Freitag den 3. Februar
1809
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Amts- unb Anzeigeblatt für den Areis Gietzen
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Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den sehenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.
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Schulstrahe Mr. 7.
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Verminderung der Belastung der kleinen und mittleren politischen Blätter zu erstreben sei.
Berlin, 1. Februar. Die „Köln. Ztg." schreibt: „Die englische Nachricht, daß der Sultan dem Geheimen Regierungsrat Dr. Zender in Konstantinopel, Direktor der Anato lischen Bahnen, die Genehmigung zur Legung und zum Betrieb eines unterseeischen Telegraphenkabels von Konstantinopel nach Constanza, dem rumänischen Hafenplatze am Schwarzen Meere, endgiltig erteilt hat, wird uns bestätigt." Es handelt sich ja hier nur um eine kurze Strecke; es ist aber immerhin eine bedeutungsvolle Errungenschaft. Sonst besitzt Deutschland nur noch zwei überseeische Kabel, nämlich Emden-Valencia (Irland) und Emden-Vigo (Nordwestküste Spaniens). Uebrigens wird jetzt beabsichtigt, eine große Kabel-Gesellschaft zu errichten, die zunächst ein Kabel von Deutschland nach den Vereinigten Staaten legen soll. Die Herstellung des Kabels, über die schon vor längerer Zeit verschiedene Abmachungen mit den amerikanischen Kabel-Gesellschaften getroffen sind, soll in England erfolgen, und das Kabel selbst soll über die Azoren gelegt werden. Die Verständigung mit den amerikanischen Gesellschaften sichert dem neuen Kabel die Benutzung für amerikanische Depeschen nach Deutschland, und andererseits soll auch mit der deutschen Reichspost ein Uebereinkommen getroffen sein, durch das dem neuen Unternehmen die Benutzung für eine bestimmte Zahl von Worten zugesichert sein' soll.
— Der Herzog von Altenburg hat sich dieser Tage einer Staar-Operation auf dem linken Auge unterzogen. Wahrscheinlich stammen daher die falschen Berichte über sein Befinden. Die Operation verlief glücklich.
— Die Prinzessin Heinrich wird ihre Rückreise von Schanghai aus nach Deutschland im April antreten. Der beabsichtigte Besuch Japans ist von dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich aufgegeben worden, da nach einer Meldung des „Ostas. Lloyd" die japanische Regierung auf eine vorläufige Anfrage hat durchblicken lassen, daß sie nicht imstande sei, für die persönliche Sicherheit des Prinzen zu bürgen.
— Der Hafen in Haidar Pascha. Die seit längerer Zeit schwebenden Verhandlungen der Anatolischeu Eisenbahngesellschaft mit der türkischen Regierung zur Erlangung der Konzession für die Anlegung eines großen Handelshafens in Haidar Pascha sind endlich so weit zum Abschluß gebracht, daß das Jrade des Sultans nun zu erwarten ist. Der von der deutschen Gesellschaft erzielte Erfolg ist zugleich ein Erfolg der deutschen auswärtige« Politik und damit zugleich der Orientreise des Kaisers, die das Ansehen und den Einfluß Deutschlands im Orient gehoben und sie in den Dienst der wirtschaftlichen Jntereffen des Vaterlandes gestellt hat.
Krefeld, 1. Januar. Der Krefelder Weberstrike scheint seinem Ende entgegenzugehen, und sein Ausgang wird wiederum einen Mißerfolg der Arbeiter bedeuten. In erster Linie ist es der Geldmangel, der den Strikenden verbietet, auf ihren Forderungen zu beharren. Natürlich hat man sich allenthalben im sozialdemokratischen Heerlager mit ihnen solidarisch erklärt, aber dabei ist es auch geblieben, über die Freundschaftsversicherungen ist man im allgemeinen nicht hinausgegangen, und die Summen, die zur Unterstützung der Ausständigen eingelaufen sind, genügen nicht, um die notwendigsten Bedürfnisse zu befriedigen. So lassen, sich denn immer mehr Stimmen vernehmen, die zur Wiederaufnahme der Arbeit unter jeder Bedingung raten. Der Zentralvorstand des christlichen Textilarbeiterverbandes rät ebenfalls zur Versöhnung, zumal der Ausstand „nach den augenblicklichen Verhältnissen nicht nur in der Konjunktur, sondern auch nach den Verbandsmitteln als höchst unklug zu bezeichnen ist".
8 5 Uhr, freit,. '
Adresse für Depeschen: Anzeiger Htetze«.
Fernsprecher Nr. 51.
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Nr. 29 Erstes Blatt
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Recht der Thronbesteigung au das vollendete 18. Lebensahr geknüpft. Da könne doch auch das Wahlrecht mit 18 Jahren beginnen, falls man nicht etwa meine, daß zum Besteigen eines Thrones weniger Einsicht und Erfahrung gehöre, als zum Wählen.
Die Abgg. Werner (Antis.), v. Scheele-Wunstorf und Ernst (frs. Vg.) treten für den Antrag ein. Letzterer bespricht eine Reihe von Wahlbeeinfluffungen zu Gunsten konservativer Kandidaten.
Abg. Graf Limburg-Stirum (kons.) widerspricht dem Antrag. Der vorgeschlagene Wahlmodus sei unpraktisch und mit dem Charakter der Lächerlichkeit behaftet.
Abg. Dasbach (Centr.) beleuchtet namentlich die Wahlbeeinflussungen in Saarbrücken, im Bereich der v. Stumm- schen Verwaltungen. Wenn der Bundesrat heute nicht hier erscheine, obwohl doch ein jeder anständige Mensch auf eine Anfrage zu antworten pflege, so liege das offenbar daran, daß die Gründe, die etwa der Bundesrat hier gegen den Antrag Rickert vorlegen könne, so fadenscheinig seien, daß er sich schäme, sie hier vorzubringen. (Beifall, Unruhe rechts.)
Präsident GrafBallestrem ruft den Abg. Dasbach wegen dieser Ausdrücke zur Ordnung.
An de't weiteren Debatte beteiligen sich noch die Abgg. Liebermann v. Sonnenberg (Antis.), Freiherr v. Stumm (Rp.) und Dasbach (Centr.)
Der Antrag Rickert wird gleich in zweiter Lesung angenommen gegen die beiden konservativen Parteien.
Nächste Sitzung: Freitag 1 Uhr. Tagesordnung: Postetat.
Schluß gegen 7 Uhr.
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Hamburg.
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Ausland.
Wien, 1. Februar. Die heute erfolgte Vertagung des Reichsrats hat unter den Abgeordneten aller Partei-Schattierungen große Aufregung hervorgerufen. Die Linke will eine gemeinsame Protestkundgebung der deutschen Oppositionsparteien an die Wählerschaft richten. Die deutschen Oppositionsblätter kündigen an, daß die Deutschen, ohne die zu regieren in Oesterreich unmöglich sei, nunmehr alle Wege, die gegen sie führen, rücksichtslos verschließen werden.
Wien, 1. Februar. Das österreichische Abgeordnetenhaus hat am Dienstag nach einer lebhaften, die allgemeine Lage berührenden Erörterung eme Abend-
Meßmer Anzeiger
Heneral-Anzeiger
Erscheint täglich eit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener AsmitieuVtätler «verüen dem Anzeiger v-chmtlich viermal beigelegt.
Deutsches Deich.
Berlin, 1. Februar. Der Großherzog von Baden empfing nach einer Meldung der „Post" am 30. Januar den Staatssekretär, Staatsministcr Grafen Posadowsky in längerer Audienz.
Berlin, 1. Februar. Der Entwurf einer Fernsprech- gebühren-Ordnung ist der „Nordd. Allgem. Ztg." zufolge dem Bundesrate heute zugegangen.
Berlin, 1. Februar. Die „Post" dementiert die Nachricht des „Berliner Tageblatts", daß man auch an den maßgebenden Stellen einer Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland näher trete.
Berlin, 1. Februar. Die Budget-Kommission des Reichstages setzte heute die Beratung des Militär- Etats bei den Einnahmen fort und genehmigte dieselben ohne Erörterungen. Es folgten die fortdauernden Ausgaben. Auf Anfrage des Abgeordneten Müller-Sagan erklärte der Kriegsminister, die Meldung, daß Detmold die Garnison verlieren solle, für falsch. Abgeordneter Basser- mann richtete an den Kriegsminister eine Anfrage wegen der Spieler-Affaire in Hannover. Es müffe doch der Militär- Verwaltung möglich fein, die Ausbeutung der jungen Offiziere durch Wucherer zu verhindern. Der Kriegsminister sprach sein Bedauern über derartige Vorkommnisse aus und versicherte, daß der Kaiser rücksichtslos durchgreife, um diese Schäden auszurotten. Es müsse dies auch gelingen. Die an die Offiziere herantretenden Geldanerbietungen seien oft geradezu schamlos. Es werde erwogen, ob es sich nicht empfehle, den Offizieren die Anzeige derartiger Anerbietungen zur Pflicht zu machen. Jedenfalls werde es müt- tärischerseits nicht an dem nötigen Ernste fehlen. Einzelne Kapitel wurden bewilligt. Am Dienstag soll die Debatte fortgesetzt werden. , _ t
Berlin, 1. Februar. Die Meldung, daß der Präsident der Seehandlung, v. Burchard, demnächst in den Ruhestand trete, scheint auf Thatsache zu beruhen. Die Vermutung, daß die Rücktrittsabsichten mit der Art, tote die neue Reichs- und preußische Anleihe begeben wurde, in Zusammenhang stehen, wird der „National-Zeitung" als unzutreffend bezeichnet. ..
Berlin, 1. Januar. Zum Postzettungstartf. Gestern tagte hier der Vorstand des Vereins deutscher ^eitungsverleger und beschäftigte sich in eingehender Beratung mit dem neuen Postzeituugstartf. Es wurde beschlossen, sofort nach offizieller Bekanntgabe des Postzeitungs- tarifs eine General-Verfammluug abzuhalten. Der Vorstand war in seiner überwiegenden Mehrheit der Ansicht, daß an der Grundlage des Vereinsvorschlages, dem der bekannt gewordene Inhalt der Vorlage in der Hauptsache entspricht, unbedingt festzuhallen sei, daß aber unter Umständen durch Aenderungen der Höhe der einzelnen Sätze nach Beseitigung der in der Vorlage vorgesehenen festen Jnkaffogebühr eine
Deutscher Reichstag.
23. Sitzung vom 1. Februar. 1 Uhr.
Auf der Tagesordnung stehen nur Initiativanträge, zunächst in dritter Lesung die Anträge (Gesetzentwürfe) Hompesch (Centr.) betr. Aufhebung des Jesuitengesetzes, sowie Rickert (frs. Vg.) und Lim bürg- Stirum (kons.) betr. Aufhebung nur des § 2 des Jesuiten- zesetzes.
Abg. Schädler (Centr.) befürwortet den Zentrums- sntrag.
Abg. Rickert (frs. Vg.) kommt auf eine Aeußerung -es Abg. Lieber, die Schweiz betreffend, zurück und bemerkt dabei, Deutschland sei mit der Schweiz durch Gefühle der Freundschaft so verbunden, daß er glaube, dies hier zur Sprache bringen zu müssen. Herr Lieber habe sicher nicht im entferntesten daran gedacht, die Schweiz beleidigen zu nollrn.
Abg. Lieber (Zentr.) entgegnet, daß es ihm in der Thal ferngelegen habe, das schweizerische Volk zu beleidigen. <$u habe blos beabsichtigt, einen etwaigen Hinweis auf die Schweiz als Vorbild für das Asylrecht in einem Augen- fclitte, wo alles noch unter dem Eindruck eines furchtbaren, in der Schweiz begangenen Verbrechens gestanden, zurückzu- »efe u.
Abg. Graf Limburg-Stirum (kons.) wendet sich gegen den Abg. Rickert, wobei er bemerkt, daß die heutigen Aeußcrungen des Herrn Rickert wieder ganz mit dem Eindruck übereinstimmten, der von seiner ganzen politischen Auffassung existiere. Das hielten die Herren links für national!
--Abg. Bebel (Soz.) meint, die Aeußerung des Abg. Lieber, die derselbe kürzlich über die Schweiz gemacht, daß sch dort Frauen- und Königsmörder frei herumtrieben, habe mhl Erregung in der Schweiz Hervorrufen müssen, denn das Attentat auf die Kaiserin von Oesterreich sei das erste politische Attentat in der Schweiz gewesen. Daß das Asylrecht der Schweiz dem Grafen Limburg ein Dorn im Auge sii, sei ja klar. Er möge aber daran denken, daß das Asylrecht der Schweiz auch dem Herzog von Braunschweig, dem Grafen Arnim, ferner den Sprößlingen der Bourbonen md Orleanisten zugute gekommen sei.
Abg. Rickert (frs. Vg.) bedauert, wie Graf Limburg- Slirum auch diese Gelegenheit wieder benutzt, seinen überreisten Nationalismus kundzugeben und der linken Seite dek Hauses Mangel an nationaler Gesinnung vorzuwerfen. Gr finde keinen parlamentarischen Ausdruck, um diese Ver- drchtigungen nach Gebühr zurückzuweisen.
Abg. Lieber (Centr.) dankt dem Abg. Rickert für Krisen Anregung. Er, Redner, habe nur notorische That- Ichen festgestellt, und er bemerke nochmals, daß er das sstimizerische Volk nicht habe beleidigen wollen.
Abg. Sattler (nl.) führt aus, er habe die Worte Äd Abg. Lieber überhaupt nicht so schwer genommen und fit seiner Erregung zu gut gehalten.
Abg. Bebel (Soz.) meint, der Abg. Lieber könne dch schon aus dem Eintreten der sozialdemokratischen Hartei für vorliegenden Antrag entnehmen, wie diese Partei Ütiifc und wie sie nur von dem Gefühl der Gerechtigkeit geleitet werde.
Abg. Lieber (Centr) dankt dem Abg. Sattler für W Eintreten für seine Redefreiheit. Das Centrum werde P» dieselbe auch nicht nehmen lassen. (Beifall).
Die Gesetzentwürfe Lieber einerseits und Dickert-Limburg andererseits werden hierauf ange- Ji'mmen.
Debattelos wird sodann in 3. Lesung der Gesetzentwurf Hachem — Münch-Ferber betr. Verzollung von Hcngee-Seidengeweben angenommen.
Es folgt die 1. Lesung des Rickert'schen Ge- s'h entwurfes zum Schutze des Wahlgeheim- riises. (Einführung von Jsolierräumen und Abgabe der Stimmzettel in Kouverts).
Abg. Rickert (frs. Vg.) empfiehlt den Entwurf, Abg. v. Stumm (Rp.) bekämpft denselben.
Abg. Schädler (Centr.) tritt namens seiner Partei lebhaft für den Gesetzentwurf ein, weil derselbe für die loyale Durchführung der Wahlfreiheit sorge.
Die Abgg. Bassermann (nl.) und Kopsch (frs. Bp.) laichen gleichfalls die Annahme des Antrages.
Abg. Auer (Soz.) ist gleichfalls mit dem Antrag ein* ^tauben. Redner wünscht aber, daß der Zeitpunkt, mit atm das Wahlrecht beginne, herabgesetzt werde auf den vu ft, wo die Wehrpflicht beginne. Werde doch auch das


