Ausgabe 
2.12.1899 Zweites Blatt
 
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18D9

Samstag dm 2. December

gesetznovelle.

Schluß 6«/. Uhr.

Alle 8njeigeu»Derw'k».lungsfiellen de- In« wnb AuSlandeA nehmen Anzeigen f6c den Gießener Anzeiger entgehe«.

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Adrrfie für Depeschen: Anzeiger Hieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt Blätter für hessische Volkskunde.

einer Persönlichkeit, welche infolge ihrer Stellung m der Angelegenheit angeblich auf das allerbeste unterrichtet ist, folgendes mitgeteilt:Die Regierung denkt zurzeit qarnicht daran, wegen der Kanalvorlage das Haus der Abgeordneten aufzulösen. Denn die Regierung ist der festen Ueberzeugung, daß die Kanalvorlage in der Form, in der sie neuerdings dem Abgeordnetenhause vorgelegt werden soll, von dem Hause gern angenommen wird. Der neue Entwurf ist noch nicht ganz vollendet, sodaß Einzel­heiten über denselben noch nicht mitgeteilt werden können. Soviel aber darf man bereits heute sagen, daß die neue Kanalvorlage den Osten und die landwirtschaftlichen In­teressen Schlesiens derart berücksichtigt, daß auch diejenigen Kreise des Abgeordnetenhauses, welche die erste Kanal­vorlage zu Fall gebracht hatten, der neuen Vorlage ihre Zustimmung nicht versagen werden."

Auf die Glückwünsche, welche die deutsche Kolonialgeselschaft aus Anlaß der Erwerbung der Samoa-Inseln an den Kaiser gerichtet hat, hat der­selbe an den Präsidenten der Gesellschaft, Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, ein Hanoschreiben gerichtet, in welchem es heißt: .

Mt Gottes Hilfe werden unsere Kolonicen, getragen von verständnisvoller und opferbereiter Fürsorge de« deutschen Volkes und gestützt auf eine kräftige Flotte, im friedlichen Wettbewerb mit anderen Völkern einer gedeih­lichen Fortentwickelung entgegengehen und sich dem deutschen Vaterlande segensreich erweisen."

Wie aus Amsterdam berichtet wird, schildern dort aus Vlissingen eingetroffene Personen die Begegnung zwischen dem deutschen Kaiserpaare und den beiden Königinnen der Niederlande als überaus herzlich.

Der von seinem hiesigen Posten ab berufe ne I schwedisch-norwegische Gesandte v. Lagerheim

wird in den nächsten Tagen vom Kaiser in Abschieds- audienz empfangen werden. Dem Könige von Sachsen

I und dem Großherzog von Baden hat derselbe bereits sein Abberufungsschreiben überreicht. Am 9. Dezember begiebt sich der Gesandte zu gleichem Zwecke nach München und

I Stuttgart. ______________________________

ZzezugsprciL vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pf«, mit Bringecloha.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

Bekanntmachung.

Betr.: Maul- und Klauenseuche in Röthges.

Die Maul- und Klauenseuche in Röthges ist erloschen und die Aufhebung der Sperrmaßregeln verfügt worden.

Gießen, den 29. November 1899.

Großh. Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Erscheint täglich mit Ausnahme de- MontagS.

Die Gießener

Ia»M-«vrttter werde« dem Anzeiger »dchenttich viermal beigelegt.

Amtlicher Geil.

Bekanntmachung.

Betr.: Maul- und Klauenseuche zu Langd.

In Lanqd ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Sperre des verseuchten Gehöfts, der Schafherde und der Gemarkung verfügt worden. Die Gemarkungssperre hat die seither mehrfach bekannt gegebenen Wirkungen.

Gießen, den 28. November 1899.

Großh. Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

M. 284 Erstes Blatt

Deulsches Keich.

Berlin, 30. November. Der Kaiser hörte gestern auf der Reise hierher die Vorträge des Chefs des Militar- kabinetts v. Senden-Bibran und des Staatssekretärs Graf Bülow. Heute morgen um 8 Uhr ist das Kaiserpaar mit den Prinzen im Neuen Palais wieder emgetroffen. Um 10 Uhr empfing der Kaiser den Chef des Militärkabmets v. Hahnke zum Vortrag. ,

- Der Kaiser empfing heute nachmittag um 1 Uhr den Chef des Zivilkabinetts v. Lucanus.

Den Abendblättern zufolge behauptet der Londoner Korrespondent desNew York Journals", einen Gruß des deutschenKaisers an das amerikanische Volk erkalten zu haben, und zwar in einem eigens für das ge­nannte Blatt geschriebenen Briefe des

Grafen Bülow. Dagegen konstatiert die deutsche Botschaft in derMorning Post", daß Kaiser Wilhelm privatim seine Freude über seinen Besuch m England und auch seine Willsährigkeit gegen Amerika ausdrückte, daß aber: eme Botschaft für ein New-Yorker Journal an dessen Korre­spondenten, als vom Kaiser kommend, Nicht ausgehändigt

* Born Kriegsschauplatz.

Wenn das Prestige der glorions nation in Südafrika und auch sonst in der Welt (England trägt ja dieSeg­nungen seiner Kultur" und den Ruhm seines Namens über beide Hemisphären) durch nichts anderes aufrecht erhalten werden kann, als durch

Lügeuberichte,

dann muß es schlecht um diese vornehmlichste Existenzbe­dingung des britischen ReichSkolosses stehen- rotc£* gestern schon auf den schreienden Widerspruch deS ersten amtlichen Telegramms über die

Schlacht am Modderflusse

mit der ausführlichen Meldung des kommandierenden Ge­nerals Lord Methuen hin. Jenes bedeutet nicht weniger

Im Reichstage fällt am Freitag nächster Woche wegen des katholischen Feiertages die Plenar­sitzung aus. Auch der Samstag soll sodann frei bleiben und am Montag dem 11. Dezember die erste Beratung des Etats beginnen. Alsdann tritt das Haus «l dieWeih- nachtsferien, welche sich bis zum 9. Januar 1900 erstrecken sollen^ foer 14er-Kommission des Reichstages wurde heute die Beratung des Telegraphenwege- aesetzes fortgesetzt. Die gestern gewählte Subkommission bat für den entscheidenden § 6 eine andere Fassung be­schlossen, welche angenommen wurde, nachdem Staats- kkretär v. Podbielski erklärt hatte, er werde die Vorschläge der Kommission den verbündeten Regierungen zur Annahme empfehlen. Der Rest der Vorlage wurde mit unwesentlichen Änderungen erledigt. Am Freitag soll der Entwurf in zweiter Lesung beraten werden. , , . , .

Gegenüber der Behauptung, daß es schon heute bei der Regierung beschlosiene Sache sei, das Abgeordneten- baus aufzulösen, falls die Kanalvorlage dort eine neuerliche Ablehnung erfahren sollte, wird demB:rl. Tagebl." aus einer längeren Unterredung mit

Aba. Frhr. v. S tum m (Rp.) bestreitet, daß die Gewerbetrei- I benden obligatorischen Ladenschluß wollten; sie wünschten vtelmehr nur Ladenschluß auf Antrag der Beteiligten. . r,rr, I

Aba Blell (frs. Vp.) hält einen einheitlichen Ladenschluß für I alle Orte in ganz Deutschland für undurchführbar, es wurden da doch I anck die Interessen der Konsumenten in Betracht zu ziehen sein.

Aba £) i 6 e (Centr) empfiehlt die Kommissionsbeschlüfse mit dem I Anträge von Salisch und giebt der Hoffnung Ausdruck, daß man auch | einmal dahin kommen möge, wie der Antrag Albrecht es verlange, die

e3 (frfi Vg.) meint, die Gewerb^reibenden selber, namentlich die kleinen, wollten keineswegs den gesetzlichen Ladenschluß sondern nur den fakultativen gemäß dem Beschlüsse der Maioritat Auf diesem Gebiete müsse man vorsichtig vorgehen, und

Vorschriften sollte man nur da treffen, wo einheitliche Verhaltmffe Vorlagen. (wildkons) stimmt im Großen und Ganzen den j

Kommissionsbeschlüssen zu. Unter dem arbeiten bis m bie labe das Familienleben, Leib und Seele würden geschädigt. Das Emkausen spät abends sei nur eine Bummelei. Auch die Frauen kauften vielfach Crft R^e"s N e"(wildlib.) empfiehlt die Kommisfionsbeschlüsse mit einer von i h m b e a n t r a g t e n E r g ä n z u n g , wonach der Verkauf von Waren nach Eintritt des Ladenschlufies auchin anderen Stätten n[<S)i Staatssekretär^Graf Posadowsky führt aus, sozialpolitisch

I märe der acht Uhr-Ladenschluß das Richtige. Wenn die Regierung | trotzdem die Sache den Beteiligten anheimgegeben habe, so sir dies wegen der Erbitterung geschehen, welche wegen eines derartigen Zwanges unter den Beteiligten Platz gegriffen habe. Die ^age sei so wichtig, der Schritt ein so wichtiger, daß er, Redner, heute noch nicht m der Gaae s°i xu saaen, wie sich die verbündeten Regierung zu den Be­schlüssen' der Kommission stellen würden. Für taktisch nchtiger halte er aber die Regierungsvorlage. Jedenfalls aber bitte er, dte an- Be. stimmung über den Ladenschluß zu Mittag zu streichen. Schließlich stimmt der Staatssekretär noch dem Anträge Roesicke zu.

I Nach weiterer längerer Debatte beginnen die Abstimmungen. Die- I selben ergeben Streichung des Ladenschlüsse szurMit- t a a s r e i t, ferner Annahme des A n t r a g e s v. S a li s ch zum Absatz 1 (also Anordnung des Ladenschlusses für bestimm eZeiträume oder für ein ganzes Jahr) fowie Annahme des Antrages

I Roesicke. Mit diesen Aenderungen werden die Kommissions- beschlüsse angenommen, einschließlich § 139 ee, also des obli-

| gatorischen Ladenschluffes von 9 bis 5 Uhr.

I Nächste Sitzung morgen 1 Uhr.

Tagesordnung: Fortsetzung der heutigen Beratung, dann Münz-

Ausland.

Wien, 30. November. DemFremdenblatt" zufolge qelanq es Graf Clary, eine Verständigungskonfe­renz zusammenzubringen, deren Zusammentritt unter dem Vorsitze hervorragender polnischer Abgeordneten unmittelbar bevorsteht. , c

Wien, 30. November. Die Verstandigungskon- ferenz wird, wie die Blätter melden, bereits heute abend unter dem Vorsitze Jaworskis die erste Besprechung ab­halten. Man befürchtet jedoch eine Scheitern der Konferenz, weil die tschechischen Abgeordneten erklären, die Obstruktion nicht aufgeben zu können, solange Graf Clary und der Justizminister Kindinger im Amte sind.

Antwerpen, 30. November. Aus dem Kongostaate kommt die Meldung von einem neuen Kampfe zwischen den Kongo-Truppen und den Monzolis. In dem Gebiete Jkelembagehn haben 70 Mann Kongo-Truppen zwei Dörfer zerstört und 200 Neger sowie 100 Frauen getötet. Die Verluste der Kongo-Truppen sollen gering sein.

Lissabon, 30. November. Den englischen Kriegs­schiffen in der Delagoabai wurde gestattet, Trup­pen zu landen, falls dies notwendig sei, um gemeinsam mit den Portugiesen zu operieren.

Konstantinopel, 30. November. Infolge englischer In­tervention befahl der Sultan, die kürzlich verbannten drei hohen Persönlichkeiten zurückzubringen. Die Haussuch­ungen dauern fort.

Deutscher Reichstag.

113. Sitzung vom 30. November. 1 Uhr.

Das Haus ist sehr schwach besetzt. I

Rach Annahme eines s ch l e u n i g e n A n tra g e s auf Einstellung eines gegen den Abg. Thiele schwebenden P r i v a t k l a g e v e r - I

fahrens wird die Beratung der G e w e r b e n o v e l l efort-

aeledt bei 8 1 3 9 6, welcher von der L a d e n s ch l u ß f r a g e handelt. I

Nach der Regierungsvorlage sollte auf Antrag von

mindestens 2/s der Beteiligten die höhere Verwaltungsbehörde nach An- I h-rung der Gemeindebehörden allgemein oder für einzelne Geschäfts- I xmeiae den Ladenschluß 8 Uhr abends anordnen dürfen. I

3 § Die Kommission hat diese Befugnis auch ausgedehnt auf I Stundenum die Mitte des Tages" F-rner hat sie einen Absatz 2 beschlossen wonach die Verwaltungsbehörde die beteiligten Geschafft- I Ah ab er schon zu einer Abstimmung über den Ladenschluß ^veranlassen hat sobald Vs der Beteiligten einen dahingehenden Antrag stellt. End. I n* ünt hi, Kommission einen neuen 8 139ee beschlossen, I ^r d°n °b,7g°t°r.sch°n L-d°nsch,»ß «usspricht für bi.

biefeü S 139ee,

^"°"EW^A n t r a g^B l e N ttr^Vp'^vettangt' Wiederbesiitigung des

1'T

Ein Antrag Albrecht (Soz.) miUkbenJ,bl,9ator^e"^en- schluß aussprechen von 8 bis 5 Uhr. Nur an den Tagen vor den Sonn, und Festtagen sollen die Läden bis 9 Uhr geöffnet sein dürfen. !

Abg. v. Tiedemann (Rp.) empfiehlt dringend den Antrag

* Mm Münch-Ferber (nL) Betont, in Bezug auf die Arbeitszeit her Angestellten in offenen Verkaufsgeschästen lägen ganz unhaltbare ruttände vor: 14, 15 ja 16 Stunden Arbeitszeit, auch für die Lehr­ziel Dem müffe abgeholfen werden. Die Ursache des letzigen späten Ladenschluffes sei nur die unerbittliche zähe Konkurrenz, welche sichdie Geschäftsinhaber selber bereiteten. Das überlange Offenhalten dtt Läden vergrabe die Gesundheit der Angestellten und der Prinzipale. Er bitte, !!e Anträge abzulehnen und die Kommisfionsbeschlüsse anzunehmen. (eraabg 6 a6? e^d^Tenk0)'bittet zunächst, dem einen Stummschen Antraae enttvrechend, die Worteum die Mitte des Tages" zu: streichen Auch^gegen den obligatorischen Ladenschluß des 8 ba6e er enb fäieben Bedenken. Sehr viele Ladeninhaber würden dadurch schwer brtimbteiliat Aber am allerwenigsten dürfe der Ladenschluß schon um 8^ Xtaen müffffl wie der sozialdemokratische Antrag dies wolle.

Aba^Bebel^^ So7) empfiehlt den Anttag Albrecht, den man unbedenklich annehmen könne. Zu einer großen Belästigung des kaufen­den Publikums würden diese Bestimmungen wohl kaum führeu_ fi wtrben vielmehr erziehlich wirken, wie man das bei der Sonntagsruhe beobachten könne. Auch den Frauen werde es wohl möglich sein, sich mtt der neuen Ordnung ab,»finden.

Gießener Anzeiger

Annahme von An,eigen ,u dec nachmittags für den OX(Y I w

folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« »orm. 10 Uhr. V ♦l'V V VW V #

Zlmts- ttttb Auzeigeblatt für beit ttrci- Giefien

BekanutmachuuL.

Betr.: Maul- und Klauenseuche zu Lang GönS.

In Lang-GönS ist die Maul- und Klauenseuche bis auf ein Gehöfte erloschen und deshalb die Gemarkungs­sperre aufgehoben worden.

Gießen, den 30. November 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Betr.: Maul- und Klauenseuche zu Annerod.

In Annerod ist die Maul- und Klauenseuche bis auf zwei Gehöfte erloschen und die Gemarkungssperre auf­gehoben worden.

Gießen, den 30.. November 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.