geb. Bellof, 62 Jahre alt, Witwe von Weißbtndermeister Joseph Mann- bergcr hterselbst. 30. Wilhelmine Lotz, 81 Jahre alt, ledig, Privatin Hierselbst. 30. Christiane Ebert, geb. Krämer, 63 Jahre alt, Ehefrau von Landwirt Friedrich Ebert zu Odersbach. 30. Christian Lohr, 17 Jahre alt, Steindecker von LaubuS-Eschbach.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getränte.

Matrhäusgemeinbe.

Den 26. August. Wilhelm Christian Schmidt, Fuhrmann zu Gießen, und Elisabethe Wagner, Tochter des Schmied Johannes Wagner zu Kirchvers.

Den 27. August. Franz Joseph Conrad, Friseur zu Gießen, und Marte Katharine Elisabeth Dotzenrodt, Tochter drs Lokomotiv­führers Heinrich Dotzenrodt zu Gießen.

Den 31» August. Johann Heinrich Wolf, ein Witwer, Schutz­mann zu Gießen, und Margarethe Becker, Tochter deS verstorbenen Privatmanns Ludwig Becker zu Gießen.

MarkuSgemrinde.

Den 27. August. Ludwig Daniel Rühl, Bäckermeister zu Gießen, und Helene Georgine Katharine Pirr, ^Tochter deS Metzger­meisters Ludwig Pirr zu Gießen.

JohanneSgemeinde.

Den 26. August. Heinrich Marx, Uhrmacher zu Gießen, und Theodore Wilhelmine Amanda Emms Lotz, Tochter des verstorbenen Bäckermeisters Johann Friedrich August Lotz zu Bad EmS.

Denselben. Josef Siegler, Schlosser zu Gießen, und Anna Jung, Tochter des verstorbenen Wirts Georg Jung zu Gießen.

Denselben. Wilhelm Jullmann, Kaufmann zu Gießen, und Anna Margarethe Luise Friedel, Tochter des verstorbenen LohndienerS Philipp Friebel zu Gießen.

Getaufte.

MarkuSgemeinde.

Den 27. August. Dem Dachdeckermeister Martin Müller eine Tochter, Else, geboren den 6. April.

Den 27. August. Dem Metzger Ernst Fleck ein Sohn, Heinrich Karl, geboren den 27. Mat.

Den 31. August. Dem Gastwirt Heinrich Berndt eine Tochter, Minna, geboren den 15. Juli.

LukaSgemeinde.

Den 27. August. Dem Maschinenmeister Johann Georg Albrecht eine Tochter, Barbara, geboren den 11. August.

Denselben. Dem Techniker Ludwig Weiß ein Sohn, Ludwig Wilhelm, geboren den 2. August.

Den 31. August. Dem Wirt Johann Seibel ein Sohn, Johann Alwin, geboren den 5. Juli.

JohanneSgemeinbe.

Den 30. August. Dem Schutzmann Richard Reinhard eine Tochter, Frieda Carola Wilhelmine, geboren den 13. Juli.

Den 1. September. Dem Schuhmacher Heinrich Döll eine Tochter, Luise, geboren den 4 Juli.

Beerdigte.

MatthäuSgemeinde.

Den 27. August. Margarethe Hofmann, geb. Hammel, Witwe des zu Bersrod verstorbenen Landwirts Ludwig Hofmann, 84 Jahre alt, starb den 25. August.

LukaSgemeinde.

Den 30. August. Anna Justine Karoline Jakobine Billasch, Tochter des Schlossers August Billasch, 34 Jahre alt, starb den 28. August.

Den 31. August. Wilhelmine Lotz, Tochter deS verstorbenen Oberförsters KaSpar Lotz, 81 Jahre alt, starb den 30. August.

JohanneSgemeinde.

Den 1. September. Johannette Mannberger, geb. Bellof, Witwe deS Weitzbindermeisters Joseph Mannderger, 62 Jahre alt, starb den 30. August.

Verkehr, Hand und Vsikswirtsthast.

Gieße«, 2. September. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. X 1.101.20, Hühnereier per St. 78 2 St. 1415 Enteneier 1 St. 00 Gänse-

eiet per St. 600 Käse 2 St. 57 H, Käsematte 2 St. 56 H,

Erbsen per Liter 19 Linsen per Liter 30 Tauben per Paar

0-60-0.80, Hühner per St. x 1.00-1.40 Hahnen per Lück ** 0.600.85, Enten per St. X 1.802 20, Gänse per Pfund v* 0.000.00, Ochsenflellch per Pfd. 6874 Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62-64 A Schweinefleisch per Wb 60-72 4, Schwein? fleisch, gesalzen, per Pfd. 76 L, Kalbfleisch per Pfd^ 6066 H Hammelfleisch per Pfd. 50-70 H, Kartoffeln per 100 Kilo 4.50 big 6-00 X, Weißkraut per St. 0000, Zwiebeln per Ctr. X 5.506.50 Milch per Liter 16 *

, Dauer der Marktzeit von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr nach» mittags. Während der ersten s Stunden der Marktzeit darf im llmherzieben nicht feilgeboten werden -

tzottrsdirnst in der Synagoge.

Dienstag den 5. und Mittwoch den 6, September 1899: Neujahrsfest.

1. Tag. Vorabend 6" Uhr, morgens 7 Uhr, Predigt um 9 Uhr, nachmittags 4 Uhr.

2. Tag. Vorabend 7" Uhr, morgens 7" Uhr, Predigt um 9 Uhr, nachmittags 4 Uhr, Festesausgang 7«5 Uhr.

Neueste Meldungen.

Depeschen des BureauHerold'.

Berlin, 2. September. Wie ans kolonialen Kreisen geschrieben wird, ist es nun festgestellt, daß zwischen Brüssel und Berlin freundschaftliche Unterhandlungen im Gange sind Über die Abtretung von Landstrichen am Tanganyka-See betreffs des Striches zwischen Nusip- See und Owa-See. Der Kongostaat ist geneigt, diesem Wunsche Deutschlands nachzukommen und dieses von ihm schon mehrere Jahre besetzte Gebiet aufzugeben, wenn er an anderer Stelle einen entsprechenden Ersatz an Land erhält.

Berlin, 2. September. DieDeutsche Tages-Zeitung" schreibt über die Maßregelung der politischen Be­amten im Abgeordnetenhause. Mit derselben sei die Bahn des Sachlichen verlassen. Die Verantwortung Über alles Geschehene trage die Regierung und sie werde schwer daran tragen. Ein Gutes aber habe dieser Tag, an dem diese Verfügungen beschlossen worden sind: Er wird klären und befreien. Die konservative Partei hat erst von den Schlacken des Gouvernementalismns befreit werden müssen, und dadurch sind ihr die Herzen des Volkes wieder­gewonnen worden. Der Erlaß habe hunderttausende, die schwankend waren, gefestet und hunderttansende, die kühl bei Seite standen, herangezogen. Der Widerstand gegen den Kanal werde allgemeiner und fester und erbitterter. Das Blatt schließt mit den Worten: Wir haben bisher nie von einer Niederlage gesprochen, jetzt hat die Regierung sich selbst die schwerste zugezogen.

Leipzig, 2. September. In der Spar - undV 0 rschuß- kasse der Gemeinde Lommatzsch wurden große Unter­schlagungen entdeckt. Der Kassen-Vorstand ist verhaftet. Die Staatsanwaltschaft verfügte die Beschlagnahme der Bücher. Die Unterschlagungen sollen 15 Jahre zurückreichen und sehr bedeutend fein.

Wien, 2. September. Der ungarischeMinister- Präsident Koloman Szell trifft morgen zu mehrtägigem Aufenthalt hier ein und wird vorn Kaiser, der ebenfalls vom Manöver hier eintrifft, mit anderen politischen Per­sonen empfangen werden. Allgemein herrscht die Ansicht vor, daß in den nächsten Tagen sehr wichtige Beschlüsse be­treffend die innerpolitische Lage gefaßt werden dürften.

Paris, 2. September. Die Belagerten in der Rue Chabrol scheinen Flucht zu planen. Siebohren seit Drei Tagen eine Oeffnung in die Wand des Nachbarhauses und hoffen offenbar, wenn die Bresche geschlagen ist, zu entkommen. Gendarmen wachen jedoch in dem betreffenden Zimmer, um die Ausbrecher in Empfang zu nehmen. Durch die nur dünne Scheidewand bat Guörin die Gendarmen um Brot. Die Gendarmen erwiderten, angesichts der strengen Bewachung nichts thun zu können. Der Pater Chandelonbes besuchte in Begleitung eines Kommissars und eines Arztes seinen Sohn. Man fand noch zwei Kranke und der Arzt verschrieb drei Rezepte. Der Präfekt Lepine behielt sich die Entscheidung über die Zulassung von Medizin vor.

Paris, 2. September. Der Liberlö zufolge wurde das Dekret auf Einberufung des höchsten Gerichts­hofes auf besonderes Verlangen Loubets noch nicht unter­zeichnet. Der Präsident wies nämlich auf die Notwendigkeit hin, vorsichtig vorzugehen und dem Senat nur bann die Komplotts-Affaire zu unterbreiten, wenn alle Unterlagen für eine Verurteilung vorhanden seien. Man dürfte nämlich dabei nicht übersehen, welchen Eindruck es Hervorrufen könnte, wenn das Verfahren wegen mangelnder Beweise eingestellt werden müßte.

Rennes, 2. September. Der hiesige Journalist Petit sollte wegen republikanischer Propaganda verhaftet werden. Er wollte Gusrin nachahmen und verbarrikadierte sich in einem Hotelzimmer, gab aber den Widerstand nach einer halben Stunde auf.

Rennes, 2. September. Cavaignac ist gestern abend hier eingetroffen. Er konferierte sofort längere Zeit mit den Generalen Roget, Chanoine und Gonse. Man erwartet neue Überraschungen.

Opvrtv, 2. September. (Pestgefahr.) Die Aerzte der Stadt hielten mit den ans Lissabon hier eingetroffenen Aerzten im Sanatorium Beratungen ab. Die Kaufleute sind über das Nichteintreffen der Antwort der Regierung auf ihre Reklamation betreffend die baldige Er­leichterung der getroffenen Maßnahmen sehr entrüstet. Viele haben ihre Magazine geschlossen. Der Bürgermeister hat demissioniert. Die Truppen sind konsigniert. Man hofft aber, daß gleich nach Eintreffen der Antwort der Re­gierung die Ruhe wieder hergestellt werden wird.

Prätoria, 2. September. 200 Deutsche hielten gestern eine Versammlung ab, in welcher beschlossen wurde, die Transvaal-Regierung in dem Krieg mit Eng­land zu unterstützen, und die Regierung von Transvaal zu ersuchen, daß sie den Deutschen erlaube, unter Leitung ihrer eigenen Führer kämpfen zu dürfen.