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Kokales und VrovinfieUes.
Gießen, den 2. März 1899.
• • AuS dem Großh. Ministerium. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädigst geruht, den Sreisamtmann bei dem Kreisamte Mainz, Dr. Karl ü finger, zum ständigen Hilfsarbeiter bei dem Ministerium des Innern, unter Verleihung des Charakters als „Regie- run-israt", zu verleihen.
Der siebente Mittwochsvortrag des Herrn Professors Philippi in der Aula des Gymnasiums ging aus von einer Reihe von Unterschieden zwischen der Kunst vergangener Zeiten und der heutigen Kunst- Übung, und berührte demnächst die heutige Architektur (romanischer Kirchenbau, italienische Renaissance und Barock tut monumentalen Profanbau, Privatbau meist ohne Stil), das Suchen nach einem neuen Stil, den Eisenstil u. s. w. Das Kunsthandwerk kann alles machen, und liefert für jeden Geschmack. Man solle sich mit dieser hohen Fähigkeit des Nachahmens einstweilen begnügen. Statt dessen erscheine hier ein neuer, ornamentloser Stil, der aber schwerlich eine Zukunft haben und den Reichtum der alten Zierformen verdrängen werde. Zur Skulptur übergehend, hob der Vortragende die fremde, trotz vielfacher Förderung einsame Stellung dieser Kunstgattung in unserem heutigen Leben hrrvor. Geblieben sei aus früherer Gewohnheit das Denkmal. Ein kritischer Ueberblick über die hervorragendsten Denkmäler in Deutschland führte zu einem Versuche, die Leistung der Gegenwart im Vergleiche zur Vergangenheit abzuschätzen. Das Interesse sei in unserer Zeit weit mehr der Malerei zugewandt, als der Plastik. — Der letzte Vortrag über „moderne Malerei", wird am 8. März, 5 Uhr, stattfinden.
• * Gießener VolkSbad. Der Besuch des Bades ist auch im abgelaufenen Monat Februar zurückgegangen; immerhin wurden insgesamt noch 5838 Bäder abgegeben gegen 7185 im Januar.
Der Besuch im einzeln hat sich verteilt wie folgt: Schwimmbad: 3516 Männer, darunter 7201 zu
553 Frauen, „ 125/ 10 Pfg.,
Wannenbäder 1. Kl. 202 Männer, 47 Frauen,
„ 2. .. 481 „ 236
Dampf- und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 129 Männer, 20 Frauen,
Brausebäder zusammen 654.
Die Personenwage wurde von 120 Personen benutzt, das Bad von 40 Personen besichtigt.
• • Theaterverein. Die gestrige Vorstellung von Gutzkows »Zopf und Schwert" besuchten auf Einladung des Lheatervereinsvorstandes eine größere Anzahl von Schülern der Stadtknabenschule unter Führung ihrer Lehrer. Der Bericht über diese Vorstellung folgt in nächster Nummer.
• • Stadltheater. Es sei nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die berühmte Novität „Fuhrmann Hensch el" von Gerhart Hauptmann mit Herrn Hermann Leffler vom Hoftheater in Wiesbaden als Gast am Freitag dem 3. dss. Mts. einmalig zur Aufführung gelangt. Es gelten für diese Vorstellung erhöhte Preise. Abonnements- dillets sind mit Zuzahlung giltig.
•• Die 2. allgemeine Geflügel- und Vogel-Ausstellung wurde heute nachmittag 1/23 Uhr in Gegenwart besonders geladener Gäste (u. a. des Herrn Provinzialdirektor v. Bechtold und der Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung, Vertreter der Landwirtschaft u. s. w.) er- vffnet. Die Ausstellung macht in den zeitgemäß ausge- ftaiteten Räumen des Etablissements „Windhof" einen sehr guten Eindruck; sie ist nach Zahl der ausgestellten Tiere doppelt so umfangreich, wie die vorjährige. Der Katalog weist zirka 700 Nummern auf, darunter in der Prämiierungs- ibteilung 206 Stämme Hühner, 35 Stämme Enten, 10 Stämme Gänse, zirka 200 Paare Tauben; in der Ver- kau.fsabteilung zirka 90 Stämme Hühner, 8 Stämme Enten, zirka 100 Paare Tauben, sowie eine große Anzahl Kanarienvogel und sonstige Singvögel, Papageien, ausgestopfte Vögel, ZMerartikel, Nistkästen u. s. w.
** Wetterbericht. Die Depression, welche gestern im iufierften Norden gelegen war, ist rasch auf südlicher Bahn vorgerückt, und zieht besonders die Osthälfte Europas in ihrsn Bereich. Gleichzeitig besteht aber im Westen das barometrische Maximum mit der nämlichen Intensität noch sorv, sodaß sich in westöstlicher Richtung ziemliche Druck- inftcrschiede geltend machen. Unter dem weiteren Einfluß [t8„ niederen Druckes wird der Himmel zunächst bedeckt bltäben. — Voraussichtliche Witterung: Zunächst lei st trübes Wetter mit stellenweisen Niederschlägen.
Brief, worin er mitteilt, daß er vor vier Tagen im Petersburger Winterpalais vom Zaren in längerer Audienz empfangen wurde. Dabei habe Graf Zichy sich überzeugen können, daß Zar Nikolaus sich vollster Gesundheit, besten Wohlseins und geistiger Frische erfreue, indem sich der Zar mit dem Grafen Zichy mit lebhaftestem Interesse über die verschiedenen Fragen der Politik und Volkswirtschaft unterhalten habe. Graf Zichy versichert, daß alle ungünstigen Gerüchte unbegründet seien.
— Zu den Vorgängen in Finland wird über Stockholm gemeldet: Der finische Senat hatte bekanntlich be- schlossen, bei dem Kaiser Nikolaus wegen des kaiserlichen Manifestes über die Wehrpflicht vorstellig zu werden. Die Antwort, welche auf diese Vorstellungen ergangen ist, hat nach einem den „Dageus Nyheter" zugegangenen Privattelegramm folgenden lakonischen Wortlaut: „Veranstaltet keine Veranstaltungen!"
Madrid, 1. März. Infolge der Haltung des Senats in der Philippinenfrage demissionierte das Kabinett S a g a st a. Die Königin berief mehrere politische Persönlichkeiten.
Aus der Zeit für die Zett.
Dor 21 Jahren, am 3. März 1878, wurde zwischen Russen und Türken der Präliminarfriede zu St. Stefano abgeschloffen. — Später ließ sich die Petersburger Regierung bereit finden, diesen Friedensvertrag einem europäischen Kongresse zu unterwerfen, damit über die einzelnen Bestimmungen ein endgiltiges schiedsrichterliches Urteil erzielt werde. Der in Berlin tagende Kongreß löste seine Aufgabe dadurch, daß er den Vertrag seiner für die Türkei drückenden Bedingungen entkleidete._________________
Vermischtes.
* Ein griechischer Krösus. Man meldet den „M. N. N." aus Athen, 27. Februar: Herr Syngros, der reichste Grieche, ist gestorben. Sein Hinscheiden verursachte an der Börse ungeheuere Aufregung. Syngros war Direktor mehrerer Banken und hatte großen Einfluß. Thessalische Werte sanken sofort um die Hälfte, und die Börse mußte schließen. Es geschah dies angeblich als Beileidskundgebung, that- sächlich wegen der ausgebrochenen Panik. Der Verstorbene hatte schon bei Lebzeiten mehrere Hospitäler, ein Volkstheater, Schulen, Asyle gebaut. Er hinterläßt für weitere wohlthätige Zwecke über zwanzig Millionen Mark. Für Errichtung von Volksschulen erhält die Regierung anderthalb Millionen, drei Millionen sind für ein neues Hospital bestimmt. Syngros hatte in einem früheren Testament dem König Georg große Liegenschaften, den Prinzen eine Million, und der Frau des früheren Ministerpräsidenten Trikupis eine halbe Million verschrieben. Nach dem Kriege gegen die Türkei zog er in einem Kodizill diese Vermächtnisse zurück, und man begreift die abfälligen Bemerkungen, die deshalb in der Bevölkerung gemacht wurden.
* Bei den Bauarbeiten des Simplon-Tunnels wird die Firma Sulzer u. Co. in Winterthur das von Professor Linde in München erfundene Verfahren zur Herstellung flüssiger Luft mittelst Ausscheidung des Sauerstoffes anwenden. Die flüssige Luft soll dem Dynamit an Sprengkraft gleichkommen, während die Herstellung zehnmal billiger ist, als die des Dynamits.
* Eine Wartburgbahn ist laut „Eisenacher Tagebl." im Projekt fertig. Die Bahn ist zumteil als elektrische Bahn geplant. Sie soll in Verbindung mit der elektrischen Straßenbahn am Bahnhof ihren Anfang nehmen, im Marienthal selbständig abzweigen und am Reutet-Haus vorbei durch das Hainthal als Zahnradbahn den Weg bis zur Höhe der Wartburg-Restauration nehmen, in deren unmittelbarer Nähe sie enden soll. Das Projekt hat die Genehmigung des Großherzogs erhalten und ist ebenso von allen maßgebenden Behörden gebilligt worden.
* Den Rettern der „Bulgaria" widmet die Münchener „Jugend" folgenden Gruß:
In Wetter und Not
Stark, wie der Tod!
So hielten sie aus
Im Wogengebraus,
Nicht bang, nicht müde durch Nacht und Tag
Bis das Fahrzeug sicher im Hafen lag.
WaS wollt Ihr mit Euerem Beifallstosen, Als wär's ein Wunder, was gescheh'n? Ein deutscher Mann ist der Kapitän, Deutsch ist das Schiff, deutsch die Matrosen — Daß die nicht wankten von ihrer Pflicht — Wundert eS Euch? — mich wundert'« nicht!
Gingesandt.
Gießen, 2. März 1899. Erwiderung!
Auf daS „Eingesandt" in der gestrigen Nummer dS. Bl. erwidern wir ergebenst, daß eine Wiederholung von „Bartel T u r a s e r " kaum möglich sein wird. Dieses Stück, in welchem bekanntlich Herr Arthur Bauer von Frankfurt gastierte, würde eine Neubesetzung der Titelrolle durch eine hiesige Kraft bedingen, und es würben infolgedesien noch einige Bühnenproben notwendig werden. Für diese läßt sich aber keine Zeit gewinnen, da in dem kurzen Rest der Saison nach dem ausg.stellien Sptelplan ohnehin noch eine Fülle von Arbeit zu erledigen ist. Um indes den Interessenten unser Entgegenkommen zu beweisen, werden wir unS mit Herrn Bauer in Frankfurt wegen eines abermaligen Gastspieles des „Bartel Turaser' in Veibindung fetzten und behalten uns vor, eventuell demriächst auf bie Angelegenheit zurückzukommen.
Hochachtungivoll
Kruse u. Helm.
Meratur, Wissenschaft und Kunst.
Schrift- und Buchwesen in alter und neuer Zeit von Prof. Dr. O. Weise, geh. 90 Pf., geschmackvoll geb. Mk. 1,15. („Aus Natur und Geisteswelt." Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 12 monatliche Bändchen zu je 90 Pf., geschmackvoll gebunden zu je Mk. 1,15, oder 54 wöchentliche Lieferungen zu je 20 Pf.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Schreiben und Lesen sind wie der Anfang jeder höheren Kultur, so die notwendige Grundlage für jeden, der an ihr teilnehmen will. Mit Interesse wird darum jeder auch einmal hören, was wir über Entstehung und Entwickelung dieser beiden Künste misten, zumal wenn es in so gefälliger Form, in abgerundeten in sich geschlossenen Kulturbildern auf Grund der neuesten Forschungen geboten wird, wie in dem soeben erschienenen Bändchen über „Schrift- und Buchwesen in alter und neuer Zeit" der Sammlung wistenschaftlich gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Mistens „Aus Natur und Geisteswelt". Der Verfasser, Prof. Dr. O. Weise, bekannt durch sein außerordentlich günstig aufgenommenes Büchlein über „Unsere Muttersprache, ihr Werden und ihr Wesen", verfolgt durch mehr als vier Jahrtausende die einschlägigen Erscheinungen; wir hören von den Bibliotheken der Babylonier, von den Zeitungen im alten Rom, vor allem aber von der großartigen Entwickelung, die „Schrift- und Buchwesen" in der neuesten Zeit, insbesondere seit Erfindung der Buchdruckerkunst, genommen haben. Das' Büchlein gliedert sich in drei Teile, von denen der erste die Entstehung und Bevollkommnung der Schrift sowie die zum Schreiben erforderlichen Gerätschaften, sodann die Geschichte und die verschiedenen Arten des Druckverfahrens schildert; der zweite die kleineren Schriftstücke (Briefe, Zeitungen, In- und Aufschriften) in ihrer allmählichen Ausbildung vorführt, und der dritte das Buchwesen (Buchhandel, Bibliotheken, Bücherliebhaberei) behandelt. Überall sind die im Laufe der Jahrhunderte gemachten Fortschritte betont, und wenn auch naturgemäß die Errungenschaften unseres Volkes in den Vordergrund gerückt werden, so ist doch durch vergleichende Zusammenstellung mit anderen Nationen
rerchllch dafür gesorgt, daß man einen Überblick über die entsprechenden Zustände bei den wichrigsten Völkern unsere- Erdteils erhält. DaS Technische Durfte nicht ausgeschlossen werden, ist aber dem Kulturgeschjcht- on ariUr$n’f9 untergeordnet worden. Eine Auswahl von mehr also Abbildungen, die zum besseren Verständnis der erörlerien Ansichten menen, erhöht den Wert des Buche«, besten Preis im Vergleich zu dem Gebotenen em außerordentlich niedriger genannt werden kann und das nach Inhalt und Ausstattung aufs beste empfohlen werden darf.
Pottrrdirust in der Synagoge.
Samstag den 4. März 1899.
9 Uhr Haphtarah-Erklärung, nachmittags 8 Uhr, SabbathauSgang 6" Uhr.
Gotte,Lirast der israelitischen Kelizionsgesellschast.
Sabbathfeier am 4. Marz 1899.
Freitag abend 6 Uhr, Samstag vormittag 8» Uhr, nachmittag 380 Uhr, Sabbathausgang 6“ Uhr.
Nachmittag 3 Uhr Schrifterklärung Neustadt 13.
Wochengottesdienst morgens 7 Ubr, abends 6 Ubr.___________
Neueste Meldungen.
Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 2. März. Zu der Meldung der „Post", daß die vom „Vorwärts" veröffentlichten Briefe des Frhr. v. Stumm nach einem in der Redaktion der „Post" verübten Einbruchdiebstahl in den Besitz des „Vorwärts" gelangt seien und daß ein strafrechtliches Verfahren wegen Hehlerei bei der Staatsanwaltschaft gegen den „Vorwärts" beantragt fei, meldet der „Vorwärts", daß gestern nach- mittag in Berlin und Umgegend bei einer großen Anzahl Personen, die Beziehungen zum „Vorwärts" haben, Haussuchungen vorgenommen worden sind. Auf der Redaktion und in den Wohnungen der Redakteure des „Vorwärts" wurde nach den Briefen des Herrn v. Stumm gesucht, dieselben aber nirgends gefunden. Der „Vorwärts" bestreitet im übrigen die Nichtigkeit der Nachricht von einem Ein- bruchdiebstahl bei der Post.
Berlin, 2. März. Die wirtschaftliche Vereinigung des Reichstages hat gestern abend beschlossen, die Interpellation wegen der Früh mär kte und Feenpalast-Versammlungen in Berlin erst nach Ostern einzubringen.
Budapest, 2. März. Koloman Szell, sowie der Finanz- und Handelsminister werden in der nächsten Woche nach Wien reifen, um die Ausgleichs-Verhandlungen wieder aufzunehmen. Die Regierung hält an dem Standpunkte fest, daß das Bank-Privilegium bis 1910 dauern soll.
Rom, 2. März. Dr. Mazzoni erklärte, daß trotz des guten Verlaufs der Operation der Zustand des Papstes andauernd bedenklich fei. Man werde sich erst in zwei Tagen genauer aussprechen können. Der Papst wird durch Bouillon und ein Getränk aus Eiern und Kognak ernährt. Er zeigt ein sehr heiteres Gemüt und erklärte den Aerzten, daß er auf alles gefaßt fei. Große Besorgnisse herrschen bei den Kardinälen, welche bereits von dem künftigen Konklave sprechen. Viel bemerkt wird die Agitation der Anhänger des Kardinals Parroeci. Das öffentliche Interesse ist gänzlich dem Vatikan zugewendet. In den Regierungsund diplomatischen Kreisen sind alle Vorbereitungen für den Eintritt einer Katastrophe getroffen. Gegen Abend hat sich der Zustand des Papstes verschlechtert. Die Aerzte rechnen mit einer Lungenentzündung oder einer Blutvergiftung. Im Vatikan sind bereits 18,000 Telegramme eingelaufen, die sich nach dem Befinden des Papstes erkundigen. Die Zeitung „Fanfulla" will erfahren haben, daß die Abnahme der Kräfte des Papstes stündlich zunehme. Der Papst liegt in Agonie und phantasiert. Er spricht fortwährend lateinisch.
Brüssel, 2. März. Der Zustand der Königin ist nicht so besorgniserregend, wie mehrere Blätter zu melden wissen. Die Königin hütet zwar das Bett, die Aerzte sehen jedoch keine Komplikation voraus.
Paris, 2. März. Gestern nachmittag fand eine zweite Haussuchung in der Liga der Menschenrechte statt. Der Kommissar öffnete im Beisein des Sekretärs der Liga den Geldschrank, den er morgens bei der ersten Haussuchung versiegelt hatte. Man fand indessen nur einige Papiere ohne jeden Wert und eine kleine Geldsumme.
Paris, 2. März. Der Senator Trarieux kündigt eine Interpellation über die gestern stattgefundene Haussuchung bei der Liga der Menschenrechte an.
Paris, 2. März. Heber die neuen Haussuchungen, die gestern bei verschiedenen Mitgliedern der Liga der Antisemiten, der Vaterländischen und der Menschenrechte vorgenommen wurden, wird der Abgeordnete Bernard die Regierung heute in der Kammer interpellieren.
Paris, 2. März. Wie aus bester Quelle verlautet, werden in den nächsten Tagen gerichtliche Verfolgungen gegen die hervorragendsten Mitglieder und Anhänger der Patriotenliga eingeleitet werden. Die Zahl der Schriftstücke , welche am letzten Monat beschlagnahmt wurden, beläuft sich auf rund 500. Die meisten sind jedoch von sehr geringem Wert, andere hingegen geben interessante Einzelheiten über die durchgefallenen Umtriebe.
London, 2. März. Ein Blatt veröffentlicht interessante Einzelheiten über falsche Dokumente, welche der frühere Minister des Auswärtigen in Paris, Hanotaux, angekauft hat und welche über die Pläne der Engländer in Bezug auf den Sudan-Feldzug Aufklärung geben sollten. Diese Dokumente stammten aus derselben Quelle, wie die Dokumente Panizzardis, welche auf die Dreyfus-Angelegenheit Bezug hatten.
Madrid, 2. März. Man erwartet schon heute eine Lösung der Minister-Krisis. Wahrscheinlich wird Sagasta im Amte bleiben und nach der Bildung des neuen Kabinets die Neuwahlen für die Cortes ausschreiben.
Petersburg, 2. März. Die Zarin sieht im Monat Mai einem freudigen Familien-Ereignis entgegen. Bald darauf wird sich das Zarenpaar mit den Kindern auf einige Zeit nach Darmstadt zum Besuch begeben.


